SchlüchternerMun g
mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
: ^ vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".__
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 27.
Einladung zum Monnement
auf die
Schüchterner Zeitung
mit amtlichem Kreisblatt.
Die Schlüchterner Zeitung, die älteste Zeitung des Kreises Schlächtern, (59. Jahrg.) bringt Berichte über wissenswerte Vorgänge in unserem Reiche wie auch im Auslande.
Unter „Lokales und Provinzielles" berichtet die Schlüchterner Zeitung über alle neue und bemerkenswerte Vorkommnisse aus dem Kreise und der Provinz.
Die Tchlüchterner Zeitung mit dem amtlichen Kreisblatt bringt alle Anzeigen sämtlicher Behörden des Kreises.
Aeesi-I-Ä finden in der über alle Ort- ■ «lv schaften des Kreises und weiter : hinaus verbreiteten SchlÄchterner Zeitung wirk- : same Verbreitung. Bezugspreis vierteljährlich mit amtlichem Kreisblatt 1 Mark.
Um gest. Neubestellung bittet höflichst
Expedition der Schlüchterner Zeitung.
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Bismarck.
(Zum 1. April.)
। Sie haben ihm in der Reichshauptstadt
Ein prächtiges Denkmal errichtet, Dem größten Deutschen; ein schönres hat Die Poesie ihm gedichtet.
Sie hat mit duftigem Blütenkranz
Den deutschen Heros umschlungen
Und hat von seines Ruhmes Glanz Manch schmetternd Liedlein gesungen.
Doch ein noch schönres Denkmal gibt's Das herrlichste, das man erschaute.
Und jeder Deutsche kennt und liebt's: Das Reich, das er erbaute.
Nun ruht er aus nach Müh' und Streit
Von der Arbeit seines Lebens.
O mög' er seine Kraft geweiht Uns haben nicht vergebens!
Mittwoch, den 1. April 1908.
59. Jahrgang.
Was er ersann und was er schuf —
Wir wollen's treu bewahren
Daß wir, wenn ertönt des Vaterlands Ruf,
Gewappnet stehn in Gefahren.
Der treue Diener seines Herrn
Glänzt unstreblich in der Geschichte, Und uns weist Bismarcks heller Stern Dem Weg im Strahlenlichte.
Erwin von Waldenburg.
Politischer Wochenbericht.
Die verflossene Woche hat uns im Reichstage eingehende Debatten über die auswärtige Politik gebracht. Den Höhepunkt der Verhandlungen bildete auch diesmal eine Reichskanzlerrede. Fürst Bülow legte zunächst die Stellung Deutschlands gegenüber der Aktion Frankreichs in Marokko fest. Er erklärte, man habe Frankreich nie Ursache zu der Klage gegeben, daß Deutschland die Algeciras-Akte in kleinlicher oder engherziger Weise auslege. Eben deshalb aber dürften wir auch erwarten, daß Frankreich seinerseits die Akte ebenso in friedlicher unb freundlicher Weise anerkenne und beachte. Jnbezug auf die Stellung, die Deutschland zur mazedonischen Frage einnimmt, legte Fürst Bülow dar, daß es sich bei den Unruhen in Mazedonien nicht so sehr um den Gegensatz zwischen Christen und Moha- medanern handele als vielmehr um erbitterte Kämpfe der verschiedenen christlichen Nationalitäten untereinander, von denen sich jede die Suprematie in Mazedonien und für den Fall der Beseitigung der Oberhoheit der Pforte einen möglichst großen Anteil des Gebietes sichern möchte. Gegenüber diesem trüben tatsächlichen Zustande bilde der Grundsatz der Aufrechterhaltung des Status fluo den Einigungspunkt,, von dem aus die Mächte eine Besserung der Lage anstrebten. An der Aufrechterhaltung dieses Status quo, dessen internationale Grundlage der Berliner Vertrag darstelle, sei Deutschland nicht am nächsten, aber mindestens ebenso ehrlich interessiert wie irgend eine andere Großmacht. An dritter Stelle endlich beschäftigte sich der Reichskanzler in seiner Rede mit dem Briefe des Kaisers an Lord Tweedmouth. Hier war besonders die Versicherung bemerkenswert, der Brief des Kaisers sei derart gewesen, daß er „von jedem von uns, von jedem aufrichtigen Freunde guter Beziehungen zwischen Deutschland und England unterschrieben werden könne". Die „Times" und ihr Anhang aber mögen sich die Worte des deutschen Kanzlers gesagt sein lassen, die!
dahin lauteten, es sei eine durch nichts gerechtfertrge Unterstellung, wenn behauptet worden sei, der Brief des deutschen Kaisers an Lord Tweedmouth bedeute einen Versuch, den für das englische Marinebudget verantwortlichen Minister im deutschen Interesse zu beeinflussen oder, mit andern Worten, einen heimlichen Eingriff- in innere Angelegenheiten des britischen Reiches. An dieser bündigen Erklärung des verantwortlichen deutschen Staatsmannes gibt es nichts zu deuteln, und wir hoffen, daß sie dazu beitragen wird, den letzten in England noch vorhandenen Rest von Mißtrauen gegen die Absicht des Kaisers zu beseitigen.
