SchlüchlernerAitung
mit amtlichem Nreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
__vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen tosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 39
Mittwoch, den 13. Mai 1908
59. Jahrgang
Amtliches.
Lairdtagswahl.
J.-Nr. 6019. Den nach meiner Kreisblattverfügung vom 16. v. Mts — J.-Nr. 4762 — zu Wahlvorstehern für die Wahl der Wahlmänner ernannten Herren Bürgermeister werden in den nächsten Tagen die auf Grund der Urwählerlisten für die Urwahlbezirke aufgestellten Abteilungslisten zur öffentlichen Auslegung gemäß § 9 des Reglements vom-^^^- von welchem ein Druckexemplar mit dem Formular zum Wahlprotokoll bereits übersandt worden ist, zugehen.
Die Abteilungslisten sind alsbald nach Empfang im Geschäftslokal des zum Wahlvorsteher ernannten Bürgermeisters während dreier Tage und zwar am 18., 19. ««d 20. d Mts. zu Jedermanns Einsicht öffentlich auszulegen.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher der zu den Urwahlbezirken gehörigen Gemeinden und Gutsbezirke haben alsbald, jedenfalls aber vor dem 18. ds. Mts. in ortsüblicher Weise bekannt zu machen, daß die Abteilungsliste des Urwahlbezirks während der obenbezeichneten Zeit zu Jedermanns Einsicht öffentlich ausgelegt ist und dabei gleichzeitig das Lokal, in welchem die Abteilungsliste ausliegt, zu bezeichnen. Darüber daß diese Bekanntmachung erlassen worden ist, ist eine Bescheinigung, zu der ein Formular übersandt werden wird, auszustellen und sofort an den betreffenden Wahlvorsteher abzusenden.
Die Herren Wahlvorsteher werden darauf aufmerksam gemacht, daß über Einsprüche gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Abteilunglisten in den Städt-in der Magistrat und in ben Landgemeinden der Unterzeichnete Entscheidung zu treffen haben. Die Herren Wahlvorsteher in den Stadtgemeinden haben deshalb die Verhandlungen über die Einsprüche nebst den Entscheidungen der Avteilungsliste beizufügen, während die Herren Wahlvorsteher der Landgemeinden die Einsprüche mit den Abteilungslisten mir zur Entscheidung vorzu- legen haben.
Die Bescheinigung über die öffentliche Auslegung der Abteilungslisten der städtischen Urwahlbezirke ist von bem betreffenden Magistrat auszufertigen, wohingegen die Bescheinigung aller übrigen Abteilungslisten durch mich erfolgt.
Nach Ablauf der Auslegungsfrist sind mir die Ab- tellungslisten nebst den.Bescheinigungen über die Veröffentlichung des Termins der Auslegung, sowie die in ben Landgemeinden erhobenen Einsprüche sofort wieder
Odle Kerze«.
Roman von Erwin Friedbach.
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An heiterer Tag zu Anfang des April: tiefblauer, wolkenloser Himmel, der sich strahlend über die knospen- »reibende Erde breitet.
in den roei- e» eingelegt-
Heute »st Ostersonntag. Von der Dorfkirche her läu< ten dre Glocken feierlich zun» Gottesdienst; chen Lüften weht belebend der duftige Hauch fr ten Frühlings.
, Im kleinen Borgarten des alten Rektorhauses ist Wilma ersten schüchternsich hervorwagendenSchnee- glückchen Veilchen und Krokus zu einem Strauß für den Zlmmerschmnck zu pflücken. Sie will zur Kirche gehen und hat, um beim Pflücken das schwarzseidene Kleid zu schonen, ein weißes Spitzenschürzchen vorgebunden. Wilma wunderhübsch an diesem lichten Morgen. Die sanft gerundeten Wangen rosig angehaucht, leuchtet aus den N ^?1'°'mperten, ausdrucksvollen Augen körperliches Zufriedenheit und ein Strahl verborge- ^ssen Ursprung ihr selbst unbekannt. DaS « Haar legte sich geschmackvoll geordnet um fernen Kopf.
Leitet sie auf den schmalen Wegen zwi- schen den verschnörkelten Beeten hin und her, hier ein Weilchen, dort eine KrvkuS ihrem Strauß hinzufügend; und ;o eifrig ist Wilma bei ihrer Beschäftigung, daß sie darüber einen Herrn unbeachtet gelassen, der, die Dorfstraße entlang kommend, sich langsam dem einzeln stc- henden Rektorhause nähert. Erst als er hinter der Tor- uenhecke sichtbar wurde und am EingangSpsörtchen still swnd wurde sie aufmerksam und erwiderte seinen höflichen
E» war ein schöner Mann von etwa vierzig Jah- ren, gebrannt, eine stattliche, vornehme Erscheinung in hell- grauem Mantel, die sofort den Fremden verriet der lange »n fremben Weltteilen lebte.
