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SchlüchtemerZeitun g

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

_________vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".________________________

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

^ 45. Mittwoch, den 3. Juni 1908. 59. Jahrgang.

Amtliches, Bekan«tmach»«g.

I. Für das Ostasiatische Detachement werden ge­eignete freiwillige Unteroffiziere und Mann» schaften der Reserve und Landwehr I. Auf gebot-, von guter Führung, angenommen.

Meldungen haben sofort, spätesten- bi- zum 3, Juni d I-., beim Bezirksfeldwebel, bei dem auch die näheren Bedingungen eingesehen werden können, stattzufinden

Dienstverpflichtung bis zum 30. September 1910. Gebührnisfe neben freiem Unterhalt;

Kapitulantenhandgeld jährlich 100 Mark; Besoldung und Kapitulantenzulage monatlich für:

Unteroffz. 54, Mk.

Gefreite 34,50 Gemeine 31,50

Hierzu tritt für die Dauer des Aufenthalts auf chinesischem Boden eine Teuerungszulage, deren Höhe veränderlich ist.

2. In die Schutztruppe für Ostafrika und Kamerun werden freiwillige Sanitäts-Unteroffiziere der Reserve und Landwehr I. eingestellt.

Meldungen können sofort, spätestens bis zum 3. Juni d. Js. beim Bezirksfeldwebel erfolgen.

____________Bezirkskommando Hanau^

Deutsches Reich.

Am Samstag vormittag 10 Uhr fand eine Parade über die Potsdamer Garnison bei sehr schönem Wetter im Lustgarten statt. Die Aufstellung der Truppen war die übliche. Die Parade kommandierte Generalleutnant v. Below. Die Kaiserin, die Groß« Herzogin von Baden und die Prinzessin Eitel-Friedrich trafen in einem vierspännigen, a la Daumont gefahr­enen Wagen mit Spitzreitern vom Neuen Palais aus ein. Der Kaiser in der Uniform der Garde-du-Corps, mit schwarzem Küraß und Feldmarschallstab, kam mit dem Großherzog von Baden zu Pferde. Der Groß- Herzog trug die Uniform des 1. Garderegiments zu Fuß. Ein zahlreiches Publikum begrüßte die Majestäten auf das Herzlichste. Abends fand Tafel statt, wobei die Majestäten einander gegenüber saßen. Der Kaiser saß zwischen der Großherzogin von Baden und der Prinzessin Eitel-Friedrich, die Kaiserin zwischen dem Großherzog von Baden und dem Prinzen Eitel-Friedrich.

Der Großherzog von Baden machte nachmittags Besuche bei den in Potsdam wohnenden Fürstlichkeiten

und beim Offizierkorps des 1. Garde-Ulanen-Regiments.

Die Kronprinzessin ist am Sonntag morgen im Marmorpalais in Potsdam eingetroffen.

