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SchlüchlernerMlung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

32 24. Samstag, den 21. März 1908. 59. Jahrgang.

Einladung zum Abonnement

auf die Sdifüditerner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt.

Die Schlückterner Zeitung, die älteste Zeitung des Kreises Schlächtern, (58. Jahrg.) bringt Berichte über wissenswerte Vorgänge in unserem Reiche wie auch im Auslande.

UnterLokales und Provinzielles" berichtet die SchlAchterner Zeitung über alle neue und be­merkenswerte Vorkommnisse aus dem Kreise und der Provinz.

Die Schlüchterner Zeitung mit dem amtlichen Kreisblatt ^bringt alle Anzeigen sämtlicher Behörden des Kreises.

finden in der über alle Ort- uLv frästen des Kreises und weiter hinaus verbreiteten Schlüchterner Zeitung wirk­same Verbreitung.

Bezugspreis vierteljährlich mit amtlichem Kreisblatt 1 Mark.

Um gefl. Neubestellung bittet höflichst

Expedition der Schlüchterner Zeitung.

Deutsches Reich.

Der Kaiser, die Kaiserin mit dem Primen August Wilhelm und der Prinzessin Viktoria Luise werden am 25. März, 11 Uhr 35 Min. vormittags in Venedig anfommen und auf dem Bahnhöfe vom König Viktor Emanuel empfangen. Daraus findet ein Frühstück im königlichen Palais statt; nach dem Frühstück begeben sich die deutschen Majestäten, die beabsichtigen, zwei Tage in strengem Inkognito in Venedig zu bleiben, an Bord derHohenzollern". Der König von Italien, der in Begleitung Tittonis am 25. März früh in Venedig eintreffen wird, fährt am Abend des 25. März wieder nach Rom zurück. Den Kaiser wird der Gesandte Frhr. von Jenisch als Vertreter des Auswärtigen Amtes begleiten.

Anläßlich des 18. März beteiligten sich an dem Besuche des Friedhofes der Märzgefallenen etwa 12 000 Personen. Sie passierten in ruhiger Ordnung; ein Einschreiten der Polizei wurde nicht notwendig. Nach­mittags fanden in 14 Lokalen sozialdemokratische Ver­sammlungen statt, die von etwa 20000 Menschen be»

Odle Kerzen.

Roman von Erwin Friedbach. 23

Rvderich hatte am nächsten Morgen schon Befehl er­teilt, die Koffer in stand zn setzen, als die Nachricht von der unmittelbar bevorstehenden Ankunft Doktor Bruno BnrghardtS, eines Jugendgefährten und Freundes, ein» traf. So sehr ihn das Wiedersehen zu andern Zeiten er­freut haben würde, diesmal kam es weniger gelegen, weil Rvderich in seiner gegenwärtigen Stimmung für jeden Zwang von außen doppelt empfindlich war.

Am Nachmittag, Rvderich befand sich wie gewöhnlich auf dem Vorwerk Eichhof, kam Frau Rektor Kürchner, die alleinstehende, bejahrte, liebenswürdige Witwe des früheren Rektors von Hvhenfähr und gern gesehene Be­kannte der Friedensheimer Damen, zum Besuch.

Einladend gedeckt stand der Kaffeetisch unter dem Epheu- laubdach am Gartensalon, und behaglich plaudernd saßen die Damen um ihn herum. Frau Rektor überall beliebt in der Umgegend tunkte stets von den neuesten Familien- ereignisien zu berichten, ohne jedoch indiskret zu sein, und w teilte sie denn auch heilte den erstaunt aufhorchenden Zainen mit, daß der junge Renmnnd, Sohn eines reichen Großindustriellen, der vor zwei Jahren sehr gegen den Wunsch seiner erzürnten Eltern eine Dänin mit unerforscht barer Vergangenheit geheiratet, bereits dieSchcidung ge- gen seine Frau eingeleitet habe. Sie weigere sich indessen

woraus dem jungen Renmnnd schier unüber- Winbhdje Schwierigkeiten erwüchsen, weil die Frau, streng gcuommcii, nichts verbrochen habe und seine Gründe nur auf plötzlich emgetretener Abneigung beruhten.

»Der arme JulinS," sclflvß Frau Rektor ihren Bericht, während sie den von Dora eingescheukten Kaffee mit Zuk- und Sahne versah,mag er auch leichtsinnig und ver- schive,iberisch sein, daS ist das gewöhnliche Schicksal der Söhne von Empvrkönunlingen, die ihr Geld aus Kosten audererznsammcttscharrtku, er ivar ein gutmütiger Junge,

sucht waren. Die Redner forderten allenthalben in ihren Reden die Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts in Preußen. Vor den Lokalen war sehr wenig Publikum; nur an einer Stelle hatte die Polizei Anlaß, gegen die Demonstranten vorzugehen, doch wurde auch dort die Ruhe bald wieder hergestellt.

