Einzelbild herunterladen
 

SchlüchterlmZeitung

mit amtlichem Areisblatt

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 0 Pfg.

J» 21

Mittwoch, den 11. März 1908

59. Jahrgang

Amtliches.

J.-Nr. 728. K.-A. Dem Kreis stehen für 1908 einige Freistellen in der Kinderheilanstalt Orb zur Ver­fügung.

Anträge aus Gewährung einer Freistelle sind bis spätestens 25 März cr. Hierher einzureichen.

Schlüchtern, den 27. Februar 1908.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

J.-Nr. 1054 K. A. Den Herren Standesbeamten der Landgemeinden des Kreises teile ich hierdurch mit, daß die Gemeinden Altengronau, Ahl, Ahlersbach, Bellings, Breunings, Elm, Gundhelm, Herolz, Heubach, Hintersteinau, Hütten, Hohenzell, Jossa, Kerbersdorf, Klosterhöfe, Kressenbach, Marborn, Marjoß, Mottgers, Neuengronau, Neustall, Niederzell, Oberkalbach, Oberzell, Reinhards, Romsthal, Sannerz, Sarrod, Schwarzenfels, Seidenroth, Uerzell, Vollmerz, Wahlert, Wallroth, Weichersbach, Weiperz und^Züntersbach meiner durch Kreisblattverfügung vom 8. Oktober 1907 gegebenen Anregung folgend, beschlossen haben, auf alle Gebühren welche für Registerauszüge rc. bei Standesämtern ein­gehen, zu verzichten und diese Gebühren als Remune- rations-Erhöhung den Herren Standesbeamten zuzu- weisen bezw. zu belassen. *

Während die Gemeinde Sterbfritz dem Vorbild der anderen Gemeinden zwar nicht gefolgt ist, dafür aber die Remuneration für den Standesbeamten um 20 Mk. erhöht hat, haben nur die Gemeinden Eckardroth, Breitenbach, Ulmbach, Uttrichshausen die Verzichtleistung auf fragl. Gebühren auch nach wiederholter Anregung abgelehnt.

Schlüchtern, den 28. Februar 1908.

Der Borsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.

Bekanntmachung.

1. Die Aushändigung der Kriegsbeorderungen und Paßnotizen erfolgt in diesem Jahre mit Quiltungs- abschnitten in der Zeit vom 10. bis 17. März.

2. Die Kriegsbeorderungen?und Paßnotizen werden in dieser Zeit den Mannschaften durch die Bürger­meisterämter zugestettt werden.

' 3. Die bis jetzt noch nicht zur dienstlichen Kenntnis gebrachten Wohnungsveränderungen sind sofort zu melden.

4. Die Mannschaften der Reserve, Landwehr I und _ II. Aufgebots sowie die Ersatz-Reservisten, haben an den Tagen vom 10. März ab falls sie nicht zu

Odl- Kerzen.

Roman Von Erwin Friedbach.

18

Jetzt wurden vom Parke her Stimmen laut, Toni und Baron von Brüll kamen, hinter ihnen Dora, die ar.gft- gefoltert um der Schwester willen die Düne erstieg, um bessere Ausschau halten zn können.

Ist Roland noch nicht da?" fragte Wilma. s

Sonst würden wir doch nicht im Gewitter hierher gelaufen sein," bemerkte Toni, die am Arme ihres Ver- lobten hing, schroff.Luitpold! O Gott, ich fürchte mich." Dieser Ausruf galt einem grellen Blitz, der grell aufleuch- tend weithin das Meer und die dunkelnde Landschaft erhellte.

Aber süße MänS, der Blitz tut Dir ja nichts, hä," tröstete Herr von Brüll die schutzbedürftige Braut, indem er seine wohlgepflegte Rechte schützend über die ihre auf seinem Arme legte.

Ach, wonurunserJungeseinmag," stieß Wilma, To- m» Grobheit kaum beachtend, mehr zn sich selbst unwill- kürlich hervor.

Danach hätten wir doch wohl zuerst daS Recht zu fragen, Fräulein Wilma! Sie hatten den ganzen Nachmit­tag nichts zu tun, mithin wohl Zeit, sich gelegentlich um Jiolanb zu kümmern."

Das ist ein grundloser Vorwurf; unmöglich kann ich oen vierzehnjährigen Knaben auf Schritt und Tritt be- Bletkn," rief Wilma erregt.

, Erlangt auch niemand; beanspruchen dürfen wir icooc^oatzSledieJhnenanvertrantenKinder überwachen."

Verzeihung, Fräulein Toni, eS bedarf entschieden kei­ner Ermahnung Ihrerseits, die Erfüllung meiner Pflich- e ' Sie wollen mich aus dem Hause haben, bedarf " ohne daß er fernerer Beleidigungen dazu Während der Wortwechsel am Ufer stattfand, hatte Ro- dench mit einem Fernglas versehen, sich ebenfalls dem Wtrnnde genähert. Dieser Nachmittag war für ihn unter Wachsender Aufregung vergangen, weil er an- Graf Men-

Hause sein können eine andere Person des Haus- standes mit dem Empfang der Kriegsbeorderung oder Paßnotiz zu beauftragen.

