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mit amtlichem Kreisblatt

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

_____ Mittwoch, den 15. April 1908. 59. Jahrgang.

Fortwährend

werden BestellitNge« auf die

Kchlüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt

von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner

Zeitung den meisten Erfolg,

Inserate

da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Amtliches.

J.-Nr. 1948 K.-A. Die Herren Standesbeamten der Stadt- und Landgemeinden ersuche ich, bis spätestens 22. b. Mts. den Bedarf an Formn» laren für das Jahr 1909 anzugeben

a) Auszug aus dem Geburtsregister, (Bogen)

b) Heiratsregister,

c) Sterberegister,

d) Bescheinigung der Eheschließung,

v) Aufgebot....... .

f) Bescheinigung des Aufgebots und standesamtlicher Ermächtigung.

Schlücytern, den 11. April 1908.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

Bekanntmachung.

Nach Mitteilung der Inspektion der Infanterie- Schulen herrscht, bei den Unteroffizierschulen und Unteroffiziervorschulen für die diesjährige Frühjahrs» und Herbsteinstellung noch ein sehr erheblicher Mangel an Freiwilligen.

Die Einzustellenden in eine Unteroffizierschule müssen mindestens 17 Jahre alt sein, dürfen aber das 20. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Der Aufenthalt in den Schulen dauert im Allge­meinen 3 Jahre.

Diejenigen in eine Unterffiziervorschule dürfen nicht unter 15 aber auch nicht über 17 Jahre alt sein.

Nähere Bestimmungen sind beim unterzeichneten Kommando zu haben.

Königliches Bezirkskommando Hanau.

Hdte Kerzen.

Roman von Erwin Friedbach. 33

Fröstelnd, in einen großen, dunklen Schal gehüllt, ging sie emher, alle kleinen Künste verschmähend, die sie frü- her angeweiwet, da» leise ZerstörungSwerk der Jahre zu verwlschen. Eine tiefe Mutlosigkeit hatte sie ergriffen und ließ ihre Stimmung eine immer düsterere werden.

Heute war Sonntag, ein unfreundlicher Oktobertag. Frau Therese hatte das Frühstück auf ihrem Zimmer ein« genommen, dann war Dora erschienen, um der alten Dame auf chren Wunsch eine Predigt vorzulesen.

Als diese beendigt war, kam Rosamunde herein, da» bekannte gelbliche Kuvert mit den fremden Postzeichen hoch- haltend.Roderich hat geschrieben, und so viel Hübsche«, daß ich es Euch nur gleich vorlesen will! Auguste braucht Niich heute nicht. Mit dem Gänsebraten wird sie schon allein fertig."

In dem behaglichen Zimmer mit seinen grünen Vor­hängen und Portieren, den dunklen Möbeln und dem kni- sierndenKohlenfeuer im weißeuMantelofen, während drau- der rauhe Herbstwind sein Spiel mit den nackten Zwei- der Baume trieb, war eS zu einem Plauderstündchen wiegeschaffen.

ben önht v"? Ast saß am Fenster, Dora ihr gegenüber, teud bef/pr^ «lne $ötelei gebeugt, sie behauptete, arbei- tenv besser zuhören zu können.

siwgt e« an/ sagte Rosamunde, die Blät- hiL^fi^ lastend.Der Anfang dürfte Euch kaum rtmmH^ schrieb er für mich allein. Du wirst er- nm^ht Florenz zu wissen, liebe Rosa- KUrOmiR mhff tri*®^' 'vaS mich hier gebunden hält.

klassische Altertümer genießen will, muß sich ""derbem gehöre ich zu denjenigen, die * Ä ^^T^ anLie Kunst stellen. K-.^^' !$ en ^"^l auf die Leinwand zau­berte, ein Michel Angela in Marmor meißelte, oder ein

Karfreitag.

Ich kann nicht müde werden, Dem Kreuzbild anzusehen.

Es ist auf dieser Erden Kein Bild, o Herr, so schön.

Nicht schön nach Erdenweise, Die anders wägt und mißt.

Ich aber rühm' und preise, Daß du die Liebe bist.

Mein Reden und mein Denken Soll vor dir stille sein. Ich will mich ganz versenken

In deine Kreuzespein.

Ich schöpfe neues Leben

Aus deiner Gnadenflut.

Dir will ich mich ergeben,

Du bist mein höchstes Gut.

