mit amtlichem Areisblatt.
Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Mittwoch, den 25. März 1908
Einladung zum Monnement auf die 8ckttücüteenee Zeitung mit amtlichem Kreisblatt.
Die Schlüchterner Zeitung, die älteste Zeitung des Kreises Schlüchtern, (59. Jahrg.) bringt Berichte über wissenswerte Vorgänge in unserem Reiche wie auch im Auslande.
Unter „Lokales und Provinzielles" berichtet die Schlüchterner Zeitung über alle neue und bemerkenswerte Vorkommnisse aus dem Kreise und der Provinz.
Die Schlüchterner Zeitung mit dem amtlichen Kreisblatt bringt alle Anzeigen sämtlicher Behörden des Kreises.
finden in der über alle Ort- ■ 3Ge schaften des Kreises und weiter hinaus verbreiteten Schlüchterner Zeitung wirksame Verbreitung.
Bezugspreis vierteljährlich mit amtlichem Kreisblatt
1 Mark.
Um gefl. Neubestellung bittet höflichst
Expedition der Schlüchterner Zeitung.
Politischer Wochenbericht.
Im Reichstage sowohl wie im preußischen Abgeord- netenhause haben die Verhandlungen während der verflossenen Woche eine lebhaftere Färbung angenommen. Für den Reichstag lum.be dies durch die Erörterung des Kolonialelats und die Förderung neuer Kolonialbahnen bewirkt. Staatssekretär Dernburg trat mit einem großzügigen Plan für die Schaffung eines kolonialen Eisenbahnnetzes vor die Volksvertretung. Seine Bestrebungen fanden bei allen bürgerlichen Parteien wohlwollende Aufnahme und Unterstützung, nur die Sozialdemokratie machte selbstverständlich Opposition. Abgeordneter Ledebour produzierte sich wieder einmal
als Kolonialklowen und bestätigte durch sein Auftreten die Wahrheit des Ausspruches seines Parteigenossen Schippel, daß das, was von der Sozialdemokratie in der Gegenwart als Kolonialpolitik verzapft werde, nicht einmal das schlechte Papier wert sei, aus dem man es drucke. — Im preußischen Abgeordnetenhause werfen die bevorstehenden Wahlen bereits ihre Schatten vor» aus. Das Häuflein freisinniger Abgeordneter bemüht des europäischen Friedens gewirkt. Man muß daher
Odle Kerzen.
Roman von Erwin Friedbach.
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Unter anregenden Gesprächen mar der Abend vergan- gen, weihevolle Stunde», in denen der Gedanke abgezo- jzen wurde von dem ich und seinen kleinlichen Interessen im Vergleiche zu dem Riesenkampf gegen eine Welt voll Finsternis und Vorurteil, den dieser einfache Mann aus Liebe zu dem Nächsten unternommen.
. ^w folgenden Tage, Bruno Bnrghardt beabsichtigte Friedens,Helin fcfjun am Abend wieder zu verlassen, gin- Scn„ ow beiden Herren, von einem kurze» Spaziergang zuruckkehrend, in den Pavillon, um eine Partie Schach- zu spiele», weil das Wetter, unfreundlich und regnerisch, eine Kahnpartie, die Bruno zu machen gedachte, verhinderte. Kurz zuvor hatte Rvsamnnde sich dahin begebe», eine am Morgen vergessene Handarbeit zu holen, als der Eintritt der Freunde von der anderen Seite in das an* stoßende Zimmer und ihre Unterhaltung, die sie deutlich durch die breite Spalte der VerbiilduilgStür vernehmen konnte, sie umvillkürlich innehalten und geräuschlos auf ememStuhl unweit der Fensternische sich »iedersetzen ließ.
- bist doch ein beneidenswerter Mann, Bruno," äu*
°derich, währender sich eine Zigarette drehte; „be-
Deinem großartige» Beruf, der Dir mit Recht »m Dichte euier höheren Mission erscheint, darfst Du in (jmoenev Freiheit gehen, wohin eS Dich treibt, kannst tun und laffe», was Dir beliebt, während so ein armer Ehe- Snl^^r' Q,n der Scholle festgehalten, längst die verschnittenen Flügel zu regen verlernte."
, -D>e Konsequenzen dessen, was der Mensch sich selbst bereitete, soll er natürlich klagelos tragen. UebrigenS frfjemt mn: bte Bezeichnung Ehekrüppel nicht recht zutreffend für Dich, denn Du lebst doch anscheinend im besten Einvernehmen mit Deiner liebenswürdigen Frau "
„Ich sprach im Scherz."
BrimvBnrghardt warfeiueu prüfenden,bes^ Auf be» Freundes Züge; etwas darin mochte ihn. nicht
sich krampfhaft, Wahlreden zum Fenster hinaus zu halten und für sich Stimmung zu machen. Hoffentlich scheitern alle solche Versuche an dem gesunden Sinn der Bevölkerung Preußens. Nichts Törichteres fürwahr könnten die preußischen Wähler tun, als wenn sie Leuten in den Sattel helfen wollten, die im trautesten Bunde mit der Sozialdemokratie gegen Dreiklassenwahl» recht Sturm laufen und damit das festeste Bollwerk zu beseitigen suchen, das zurzeit der revolutionären Schlammflut gegenüber in Deutschland noch besteht.
