Einzelbild herunterladen
 

SchluchterntrAltung

mit amtlid?em Areisblatt. Alonatsbeilage: tandwirtscl)aftlicher Ratgeber,

vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erschkint Mittwoch und ©mnfltag. Preis mitKret-blatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen tosten die kleine Zeile oder deren Waum Hi Wg.

^^EDWWW» ti - - ---------------1-----mi.ifwwmirinwiMitn-urfiwiwmsnOBTiitn-iii rurMWnr - -- rt .»««n m*««i »»*«*iia»«v .»-.a<«jtJ«wiie-. «.«k» ubhu.-- «<^i> - ^a«, ««»«».«;«tt«»w«swiee*i«eeR<xw**Mw»i»w^---i*ro«a««wweewesems*i*mewxawe*m*ww*w«Wwewiweee**ww*e«*ww*ww*weewejweeeeee*www^

,M 71. Mittwoch den 2. September 1908. 59. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 4764 K.-A. Die auf den 5. September cr. migefetzte Bullenkvrung in Steinau wird auf den 12. September er verlegt.

Schlitchtern, den 1. September 1908.

Der Königl. Landrat: Valentiner.

Jum ^edantage.

Sedan! Bei deinem Namen klingen

Uns Jubelhymnen hell im Ohr, Unb aus des Liedes Heiligen Schwingen Steigt betend unser Geist empor

Und preist des höchsten Wundergnade, Die uns geführt in Kampf und Streit, Unb die auf rauhem Kriegespfade Uns schuf des Reiches Herrlichkeit.

Sedan! Noch immer klingt's uns heute

Wie Märchenton und Zaubersang, Wie Gott der Feinde Macht zerstreute Und fränkischen Hochmut niederzwang. Denn ob beut sterblichen Geschlechte Ein Richter thront in Himmelshöhn: Scharf ist sein Schwert, stark seine Rechte, Und Freveltat muß untergehn.

Sedan! Du stärkst in uns den Glauben An ewige Gerechtigkeit.

Ihn lassen wir uns nimmer rauben, Ob auch die Sühne weltenweit. Getrost! Des Höchsten Mühlen mahlen Zwar langsam, aber schrecklich klein Einst mußt du deine Schuld bezahlen, Verruchter Frevler, halte ein!

Sedan! Mit solchem Trost sich stärke, Wer* bang verzagt in Leid und Not! Gott zählt die Tränen, weiß die Werke, Und endlich tagt ein Morgenrot. Sedan! Du lehrst aufs neu uns hoffen, Daß noch ein Gott im Himmel thront, Der spät den Frevler oft getroffen Und endlich Treu und Glauben lohnt.

Richard von Felscnegg.

Sedan.

Trotz allen Hohnes unb Spottes, mit der die vaterlandslose Sozialdemokratie die Feier des Sedan- tageS begeifert, ist der 2. September zu einem National- feste des deutschen Volkes geworden. Es läßt sich

Künstlerölut.

Roman von Vera v. Baratowski. 11

Heute erwarten wir Gäste," sagte der Rittergutsbe­sitzer bei einem kurzen Besuch des elegant eingerichteten Ateliers.Ich werde mir erlauben, Sie als den Künstler vorzustellen, der es übernahm, mein Haus mit einer neuen Schöpfung seines Talentes zu schmücken."

Als der Abend anbrach, rollten zahlreiche Equipagen vor, und Reitpferde sprengten in den Hof. Die Blüte der polnischen und deutschen Aristokratie fand sich ein. In dem großen Saal war ein reizender Blumenflor schöner Mäd­chen und Frauen zu erblicken.

Sudowsky stellte Meißner vor, und zwar mit sehr schmeichelhaften Ausdrücken.

Der von dem Gastgeber protegierte Künstler wurde sofort lebhaft in Anspruch genommen; aber sein Interesse vermochten die hier versammelten jugendlichen Schönhei­ten faum flüchtig zu fesseln. Ihn zog nur eine Frauen- gestalt mit unwiderstehlicher Macht an: Klothilde, die in goldgesticktem Gewände von schwarzen: Krepp am Ka­min lehnte. Perlen in dem metallisch schimmerndenHaar. Führwahr, eine stolze Erscheinung mit durchgeistigten Zü­gen, neben welcher alle diese hübschen, rosigen Puppen­gesichter sich mehr oder weniger unbedeutend ausnahmen.

Wenn die Witwe sprach, und sie war heute nicht so schweigsam wie am ersten Abend, klang ihre Stimme voll und weich wie Orgelton.

Klothilde zeigte sich nun als vollendete, vornehme Weltdame. Ohne sich irgendwie vorzudränqen, war sie die Königin des Festes.