Wie in der Presse mehrfach behauptet wird, soll die Reichskanzlerrede auf die Beilegung des Journalistenstreiks eingewirkt haben, indem nämlich Fürst Bülow seine allseitig mit größter Spannung erwarteten Ausführungen so lange hinausgeschoben hätte, bis den beleidigten Journalisten eine ausreichende Genugtuung zuteil geworden sei. Unter dem Drucke dieser Taffache habe sich dann der Abgeordnete Gröber zu seiner Ent» schuldigung bequemt. Wie dem auch sein mag, soviel steht jedenfalls fest, daß der genannte Herr bei dieser Affäre keine beneidenswerte Rolle gespielt hat. Es scheint leider so, als wenn mit der Vorherrschaft des demokratischen Flügels im Zentrum auch die guten Manieren innerhalb dieser Partei eine Einbuße erlitten hätten. Herr Gröber hat ja bereits an Herrn Roeren mit seinem „grünen Assessor" einen unrühmlichen Vorgänger gehabt. Gerade das Recht der parlamentarischen Immunität, das dem Beleidiger Straffreiheit zusichert, stellt an den Takt der Volksvertreter hohe Anforderungen, wenn anders dieses Recht nicht herab- gewür-igt und mit einem schweren Odium belastet werden soll. Den „Sauherdenron" sollte man füglich der Sozialdemokratie überlassen, deren ganzen moralifchen und gesellschaftlichen Niveau derselbe aufs trefflichste angepaßt ist. Es ist daher dringend zu wünschen, daß solche Vorkommnisse wie der Fall Gröber im parlamentarischen Leben Deutschlands keine Wiederholung finden mögen.
Unter dem Zeichen herzlichen Einvernehmens hat sich die Begegnung zwischen dem deutschen Kaiserpaar und König Viktor Emanuel von Italien in der alten Dogenstadt Venedig vollzogen. Allenthalben sind bei dieser Gelegenheit freundschaftliche Empfindungen für Deutschland zum Ausdrucke gekommen, die wir Deutschen mit besonderer Genugtuung zur Kenntnis nehmen und mit herzlichem Danke erwidern. Das deutsche Volk
Gdte Kerzen.
Roman von Erwin Friedbach.
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Nun ging ihr ein Licht auf, selbstverständlich, da» war eS, wie hatte sie nur so vernagelt sein können. „Ich er- rate, was Sie sagen wollen, Herr Geheimrat; erinnern Sie sich, daß ich vor dem allzu raschen Entschluß warnte? Jetzt bereuen Sie da» gegebene Versprechen, nicht wahr,
„Ich bereue eS keineswegs und empfinde, was ich um jene Zeit und stets für Sie empfand: die wärmste Freundschaft, daS herzlichste Wohlgefallen. Aber eS gibt eine Macht, Wilma," er sprach wuchtig und fuhr mit den gespreizten Fingern durch seine graue Mähne, „nennen wir eS eine dämonische Macht, denn durch ihre elementare Gewalt wirkt sie meistens zerstörend für die Umgebung, das ist die Leidenschaft, von der ein Mann im Herbste seines Lebens ergriffen wird, wenn er bereits zu widerstandslos geworden, trotz des jngendlich-feurigeu Empfindens auch mit der Willenskraft der Jugend dem Zauber zu entrinnen."
Lange Pause.
„Ach!" Wilma wurde plötzlich so leicht zu Mute, und doch auch weh. Unwillkürlich verfiel sie in den alten, ganz ehrerbietigen Ton.
»Herr Geheinirat lieben eine andere?*
es erraten, ja!" Dann nach kurzem Zö- gern entschlvsseiicr: „Eine andere hat mir diese elementare Leidenschaft, die mich widerstandslos getroffen, eingeflößt."
„Mem Gott, was beginnen wir da? Da kann freilich aus unserer Verlobung nichts mehr werben."
„Doch, Wilma, doch." Ueber die beweglichen Züge des alten Herrn flog ein Schatten, halb Rührung, halb Angst.
Trotz seiner Antwort rechnete er doch, vielleicht ohne sich dessen genau bewußt zu sein, auf die Großmut des Mädchens da vor ihn«, das er als viel zu charaktervoll und echt weiblich kannte, um auf ein Versprechen zu be- sieben, das er nur noch ungern erfüllte.