Der 18. März als der Tag der 60. Wiederkehr der Erinnerungen an den Berliner Straßenkampf des Jahres 1848 ist natürlich von der Sozialdemokratie benutzt worden, um die revolutionären Instinkte der Massen wieder einmal wachzurufen. Gar zu gern hätten die Herren „Genossen" wohl einen eintägigen Generalstreik inszeniert, allein die Arbeiterschaft versagte. So ist es denn bei einigen winzigen Demon- stratiönchen geblieben. Immerhin aber tut das Bürgertum gut, über dieser lächerlichen Seite der Sache auch ihre ernste nicht zu übersehen. Indem die Sozialdemokratie das Andocken an einen Tag feiert, dessen jeder Patriot nur mit Schmerz und Be- schämung zu gedenken vermag, enthüllt sie von neuem ihr durch und durch vaterlandsfeindliches und revolutionäres Wesen. Es gilt deshalb auf der Hut zu sein und den Kampf gegen die vaterlandsfeindliche Revolutionspartei keinen Augenblick außer Acht zu lassen.
Auch eines Tages freudiger Erinnerung aber darf sich die verflossene Woche rühmen. Am 16. März 1883, also vor 25 Jahren, machte der damalige italienische Minister des Aeußern bei der Debatte über die auswärtige Politik in der Deputiertenkammer zu Rom die erste Mitteilung darüber, daß Italien dem deutsch-österreichischen Bündnisse vom Jahre 1879 beigetreten sei. Man kann also den 16. März 1883 als den Tag bezeichnen, an dem die erfolgte Gründung des Dreibundes zum erstenmal öffentlich und amtlich konstatiert wurde, und hat damit auch das Recht, von einem Jubiläum, des Dreibundes in der verflossenen Woche zu sprechen. Unwillkürlich stellt sich dabei die Frage nach den Leistungen und dem Werte des Dreibundes ein. Ihre Beantwortung kann nicht anders als in anerkennendem Sinne lauten. Der Bund der drei Mächte Deutschland, Oesterreich und Italien hat
sich während der gesamten Zeit seines Bestehens durch- aus bewährt und insbesondere als ein wichtiger Faktor
gefallen, denn er entgegnete ungewöhnlich ernst: „Das freut mich um Deinetwillen, Roderich. Gibt es doch meiner Ansicht nach kaum ein größeres Unglück als eine friedlose Ehe, und keine Berbindililg, aus der sich zu befreien der Mensch so berechtigt ist, als das unmoralisch- Band zweier Gatten, die einander nicht mögen."
„Also das ist Deine Meinung," erwiderte Roderich, den des Doktors Urteil sehr interessierte. „Setzen wir aber den Fall, daß nur auf einer Seite mit der Zeit eine gewisse Gleichgültigkeit entsteht, das ist ein Konflikt, auS dem der Mensch sich nicht zu retten weiß, wenn ihm der Mut abgeht, den anderen Teil tödlich zu verletzen. Wie würdest Du unter solchen Umständen handeln, Bruno?"
„Darüber kann man unmöglich so summarisch entscheiden, alter Junge. Sähe ich, daß die Ursache der Abneigung nur meinen eigenen veränderten Neigungen und Gesinnungen entspränge und mein Weib ganz schuldlos wäre an den geheimen Vorgängen des Innern, für die wir nicht immer verantwortlich sind, dann würde ich von meinem Standpunkt auS als Mensch das Kreuz schweigend auf mich nehmen und bestrebt sein, die Schuldlose nicht durch den Mangel der entschwundene» Zuneigung zu kränken."
„Mir auS der Seele gesprochen. Aber noch eins. Fände zum Beispiel die entstandene Abneigung ihren Grund in Eigenschaften, die an der Frau erst nach der Trauung zum Vorschein kamen, was dann, Bruno?"
Der andere zuckte die Achseln. „Besser ist auf jeden Fall zu leiden, als wehe tun, so lange unS das Ertragen nicht vor uns selbst entwürdigt."
Beide schwiegen eine Weile, während Doktor Burg- Hardt bemüht war in dem Antlitz RoderichS, der sich auf einen Streckstuhl niedergelassen und den Wolken seiner Zigarette zusah, zu lesen.
„Du leidest," sagte er bewegt, „und zwar viel nachhaltiger, als Du gestehen willst."
„Ja, ich leide."
„Kann ich etivaS für Dich tun, Roderich?"
von Herzen wünschen, daß er auch fernerhin vor Er- schütterungeu seines Bestandes bewahrt bleiben möge.