König Gustav und Königin Viktoria von Schweben trafen am Sonntag in Berlin ein und hielten an der Seite des Kaiserpaares, vom Publikum herzlich begrüßt, ihren feierlichen Einzug in die Reichs» Hauptstadt. In den Trinksprüchen zwischen dem Kaiser und dem König kommen die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Sckweden zum Ausdruck. Die An­kunft erfolgte in der sechsten Nachmittagsstunde auf dem Lehrter Bahnhöfe. Eine Kompagnie des 2. Garde­regiments erwies die militärischen Ehren und die Musik spielte die schwedische Hymne. Der Kaiser in schwedischer Uniform eilte dem König, der die Uniform seines schlesischen DragonerregimentsKönig Friedrich III." trug, entgegen, umarmte und küßte ihn. Dann begrüßte der Kaiser seine Kusine, die Königin, in herzlicher Weise. Der Kaiser war in Begleitung der Kaiserin, der Kronprinzessin, der anderen Prinzessinnen und vieler Prinzen erschienen. Zu dem Empfang hatten sich auch die Generalität und die Admiralität eingefunden. Nach dem üblichen Zeremoniell wurden die Wagen bestiegen. Der Kaiser fuhr mit dem König; beide waren in angeregter Unterhaltung. Im zweiten Wagen befanden sich die beiden Fürstinnen in Früh­jahrskleidern. Gardekürassiere gaben das Ehrengeleit. Ueberall wurden die Fürstlichkeiten lebhaft begrüßt. Vor dem Brandenburger Tor bildeten Innungen und Kriegervereine Spalier. Auf dem Pariser Platz hatte sich die Stadtvertretung zur Begrüßung der Gäste versammelt, denen etwa 260 weißgekleidete Schulmädchen eine sinnige Huldigung darbrachten. Das Branden­burger Tor wie der Mittelweg der Straße Unter den Linden waren mit Girlanden und Fahnen und Bannern in den schwedischen (blaugelb) und den deutschen Farben geschmückt. Oberbürgermeister Kirschner bewillkommnete das Königspaar im Namen der Stadt. König Gustav sprach seine Freude und seinen Dank aus. Durch ein Spalier von Truppen und zahlreichem Publikum, das bei dem Frühlingswetter dieLinden" füllte, ging die Fahrt nach dem Schlosse. Laute Hochrufe wurden laut, für die die Majestäten freundlich dankten.

Das eiserne Kreuz ist, wie die soeben erschienene Rangliste für 1908 ergibt, schon selten in der preußi­schen Armee geworden. Zwar sind noch sämtliche kom- mandirenden Generale in seinem Besitz, jedoch von den Generalleutnant nur noch annähernd die Hülfte, von den Generalmajors etwa ein Drittel, von den Obersten

nur nach einige wenige. An Inhabern der zweiten Klasse weist die Rangliste noch 313 Offiziere (1906 noch 472) und 10 (23) Sanitätsoffiziere auf, unter ihnen 51 Offiziere (98) und 5 Sanitätsoffieziere (11) der Reserve und Landwehr. Die erste Klasse des eiser­nen Kreuzes erscheint noch bei 32 Offizieren (40), von denen 4 (8) dem aktiven Dienstande angehören, näm- lich die Generalfeldmarschälle Prinz Leopold von Bayern General-Inspektor der 4. Armee-Inspektion und von Hahnke, Gouverneur von Berlin und Oberbefehlshaber in den Marken, sowie General der Infanterie v Ploetz, kommandirender General des 8. Armeekorps zu Kob­lenz und General der Kavallerie v. Moßner, Gouver­neur von Straßburg. Die übrigen 28, darunter 25 Generale, befinden sich im inaktiven Verhältnis, die Mehrzahl als Offiziere der Jnvalidenhäuser, Regiments- chef usw. unter ihnen der Generalfeltzknarschall Freiherr v. Loe zu Bonn; zwei gehören der Landwehr an. Vorstehendem sei hinzugefügt, daß in der aktiven Armee die Mitkämpfer von 1866 nahezu ausgestorben sind. Unter den kommandierenden Generalen befinden sich deren noch acht, unter den Divisionskommandeuren nur einer.

Das neue Münzgesetz das uns den Taler wieder- bringt und eine neue 25-Pfg.-Münze schafft, ist nun­mehr imReichsgesetzblatt" veröffentlicht worden.

Die verstärkte Rückwanderung aus den Bereinig­ten Staaten nach Deutschland hat den Staatssekretär des Innern zu der Verfügung veranlaßt, daß die ReichS- kommissare für das Auswanderungswesen den mit Rück« wanderen heimkehrenden Schiffen eine vermehrte Auf­merksamkeit zuwenden und durch wiederholte Besichti­gungen solcher Schiffe eine beständige Kontrolle auch über die Rückwanderung ausüben.