, Und wie er jetzt den Hut vom Kopfe nahm und Wilma
einzusenden. Diejenigen Listen er., welche am 21 d. Mts nicht hier eingehen, werden durch einen besonderen Boten auf Kosten des betreffenden Wahlvorstehers abgeholt werden. Auch die mit der vorgeschriebenen Bescheinigung versehenen Abteilungslisten der Städte sind mir zu diesen Termin zur Einsichtnahme vorzulegen.
Schlächtern, den 12. Mai 1908.
Der Königliche Landrat: I. V. Schultheis.
Beta««tmach««g.
J.-Nr. 2430 K.-A. Die Erd- ««d Maurer arbeite« zum Neubau des hiesigen Kreis- hauses sollen vergeben werden.
Zeichnungen und Berdingungsunterlagen liegen im Stadtbauamt hier zur Einsicht offen und können letztere gegen Erstattung der Selbstkosten von 5.— Mk. solange der Vorrat reicht, ebendaselbst bezogen werden.
Die Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen dem Vorsitzenden des Kreisausschusses hier bis zum 21. d. Mts, abends 5 7» Uhr einzureichen, woselbst sie in Gegenwart der erschienenen Bewerber geöffnet werden.
Schlüchtern, den 11. Mai 1908.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.
Deutsches Reich.
— Der Reichstag erledigte am Donnerstag seine äußerst umfangreiche Tagesordnung in wenig mehr als zwei Stnnden und vertagte sich dann bis znm Herbst. Sämtliche Vorlagen wurden jm wesentlichen nach den Beschlüssen der zweiten Beratung in dritter
Lesung angenommen, auch dort, wo sich die Regierung dagegen erklärte. So wurden auch nach kurzer, aber ziemlich erregter Debatte in der Novelle zum Münzge- setz die Bestimmungen betreffend die Ausprägung von Dreimarkstücken, welche der Bundesrat abgelehnt, mit 178 gegen 94 Stimmen bei drei Stimmenthaltungen aufrecht erhalten. Eine zweite namentliche Abstimmung gab es beim Vogelschutzgesetz, der Versuch, das Verbot des Dohnenstiegs zu beseitigen, wurde mit 225 gegen 68 Stimmen bei drei Stimmenthaltungen abgeschlagen. Sonst ging alles glatt. Abg. Bassermann (natl.) sprach unter lebhaftem Beifall dem Präsidium den Dank des Hauses aus, der Staatssekretär von Beth- mann-Hollweg verlas die kaiserliche Verordnung, durch I welche der Reichstag bis _ zum 20. Oktober vertagt reich der deutsche Kaiser nebst der Kaiserin und die wird, und mit einem brausenden dreiinaligen Hoch auf deutschen Bundesfürsten dem greifen Herrscher ihre
deutlich imMorgensonnenlichtdie freie, kühne Stirn sieht, da» gradlinie Profil, den durchdringenden Blick der tiefblauen Augen, da ergreift es sie plötzlich wunderbar.
Sie hält inne auf ihrem Wege zu ihm, um nach seinem Begehr zu fragen, lächelt ganz freudig überrascht, erstaunt, dann wieder zögernd: O doch, o doch, da» ist er! Und jubelnd wiederholt die Stimme ihres Innern: „DaS ist er, daS ist Henning von Ast!" WaS wird seine Mutter sagen, mit der sie ganz die hochaufwallende Freude der Rückkehr deS verschollenden SohneS fühlt.
Und immer dieses freudige ErkennungSlächeln auf den Lippen und so mächtig im Herzen bewegt bei der Erinnerung an seine Mutter, daß ihre Augen feucht wurden, streckt ihm Wilma, alle Zaghaftigkeit überwindend, offen die Hand entgegen.
„Willkommen, tausendmal willkommen in der Heimat!" Und dann, einer unwillkürlichen Regung folgend, einzig nur gehobene Feiertagsstimmung angesichts deS so unerwartet rasch Wiedergekehrten, reicht sie ihin den klei- nen Strauß von Frühlingsblumen.
Er nimmt sie, und über sein Antlitz, daS ernst, träumerisch und verschlossen blickt, zieht es wie Rührung und Dankbarkeit. Er betrachtet die Blumen und drückt dann seine Lippen darauf. „Ein schönerer Empfang konnte dem fremd Gewordenen Ivohl nicht zu teil werden; nehme»» Sie meinen innigsten Dank. Wie wohl mir daS getan hat, so begrüßt zu werden! Sie wissen, wer ich bin?"
„Herr von Ast..“
»Ja, ich bin Henning von Ast Verzeihung, mein Fräulein, die Leute, die früher hier wohnten, sind wohl auS- gezogen, ich meine Frau Rektor Kürchner."
„O nein, treten Sie nur näher, die wohnt noch hier. Ich bin zur Zeit ihre Gesellschafterin."
Er verbeugte sich mit bem Anstand deS Manne» au» der Gesellschaft.
„Und wodurch wurde mir daS freundliche Glück zu teil, von Ihnen gekannt zu sein, Fräulein . .. ?"
