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SchlüchternerZeitun g

mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

____________Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".________________

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

.M 57. Mittwoch, den 15. Juli 1908. 59. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 3817 K. A. Die Ferien des Kreis-Ausschusses hier beginnen mit dem 21. Juli und endigen mit dem 1. September d. Js. Während der Ferien dürfen Termine zur mündlichen Verhandlung der Regel nach nur in schleunigen Sachen abgehalten werden.

Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen bleiben die Ferien ohne Einfluß.

Schlüchtern, den 11. Juli 1908.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses:

Valenttner.

J.-Nr. 3741 K. A. Die auf den 5. September cr. angesetzte Bullenkörung in Steinau wird auf den 12. September cr. verlegt.

Schlüchtern, den 6. Juli 1908.

Der Landrat: Valentiner.

J.-Nr. 9341 Die Herren Bürgermeister zu Soden, Eckardroth, Jossa, Klosterhöfe, Marjoß, Niederzell, Seidenroth, Ultrichshaufen und Vollmerz werden hier­durch nochmals an die sofortige Erledigung meiner Verfügung vom 29. Mai d. Js. J.-Nr. 6554 (Kreisblatt Nr. 24) die von Privathengsten abstam­menden Fohlen betreffend, erinnert.

Schlüchtern, den 14. Juli 1908.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

J.-Nr. 3752 K. A. Bei der am 4. d. Mts. in Sterbfritz stattgehabten Bullenkörung wurden zur Ver­wendung im Kreise Schlüchtern angekört:

1 Bulle des H. Blum zu Sterbfritz

1 Bulle des I. G. Kohlhepp zu Schwarzenfels-Grieshof

1 Bulle der Frau v. Voith zu Schwarzenfels

1 Bulle des Jakob Röder zu Neuengronau.

Die näheren Resultate werden demnächst veröffentlicht.

Ein Bulle wurde wegen zu geringen Alters zurück­gestellt.

Schlüchtern, den 10. Juli 1908.

Der Landrat: Valentiner.

J.-Nr 3779

Prämien-Tierschau in Hanau.

Am 4. und 5. September d. Js. findet in Hanau die Wanderausstellung der Landwirtschaftskammer für den Reg. Bezirk Casiel, verbunden mit Prämiierung von Pferden, Fohlen, Rindvieh, Schafen, Schweinen u. s. w. statt

Ich mache hierauf aufmerksam und ersuche die Vieh­züchter unseres Kreises hiermit, dem Kreiszuchtinspektor

Adle Kerze«.

Roman von Erwin Friedbach.

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licher Gesicht zu zeigen gegnete sie, und ihre S

Wollen Sie eS nun unternehmen, Fräulein Milly, Wilma mitzuteilen, daß ich hier bin, und sie in meinem Namen zu fragen, ob sie int stände sei, das Vorgefallene zu ver- gessen und mir, was ich ihr BöseS zugefügt, nicht nachzu- tragen? Wollen Sie Ihr schönes Werk krönen und daS für mich tun? Ich betrachte Sie als zu mir gesandt von oben! Und ist Wilma dazu bereit, so benachrichtigen Sie mich, und umgehend werde ich zu ihr eilen."

Milly hätte aufschreien mögen vor lauter Freude, aber ne bezwäng sich und brächte es sogar fertig, ein bedeuk- rSie dürfen versichert fein," ent«

hre Stimme zitterte,daß ich mein mög- llchster in Ihrer Angelegenheit tun werde; noch heute will ich mit Wilma sprechen, und morgen früh schon sol­len Sie daS Resultat erfahren. Hoffen wir das beste." Wilma ist ja so edel, voraussichtlich wird sie Ihnen vre unbedachte Handlungsweise verzeihen, ich verspreche, Ihrem Vertrauen ein getreuer Anwalt zu sein."

~.. »^wpfangeu Sie dafür meinen tiefempfundenen Dank. Die smd eine ausnehmend tapfere und liebenswürdige, junge Dame, so echt deutsch, und doch auch wieder von e nenlmodernen Geist beseelt."

, was in Ihrem Schutze ruht, ist wohl ge- borgen. Gelmgt es, und Gott wird es gelingen lassen, dann dürfen Sie sich rühmen, zwei glückliche Menschen geschaf­fen zu haben. Ich zahle die Stunden bi» zum nächsten Morgen. '

1*^" Augen lag ein feuchter Schimmer, als er MillyS Hand an feine Lippen

.Nach k'-rrem herzlichen Abschied, vollständig mit ein- «nder auSgesöhut, trennten sie sich.

