Einzelbild herunterladen
 

SchlüchternerAttun g

mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

26. Samstag, den 28. März 1908. 59. Jahrgang.

Einladung zum Monnement auf die 8cl»kück»teenee Zeitung mit amtlichen Kreisblatt.

Die Schlüchterner Zeitung, die älteste Zeitung des Kreises Schlächtern, (59. Jahrg.) bringt Berichte über wissenswerte Vorgänge in unserem Reiche wie auch int Auslande.

UnterLokales und Provinzielles" berichtet die Schlüchterner Zeitung über alle neue und be­merkenswerte Vorkommnisse aus' dem Kreise und der Provinz. «

Die Schlüchterner Zeitung mit dem amtlichen Kreisblatt bringt alle Anzeigen sämtlicher Behörden des Kreises.

finden in der über alle Ort- schaften des Kreises und weiter hinaus verbreiteten Schlüchterner Zeitung wirk­same Verbreitung.

Bezugspreis vierteljährlich mit amtlichem Kreisblat

1 Mark.

Um gefl. Neubestellung bittet höflichst

C-cpe-ition der Schlüchterner Zeitung.

Deutsches Reich.

Der Kaiser und die Kaiserin trafen am Diens­tag abend um 97« Uhr in München ein. Zur Be­grüßung hatten sich der preußische Gesandte v. Schläzer mit Gemahlin und sämtliche Herren der Gesandtschaft eingefunden. Im Auftrage des Prinzregenten über­reichte Der Vorsteher des Hauptbahnhofes der Kaiserin ein Bukett und überbrachte die besten Wünsche des Prinzregenten für die Reise. Um 9 Uhr 55 Min. erfolgte die Weiterreise nach Kufstein.

Das preußische Abgeordnetenhaus nahm am Montag das Quellenschutzgesetz in dritter Beratung nach den Beschlüssen zweiter Lesung an. Dann folgte die erste Beratung des Gesetzentwurfs über die Ge­bühren der Hebammen, den Minister Dr. Holle als ersten Baustein zu einer Reform des Hebammenwesens bezeichnete, und der von allen Parteien mit warmen Worten begrüßt wurde. In zweiter Beratung wurde die Vorlage mit einem Einträge Lüdicke (frkons.) ange­nommen, wonach bei Festsetzung der Gebühren durch den Regierungspräsidenten der Kreisausschuß bezw.

Odle Kerze«.

Roman von Erwin Friedbach. 25

Gab es denn wirklich keine Erlösung von ihr? Dunkle Gedanken durchirrten schemenhaft ihr wirre» Hirn.

, . Rosamunde griff an ihre Stirn. Hatten denn wirklich seine Lippen die grausamen Worte gesprochen, und sie lebte noch?

. Sie stand vollends auf und überzeugte sich, daß Ro- der,ch und Bruno bereits den Strand erreicht hatten. Nun durfte sie den Pavillon verlaffen, ohne von ihnen bemerkt zu werden. Nie sollte ihr Mann erfahren, daß sie Zeuge dieser Unterredung gewesen war.

* . *

, Doktor Burghardt und Roderich waren abgereist, der eine nach Norden, der andere nach Süden; auf Frieden»- heim lebte man einsamer als je zuvor.

Nun rückte Tonis Hochzeit heran, die pomphaft in einen, großen Hamburger Hotel begangen werden sollte. Rosamunde hatte schon den Absagebrief zur Teilnahme an der Seiet geschrieben, schließlich aber sich eines ande- ren besonnen. Einesteils wollte sie Dora nicht um das Bergungen bringen, die Schwester begrüßen zu können, beabsichtigte sie, mit dem Geheimrat über ihren ltSzustand zu sprechen, er sollte sie gründlich un- terfuchen. Rosamunde bildete sich ein, an einem Herzübel zn lewen. Seit der verhängnisvollen Stunde im Pavillon mar etwas in der Brust nicht, wie es sein sollte. Was sie jedoch vor allen: von ihm erreichen wollte, war ein wlrttameS Mtttel gegen ihre zunehmende Schlaflosigkeit.

Rosamunde ging umher wie ein Mensch, der unauS- geietzt über ein nicht zu lösendes Rätsel nachgrübelt. Ihr Interesse für die Wirtschaft, von dem sie einst ausschließ­lich beherrscht worden, begann allmählich zu erlahmen, nur die Freundfchaft für Dora blieb die gleiche innige, und der Mutter gegenüber nahm sie sich zusammen, ihre GemütSversassnng zu verbergen.

So trafen sie denn an einem klaren Augustmorgen in

der Gemeindevorstand zu hören ist und in Streit­fällen die endgültige Entscheidung vom Bezirksausschuß getroffen wird. Darauf kam der Antrag der beiden freisinnigen Parteien auf Aenderung des Wahlrechts zum Kreistage zur Beratung Ein weiterer Antrag des Abg. v. Böhlendorf-Kölpin (kons.) zielt auf eine stärkere Vertretung des Großgrundbesitzes auf den Kreistagen ab. Nach längerer Debatte wurden beide Anträge der Gemeindekommission überwiesen.