Der Reichstag erledigte am Sonnabend zunächst die zweite Lesung des Reichstag-Etats, bei der fast ausschließlich innere Angelegenheiten des Hauses, nament­lich der Kommissionsberichtverwaltung,besprochen wurden. Bei der nun folgenden Beratung des Etats der Reichs­eisenbahnen erklärte der preußische Eisenbahnminister Breitenbach, daß er eine gründliche Reform der Fahr- kartensteuer, durch welche die Nachteile dieser Steuer beseitigt würden, anstrebe und hoffe, daß dieses Ziel bei der neuen Finanzreform-Berücksichtigung finden werde. Weiter wurden noch die Etats des allgenieinen Pensionsfonds, des Jnvalidenfvnds, des Reichsmilitär­gerichts und des Rechnungshofes ohne wesentliche De­batte angenommen. Am Montag wurde zunächst der Etat der Zölle, Steuern" und Verbrauchsabgaben erledigt. Beim Etat des Reichsschatzamtes wurde ein Antrag des Abg. Ortel (natl.) auf Ausprägung von 25-Pfennig-Stückeu angenommen. Reichsschatzsekretär Sydow machte die Mitteilung, daß die Münzgesetzno- velle, die auch diese Frage regelt, demnächst dem Bundes­rat zugehen werde. Ein Antrag des Grafen Oriola (natl.) auf Erhöhung der Beihülfen für die Kriegs» teilnehmer und auf Beschaffung der dazu erforderlichen Mittel durch Einführung einer Wehrsteuer wurde der Budgetkomplission überwiesen. Der Rest des Etats des Reichsschatzamts wurde debattelos bewilligt.

Das preußische Abgeordnetenhaus verhandelte am Sonnabend zunächst über den Gesetzentwurf be­treffend die Haftung des Staates und anderer Ver­bände für Amtspflichtverletzungen von Beamten bei Ausübung der öffentlichen Gewalt in erster Beratung. Justizminister Dr. Beseler wies darauf hin, daß den gleichen Weg, der mit der Vorlage beschütten werde, schon eine Reihe anderer Bundesstaaten gegangen sei. Die Vorlage, die bei den Vertretern aller Parteien eine sympathische Aufnahme fand, wurde der verstärkten Justizkommission überwiesen. Dann wurde der Gesetz­entwurf auf Erschließung weiterer Kohlenfelder in zweiter Beratung ohne nenneswerte Debatte angenommen, nach­dem die Vertreter der einzelnen Parteien ihre Zustimm­ung zu der Vorlage erklärt hatten. Am Montag wurde dieser Gesetzentwurf in dritter Beratung ange­nommen und mit der dritten Etatsberatung begonnen.

den nur das Protzentnm verdarb. Er dauert mich auf­richtig, denn an eine Frau gebunden zu sein, die der Mann iüd)t mehr liebt, ist und bleibt eine beklagenswerte Sache."

Aber er wählte sie doch aus Neigung und frei von jedem äußeren Zwange, so daß sie möglicherweise an dem Wechsel seiner Gefühle ganz schuldlos ist," bemerkte Ro- lamunde, eigentümlich von den Aeußerungen der Frau Rektor berührt.

DaS möchte ich beftreiten, meine verehrte junge Frau," erwiderte die redselige alte Dame.Sind wir sicher, daß er sie ohne jeden äußerlichen Zwang genommen hat ? Kann er nicht jenen Künsten unterlegen sein, die gewisse Frauen sehr jugendlichen Männern gegenüber in Anwendung zu bringen wissen? In diesem Falle finde ich eS vollständig gerechtfertigt, wenn der Mann die verhaßte Ehe löst, zu der ihm Dummheit oder blinder Rausch führten, anstatt ein endloses Matyrium auf sich zu nehmen."

, Den Blick auf ihre Tasse gerichtet, rührte Rosamunde mit dem Löffelchen darin herum. Die Frau Rektor besaß eine solche Redegewandtheit, dagegen kam niemand auf und sie hatte ein wehes Gefühl, als feien die Worte be­sonders für sie gesprochen worden, obgleich die alte Dame daran nicht im entferntesten gedacht hatte.

Ihre Wangen glühten, die Brust durchwogten stürmi-- che Empfindungen. Ob auch Roderich solche Anschauun- zeu hegte? Ihr stand das Herz fast still vor schreiendem Weh.

Frau Therese von Ast bemerkte die Aufregung der Schwiegertochter,erriet einenTeil der Gedanken und fühlte, la& sie ihr zu Hilfe kommen müsse.Meine Anschauun- ten mögen vielleicht altmodisch sein," bemerkte sie,aber ich finde, eS sollte überhaupt keine Scheidung geben. BiS jiir Trauung hatten beide Teile Zeit genug, sich zu be* denken und einander kennen zu lernen. Ist icdoch der ge* tüchtige Schritt in den Hasen der Ehe getan, dann sollen fe anSharre» und Leid und Freude gemeinsam tragen, mag eS auch manchmal unbequem sein."