Gelungen! Wie sie eS sich herrlicher kaum zu denken gewagt hatte. °

Draußen auf den Straßen war e» finster geworden,

Gastwirt Kohlhepp in Schwarzenfels, bis spätestens 1. August d. Js. schriftlich oder mündlich anzuzeigen, ob und mit wieviel Tieren sie die Ausstellung in Hanau zu beschicken beabsichtigen. Ich bemerke, daß es im Interesse unserer Viehzucht liegt, wenn die Ausstellung recht reichlich beschickt wird, und zwar nicht nur mit Herdbuchtieren (Reinzucht) der Simmentaler Rasse, sondern auch von Simmentaler Kreuzuugstieren. Ich bin überzeugt, daß gerade auch mit letztgenannter Klasse der Kreis Schlüchtern jede Konkurrenz aushalten kann und fordere daher zu recht zahlreicher Anmeldung dringend auf. Unzweifelhaft wird ein entsprechender Erfolg in Hanau den hiesigen Absatz von Rindvieh fördern und damit eine erfreuliche finanzielle Wirkung für unsere Viehzüchter im Gefolge haben.

Schlüchtern, den 6. Juli 1908.

Königliche Landrat: Valentiner.

Deutsches Reich.

Der Kronprinz und die Kronprinzessin traten am Sonnabend mittag die Reise von Potsdam nach dem Jagdhause Hopfreben im Bregenzer Walde an, wo ein dreiwöchiger Aufenthalt genommen wird.

Prinzesfin Heinrich von Preußen trifft am 15. d. Mts. zum Kurgebrauch in St. Moritz ein. Ihr Sohn Prinz Siegesmund ist bereits 8 Tage dort.

Herzogin Johann Albrecht ist am Freitag früh 7 Va Uhr in Schwerin sanft entschlafen. Aus Anlaß des Hinscheidens der Herzogin Johann Albrecht legte der großherzogliche Hof eine 45tägige Trauer an. Die Leiche der Verstorbenen wird Sonntag nachmittag nach Schwerin überführt und dort aufgestellt. Mittwoch erfolgt in aller Stille die Beisetzung in der Gruft der Doberaner Kirche.

Der Großherzog von Baden hat anläßlich seines Geburtstages 31 Strafgefangene der badischen Straf­anstalten begnadigt. Unter den Begnadigten befinden sich 2 zu lebenslänglichem Zuchthaus Verurteilte.

Für den am 15. ds. Mts. in Straßburg zu erwartenden Besuch des Zeppelinschen Luftschiffes hat der Kaiser angeordnet, daß die dort stationierte Ar» tillerie den Grafen mit Salutschüssen zu begrüßen hat. Der Herzog von Altenburg hat dem Grafen Zeppelin das Großkreuz des Erneftnischen Hausordens verliehen.

Nach einer von denLeipz. N. Nachr." wieder­gegebenen Bekanntmachung des Landgerichtspräsidenten in Weimar ist Prinz Hermann von Weimar wegen

friedenSvoll leuchteten die Sterne auf die bewegte Riesen­stadt herab, eine unendliche Glückseligkeit schwellte MillyS Brust. Wilma würde fortan für sie verloren sein, die neue Welt raubte ihr die Freundin, doch eS war gelungen, ihr einen Dienst zu leisten, der die ganzeZukunft umfaßte, die schon anfgegebene Wiedervereinigung mit dem Geliebten.

Während der Unterredung war es spät geworden, alS Milly den weiten Weg bis nach der Ferdinandstraße zu­rückgelegt, schlug eS schon zehn Uhr.

Wilma hatte sich starker Kopfschmerzen wegen zur Ruhe gelegt, war aber noch wach, als Milly hereinkam, daS Licht auf dem Nachttischchen anzündete und sich dann stumm an ihr Bett setzte.

Verzeih," sagte sie nach kurzem Besinnen,daß ich so zu Dir hereingestürmt komme; aber mit unserem Plane ist es nichts."

Wilma, die dem energischen Vorgehen MillyS etwa» verwundert zugesehen, richtete daS liebe, müde Gesicht fra­gend zu ihr hin.

Ich werde meiner Kinderheilanstalt allein vorstehen müssen."

Aber weshalb denn, Herz ? Wie kommst Du mit einem Male aus die Idee?" fragte Wilma immer verwunder­ter.

Weil Du mir untreu werden wirst!" stieß Milly, daS Antlitz abgewandt, in heiserem Tone hervor, um die stür­mische Bewegung ihres Innern zu verbergen.

Wilma legte ergebungSvoll das Haupt in die Kiffen. Beste Milly, was sprichst Du da eigentlich für unver­ständliches Zeug."

Jawohl, Du wirst mir untreu werden, um mit Hen­ning von Ast nach San FranziSko zu gehen!"

Mit MillyS so lange aufrecht gehaltener Standhastig- keit war er zu Ende, sie schluchzte krampfhaft auf und beugte sich herab, die nassen Augen auf Wilmas Wangen pressend, um dann, aufgerichtet wieder zu lächeln.

Milly, Du bist doch nicht krank?" fragte Wilma be­stürzt.