5. Die Beauftragten haben die Quittung auf den Quittungsabschnitten zu leisten.

6. Diejenigen Mannschaften des Beurlaubtenstandes welche bis zum 25. März d. Js. noch nicht im Besitze einer Kriegsbeorderung oder Paßnotiz für das Mobil- machungsjahr 1908/09 (roten) sind, haben hiervon ihrem Bezirksfeldwebel mündlich oder schriftlich sofort Meldung zu erstatten.

In letzterem Falle sind die Militärpapiere mitein- zusenden.

7. Die vom 1. April d. Js. ab nicht mehr gültigen (gelben) Kriegsbeorderungen und gelb umränderten Paßnotizen sind an diesem Tage durch die Mannschaften selbst zu vernichten, die neuen (roten) einzukleben.

8. Tie Bürgermeisterämter wollen dafür Sorge tragen, daß sämtliche Quittungsabschnitte wieder an das Meldeamt zurückgelangen.

9. Eine Quittung in den Liften findet weder durch den Empfänger noch durch den aushändigenden Beamten statt. Ebenso dürfen Zuschriften und Bemerkungen auf den Listen nicht gemacht werden, da sonst die Listen für das Melde-Amt unbrauchbar werden. Zuschriften 2C. müssen stets auf besonderem Bogen gemacht werden.

Königliches Melde-Amt Gelnhausen.

Politischer Wochenbericht.

Die abgelaufene Woche ist auf dem Gebiete unserer innern Politik eine bedeutsame gewesen, da sie die vielumstrittene Ostmarkenvorlage, nachdem diese vom Abgeordnetenhause endgültig in der vom Herren- Hause genehmigten Fassung angenommen worden ist, glücklich in den Hafen gebracht hat. Dadurch ist der Regierung ein unabweislich notwendiges wirksames Mittel zur Wahrung und Kräftigung des Deutschtums in unserer Ostmark in die Hand gegeben. Nun liegt die Bahn frei, und es gilt jetzt, kraftvoll und doch maßvoll vorzugehen: fortiter in re, suaviter in modo. Von den Polen wird es abhängen, ob das letztere möglich sein wird. Fürst Bülow aber hat sich durch die Umsicht und Zähigkeit, mit der er diese zur Staats­erhaltung unentbehrliche Maßregel durchgesetzt hat, ein unauslöschliches Verdienst und den Dank aller erworben, denen das Wohl des Vaterlandes am Herzen liegt.

Mit Handwerksfragen hatte sich der Reichstag zu beschäftigen, als^die Novelle zur Gewerbeordnung be-

ders Verhalten schließen zu dürfen glaubte, daß Dora ihn trotz seiner Warnungen zu kühnerem Vorgehen ermutigte. Gequält von brennender Eifersucht, hatte er stumm den beiden zugesehen und die Zähne zusammengepreßt, um die kaum noch zn beherrschende Pein zu verbergen.

Oben auf der Düne gewahrte er Dora und stieg zu ihr hinauf. Ein Blick nach dem Platze, wo daS zum Schlosse gehörige Boot angekettet zn liegen pflegte, bewies ihm, daß Roland jedenfalls, obgleich er es ihm streng verbo­ten, auf eigene Faust hinausgefahren war, wobei eine Ka­tastrophe ihn ereilt haben mußte.

In diesen! Augenblick fuhr heulend ein pfeifender Wind­stoß vom Meere durch die dunkle Luft herüber, der heftig an Doras Kleidern zerrte und ihr Haar, das sie zu einem lose gewundenen Knoten im Nacken trug, löste.

Herr von Ast, denken Sie, daß dem Knaben ein Un­glück zugestoßen ist?"

Leider ja, Fräulein Dora."

Sie meinen .. auf dem Wasser?"

Allerdings; das fehlende Boot bestätigt meine Ver­mutung." ,

Sie sah wieder auf das Meer hinaus, dessen sprü- hende Wellen jetzt unter den fahldämmernden Wolken in metallenen! Glänze leuchteten, eine langsam aufkochende, schwarzweiße Masse, während Roderich sein Fernrohr rich- tete. Da war eS ihm, als sehe er in einiger Entfernung einen auf dem Wasser treibenden Gegenstand, bald geho­ben, bald niedergleitend, kein Zweifel, eS war das geken- terteBoot.

Bemerken Sie etwas?"

Ein Boot; eS wird daS unsere sein. Ich muß mich davon überzeugen."

Er reichte ihr daS Fernrohr und machte Mreue, sich seines leichten Rockes zu entledigen, um, da er ein geüb­ter Schwimmer war, in den See hinauSzuschwiimnen, alS Dora äußerst bestürzt von dem gefahrvollen Vorhaben, unwillkürlich die Hand auf seinen Arm legte.

