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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 M. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 22. April 1908.

Fortwährend

werden Bestellungen auf die

Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt

von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner IIB3Ul d Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Austage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Reich.

Die Reiseverfügung des Kaisers werden sich nach den bisherigen Festsetzungen für die Frühlings­und (Sommermonate im großen ganzen wie folgt ge­stalten : Nach Rückkehr aus Korfu und dem Mittel­ländischen Meer Beglückwünschung des österreichischen Kaisers mit tzen deutschen Bundesfürsten am 7. Mai in Wien, Besuch beim Fürsten Fürstenberg in Donau- eschingen zur Jagd, Einweihung der Hohkönigsburg, Aufenthalt in Wiesbaden zu den Festspielen, Besuch des 116. Regiments in Gießen, Jagdbesuch in Pröckel- witz, Teilnahme an der Jahrhundertfeier der Leib­husarenbrigade in Danzig und Besuch der Marienburg, Abhaltung der Paraden in Potsdam und Berlin, Teilnahme an der Jahrhundertfeier des Leibregiments in Frankfurt a. O. am 7. Juni, Jagdausflüge, Kieler Woche, Nordlandreise, Besichligungen der Kavallerie­divisionen in Alten-Grabow und in der Senne, Auf­enthalt auf Wilhelmshöhe, Abhaltung der Herbstparade des Gardekorps, der Paraden über das 15. und 16. Korps und der großen Manöver dieser beiden Korps.

DieNordd. Allg Ztg." schreibt: Generalfeld­marschall v. Hahnke erhielt vom Kaiser folgendes Tele­gramm aus Achilleion: Ich bin tief betrübt über die Meldung von dein Brande, welchem die Alte Garni­sonskirche so bald nach ihrer Renovierung zum Opfer gefallen ist. Allen die sich an dem Rettungswerk be­teiligt haben, insbesondere der Feuerwehr, welche Be­wunderungswertes leistete, spreche ich meinen könig­lichen Dank und Anerkennung aus.

Der sozialdemokratische Personenkultus wird drastisch durch folgende in einem Leipziger Verlage erschienenen Postkarten für die Maifeier beleuchtet: Nr. 123. Chrysanthemum mit Porträts Marx, Lassalle

dauert, hat der schwedische Arbeitgeberverband beschlossen, eine umfangreiche Aussperrung in allen Arbeitszweigen vorzunehmen, die zur Bauindustrie in Beziehung stehen. Die Zahl der durch die Aussperrung betroffenen Ar­beiter ist sehr groß.

Die russische Duma hat die Vorlage über den Bau der Amurbahn, die auf sibirischem Boden eine Verbindung zwischen Nertschinsk und Chabarowsk her­stellen soll, bewilligt.

Die Ausweisung von Anarchisten aus Nord­amerika nimmt jetzt ernsthafte Formen an. In New- Iork wurden dieser Tage 46 Anarchisten, fast alle russischer oder italienischer Nationalität, auf Haftbe» fehl von Washington aus festgenommen. Es ist dies ein weiterer Schritt des von Präsident Roosevelt gegen die Anarchisten eröffneten Kampfes. Die Verhafteten werden auf die Einwandererstation der Ellis Insel geschafft und dort vor ein besonderes Untersuchungs­komitee gebracht. Diejenigen, die keine Naturalisier­ungspapiere besitzen, werden alsunerwünschte Aus­länder" deportiert werden. Diejenigen, die im Besitze der Papiere sind, können ebenfalls deportiert werden, falls sich nachweisen läßt, daß sie während ihres Auf­enthaltes in den ersten drei Jahren vor ihrer Natur­alisation ein Verbrechen begangen oder zu einem Ver­brechen geraten haben.

Die amerikanische Schlachtflotte im Süllen Ozean hat nunmehr ihre Schießübungen in der Mag- dalenenbai beendet und ist nach dem südlichsten kali­fornischen Hafen, nach San Diego abgegangen und dort auch bereits eingetroffen.

Ihr nächstes Ziel ist San Francisco Der chinesische Boykott japanischer Waren nimmt beständig an Ausdehnung zu. Die chinesischen Exporteure ver­schiffen nichts mehr in japanischen Schiffen. Mehrere große chinesische Firmen zerstörten ihre japanischen Waren.