Der Journalistenstreik im Reichstage ist noch immer nicht beigelegt worden, so daß eine Berichter­stattung über die Reichstagösitzungen vorläufig weiter unterbleibt. Die Verhandlungen mit dem Reichstags­präsidenten Grafen Stolberg ergaben, daß Abg. Gröber bereit sei, sein Bedauern über die Beleidigung auszu- drücken, wenn die Journalisten vorher ihr Bedauern über die Störung auf der Tribüne erklären wollten. Diese Zumutung wurde von der Journalistenversamm­lung mit 84 gegen 2 Stimmen abgelehnt. Den Reichstagsjournalisten gingen aus dem Inlands und Auslande ungezählte Sympathiekundgebungen zu.

Die Reichstagsersatzwahl im 1. Hannoverschen Wahlkreise Norden-Emden hat einen bemerkenswerten Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen ergeben. Gegenüber der Wahl im Jahre 1907 beträgt der sozialdemokratische Stimmenverlust 795 Stimmen. Der Vorwärts" sucht sich darüber mit einigen faulen Phrasen zu trösten. Der wirkliche Grund des sozial­demokratischen Stimmenrückganges dürfte aber wohl in der wachsenden Einsicht über das wahre Wesen der Sozialdemokratie zu suchen sein.

Ueber körperliche Züchtigung in den Schulen hat der preußische Kultusminister Dr. Holle einen Erlaß an die Provinzialschulkollegien des Landes er­gehen lassen, in dem er ihnen die sorgsamste Aufmerk­samkeit auf die Handhabung der Schulzucht zur Pflicht macht. Die amtlichen Vorschriften über die körperliche Züchtigung sollen den Lehrern von neuem in Erinner­ung gebracht und bei Verstößen gegen die Borschriften soll mit unnachsichtlicher Strenge disziplinarisch ein» geschritten werden.

Ausland.

In Gegenwart des Prinzen Adalbert von Preußen ist die feierliche Einweihung der deutschen evangelischen Kirche in Heluan bei Kairo erfolgt. Es ist erfreulich, daß in dem vielbesuchten ägyptischen Kurort Heluan der protestantische Glaube auch endlich eine kirchliche Heimstätte gefunden hat.

Hamburg ein, und froh beglückt schloß Dora die Schwester in ihre Arme.

Wilma hatte sich erholt, sogar einen Schimmer von Farbe bekommen. AuS ihren klaren Augen glänzte jenes heitere Lächeln echten Humors, das über Tränen au den Wimpern siegt und das ruhige Wesen deutete auf erwor- benen inneren Frieden.

Sie trug einen geschmackvollen, hellen Anzug, brau­nes Federhütchen, einen Rosenstrauß zur Bewillkomm- nung in der Hand und sah in ihrer stillen bräntlichen Würde sehr vornehm aus.

Du bist zufrieden, Wilma! Wie mich da» aber freut!"

Ja, ich bin so weit ganz glücklich, Dora, wir hatten eine hübsche Zeit zu Hause. Toni fort, die Knaben artig und ordentlich, Herr Geheimrat stets gleichgütig, wirk­lich zu nett!"

HerrGeheimrat?" wiederholte Dora schelmisch,steht Ihr denn noch immer auf dem Fuße dieser feierlichen Anrede?"

O und ob," gab Wilma vergnügt zurück,daS geht nach wie vor nur: Fräulein Wilma und: Herr Geheim­rat. Während der zwei Monate unsererheimlichen Ver­lobung sind wir noch nicht um Haaresbreite einander nä­her gerückt."

Und darüber freust Du Dich?"

Nun freilich! Siehst Du, Dora, das ist ein so wun­derhübsches Verhältnis zwischen uns, so halb und halb wie Vater und Tochter: er wohlwollend freundlich, ich ehrerbietig dankbar,oft ein ganz klein wenig neckisch, manch­mal möchte man sich nämlich tot lachen. Ach, könnte eSdoch immer so bleiben."

Aber dann empfindest Du doch keineSpur von Liebe für ihn," sagte Dora verwundert.

Doch, nur anders. Ich verehre ihn, Herz, da» ist es. Es bereitet mir die größte Genugtuung, um ihn herum zu sein, ihm durch kleine Dienste den verantwortlichen Beruf zu erleichtern; dann komme ich mir vor, als ob ich selbst mitwirkte, und fühle mich ganz gehoben "

Nach vielen Mühen und Verhandlungen ist endlich das neue österreichische Ministerium für öffent« liche Arbeiten gesichert, und Kaiser Franz Josef hat den schon seit längerer Zeit hierfür bestimmten Minister Geßmann, bisher Minister ohne Portefeuille, zum Minister der öffentlichen Arbeiten ernannt.