„Niemals werde ich von Ihnen verlangen, daß Sie ohne weiteres auf unsere Verbindung verzichten."
Wilma hielt die Wimpern gesenkt, sie waren feucht geworden, und in ihr wühlte ein stechendes Schmerzgefühl. „Wenn Sie es auch nicht verlangen, Herr Geheimrat, so bin ich in diesem Falle doch bereit, Ihnen Ihr Wort zu- rückzngeben," erwiderte sie leise.
„So schnell, haben Sie denn für mich gar nicht» übrig gehabt?" Auch seine Stimme klang bewegt.
„Ich habe Sie sehr lieb gehabt und sehr verehrt, unter solchen Verhältnissen würde unsere Ehe jedoch nur eine unglückliche werden."
„DaS wohl kaum, aber ich würde Ihnen von Anfang an mit einer Untreue im Herzen zur Seite stehen, meine arme Wilma. Unausgesetzt würden die Gedanken bei der- jenigen weilen, der ich mit Leib und Seele verfallen bin. Es ist ein Unglück .. in meinem Alter sogar ein großes Unglück, weil es keine Heilung mehr davon gibt. Aber eS ist stärker als mein Wille."
Wilma hätte gern ein Dutzend Fragen gestellt, ob jene andere ihn wieder liebe, ob er sie zu heiraten gedenke, und sie selbst aus dem Hause müsse, aber sie konnte kaum sprechen, sie war sehr traurig geworden.
„Werden wir unS also klar über unsere gegenwär- tige Stellung zu einander," nahm der Geheimrat nach längerem Schweigen wieder das Wort, „Klarheit ist in allen Dingen notwendig; ich bin kein junger Fant, der heute skrupellos das Wort, das er gestern gegeben hat, bricht. Sie besitzen ein Recht an mich, und ich bin bereit, den Ansprüchen zu genügen, falls Sie darauf, und mit vollster Berechtigung, bestehen sollten, Wilma."
Da zuckte das alte müde Lächeln um ihre Lippen, ein Lächeln, das so ganz und voll die hinreißende Liebenswürdigkeit ihrer Natur verriet. Es war ihr weh umS Herz, so bitter weh, als ob ein Spiegelbild von all dem Trostlosen, das diesem Abend folgen sollte, schon jetzt vor ihrem Geiste stand, aber ihn halten gegen seinen Willen? Nein, das wollte sie nicht.
„Herr Geheimrat, Sie sind ein viel zu kluger und verständiger Mann, um nicht zu missen, war Sie unter diesen Umständen zu tun haben. Ihre Neigung rieht Sie zu einer anderen, da» genügt. @8 war sehr hübsch von Jh- nen, mir das wenigstens offen-zu gestehen, weil ich nun weiß, wie ich zu handeln habe. Sie sind vollständig frei."
„Was in der Laube zwischen un» gesprochen wurde, soll vergessen sein. Bon heute an bin ich wie damal» .. nur Ihre Haushälterin."
Er atmete kaum merklich auf, freudig überrascht, so leichten Kaufs über eine Schwierigkeit hinweggekommen zu sein, die er sich ungleich größer vorgestellt hatte, und eine leichte Röte der Scham angesichts der Uneigennützig- keit des schlichten Mädchens färbte sein Gesicht. „Nicht vergessen, Wilma, stets wird die Stunde mir eine liebe Erinnerung bleiben," entgegnete er sichtlich gerührt, voll Innigkeit. „Gott ist mein Zeuge, wie unendlich schwer eS mir geworden, Ihnen diese Enttäuschung zu bereiten. Lange habe ich mich damit umhergetragen, leider, leider konnte ich nicht anders. Und nun gestatten Sie mir noch, Ihnen zu sagen, daß Sie eine der vernünftigsten und liebenswürdigsten Frauen sind, die ich überhaupt kennen zu lernen jemals die Ehre hatte. Wollen Sie mir zum Zeichen, daß wir gute Freunde bleiben nach wie vor, Ihre Hand reichen, Wilma?"
Sie legte stumm ihre eiskalte Rechte über den Tisch hinüber in die seine. 140,18
„Nicht wahr, Sie zürnen mir nicht, gute», liebe» Mädchen?" bat er erschüttert, „denn was bin ich im Grunde ander» als ein unglücklicher, tief beklagenswerter Mann."
„Seien Sie ganz beruhigt, Herr Geheimrat." Wilma» Stimme zitterte so stark, daß ihre Antwort kaum verständlich klang. „Die Zeit unserer stillen Verlobung war eine sehr, sehr schöne, aber schöne Zeiten können nicht ewig währe», wir müssen auch die schlimmen willkommen heißen. Das halte ich fest, «»bringt mich stet» über da» Trübste hinaus .. und .. und so wird e» auch diesmal fein."