Um Gottes willen, wagen Sie bei dem Unwetter

treffend den kleinen Befähigungsnachweis zur Beratung stand, die zwar noch nicht erledigt, sondern einer Kommission überwiesen, wurde. Es handelt sich bei dieser Vorlage nicht um eine neue Materie, wie der Staatssekretär des Innern von Bethmann-Hollweg hervorhob, sondern um die Verwirklichung eines lang­gehegten Wunsches des Handwerks und der Freunde des Handwerks. Der Grundgedanke der Vorlage ist die natürliche Erwägung, daß nur der lehren dürfe, der nachweislich selbst etwas gelernt hat; sie hat nichts zu tun mit zünftlerischen Bestrebungen, ihre Bedeutung liegt vielmehr auf erzieherischem Gebiete. Auch eine weitere Hebung und Kräftigung des Standesbewußtseins der Handwerker wird die Folge sein. Wie stets bei Fragen dieser Art gestaltete sich die Beratung sehr ausgiebig, wobei natürlich die Sozialdemokraten wieder in bekannter Weise sich einfach ablehnend verhielten. Ihnen ist es eben nicht um positive Arbeit, sondern nur um Opposition zu tun!

In der auswärtigen Politik steht zurzeit die Sprachenfrage in Böhmen im Vordergründe des Inter­esses, zu deren Lösung die österreichische Regierung die Einbringung eines Gesetzentwurfs im Abgeordneten­hause angekündigt hat. Den Anlaß zu dem Ausbruche des Sprachenstreites in Böhmen bildeten die Entschei­dungen einiger deutschen Bezirksgerichte, tschechische Eingaben als nicht in der bei den betreffenden Gerichten landesüblichen Sprache verfaßt nicht anzunehmen. Diese Entscheidungen haben die Stremayrsche Sprachen- Verordnung vom Jahre 1880, welche die deutsche und die tschechische Sprache als in ganz Böhmen übliche Landessprachen" erklärte, nicht als rechtsverbindlich anerkannt, da ihr die Gesetzliche Bestimmung entgegen- stehe, wonach die Gerichte befugt sind, über die Zu- lässigkeit der einen oder der anderen Sprache zu ent­scheiden, je nachdem siein dem betreffenden Gerichts­bezirke landesüblich" ist oder nicht. Es handelt sich also nm Tschechen, der, wenn der in Aussicht stehende Zusammenschluß der deutschen Parteien zur Tatsache wird, bei der Beratung des angekündigten Entwurfs zugunsten der Deutschen entschieden werden dürfte.

Ueber die zweitere Entwicklung der Balkanfragen besteht nach wie vor große Unsicherheit. Die erste Aufregung über das österreichische Bahnprojekt ist allerdings ruhigeren Erwägungen gewichen. Allent­halben hat man sich überzeugt, daß Oesterreich mit dem geplanten Bau der Sandschakbahn nur ein ihm durch den Berliner Vertrag gewährleistetes Recht in Anspruch nimmt, der ihm ausdrücklich Rechte auf

nicht auf die See hinaus, das Boot dort ist herrnloS und keine Rettung Rolands mehr möglich!"

Aber eS ivürde uns die Bestätigung seines TodeS brin­gen," entgegnete er tonlos.

Zu dieser Bestätigung braucht nur ein Boot vom Dorfe her beschafft zu werden, sie ist zu teuer mit Ihrem eige­nen Leben bezahlt!"

Unverkennbar spricht die Angst auS ihren Zügen, im wilden Aufruhr der Natur und dem seelischen Tumult ist die scheue Zurückhaltung gewichen.

Roderich sieht eS, fürchtet sie für ihn? ES faßt ihn übermenschlich, die empörten Elemente haben auch in sei­nem Innern den Sturm entfacht, die Begeisterung bei Entzückens, den TodeSmut, die Todesverachtung. Er beugt sich zu ihr und sagt leise:Liegt Ihnen denn an meinem Leben, daS ich selbst so gering schätzen gelernt? Mich treibt eS, ich muß hinaus und mit den Wellen auf Tod und Leben ringen, um den Orkan in meiner Brust zu be­täuben."

AuS seinen Augen lodert eine düstere Flamme, sein flackernder Blick sucht tief bis auf den Grund ihrer Seele zu dringen.

Dora wanbte sich ab, die Gegenwart versank; ein kur- zeS, weltvergessenes Hiuabtauchen in daS Geheimnis se­ligen Entzückens. Sekundenlang ist eS ihr, als schwebe sie über einem Lichtgefilde, dann trat die Wirklichkeit in ihre Rechte. Der herbe Zug mädchenhaften Stolzes wurde wie­der auf ihrem Antlitz sichtbar, und mit einer Stimme, aus der sie jedes wärmere Einklingen auSzilscheiden bemüht war, erwiderte sie:Es gibt Menschen, die ein Anrecht auf Ihr Leben haben, Herr von Ast, und fordern dürfen, daß Sie sich schonen: Ihre Frau, Leonore, Ihre Mutter."

Sie haben recht; ich aber befinde mich in jener Stim­mung, wo der Sterbliche im Kampf mit den Naturgewal- ten den Sieg davon zu tragen pflegt. Ihre Geister schleu­dern den Unseligen zurück, er ist verurteilt, weiter zu le­ben und rveiter zu ringen! Leben Sie wohl, Dora, aus Wiedersehen hier oder in einer andern Welt." 140,18