Die französische Deputiertenkammer hat den vom Senat bereits votierten Gesetzentwurf gegen die Verletzung der guten Sitten durch Veröffentlichungen unsittlichen Inhalts angenommen.

Ueber die Vorgänge in Marokko meldet der PariserMatin", daß in den letzten Kämpfen bei Casablanca 1500 Marokkaner, dabei Frauen und Kinder, in ihren Lagern durch französisches Artillerie­feuer getötet worden sind. Zu dem Ringen der beiden Sultane um die Oberherrschaft in Marokko meldet ein Telegramm aus Tanger, daß im Gegensatz zu den neuen französischen Nachrichten, wonach das Ansehen des Sultans Abdul Aziz im Lande wieder im Wachsen sei, alle dort eingehenden Privatbriefe aus dem Innern besagen, daß er täglich weiter an Anhang verliert, und daß demnächst eine Hafidische Mahalla zum An­griffe auf Rabat von Fez aufbrechen wird.

Zwischen französischen Truppen und den auf­ständischen Stämmen haben neue Kämpfe in Südalgerien stattgefunden. Der französische Kommandant von Ain Sefra (Algerien) meldet, daß Hauptmann Carcopino mehrere ernste Kämpfe mit den fanatisierten Einge- barenen hatte. 56 von den Kamelen, welche zur Deck­ung der in Karreeform aufgestellten Schützen den feindlichen Geschossen beständig ausgesetzt waren, wurden getöttt. Ueber die Verluste an Soldaten fehlen noch genauere Angaben, doch heißt es, sie seien nicht be» deutend.

Die Unruhen in Haiti finden durch Abschiebung der Rebellen jetzt ein schnelles Ende. General Firmin und andere Revolutionäre, die sich in das französische Konsulat zu Gonaives geflüchtet hatten, schifften sich nämlich in Port-au-Prince auf den französischen Kreuzerd'Estrees", der nach Saint Thomas abging, ein.

Die japanfeindliche Stimmung in China ist im Wachsen begriffen. In Kanton wurde eine von über fünfzigtauend Personen besuchte Protestversammlung aus Anlaß des Tatsu-Maru-Zwischenfalles abgehalten. Es wurden aufreizende Reden gehalten, und die Leute entledigten sich der aus Japan stammenden Kleidungsr stücke, Mützen und Taschentücher, warfen sie auf einen Haufen und verbranten sie. Die Versammlung beschloß,

Dora kam über diese» seltsame Verhältnis nicht au» dem Verwundern heraus, da aber Wilma unverändert eine frohe Miene zeigte und während der Tage ihres Be­suches bei Geheimrat» alle» so harmonisch von statten ging, beruhigte sie sich. Kein Zweifel, so seltsam e» auch klang, von jener wirklichen Liebe, die wie auf Sturme»- fittichen unwiderstehlich Besitz von dem zagen Herzen er­greift und eS mit sich in den Strudel stürmischen Ent­zückens reißt, wußte Wilma noch gar nicht». Darum ging sie auch so mutig froh in die nüchterne Ehe mit dem Ge- Heimrat hinein.

An Tonis Hochzeit nahm Wilma nicht teil, und d« Geheimrat ließ sie gewähren. Bon dem Augenblick an, wo er der älteren Tochter die Absicht seiner Verbindung mitgeteilt, war sie von Toni vollständig ignoriert wor­den. Dora aber, an die Toni absichtlich keine besondere Einladung hatte ergehen lasten, denn nach Art kleinlicher Seelen haßte sie alles, wa» zu Wilma gehörte, schloß sich dieser an und verbrachte mit ihr die Stunden auf an­genehme Weise.

Als dann da» junge Ehepaar einen hochzeitlichen Aus­flug nach England unternommen, Rosamunde alle Besor­gungen erledigt und von ihrem Bruder einen tröstliche« Bescheid betreff» des Herzleiden», da» sich al» unbedeu- tend und vorübergehend herausgestellt, erhalten hatte, tra­ten die Damen ihre Rückreise nach Friedensheim an.

Zu Rosamundes Genugtuung wäre» ihr gelungen, da» von dem Geheimrat zu erreichen, wa» sie am dringendsten erstrebt, das ersehnte Opiummittel gegen die Schlaflosigkeit

Der September kam und*mit ihm die ersten wehmü­tigen Grüße des ernsten Herbste».

Zwischen Wilma und dem Geheimrat stand e» noch unverändert, nur mit dem Unterschiede, daß er seit eini­ger Zeit auffallend zerstreut umherging und die Abende meistens außerhalb des Hause» zubrachte. Oefter» war er ganz gegen seine Gewohnheit sogar erst spät nach Mittel- nacht heimgekehrt. 140,16