Nicht mag ich weiter treiben,

Was ich zuvor getan.

Bei dir will gern ich bleiben, Nimm mich zu eigen an.

Ich rühm' mit frohem Munde, Was selig mir geschah

In der Karfreitagsstunde

Beim Kreuz von Golgatha. M. u.

Zum Karfreitag.

Gibt es etwas Gewaltigeres, Erschütternderes als das Bild des am Kreuz für die Menschheit sterbenden Erlösers? Unter Gottes Willen sich beugend,nicht mein Wille geschehe, sondern der deine", hat er sein WerkErlösung und Versöhnung" vollbracht. Jene sieben Worte am Kreuze fassen sein ganzes Leben, seine betende, vergebende, sorgende Liebe, Jein Ringen, sein Erbarmen zusammen, um auszukungen in dem: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!" Welche Worte könnten wohl das Furchtbare, das Jesus in den letzten Stunden seines Lebens erfährt, schildern!Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu versenken, die dich bewog, aus aller Schuld des Bösen uns zu erlösen!" Von einem Jünger verraten, von den andern ver­lassen, von seinem Volke dem fremden Statthalter übergeben, verhöhnt, verspottet und ans Kreuz ge­schlagen, schaut er zurück und spricht:Es ist voll­bracht!" Das ist kein menschliches, das ist ein göttliches Können! Er war gehorsam bis zum Tode,

Beethoven in Musik setzte, interessiert mich leider herz­lich wenig. Ich betrachte die Kunst mit den Augen eines Mannes, der sich zu erinnern glaubt, sie schon einmal ir» gendwo in viel höherer Vollendung gesehen zu haben. Was mich hier fesselt, ist die Natur. Drei Tage lang war ich im Palazzo Pitti und den Uffizien umhergeschlendert und kam mir vor wie ein recht unausstehlicher Nörgler, der den Staub von seinen Füßen geschüttelt und dem eS in der Fremde auch nicht besser ergeht. Da führte mich mein Stern in den Bobolipark, Mama wird sich seiner von ihrer letzten Reise her erinnern. Seit einer Woche lebe und träume ich nun in diesem Garten. Ich möchte Dir ein Bild von ihm entwerfen, fürchte indessen, es gelingt mir nicht. Seltsam, trotz seines grundverschiedenen Cha­rakters erinnert er mich an den Park von Friedensheim, und vielleicht ist es das, was mich so anzieht. Ich glaube jetzt keünen gelernt zu haben, waS Heimweh bedeutet. Ueber diesem Garten, in dem eS keine Blume gibt, schwebt der ernste Hauch beS Unvergänglichen, als wäre er für die Ewigkeit geschaffen; oft wandle ich durch eine schmale, endlos lange Zypressenallee, an deren AuSgang ganz unten ein weißes Schloß auf blauschimmerndem Wasser steht. Ich gehe weiter und weiter und kann das Schloß inmitten der azurblauen Wellen doch nicht erreichen, er liegt am jen­seitigen Ufer. Zuweilen aber ist'» mir, als müsse ich eS doch einst erreichen und käme hinein in diesen Märchen­traum der verlorenen Paradieses." Hier brach Rosamunde mit dem Bemerken ab, Dora möchte weiter lesen, sie wolle doch lieber nach dem Gänsebraten sehen, den Anna ver­brennen lasten könnte.

Frau von Ast schloß die Augen und lehnte den Kopf zurück, ein Gefühl des Mitleids für den Sohn hatte sie ergriffen. Armer Roderich, suche immer mit dem Bilde in Deiner Seele den Traum des Paradieses ein Traum unter Palmen und Orangen ist erlaubt. Dann kehre heim, daß der nordische Himmel Dich genesen finde und willenS- stark zum männlichen Entsagen.