„Fürstuer," vollendete sie, „Wilma Fürstner. Ich sah
den Kaiser gingen die Abgeordneten in die großen Ferien.
— Daß ein Bürgermeister als Protektor der Maifeier auftritt, ist gewiß etwas Ungewöhnliches. Und doch ist es diesmal im lieben Deutschen Reiche vorgr- kommen. Der Bürgermeister der Stadt Offenbach, Dr. Dullo, hatte den städtischen Arbeitern den 1. Mai freigegeben. Die „Offenbacher Zeitung" bemerkt dazu: „Die Aufregung in bürgerlichen Kreisen über die Unterstützung sozialdemokratisch-parteipolitischer Bestrebungen aus Kosten der Stadt durch Herrn Dr. Dullo ist allgemein. Und mehr als einmal begegnete man der Frage: Wie lange wird man noch einen Mann an der Spitze der städtischen Verwaltung dulden, dem zum Bürgermeister von Offenbach nicht mehr als alles fehlt!"
— In Darmstadt ist die Auflösung des Verbandes der „jungen Garde" beschlossen worden. Aber diese Auflösung soll nicht das Aufgeben der Organisation selbst sein. Die sozialdemokratischen Leiter wollen vielmehr ein Hintertreppchen benutzen, um dem Vereinsgesetze ein Schnippchen zu schlagen. Der Verband soll nämlich fortan auf folgende Grundlagen gestellt werden: An allen Orten sollen von über 18 Jahre alten Sozialdemokraten Agitationskomitees gebildet werden, welche unter der Jugend für die sozial- demokransche Partei agitieren und das Verband-organ „Die junge Garde" verbreiten. Die bestehenden Orts- vereine des Verbandes sollen in unpolitische Bildungsvereine umgewandelt werden. Der Lehrlingsschutz, den der Verband bisher als seine Aufgabe betrachtete, soll von ^n Gewerkschaften überommen werden in der Weise daß die Gewerkschaftskartelle in allen Orten Lehrlingsschutzkommissionen bilden. Der bisherige Hauptvorstand soll in eine Zentralkommission für die Jugendagitation umgewandelt werden. — Sicherlich werden die Behörden nicht verfehlen, auch der neuen Jugendorganisation ihre unablässige Aufmerksamkeit zuzuwenden.
— Ein beispielloser Rückgang der Auswanderung
über Bremen ist zu verzeichnen: im April 3057 Personen gegen 28 648 im Vorjahre, darunter Deutsche 758 gegen 2180. In vier Monaten 14 580 gegen 86 769, darunter Deutsche 2671 gegen 4994.
Ausland.
— Im Schönbrunner Schlosse in Wien haben zum 60jährigen Regierungsjubiläum des Kaisers von Oester-
in Friedeusheim Ihr Bild, dessen Züge sich mir so ein- prägten, daß ich Sie erkannte. Da» wird ein Fest dort geben! Sie glauben nicht, wie sehr ich mich Ihrer Mutter wegen freue, die mir eine liebe Bekannte und Beschützerin ist."
Er verbeugte sich noch einmal. „Sehr, sehr schmeichrl- haft." Dann ernster: „Meiner Mutter wegen komm« ich nämlich zuerst hierher, ich möchte Frau Rektor, die eine langjährige Freundin von ihr ist, um eine Gefälligkeit bitten.“
Sie waren dem Hause zugeschritten und schon der Tür nahe, als Frau Rektor, angelockt durch die fremde Männerstimme, herbeigetrippelt kam.
Wilma nannte seinen Namen.
„Herr von Ast, richtig. Glaubte ich doch meinen Augen nicht trauen zu dürfen. Gott, haben Sie sich aber wenig verändert, nur der Bollbart machte mich ein wenig stutzig. Da» ist aber schön; nun bitte, kommen Sie herein."
Als man in der freundlichen Wohnstube, wo el stark nach blühenden Hyazinthen duftete, Platz genommen hatte, meinte Herr von Ast, daß sein plötzliche» Erscheinen vor der Mutter nachteilige Folgen für sie haben könnte. Er hätte die Erfahrung gemacht, daß auch freudige Ueber- raschung von verhängnisvoller Wirkung für ältere Leute geworden sei, deshalb wolle er Frau Rektor bitten, sie auf seine Ankunft vorzubereiten.
„Gewiß, nur zu gern! Dürfte ich mir aber einen Borschlag erlauben, mein lieber Herr von «st, so wählen wir zu dieser angenehmen kleinen Gefälligkeit unser Frau- kein Wilma, sie wird es ungleich geschickter auSführen, al» ich unbeholfene alte Frau. WaS meinen Sie, Wilma?* fügte sie schelmisch gegen diese gewendet hinzu.
Wilma war eS eigentümlich zu Mute, und all nach der Erklärung der alten Dame seine tiefgründigen Augen fragend auf ihr ruhten und er sie freundlich anlächelte, al» wären sie längst gute Bekannte, da durchzuckte e» sie sonderbar warm." , _ 14Q 1|