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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
__Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".________________________
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
jß. 47. Mittwoch, den 10. Juni 1908. 59. Jahrgang.
Amtliches.
Die Herren Bürgermeister der Stadt« und Landgemeinden ersuche ich, unter Bezugnahme auf die Kreisblatt-Verfügung vom 4. Mai 1905 — J.-Nr. 1354 K.«A. — den am 1. Juni er. festgestellten Bestand an Kühen, deckfähigen Rindern und sprungfähigen Bullen mir innerhalb 8 Tagen mitzuteilen.
Schlächtern, den 4. Juni 1908.
Der Königl. Landrat: Valentiner.
Bekanntmachung.
Beim Jnvalidenhaüse zu Berlin kann sofort eine größere Anzahl von unverheirateten Militärinvaliden und Rentenempfängern welche für immer anerkannt sind, Aufnahme finden.
Im allgemeinen werden nur Mannschaften (Gefreite und Gemeine) eingestellt, jedoch können auch einige Unteroffiziere (auch Sergeanten, die aber nur Unteroffizierlöhnung erhalten) Berücksichtigung finden.
Die Invaliden erhalten neben freier Wohnung mit Feuerung und Erleuchtung, Bekleidung, ärztl. Behandlung und Arzneien eine monatliche Löhnung ic. vo rund 17 Mk., Sergeanten und Unteroffiziere monatli rund 30 Mk. daneben wird völlig freie Beköstigung gewährt. Bei guter Führung könnon die Aufzunehmen- den die Erlaubnis erhalten, sich eine ihren Fähigkeiten entsprechende Nebenbeschäftigung zu suchen.
Während des Aufenthalts eines Invaliden oder Rentenempfängers in einem Jnvalidenhaüse ruht das Recht auf den Bezug der Pension oder Rente. Ver- stilmmelungszulagen, Kriegszulage, Zivilvtrsorgu^gs- entschädigung und Alterszulage bleiben zahlbar.
Etwaigen Gesuchen welche sobald wie möglich an den zuständigen Bezirksfeldwebel zu richten sind, sind die Militärpapiere und ein polizeiliches Führungsattest ' beizufügen.
Hanau, den 2. Juni 1908.
Königliches Bezirkskommando.
J.-Nr. I. 8819. Der auf Donnerstag den 11. Juni d. J. in hiesiger Stadt angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.
Mit dem Auftrieb darf um 6 Uhr morgens begonnen werden.
Fulda, den 3 Juni 1908.
Der Kgl. Landrat: I. V.: Köhler.
Hdl- Kerzen.
Roman von Erwin Friedbach. 62
Milly antwortete nicht, jedes Wort vor Wilmas Größe dünkte ihr Entweihung. Sie umarmte sie nur und legte da» Haupt auf ihre Schulter.
„Es soll so sein, meine Milly; die Vorsehung will, daß ich das Glück nur in der eigenen Brust finde; mag e» denn sein. Vielleicht wird mir der Schlüssel zu all' den verborgenen Schätzen gegeben, die in jedem Menschen schlummern. So bleibe ich denn bei Euch und vollende die Aufgabe, die mir hier gegeben wurde."
„Und vergiß nicht," fügte Milly voll Begeisterung hinzu, „daß es eine auf der Welt gibt, die Dir Gleiches mit Gleichem vergelten wird, einmal kommt auch die Reihe an mich, und dann sollst Du Milly kennen lernen!"
M M Henning war tief verstimmt auf Friedensheim ange» langt; finsterer und schweigsamer noch als zuvor, gelang es Frau Therese nicht ohne Schwierigkeit, das zwischen nun und Wilma Vorgefallene herauSzubringen. Sie zürnte
S Wilma keineswegs. DaS Vertrauen zu ihr war so unerschütterlich, daß sie nur aufrichtig ihre Standhaftigkeit be- s wunderte und hoffte, sie werde sich in dem freiwillig auferlegten Martyrium nicht verlieren. Doch wollte sie auch ihren Sohn nicht anklagen, den sie immer weniger verstand. Gleichwie seiner Heimat, war er durch die Entwicklung der ihm innewohnenden Eigenschaften unter besonderen Verhältnissen ihrem Mutterherzen entfremdet wor- den.
ES lag wieder ein Druck auf allen in FriedenSheim, die beängstigende Schwüle vor dem unvermeidlichen AuS- bruch des heranfziehenden Gewitters. Roderich ließ sich kaum noch blicken und behauptete auf RosamuudeS gele- ^ gentliche Vorwürfe, gänzlich von feinen nenen Unternehmungen auf Eichhof in Anspruch genommen zu sein. Hen
Deutsches Reich.
— Der Kaiser hat sich am Montag nach Liegnitz begeben. Die Kaiserin empfing im neuen Palais im Anschluß an die Audienz bei Seiner Majestät dem Kaiser den abberufenen Amerikanischen Botschafter Mr. Tower und Gemahlin, sowie den abberufenen Persischen Gesandten Mirza Mahmud Khan,Ehieschan-es-Saltaneh.