Verschwendung entmündigt worden. Prinz ^Hermann ist der älteste Sohn des in Heidelberg wohnenden Prinzen Wilhelm, des Seniors der Weimarischen Seitenlinie. Er steht im 23. Lebensjahre und ist Leutnant im 11. Ulanenregiment Graf Häseler in Saarburg.

Urlaub für Eisenbahn-Beamte und Arbeiter. Der preußische Eisenbahnminister v. Breitenbach hat auf Eingabe des Ausschusses der D. T. hin die preußisch-hessischen Eisenbahn-Direktionen angewiesen, den Beamten, Hilfsbeamten und Arbeitern, die deutsche Turner sind, aus Wunsch Urlaub und freie Fahrt auf allen kgl. Staatsbahnen zu gewähren, wenn sie nach Frankfurt zum XI. Deutschen Turnfest wollen.

Die diesjährigen Manöver des 18. Armeekorps werden im Westerwald stattfinden.

Wie verlautet, soll das Avancement des Kron­prinzen zum Oberst und gleichzeitig zum Kommandeur Deg Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier-Regiment 1 be- vorstehen. Der Kronprinz nimmt jetzt den Rang eines Majors ein.

Als neuer Präsident des Flottenvereins ist Großadmiral von Koester gewählt worden, der die Wahl angenommen hat. Großadmiral von Koester hat der Kaiserlichen Marine seit 47 Jahren angehört und ist im September 1906 von seiner Stellung als aktiver Chef der Schlachtflotte zurückgetreten. Er wurde damals, seinem Wunsche entsprechend, zur Dis­position gestellt. Der Kaiser verlieh ihm in Anerkenn­ung seiner Verdienste 1900 den erblichen Adel und 1902 den Schwarzen Adlerorden; im Jahre 1905 be- rief er ihn nach der Ernennung zum Großadmiral ins preußische Herrenhaus. Dem um die Entwicklung der deutschen Marine hochverdienten Manne gebührt für seinen Entschluß, sich der Leitung des Vereins bei den obwaltenden schwierigen Umständen zu unterziehen, die warme Anerkennung und der aufrichtige Dank aller Freunde des Flottenvereinsgedankens; die Betätigung seiner erprobten Kraft auch in diesem Wirkungskreise wird von den besten Wünschen begleitet.

Bei der Reichstagsstichwahl im Wahlkreise Bromberg 1 (Kolmar- Czarnikau-Filehne) erhielten Gutsbesitzer Ritter (kons) 14507 und Redakteur von Lebniski (Pole) 7 567 Stimmen. Somit ist der konser­vative Kandidat Ritter gewählt.

Der diesjährige sozialdemokratische Parteitag wird am 13. September in Nürnberg beginnen. Nach der vorläufigen Tagesordnung soll Singer über die

Milly schlang die Arme um ihren Hals und küßte sie ungestüm.Nein, ich bin nicht krank, nur grenzenlos er- schüttert! Wilma, ich habe Henning von Ast gesprochen. Er sendet mich zu Dir mit der dringenden Bitte, ihm zu verzeihen, und Du darfst eS, ohne Deiner Würde zu ver« geben, denn er ist klein geworden und elend zum Erbar­men."

Wilma sank von neuem zurück, sie wurde leichenblaß und schloß die Augen. Als sie die Wimpern wieder auf« schlug, laS Milly in den sanften Zügen den verklärten Schimmer einer seligen, erfüllten Hoffnung.

Hierauf erzählte sie ausführlich den Inhalt der bedeu­tungsvollen Unterredung.

DaS hast Du für mich getan? O Milly!"

Nichts habe ich für Dich getan, gar nicht»; ich habe nur ein wenig die Rolle eines Friedensboten übernom­men, um ein großes, hilfloses Kind, das im übrigen ein ganzer und ein braver Mann ist, auf den rechten Weg zu führen, von dem eS sich in seiner Ungeschicklichkeit ver­loren hatte. Darf ich ihm sagen, daß er kommen kann?"

Ein Seufzer der Erleichterung hob WilmaS Brust, und so selig strahlte jetzt ihr Antlitz, daß Milly vorüberstrü- mender Freude den eigenen Verlust vergaß.Ja, er soll kommen. DaS also tatest Du für mich! Du bist e», der ich mein LebenSglück verdanke."

ES war nur ein Sandkorn aus dem Meer des Dan­ke», den ich Dir schulde,Du, meine Mutter, meine Wilma."

Am nächsten Tage stellte Milly dem Geheimrat ein glückliche» Brautpaar vor. . Wilma und Henning von Ast.

Er zeigte sich zufrieden damit. War dieser AuSgang doch die beste Lösung der unerquicklichen Verhältnisse, in die Wilma durch Elfe» Anwesenheit geraten. WaS ihn selbst betraf, so hatte er bis dahin keine Ursache, über Elfe zu klagen, nach den demütigenden Ereignissen war sie recht klein geworden ihm gegenüber, einsichtsvoller und be­müht, ihm eine aufmerksame Gattin zu fein. 140,18-