Dabei kam es zu einer scharfen Polemik zwischen den Abgg. Dr. Hahn (B. d. L) und Fischbeck (fr. Vp.), welch letzterer eine große Wahlrede hielt, die in An­griffen gegen Dr. Hahn gipfelte. Dr. Hahn wieS die Angriffe energisch zurück tyb führte dabei aus, daß die Zollpolitik den Kleinbauern ebenso wie den Groß­grundbesitzern zugute gekommen sei. Verschiedene Etats wurden schließlich debattelos erledigt.

Bei den Gemeindevertreterwahlen in Steglitz bei Berlin wurden die bürgerlichen Kandidaten mit 41 Stimmen Mehrheit gegen die Sozialdemokraten gewählt. Desgleichen in Klofterfelde.

In Berlin sind wiederum zweiVorwärts"- Redakteure verurteilt worden' und zwar die Redakteure Karl Wermuth und Johannes Weber, die sich vor dem Landgericht I wegen Beleidigung des Amtsrichters Dr. Stargardt in Mittenwalde zu verantworten hatten.

Zur Förderung der polnischen Besiedelung Masurens wollen die Polen eine ParzellierungSbank gründen.

Ein Liederbuch für politische Feste ist vom Reichsverband gegen die Sozialdemokratie herausge­geben worden. Der Einzelpreis von 20 Pf. für das Heft ist sehr gering. Das Büchlein umfaßt auf 64 Seiten eine größere Auswahl von Liedern, die es für Feste verschiedenster Art benutzbar machen.

Ausland.

Zur Regelung der Thronfolge in Luxemburg veröffentlicht das Amtsblatt der luxemburgischen Re> Herang einen Großherzoglichen Beschluß, durch den Pinzessin Maria Adelheid als der nächstberufenen Thronfolgerin der Titel Erbgroßherzogin von Luxem­burg, Erbprinzessin zu Nassau, verliehen wird.

Bei einer sozialdemokratischen Wahlrechtsdemon­stration in Budapest kam es zu scharfen Zusammen­stößen mit der Polizei, wobei mehrere Personen ver­wundet wurden. Als die Demonstranten von der Polizei zurückgedränkt wurden, gaben sie Revolverschüsse auf die Polizeibeamten ab und warfen mit Steinen. Drei Polizeibeamre wurden durch Kugeln, mehrere andere durch Steinwürfe verletzt. Auch mehrere De­monstranten wurden bei den Angriffen der Polizei verletzt. Als berittene Konstabler gegen die Menge sprengten, stob diese auseinander, versammelte sich je­doch wieder und zog in verschiedenen Richtungen weiter. Ungefähr 100 Fensterscheiben und Schaufenster wurden zertrümmert. Ueber 50 Verhaftungen wurden vor- genommen.

Das war so ernst und überzeugungSvoll gesprochen, daß niemand eine Entgegnung wagte und die Unterhal­tung eine andere Wendung nahm.

Dora hatte dem Gespräch mit den peinlichsten Gefüh­len zugehörig Rosamunde besaß so gar keine Berstellung», kunst, sie sah deren Verwirrung, nachdem ihr am Mor- gen die Spuren vergossener Tränen auf ihrem Gesicht« nicht entgangen waren, sie litt durch die bevorstehende Trennung von ihrem Manne. Wozu diese plötzlich in Szene gesetzte Abreise? Dora hatte Momente, wo sie ihn zu hassen glaubte.

DaS Schuldgefühl ließ sich nicht länger verleugnen, e» trieb ihr die Glut der Scham in die Wangen, sie wußte, daß sie überflüssig, ja mehr noch, ein Stein bei Anstöße» geworden war, und nahm sich vor mit Frau Therese von Ast über ihr Verlassen von FriedenSheim zu sprechen.

Gegen neun Uhr traf Roderich mit seinem Gast, den er von der Station abgeholt hatte, ein. Doktor Bruno Burghardt, der das Recht studiert, die Laufbahn aber auf­gegeben hatte, um Privatgelehrter zu werden, war beim ersten Eindruck ein fast unbedeutender Mensch. Dunkel, blaß und mager. Sobald er jedoch sprach, ging eine auf­fallende Veränderung mit ihm vor. Dann strahlte aus den leuchtenden Augen das ihnen innewohnendeFeuer einer glühenden Begeisterung für alles Schöne, Wahreund Gute. Die Freundschaft Roderich» mit ihm hatte schon in der Schule begonnen, wo sie gemeinschaftlich Klasse um Klasse aufrückten. Verschiedene Berufsarten trennten sie später, die Freundschaft aber bestand weiter, gefestigt durch die Zeit und gleichartige Beanlagung.

Bei Tisch erzählte Bruno Burghardt von seinen Plä- neu. Er war eifriges Mitglied der deutschen theosophi- schen Gesellschaft geworden, deren Ziel darin besteht, auf eine Verbrüderung der Menschheit hinzuwirken. E» war der Hauch auS einer fremden, schöneren Sphäre voll licht- bringender, belebender Hoffnung, der von dieser schlichten Persönlichkeit ausging. 140,18