— Die Urwahlen zum preußischen Abgeordnetenhause haben am Mittwoch, den 3. Juni, stattgefunden. Noch sind die Berichte, die über das Ergebnis vorliegen, der Natur der Sache nach höchst lückenvoll. Ein bemerkenswertes Resultat aber steht bereits jetzt fest: der Sozialdemokratie haben sich zum ersten Male die Pforten des preußischen Landtages erschlossen, und sie wird in denselben in der voraussichtlichen Stärke von sieben Mann ihren Einzug halten. Im übrigen scheint der Besitzstand der Parteien im wesentlichen unverändert geblieben zu sein.
— Die deutsche Schiffsbauausstellung, das stolze Werk des Vereins deutscher Schiffswerften, ist in Gegenwart des deutschen Kaiserpaares und des schwer dischen Königspaares eröffnet worden. Die Ausstellung prangte im schönsten Schmuck von Blumen und Flaggen und machte einen ungemein freundlichen Eindruck. Der Vorsitzende des Ausstellungsausschusses, Geh. Regierungsrat Professor Busley, hielt an die Majestäten eine längere Ansprache. Er gedachte darin mit dankerfüllten Worten des unablässigen Wirkens Kaiser Wilhelms für die Ausgestaltung der deutschen Kriegsund Handelsflotte und schloß: „Wir verehren daher in Euerer Majestät: den gewaltigen Schöpfer der deutschen Kriegsflotte, den kraftvollen Förderer des deutschen. Schiffbaues, den mächtigen Schirmherrn der deutschen Schiffahrt, und aus dankbarem Herzen steigt unser Ruf empor: Seine Majestät der Deutsche Kaiser und König von Preußen Wilhelm lt. Hurra! Hurra! Hurra!" Die Festversammlung stimmte laut ein. Nachdem die Nationalhymne verklungen war, sagte der Kaiser mit weithin vernehmlicher Stimme: „Ich erkläre die Ausstellung hiermit für eröffnet!" Nunmehr erfolgte unter Führung des Geh. Rats Busley ein Rundgang der Majestäten und der übrigen Herrschaften.
— In rohester Art haben noch unmittelbar vor der Wahl die Sozialdemokraten des Kreises Hagen- Schwelm in einem Flugblatt zum wirtschaftlichen Boykott aufgefordert. Nach einem Hinweis auf die Unzuverlässigkeit der Handwerker und kleinen Geschäfts
ning hatte die Absicht ausgesprochen, gegen Ende des Monats nach St. FranziSko zurückzukehren, und Frau Therese nahm die Nachricht jetzt ohne allzu große Trauer hin, empfand sie doch deutlich, daß ihr Sohn, der Umgebung und den Verhältnissen entwachsen, sich nur noch in dem von ihm selbst geschaffenen Kreise wohlzufühlen vermöchte. UeberdieS war ihre Aufmerksamkeit stark auf Dora gerichtet, deren Wesen und Erscheinung seit kurzem wieder auffallend die Spuren eines schweren inneren Zwiespalts verriet.
Dieser Zwiespalt, unter dem Dora tatsächlichlitt, hatte minder heftiger mit dem Tage begonnen, an dem Rosamunde die Befürchtung geäußert, daß sie trotz de» günstigen AuSspruchs ihres BruderS in Betreff des Herzleidens, dessen ersten Merkmale sie bald nach dem verhäng- niSvollen Gespräch RoderichS mit Doktor Burghardt gespürt, doch die Gewißheit hege, daß eS ernstlich sei und sie früher oder später daran zu Grunde gehen werde. Diese Vermutung RosamundeS hatte Dora Ursache zu er« neuten Selbstvorwürfen gegeben, war doch nach ihrer festen Ueberzeugung sie es allein, die schuld an dem traurigen Zerwürfnis zwischen den Gatten war. So weiter zu leben vermochte sie endlich nicht, eS mußte nun zn einer entscheidenden Tat kommen, und ihre Gedanken begannen sich eingehender mit Graf Mender zu beschäftigen, der mit anerkennenswerter Ausdauer noch immer ihres Winkes gewärtig harrte. Wie viel Ueberwindung und heimliche Tränen es auch kosten mochte, eS gab keinen anderen AuSwig, Rosamnnde dauernd zu beruhigen und Ro- derichs unselige Liebe zu ersticken, als diese Heirat, die nichts für sich hatte als den Borzug, ihr die Annahme einer Stellung bei fremden Leuten zu ersparen, eine Aussicht, die für DoraS sensitive Statur unerträglich, ja grauen- haft war.