Als neues nationalpolnisches AgitationSmittel wird die Gründung polnischer Schützenvereine geplant. Diese sollen sich über alle von Polen bewohnten Lan­desgebiete erstrecken und die Mitglieder unter einheit­lichem Kommandogebrauch ausbilden. Aus Löbtau bei Dresden, wo ungefähr 700 Polen wohnen, wird bereits die Gründung eines polnischen Schützenvereins gemeldet.

Die Gründung polnischer Engrosgeschäfte beab­sichtigt die ökonomische Sektion des Strazvereins in die Hand zu nehmen, um die enteigneten Polen von der Auswanderung zurückzuhalten.

Wieder ist ein sozialdemokratischer Konsumverein verkracht: über das Vermögen des unter sozialdemo­kratischer Leitung stehenden Komsumvereins in Schön- bach i. B. ist der Konkurs verhängt worden. Der Leiter

, Hdt« Kerze«.

Roman von Erwin Friedbach. 50

Sie führte ihn in das Gesellschaftszimmer, wo der sinkende Abend ein halbduimleS Licht verbreitete, kühl und frostig, und die verhangenen Spiegel und überzogenen Möbel den Eindruck des Unbehaglichen noch vermehrten.

Er legte seinen Hut beiseite und nahm auf einem Ses­sel Platz, immer schweigend, ohne ein freundliches Wort der Begrüßung, so daß Wilma» Herz sich angstvoll unter seiner erstarrenden Kälte zusammenkrampfte. Was war denn nur geschehen? Sie griff an ihre Stirn. Drüben lag der Geheimrat dem Tode nahe, im anstoßenden Zimmer wollte Hans nur von ihr die Medizin gereicht haben, und nun kam Henning mit der Miene eine» Richter», um Rechen­schaft zu fordern über irgend eine begangene Tat.

Du hast den Inhalt unseres Gesprächs am Abend in der Heide sehr bald vergessen, Wilma," sagte er gepreßt.

Da» ist eine ebenso schwere, als ungerechtfertigte An- nage, Henning; im Gegenteil, jede» Deiner Worte hat sich mir so fest eingeprägt, daß ich sie nie vergessen kann noch

._. «^re es so, dann würdest Du unmöglich kaum wenige habeu vollständig entgegengesetztem Sinne gehandelt

Tat ich denn da» ?"

. ^"??^ fragst noch?" erwiderte er mit hervorbrechen- der Bltterkelt.Muß ich wiederholen, Wilma, wa» ich von $ * ^"langte, als ich Dich damals fragte, ob Du mir angehüren willst? Ich forderte, Dich ganz zu besitzen, Du solltest mein sein nnt Deinem ganzen Ich und allen Deinen Gedanken, gleichwie ich fortan meine Welt nur in Dir se- hen würde.

Ich will den Sonnenschein, den Du zu geben ver- magst, für mich allein. DaS mag Eifersucht sein, nenne «S wie Du willst, da» Diggerleben hat au» mir einen Jtgcnfumigen, ungenießbaren Menschen gemacht, und da­

mit mußt Du rechnen. Ich fragte Dich, ob Du im stande seiest, mir da» zu sein, wa» ich wollte, und Du antwor- tetest: Ja, von Deiner Frau hast Du da» Recht zu for- dern, daß sie Dir so angehöre, wie Du willst, und ich bin bereit dazu, weil ich Dich liebe. So sprachst Du, Wilma, um am selben Tage auf und davon zu reisen, ohne eS auch nur der Mühe wert zu halten, mit mir darüber zu beraten."

Weil größte Eile not tat, glaubte ich, mein Brief würde eine ausreichende Erklärung sein Bedenke doch, Henning, GeheimratS, die meine besten Freunde sind, be- fanden sich in der peinlichsten Verlegenheit und bedurften notwendig umgehend meiner Hilfe! Ist es da», womit ich mich nach Deiner Ansicht gegen Dich versündigt habe?" .

