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SchlüchternerMung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".________________________

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, dm 18. April 1908.

59. Jahrgang.

Fortwährend

werden Bestellungen am'

Schlüchterue Zeitung

mit amtlichem Äi?!^u

von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner

Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Bekanntmachung.

Nach Mitteilung der Inspektion der Infanterie- Schulen herrscht bei den Unteroffizierschulen und Unteroffiziervorschulen für die diesjährige Frühjahrs« und Herbsteinstellung noch ein sehr erheblicher Mangel an Freiwilligen.

Die Einzustellenden in eine Unteroffizierschule müssen mindestens 17 Jahre alt sein, dürfen aber das 20. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Der Aufenthalt in den Schulen dauert im Allge­meinen 3 Jahre.

Diejenigen in eine Unterffiziervorschule dürfen nicht unter 15 aber auch nicht über 17 Jahre alt sein.

Nähere Bestimmungen sind beim unterzeichneten Kommando zu haben.

Königliches Bezirkskommaudo Hauau.

Osterglocken.

Die Osterglocken klingen.

Der Lenz zieht wieder ein,

Die Blütenknospen springen

Im Warmen Sonnenschein.

Und dort die Lebensquelle,

Die blinkt so silberklar,

Ihr Wasser fließt so helle

Und rauscht so wunderbar.

Könnte Ostern wohl mit schöneren Worten begrüßt werden, als es der Dichter in vorstehenden Versen tut? Die Osterglocken sollen uns eine verheißungsvollere Jahreszeit einläuten, sie sollen nach den trüben Tagen, da in der Natur die Lust des Lebens schwieg, den licht- und lusterfüllten Frühling wecken. Das große Auferstehungsfest in der Natur predigt uns mit lauter

und vernehmbarer Stimme die Größe, Liebe und All­macht des Weltenschöpfers. Schauen nicht unsere Augen immer und immer wieder die Wunder der Natur, die ihren ewigen, unabänderlichen Gesetzen folgt; schweifen unsere Blicke nicht mit Freuden und Entzücken über die sich neu belebende Szenerie; erfreut sich nicht Herz und Sinn an dem herrlichen Blütenflor, der Garten und Flur zu schmücken beginnt? Ihr Feierkleid legt Mutter Natur an, mit Blumen garniert schmückt sie ihre Toilette, die Knospen an Baum und Strauch springen, Feld und Flur fangen an zu grünen, der Lustgesang der Vögel tönt im Gezweige.Hier ist ein Wunder, nehmt es an!" Wir empfinden es nach was Goethe seinen Faust sagen läßt:

Ein unbegreiflich holdes Sehnen

Trieb mich, durch Wald und Wiesen hinzugehen, Und unter tausend heißen Tränen

Fühlt' ich mir eine Welt erstehen.

Aber im Osterfest feiern wir nicht bloß das Aufer­stehungsfest der Natur, wie es unsre heidnischen Vor­fahren taten, sondern für uns Christen hat es eine viel tiefere Bedeutung, indem es uns an die Aufer­stehung des Welterlösers erinnert, der die Fesseln des Grabes gesprengt und sich selbst als den Sieger über Tod und Gruft bekundet hat, damit er den Seinen für alle Zeiten sich zeige als den Himmelheimischen, den Vorangehenden, den, der die .Heimstätte bereitet hat. Für uns Christen lautet daher auch die Mahn­ung der Osterglocken:

Christ ist erstanden!

Freude dem Sterblichen,

Den die verderblichen,

Schleichenden, erblichen

Mängel umwanden.

Für wen Christus nicht auferstanden, für den sind die schönsten Osterblumen welk, und die Osterknospen tragen den Keim des Todes in sich, und auch für unser ganzes Volk, seine Seele und sein Wesen gibt es keinen andern Jungbrunnen, keinen andern Kraft­born, keinen andern Erneuerungsquell als den des Osterglaubens.

Doch auch im Völkerleben läuten die Osterglocken Auferstehung. Es war um die Osterzeit, als im Jahre 1871 im Frieden zu Frankfurt das geeinte deutsche Vaterland in neuer Herrlichkeit auferstand, und seit jener Zeit hat in Deutschland der Auferstehungsge­danke feste Wurzel gefaßt. Aus den zerstückelten klein« lichen Verhältnissen ist Deutschland anferstanden als