Am Spätnachmittag deS TageS nach der Rückkehr Hennings aus Hamburg befanden sich Dora und Rosamunde im Park, wo Schneeball und Goldregen wieder in voller
leute bei politischen Wahlen sagt das Flugblatt: „Frauen und Mädchen, sagt allen diesen Geschäftsleuten, daß es Ehrenpflicht jedes aufrechten Mannes ist, sein Wort zu halten, und daß wir sie nicht mehr mit unserer Kundschaft belästigen werden, wenn sie sich in diesem für uns so wichtigen Kampfe nicht als unsere Freunde erweisen. Ihr seht, ein weites Feld eröffnet sich eurer Tätigkeit im Wahlkampf; wählen könnt Ihr nicht, darum sollt Ihr wühlen!" — Es wäre sehr zu wünschen, daß über alle etwaigen Versuche, dieses „Programm" in Wirklichkeit zu übersetzen, seinerzeit von den betreffenden Geschäftsleuten Nachricht gegeben wird.
— Das Gesetz über den Versicherungsvertrag ist nach Meldung mehrerer Blätter nunmehr vom Kaiser vollzogen, so daß die Veröffentlichung alsbald erwartet werden darf. Das Gesetz soll am 1. Januar 1910 in Kraft treten. Der Termin ist so weit hinausgeschoben, um in den einzelnen Bundesstaaten' Spielraum für die Ausführungsbestimmungen zu gewähren, an die sich noch manche schwere Aufgaben knüpfen werden.
— An dem früheren Zentrumsabgeordneten Fus- angel, der bekanntlich jetzt Zeitungsverleger ist und die „Westdeutsche Volkszeitung" herausgibt, nimmt das Zentrum gründlich Rache. Fusangel hatte gelegentlich geäußert, das Zentrum sei eine konfessionelle Partei. Nunmehr macht Fusangel in seinem Blatte bekannt: „Weil der Verleger Fusangel sich entschieden geweigert hat, ein Schriftstück zu unterzeichnen, in dem er anerkennen sollte, daß das Zentrum eine interkonfessionelle Partei sei, ist der „Westdeutschen Volkszeitung" der Charakter als Zentrumsorgan aberkanni worden.
Ausland.
— Zu Ehren der deutschen Geistlichen fand in Alberthall in London unter dem Vorsitz des Marquis von Northampton eine Versammlung von kirchlichen Würdenträgern statt. Premierminister Asquith hatte ein herzliches Schreiben gesandt, in dem er die Geistlichen willkommen hieß und folgende vertrauensvollen Worte an sie richtete: „Ueberbringen Sie auf Ihrer Rückkehr Ihren Landsleuten in der Heimat die Versicherung, daß die Bevölkerung dieses Landes herzlich die Botschaft des guten Willens erwidert, deren Träger Sie gewesen sind, und die weitere Versicherung, daß wir fest entschlossen sind, mitzuarbeiten an der edlen Aufgabe, die herzlichen Beziehungen und die gute Kameradschaft zwischen Deutschland und England aufrecht zu erhalten." Der deutsche Botschafter hatte ein
Blüte standen und die Syringen ihren betäubenden Dust verbreiteten.
Der Abendwind fuhr leise durch die Aeste der Kastanien und ein heiterer Glanz strahlte vom wolkenlosen Himmel auf die frühlingStrunkene Erde.
Trotz der warmen Luft hüllte sich Rosamunde fröstelnd fester in ihren blauen Schal; sie war magerer geworden, und auf ihrem blaffen Gesicht lag ein Ausdruck so schmerzlicher Ergebenheit, daß Dora sie nicht ohne Rührung ansehen konnte. „Legen Sie Ihren Arm auf den meinen, wir gehen hier die Rüsternallee hinab, ich muß mit Ihnen sprechen, Dora, mein liebe» Kind, Sie stehen im Be- griff, eine unverantwortliche Sünde an sich selbst zu begehen."
Dora wußte, worauf Rosamunde hindrutete, und schlug die Wimpern nieder.
„Ich spreche von Ihrer Absicht, Mender zu heiraten. Das darf auf keinen Fall geschehen. Sie werfen sich an einen Mann weg, der Ihrer nicht würdig ist."
„Sie überschätzen mich, liebe Rosamunde," die junge Frau hatte sich unlängst die vertraulichere Anrede erbe- ten, erwiderte Dora abgewandt, „ich bin ein armes und namenlose» Mädchen, bem bei der Wahl eine» Gatten nicht allzu viel Spielraum gelassen wird."
„Ein ganzes Heer von BernunftSgründen kann mich nicht mit dem Gedanken aussöhnen, Sie, meine schöne, stolze Dora, als die Frau Graf MenderS zu sehen, der, ich kann mir nicht helfen, stets den Eindruck eines Bam- pyr» auf mich hervorbringt. Hundertmal bester, einsam durch» Leben gehen, als mit einer so widerwärtigen Begleitung. Es ist auch sicherlich nicht die Neigung zur Ehe, die Sie zu dem verzweifelten Schritte treibt, denn Sie sind ein Mädchen, da» mehr auf die sittliche Größe eines Manne», als auf seinen Titel und Besitz Wert legt."
Dora erglühte und neigte, um es zu verbergen, ihr Gesicht auf den Strauß weißer Syringen, die Lorchen ihr gebracht hatte. 140,18