Dora schwieg ebenfalls, das Haupt tief über ihre Ar­

ja bis zum Tode am Kreuze; er wies des Versuchers Lockung zurück, der ihn zürn Herrn der Welt machen wollte; er lehrte und erfüllte der Liebe heilige Pflicht, auch ohne Dank zu helfen, zu trösten, auch für die Feinde zu beten. Ein Prophet, ein Hoherpriester, ein König, aus jener andern Welt zu uns gekommen, ließ er als ein guter Hirte sein Leben für die Schafe seiner Herde und spricht: es ist vollbracht! Das ist kein menschliches, das ist ein göttliches Tun!Es ist vollbracht!" So antwortet Gott der Herr am Oster- morgen auf dies Karfreitagswort mit seinem Ja und Amen in der Auferstehung Jefu Christi.Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg!" Für jeden, der es vernehmen will, ist dieses Wort gesprochen. Es verkündet: Trost den Betrübten, Hülfe den Zagen­den, Gericht den Gottlosen, Seeligkeit den Erlösten. Wir aber wollen uns in dieser heiligen Feftzeit unter Christi Kreuz stellen und aus den Händen unseres Heilandes die Wohltat dankbar und gläubig entgegen­nehmen, die er uns zu spenden so herzlich bereit ist.

Deutscher Deich.

. Der Reichstag nahm am Dienstag die Novelle zum Börsengesetz in zweiter Lesung nach den Beschlüffen der Kommission an. Der zweite Artikel, der Bestimm­ungen über die Zulassung der Wertpapiere zum Börsen - Handel trifft, gelangte nach unerheblicher Debatte zur Annahme. Eine längere Diskussion riefen nur die Artikel 3, 3a und 4 hervor, die das Verbot des Börsen- terminhandels in Getreide und Mühlenfabrikaten ent­halten und die Zulassung des Terminhandels in Berg­werks- und Fabrikanteilen von der Entscheidung des Bundesrats abhängig machen und außerdem scharfe Strafbestimmungen enthalten. Die übrigen Artikel wurden debattelos angenommen. Am Mittwoch wurde das Vereinsgesetz in dritter Lesung in der Kommissionsfassung mit 194 gegen 168 Stimmen bei zwei Stimmenhaltungen in der Gesamtabstimmung an­genommen. Das Börsengesetz wurde gleichfalls in dritter Lesung in der Gesamtabstimmung mit 203 gegen 168 Stimmen angenommen Sodann vertagte sich das Haus bis zum 28. April.

Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Dienstag in zweiter und dritter Lesung den Nachtrags­etat über die Teuerungszulagen an die Beamten. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben erklärte, um möglichstes Entgegenkommen zu betätigen, sei die Re­gierung bereit, trotz der obwaltenden ernsten Bedenken

beit gebeugt. Sie hatte den Brief still beiseite geschoben, ohne die Weisung RosamundeS, den Schluß zu lesen, zu befolgen, weil auS den Worten Roderich von Ast» ein Atem wehte, der wie der heiße Duft einer fremdartigen Blume berauschte.

Frau Therese richtete sich auf, die Blicke der beiden be­gegneten sich, tief und forschend ruhten die klaren Augen auf dem jugendlichen Antlitz.

Dora erglühte bis zu den Schläfen unter einem bren­nend heißen Schuldgefühl; e» war ihr, als habe Frau von Ast die Wahrheit auf dem Grunde ihrer Seele gelesen, und überwältigt von Scham, preßte ihr die» Bewußtsein unwillkürlich die vorschnellen Worte au»:Ich werde Frie­densheim verlosten."

Frau Therese beantwortete die spontane Aeußerung nicht; erst nach einer Weile:Ich beabsichtige, heute nach­mittag einen Gang nach Erichhof zu unternehmen: wol­len Sie mich begleiten, Dora? Ich möchte einmal recht ungestört mit Ihnen sprechen."

Gern, gnädige Frau."

*

Während der Mahlzeit, die einsilbig verlief, lag ein Druck auf allen. Als Frau von Ast ihr Mittagsschläfchen hielt, zog Rosamunde Dora mit nach ihrem Zimmer.

Die Sonntage sind jetzt so öde auf Friedensheim; kom­men Sie, Dora, wir plaudern eine Weile bei mir."

Sie zog den Brief ihres Mannes au» der Tasche, be- trachtete zerstreut die Aufschrift und verschloß ihn.Sie denken gewiß, ich bilde mir ein, Roderich schreibt da» nur für mich, das ist aber nicht der Fall. Ach ja, wie schwer ist doch im Grunde baS Dasein, und wie sehne ich mich oft danach, eS hinter mir zu haben."

Sie, Frau von Ast, die so bevorzugt vom Glücke wur- den?" bemerkte Dora verwirrt.

Das ist vorüber; und al» da» Glück mein war, wußte ich es nicht zu schätzen." . _ 140,18