Der Wahla«fruf des Komitees für die Wahl des Herr« Pfarrer Meye«fchet« wird in den nächsten Tagen veröffentlicht. Die Unter­zeichner des Aufrufs und mit ihnen noch viele Einge­sessene des Wahlkreises wünschen lebhaft, daß Herr Pfarrer Meyenschein als Vertreter desselben wieder in den Landtag einzieht. In der letzten Wahl war es das allgemeine Vertrauen, das man dem um unseren Bauern- und Handwerkerstand verdienten Manne ent» gegenbrachte und das ihm das Mandat verschaffte, diesmal ist es die aus der Erfahrung gewordene Ueber-

und Bebel. Den Alten zur Ehr, den Jungen zur Lehr. Nr. 125. Bebel als Reichsschmied. Ich hämmere jung das alte morsche Ding, den Staat. (Bebel als Schmied holt wuchtig zum Schlage mit dem Hammer aus, um das Reichsschild umzuformen.) Nr. 128.Vorwärts", dem Ziel entgegen. Bebel als Weichensteller. Nr. 130. Die Festrede. Saal mit Redner, rechts Porträt Bebels. Nr. 134. Bebel spricht im Reichstage zum Etat. (Die Karte zeigt Bebel, wie er, umgeben vom diplomatischen Chor und den Abgeordneten eine seiner scharfen Anklagereden hält.) Dabei hat die Sozial- demokratie noch die Stirn zu behaupten, sie treibe keinen Personenkultus!

Auch in Magdeburg ist der Maifeierumzug der Genossen" polizeilich verboten worden wegen Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung.

Von der Reichsregierung wird folgende beher­zigenswerte Mahnung an die Presse erlassen: Ein Teil der Tages» und Fachpresse bringt in letzter Zeit häufig Notizen und Aufsätze über Neuerungen und auf dem Gebiete unserer Seerüstung, deren Geheim­haltung im Interesse der Landesverteidigung durchaus geboten ist. Auch an Versuchen, Angaben über die neuen Linienschiffe und Panzerkreuzer zu erlangen und zu. veröffentlichen, hat es nicht gefehlt. Demgegenüber muß betont werden, daß es durchaus im Interesse unserer Marine und unseres Landes liegt, wenn die tatsächlichen Eigenschaften unserer neuen Schiffe auch weiter unbekannt bleiben. In zweifelhaften Fällen wird das Reichs-Marine-Amt die Zulässigkeit von Veröffentlichungen aller derartigen Marine-Angelegen- heitcn gerne prüfen.

Ausland.

Fürst Bülow in Rom. Der König hat am Montag den dentschen Reichskanzler Fürsten Bülow in Privataudienz empfangen. Der Besuch des Fürsten bei Tittoni dauerte eine Stunde. Das angesetzte Diner beim deutschen Botschafter fand wegen Erkrank­ung des deutschen Botschafters nicht statt. Minister Tittoni erwiderte den Besuch des Fürsten Bülow. Die Besprechung dauerte Stunden.

Der Wiener Stadtrat bewilligte einen Kredit von 20 000 Kronen für die Ausschmückung der Straßen anläßlich der Ankunft des teutschen Kaisers und der deutschen Bundesfürsten.

Eine Riesenaussperrung im schwedischen Bau­gewerbe steht bevor. Da der vor längerer Zeit aus-! gebrochene Ausstand in der Bauindustrie noch fort«

Gdte Kerze«.

Roman von Erwin Friedbach.

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Sie erschauert. Ein unaussprechliches Grauen durch- rieselt sie bei dem Gedanken, die Frau des Grafen Men- der zu werden. Aber eS muß sein, denn auch die Aussicht, der wildfremden Menschen noch einmal zu beginnen in abhängiger, dienender Stellung, ist ihr unerträglich. Nur jetzt noch nicht! Und mit der Angst der Verzweiflung suchte sie der Erinnerung an dieses Fürchterliche zu entrinnen.

Dora geht weiter und blickt spähend über den hier abzweigenden Weg, der quer durch die Heide führt. Ganz hintenwird eine einzelneFranengestalt sichtbar,derenSchat- tenriß sich undeutlich vom grau nebelnden Hintergründe ab- zeichnet. Plötzlich fliegt der vom Winde umgekippte Re­genschirmhoch empor und durch die Luft davon. Von der Wucht des fast zum Sturm ausgearteten Windes gezwun- gen geht die Gestalt nach vorn gebeugt, tapfer dem Un- gestüm des wilden Gesellen standhaltend. DaS ist Wilma die unentwegte, unermüdliche I Dora kommt sich kleinlich vor neben der Schwester, die, von keinem Lebenssturm gebeugt, standhaft ihren Weg verfolgt. ^n-?n-n/n ®orQ' Wenig fehlte, so wäre ich auf e,nem Schirm hängend, als Luft- ballon nach FriedenSheim gesaust. Wie köstlich ist e» hier in der Helde, die recht wenig Federlesens mit uns winzi­gen Menschenkindern macht!"

*®u 6"'^ strahlend auS, Wilma 1*

Ja, das hat auch feine Gründe. Erstens bin ich ganz weg von dem Idyll bei Frau Rektor, so sauber ist alle­in dem Schiilhaii», so friedselig, Dora; alle Wunden fangen an zu heilen. Heute morgen waren wir in der Kirche, der junge Pfarrer W'gand predigte einfach, aber erhe­bend. Zufrieden und gestärkt verließ ich das Gotteshaus, ^ann hinaus durch Sturmund Wetter nach FriedenSheim meinen Lieben, nichts sollte mich abhalten. Und wie lch draußen bin, totlachen hätte ich mich können, Dora, -V Wmd hatte k- nämlich darauf abgesehen, Streit m^

mir anzufangen, aber ich habe ihm ins Gesicht gelacht und gedacht: Brause nur. Du Unhold, meinen Schirm kannst Du mir schon entreißen, aber Wilma besiegst Du nicht."