Wir wollen nicht länger über da» Für und Wider streiten, Wilma, von der Stunde an, wo ich Dich bat, mein Weib zu werden, warst Du mir die Nächste auf der Welt, und ich wurde eS Dir; ohne darauf Gewicht zu legen, verließest Du mich gerade dann, wo ich Dich al» Braut in das HauS meiner Mutter führen wollte. Du stelltest meine gerechten Ansprüche an Dich den Forderungen dieser Leute nach, die, ich wiederhole eS, um so unstatthafter sind, weil sie sich über alle Maßen taktlos gegen Dich be­tragen haben, Ich bitte Dich, mit mir sofort diese» Hau» zu verlassen, wo man Dich so tief gedemütigt hat."

In seinen ernsten Zügen lag jener starre, unerschütter­liche Wille, den sie an ihm schon kennen gelernt, und den die Gefahren eines kampseSreichen Dasein» gezeitigt haben mochten, ein Wille, der so eisern geworden, daß er ohne zu zucken dem oft ihm entgegentretenden Tode inS Ant­litz zu blicken gelernt.

Wilma erfaßte Verzweiflung, zum erstenmal liebte sie wahrhaft und leidenschaftlich einen Mann, dessen Srschei- nung und Charakter, an dem jede Bewegung und jede» Wort ihr sympathisch war, und rückhaltlos hatte sie den zärtlichen Gefühlen ihres warmen Herzens für ihn nach- gegeben. Sie wußte, daß wenn er jetzt ginge, sie ihn auf

immer verloren haben würde, und wie ein Schwerthieb durchfuhr sie diese furchtbare Gewißheit. Zugleich aber lehnte ihr weiblicher Stolz sich auf gegen den tyrannischen Druck, den sein unbeugsamer Wille auf sie au»üben wollte. Sie war bereit, sich dem Gebot der Liebe, wo sie Ber- nünftigeS begehrte, zu fügen, nicht aber dem Machtspruch eigenwilliger Herrschsucht,

Henning, ich bin nur ein Weib, die Wahl aber, vor die Du mich stellst, ist übermenschlich, ist erbarmungslos! Ich kann nicht eine Handlungsweise begehen, die mich in meinen eigenen Augen verächtlich erscheinen ließe, und Dein Wille kann eS nicht sein, mich der Verzweiflung anheim zu geben, nur weil ich tat, wa» ich au» Pflicht und Freund- schaft tun zu müssen glaubte. Laß mich da» begonnene Werk zu Ende führen .. vielleicht nur noch wenige Wochen, und ich gehöre Dir für immer."

Einige Minuten vergingen in dumpfem, angstvollen Schweigen.

Bedenke, ich bin Dir der Nächste, und al» solcher sehr ich mich durchaus veranlaßt, Dich aus der Umgebung von Mensche» zu entfernen, die ich nicht mag und nicht achten kann, Wilma, besinne Dich! Diese sind nicht Deine Freunde, sondern Deine Feinde, weil sie Dich skrupellos auSbeuten und benutzen, ohne daran zu denken, was sie Dir schuldig sind. Ich aber bin gekommen, Dich aus der Dienstbar- keit zu erlösen, Du sollst mein Weib sein, mit dem ich meinen Besitze teile. Komm, Wilma, folge mir, denn ich liebe Dich." Seine Stimme war weich geworden, er sah sie flehend und beschwörend an, mit so viel heimlich lo­derndem Feuer, daß Wilma erschauerte.

Ein namenlose» Weh fuhr schneidend durch ihre Seele: gewaltsam zog es sie zu ihm, in die Arme de» Man- ne», dem ihre Liebe gehörte, bei dem sie eine Heimat und Erlösung aus der unhaltbaren Stellung finden sollte, aber gegen das, was er so unbedingt beanspruchte, empörte sich doch ihr Gerechtigkeitsgefühl, und die» gab ihr den Mut ^Weigerung. _ ^ -.^ 1*0,1$