Deutsches Reich. Und noch bis zum heutigen Tage dauert dieser Auferstehungsprozeß fort. Deutschland wächst und dehnt sich nach allen Himmelsrichtungen aus und nimmt Anteil am handelspolitischen und industriellen Wettkampfe der Völker. In fernen Erd« teilen treiben wir innere und äußere Kulturarbeit. Unter der Sonne Afrikas arbeitet deutscher Geist und deutscher Schweiß, unter halbwilden Volksstämmen der australischen Inseln hat deutsche Intelligenz ihren Ein­zug gehalten, an den Küsten des chinesischen Riesen« reiches haben sich deutsche Männer angesiedelt, um auch dort, viele taufende von Meilen vom deutschen Vaterlande entfernt, ihrer Heimat Ehre zu machen und den Namen und die Macht unserer Nation zur Geltung zu bringen. Wir dürfen daher getroßt mit einstimmen in den Freudenruf des Dichters:

Ostern! tönl's in deutschen Landen, Brauft's im lauten Jubelchor: Unser Volk ist auferstanden Herrlicher als je zuvor ....

Und am Ostertag beschieden

________Sei ihm Frühling, Freiheit Frieden!_______

Deutsches Reich.

Der Aufenthalt des Kaiserpaares im Achilleion auf Korfu ist vorläufig bis zum 28. April in Aussicht genommen. Prinz Oskar, der den früheren Disposi­tionen am Mittwoch abreisen sollte, bleibt bis zum 29. ds. Mts. Das Unwetter hat einen Teil der Dekora« tionen an der Einzugsstraße zerstört, deren dicke Masten stellenweise zerbrachen. Der Kronprirz von Griechen­land verließ am Mittwoch Korfu, während die Krön- Prinzessin mit den Kindern, weiter dort bleibt. Die Kaiserliche Familie unternimmt auf Korfu viele genuß« reiche Spazierfahrten. Am Sonntag abend brachten Männer, Frauen und Kinder des Dorfes Gasturi den Majestäten eine kleine Huldigung durch Gesang, Hoch­rufe und Abbrennen von Buntfeuerwerk aus. Am Montag erschien der Kaiser zum Frühstück an 'Bord des englischen PanzersJmplacable".

Ein sozialdemokratischer Frauenwahlverein soll in Berlin gegründet werden. Sehr schön ist es, daß in dem im Vorwärts veröffentlichten Aufrufe ausdrück­lich zugegeben wird, daß man die Möglichkeit zu einer solchen Gründung dem neuen Vereinsgesetz verdankt, das die Genossen doch so unentwegt bekämpft haben. Und so etwas druckt der Vorwärts ab. Ist ihm die bessere Einsicht gekommen oder geschahs in der Flüch­tigkeit einer schwachen Stunde.

Gdte Kerze«.

Roman von Erwin Friedbach. 34

Dann kam eine Stunde der Erkenntnis, die mich auf- rüttelteund mir zeigte, daß ich alles verloren hatte."

Alle» .. unmöglich."

Ich" antwortete Rosamunde tonlos,ich ertrage e» nicht länger, ohne daran zu sterben. Aber zuweilen, wenn alles umher so stumm und starr ist, da kommt solch eine wahnsinnige Verzweiflung über mich, die mir die Brust zusammenpreßt, als müsse ich daran ersticken."

Ich ahnte nicht, daß Sie so leiden," sagte Dora er schüttert. u

Wie sollten Sie auch, erfuhr ich selbst doch erst um v,e Zeit, als Doktor Burghardt hier war, was mich ver- nichtete; da gestand Roderich dem vertrauten Freunde, waS sonst nie über seine Lippen gekommen wäre: daß er un­glücklich ist durch seine Ehe."

Dieses Geständnis traf Dora wie ein Keuleuschlag.Ge- wlß hat Herr von Ast nur auS einer vorübergehenden Ver- stunmung gesprochen," äußerte sie fast unverständlich vor Verwirrung und peinlich von dem Inhalt des Gesprächs getrosten.

»9iein, Dora; was er sagt, war der unfreiwillige AuS- ^"6k heimlich getragenen Schmerzes, der sich bricht. Mir ist unser Verhältnis nun voll- staiidig klar er liebte mich nie. Roderich nahm mich nur Rücksicht gegen seinen Bruder Henning. Zuerst gab er sich Mühe, nur Verständnis für die höheren Diuge, die er so wertschätzt, beizubringen, aber ich besaß durchaus keinen Sum dafür. Das mag Rodi wohl tief empfunden haben, er gab die Versuche auf, und ich in meiner Blind- heck freute mich darüber, nicht bedenkend, daß ich ihn da- durch von mir entfernte. Damals war mir noch unbekannt, »vaS ich jetzt von Mama gelernt habe, daß eine Frau, um sich dauernd die Neigung der Mannes zu erhalten stre­ben muß, ihm geistig ebenbürtig zu werden, wenn er wahre Befriedigung in der Ehe finden soll."