Weißt Du auch, Wilma, daß Du eine Leben-künstle­rin bist ? Selbst das Alltäglichste betrachtest Du mitSonn- tagSaugen und schaust irgend etwas Hübsches heraus, wo­ran Du Dich erfreuen kannst. Du bist reich! An Deiner Wiege stand die Göttin des Frohsinns und schenkte Dir das Schönste: den Humor, die echte, reine Heiterkeit."

Kann wohl sein, Dora, wen die Vorsehung einen dunklen Weg führt, dem gab sie auch eine Leuchte mit, um sich zurecht zu finden. So gleicht sich alles aus, kei­ner ist im Grunde schlimmer daran als der andere. Ich sage, die Sonne spiegelt sich in jedem Tautropfen, wie viel mehr nicht in einer Menschen Auge. Wir sollen nur sehen lernen, und ein Sonneubild leuchtet uns aus allem."

Bald nach ihrer Ankunft auf FriedenSheim trafen auch Graf Mender und ein benachbarter Gutsbesitzer ein, so daß FrauTherese von Ast ihre Whistpartie haben konnte.

Wilma aber, die für LorchenS Puppe ein Kleid nähte, hatte an diesem denkwürdigen Nachmittag eine Entdeckung gemacht, die sie eigentümlich berührte.

Man befand sich in Frau ThereseS Salon mit seinen behaglichen Eckchen und lauschigen Plätzen. Da bemerkte sie daS versteckt an der Wand neben dem Kamin in ge­schnitztem Eichenrahmen hängende Bild eines noch jugend­lichen Mannes, daS ihr lebhafte- Interesse erregt und ihr zugleich ausnehmend gefiel. Eine freie,charaktervolleStirn, unr die sich in schön geschwungenem Ansatz daS zurückge­kämmte dunkle Haar zog, eine feine, gerade Nase, über den Lippen ein Bärtchen, der GesamtauSdruck geistvoll, kühn und doch nicht ohne Güte. Ein liebenswürdige» Antlitz, ähnlich dem RoderichS von Asts, von dem da- Auge sich nur ungern trennt.

«Wer ist das, Lorchen?"

Onkel Henning, PapaS Bruder; Großmama sagt, er kommt wohl niemals wieder, er ist gewiß gestorben."

Also der verlorene Sohn," dachte Wilma. Sie be­trachtete ihn von neuem lange Zeit. Der sah nicht im ent­ferntesten aus wie ein verlorener Sohn. Schade, daß er in der Fremde hatte sterben und verderben müssen.

Sicherlich war er nicht schlecht gewesen, nur verführt und dadurch auf Abwege geraten. Sie verstand jetzt Frau von Ast besser, die tieftrauernde Mutter, die unverkenn­bar unter dem Schmerz um den verschollenen geliebten Sohn hinsiechte.

Weißt Du das Neueste, Dora ?" fragte sie später beim Abschiednehmen scherzend.Meine Seele hat sich al- ein photographischer Apparat entpuppt; ich trage ein Bild da­rin, daS nicht wieder heraus will. Beruht e- auf Wahr­heit, daß man sich in ein Bild verlieben kann, so würde ich alte törichte Person wirklich glauben, mir sei eS heute so ergangen."

Leider wäre daS eine recht unglückliche Liebe, meine arme Wilma."

Wer weiß?* entgegnete diese lächelnd,zum minde­stens erlebte daS Ideal niemals Enttäuschung, und da» ist schon etwas wert."

Es fügt sich im Leben oft recht wunderbar, Wilma, und, eS könnte wohl sein, daß die Bekanntschaft Henning von Asts in Natura Dir vorbehalten wäre. Frau Therese erzählte mir heute früh von einem Traum, den sie gehabt, und auS dem sie überzeugungSvoll feine Rückkehr deuten zu dürfen glaube. Sie habe ihn, einen weltmüden Man- derer, einsam durch die Heide gehen sehen, der Richtung nach FriedenSheim zu, ob nun als verkommener Baga- bund, oder als wohlbestellter Mann, wisse sie nicht, kom­men aber würde er der Ahnung ihre» Mutterherzen» zu­folge ohne Zweifel. Sie wolle auch nicht sagen: als ge­besserter Mensch, denn er sei niemals schlecht, nur gren- zenloS leichtsinnig gewesen. In ihr rege sich da» Empfin- den wie die Vorbereitung auf einen Feiertag." 140,1&