In Oesterreich werden zurzeit von den Linksliber- alen große Anstrengungen gemacht, um aus Anlaß deS Falles Wahrmund, wobei es sich um grobe Beschimpfungen der katholischen Kirche durch einen Jnnsbrucker Universitätsprosessor handelt, einen Keil zwischen die deutschen Parteien zu treiben. Allein diese Versuche politischer Brunnenvergiftung dürfen erfreulicherweise als gescheitert angesehen werden. Der Obmann des Neunerausschusses der deutschfreiheitlichen Parteien, Dr. Chiari, hat in sehr verständiger Weise vor der Oeffentlichkeit ausgeführt, daß angesichts der großen nationalen Fragen, die dem Deutschtum Oesterreichs ein einheitliches Vorgehen zur Pflicht machten, derartige untergeordnete Dinge nicht trennend zu wirken vermöchten, und gleiche Erklärungen liegen auch aus den maßgebenden Kreisen der Christlich-Sozialen vor. Hoffentlich bleibt dieser Geist der Großzügigkeit in der Auffassung politischer Dinge den Deutschen Oesterreichs allezeit erhalten; denn nur so können sie ihre nationale Position siegreich behaupten und verlorenes Terrain wiedergewinnen.
In Rußland bereitet sich ein Konflikt zwischen Re gierung und Duma vor. Die vom Plenum der Duma eingesetzte Landesverteidigungs-Kommission hat sich nämlich den Plänen Stolypins bezüglich der Neuschaffung einer russischen Flotte bisher wenig willfährig gezeigt und kürzlich die verlangten Kredite für den Bau neuer Linienschiffe rundweg abgelehnt. Da es sich hierbei doch zweifelsohne um eine staatliche Notwendigkeit und Lebensfrage für das Zarenreich handelt, so gewinnt es fast den Anschein, als ob die Duma die Gelegenheit benutzen will, um eine Machtprobe anzustellen und eine Erweiterung parlamentarischer Befugnisse zu ertrotzen. Das ist aber ein gefährliches Spiel, das dem russischen Konstitutionalismus unter Umständen seine Existenz kosten kann. Die Oktobristen, denen unter den parlamentarischen Parteien die Der« antwortung für dieses Spiel hauptsächlich zufällt, täten deshalb gut, davon abzustehen.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser wird auf seiner Rückkehr von der Mittelmeerreise direkt von Korfu aus etwa am 5. oder 6. Mai in Wiesbaden zu längerem Aufenthalt, der namentlich den Maifestspielen am Hoftheater gilt, eintreffen. Für die Festvorstellungen sind folgende Werke in Aussicht genommen : „Gotberga" von Joseph Lauff,
„Nichts, gar nichts!" Dann fast schroff und wie gegen den eigenen Willen hervorgepreßt: „Bon der Kette, die eigenes Verschulden um unsere Glieder schmiedete, gibt eS keine Erlösung, keine Befreiung als den Tod."
Bruno Bnrghardt hatte seinen Freund begriffen und fragte nicht mehr.
Roderich stand auf. „Komm, lassen wir daS Spiel, Ht scheint sich draußen aufzuklären. Eine Bootfahrt wirdun» besser tun, hier ist eS zum Ersticken heiß."
Die beiden entfernten sich, und gleich danach waren ihre Schritte in der Richtung nach dem Strande zu verhallt.
Jm Pavillon herrschte Totenstille. Am Boden deS anstoßenden Zimmers lag ein Weib, die Stirn im Staube. „Von der Kette, die eigenes Verschulden um unsere Glieder schmiedete, gibt eS keine andere Befreiung als den Tod." Das hatte Rosamundc auS seinem Munde gehört, und die Wucht dieses vernichtenden GeständniffeS hatte sie niedergedrückt zur Erde.
Minuten vergingen. Rosamunde verharrte regungslos. Dann richtete sie sich auf, langsam, mechanisch. Starr und tränenloS blickte sie vor sich hin, auS den dunklen Augen flackerte eine irre Flamme.
So war alles, alles nichts als Duldung gewesen. Aus Mitleid, nur um sie zu schonen, hatte er geschwiegen. Erst diese furchtbare Stunde, die kommen mußte, zerschmetternd wie ein Blitzstrahl, hatte das so lange künstlich auf-
Blitzstrahl, hatte daS so lange künstlich aufrecht gehaltene Gebäude barmherziger Täuschung in Trümmer zerfallen lassen. Ein leises, klagendes Aechzen rang sich aus ihrer Brust. In grausamer Deutlichkeit lag vor ihr die rauhe Wirklichkeit. Er war tief unglücklich, er, den sie anbetete, viel inniger noch, wie sie es ihm zeigte, und eS gab keine Erlösung für ihn. „TiefunglükNich." Sie wiederholte das Wort halblaut immer wieder, bis eS zuletzt eine frembe, unverständliche Bedeutung angenommen. Dann war eS verschwlliiden, aber sie suchte eS und fand von neuem den richtigen Sinn. 140,18