Rosaniunde hüllte sich fester in ihren Schal. Ein an der Wand hängender Spiegel warf ihr Bild zurück. Wie sie dasaß, zusammengesunken, eine graue, unförmliche Ge­stalt, das Antlitz matt und sahlbleich, das schwarze Haar schlicht von den Schläfen nach hinten gestrichen. Und dann streifte ihr Blick Dora, die auf dem kleinen Sofa saß, über­ragt von den zierlichen Wedeln einer Palme. Sie trug ein schwarz- und weißgemustertes Kleid, da», geschmackvoll nach griechischem Schnitt gefertigt, die jugendlich-schlanke Figur umschloß, auf dem zarten Gesicht und goldblonden Haar den Hauch frühlingsfrischer Jugend.

Gott weiß, mit was für guten Vorsätzen ich in die Ehe gegangen bin," fuhr Rosamunde, zur Mitteilung ge­trieben, fort,ihn ;» beglücken sollte meine Lebensauf­gabe sein. Nun ist mir klar, daß ich dazu gar nicht be­fähigt und nur so neben ihm hergelaufen bin, daß er eine ganz andere hätte haben müssen. Wissen Sie, Dora, wer für meinen Mann gepaßt hätte, zehnmal bester als ich? Sie! So eine Frau wie Sie, die ihn versteht, auf all sein Denken und Streben verständnisvoll eingeht, eine solche hätte er haben müssen."

Dora war buntetrot geworden und wandte, gezwun­gen durch das verborgene Schuldgefühl, den Blick zur Seite.

Rosamunde bemerkte es, und vage, unbestimmte Ver­mutungen.durchzuckten sie. Lange betrachtete sie die heiß Erglühte:Sollte diese keusche Mädcheuseele ein Geheim­nis bergen, sollte sie, dessen selbst noch unbewußt, Rode­rich lieben?" Und dann geschah das Allermerkwürdigste. Was Rosamunde gegen jede andere vor Eifersucht wild entbrannt haben würde, das ließ sie Dora gegenüber ruhig bleiben. Hatte diese eine solche unselige Neigung ergriffen, dann war sie unschuldig daran wie an einem Schicksal, das von oben über den Menschen kommt.

In Doraö Augen war nach NosamundeS letzten Worten eine Flamme der Empörung aufgeblitzt gegen sich selbst und Roderich.Verzeihen Sie, Frau von Ast, aber da»

bezweifle ich stark. Niemand ist so befähigt und besitzt so vorzügliche Eigenschaften, Ihren Herrn Gemahl zu be­glücken, wie Sie selbst, von keiner Zweiten auf der Welt kann er so treu und hingebend geliebt werden, und sollte er da» wirklich auf kurze Zeit vergessen haben, so wird ex doch zu Ihnen zurückkehren. Neben einer solchen Liebe wie der Ihren ist aller übrige Täuschung und Trug."

Sie verstehen es, zu trösten. Bleiben Sie nur bet mir, Dora! Die Mama hat trotz ihrer großen Güte so etwas Hohes, Abgeklärte» in ihrem Wesen, eine im Kampf erworbene unantastbare Ruhe, neben der ich mir recht kleinlich vorkomme und die mich einschüchtert. In meiner Not aber bedarf ich eine» starken Anhalt», denn gibt e» Traurigeres für eine Frau, deren ganze» Dasein einzig nur die heiße Liebe zu einem angebeteten Gatten au»- füllte, die sich wiedergeliebt wähnt und nun einet Tage» mit der Gewißheit erwacht, daß alle» Täuschung war und sie dem Manne nichts ist als eine drückende Last, von der er sich befreit wünscht ? Ich glaube schwerlich, daß es Här­teres für ein Weib zu tragen gibt."

Dieses Gespräch gab Dora Veranlassung zu den ernste­sten Betrachtungen und vermehrte den Zwiespalt, unter dem sie bereit» litt.

* * *

Am Nachmittag trat sie mit Frau Therese den verab­redeten Spaziergang an.

ES war in dem Tannenholze, da» Friedensheim vom Eichhof trennte, dämmerig und still. Gelblich schlängelte der Weg sich zwischen den braunen schlanken Säulen hin, durch deren Kronen hoch oben da» Rauschen de» Herbste» zog, hin und wieder ertönte der krächzende Ruf eine» Na- ben oder da» Hämmern einet Spechte» durch die Stille.

Sie äußerten heute morgen den Entschluß Frieden», heim zu verlassen, Dora. Haben Sie da» reiflich überlegt?"

Es ist das Resultat eines schweren Kampfe», gnädige Frau," sagte Dora gepreßt. . , __ 140,15