Sie wußte die Konversation vortrefflich und mit gro­ßer Leichtigkeit zu beherrschen; dazu kam eine entzückende, ungesuchte Grazie der Haltung und der Bewegung. Aus dem interessanten Antlitz sprach eine gewisse Müdigkeit und Blasiertheit, und bildete den auffallendsten Kontrast

freilich nicht leugnen, daß die Feier im Laufe der Jahre, nachdem das Außergewöhnliche geschwunden, wie es nicht anders sein kann, einen ruhigeren Cha­rakter angenommen hat, aber nehmen läßt sich das deutsche Volk seinen Sedantag nicht. Er ist ein echt nationaler Festtag, in dem das ganze Empfinden der deutschen Volksseele sich verkörpert, und gleich der siegreich durch schwarze Wolken dringenden Sonne zerstreut all den gehässigen Hohn und Spott, durch den heute vaterlandslose Gesinnung die Festesfreude zu trüben versucht, die volle Erkenntnis der Bedeutung dieses Tages, dessen überwältigende Größe nicht klarer zum Ausdruck gebracht werden konnte als durch die aus tiefstem Herzen kommenden Worte des greifen Königs Wilhelm:Welch eine Wendung durch Gottes Fügung!"

Und das deutsche Volk hat wahrlich einen guten Griff getan, als gerade den Tag von Sedan aus den fast zahllosen Sieges- und Ruhmestagen seiner Armee zur Erinnerung an die große Zeit von 1870/71 Herausgriff. Denn kein Ereignis bringt dem einfachen Manne aus dem Volke wie dem tiefen Denker den gewaltigen Umschwung der Dinge, der sich in jener Zeit vollzogen, klarer zur Anschauung als jener Augenblick, da der hochmütige Franzosenkaiser, der Deutschland zu erniedrigen und zu zersplittern gedachte, sich selbst dem Führer der deutschen Heere, dem Könige des von ihm so verachteten Preußens, auf Gnade und Ungnade ergeben mußte, jener Augen­blick, dessen Bedeutung der Sieger unter den auf ihn einstürmenden Empfindungen in frommer Demut mit obigen Worten so herrlichen, so wahren, so echt deutschen Ausdruck verlieh. Der RufGott mit uns", mit dem so oft ein frevles Spiel getrieben worden, wenn es die Befriedigung eitler Eroberungsgelüste galt, ist im deutschen Munde zur hehren Weihe der einzig entschuldbaren Beweggründe geworden, die einem Volke das Schwert in die Hand drücken dürfen, nämlich die Verteidigung des heimischen Herdes, und so sah und sieht unser Volk in dein Verderben, das über bent Friedensstörer hereinbrach, auch nur die strafende Hand der Vergeltung, die ein Höherer übte. Mit dem Tage von Sedan aber stand es für alle Deutschen unwandelbar fest: wir haben wieder ein Deutsches Reich, wir sind von nun an wieder ein einig Volk von Brüdern.

Begehen wir daher den 2. September als einen Fest- und Ehrentag der deutschen Nation! Von einem prahlerischen Pochen auf unsere Macht und Stärke,

mit Frau von Sudowskys südlicher Lebhaftigkeit und ihrem oft so heißen, leidenschaftlichen Blick.

Man umdrängte sie beständig. Endlich gelang es aber Meißner doch, sich den Weg zu ihr zu bahnen; 'denn er meinte, es gebühre sich, die Herrin des Hauses zu begrü­ßen.

Wie ich höre, sind Sie gesonnen, den Wunsch mei­nes Vetters zu erfüllen. Damit bereiten Sie auch mir eine große Freude," sagte Klothilde liebenswürdig und reichte ihm ihre edelgeformte, außerordentlich gepflegte Hand, an der ein blutroter Rubin in düsterem Feuer funkelte.

Hoffentlich werde ich mich des ehrenden Auftrages würdig zeigen," erwiderte er beklommen, da ihn plötzlich der Zweifel quälte, ob er wohl auch vor dem streng prü­fenden Auge dieser Kunstrichterin bestehen könne. Des Rittergutsbesitzers Urteil imponierte ihm wenig, denn die­sen leitete Eitelkeit und das Verlangen, als vielgenann­ter Mäcen eine Rolle zu spielen und von sich reden zu machen. Aber Klothilde, selbst eine Künstlerin von Got­tes Gnaden, kannte, wenn ihn nicht alles täuschte, kei­nerlei Rücksichten. Dieser stolze Mund sprach gewiß nie eine gefällige Lüge aus.

Nur kurze ungestörte Unterhaltung mit ihr war ihm vergönnt. Als sich abermals ein dichter Kreis von Gästen um'Frau von Sudowsky schloß, trat Hugo zurück. In seinen Schläfen pochte und wallte das Blut siedend heiß, als stehe er unter der Einwirkung des reichlich genosse­nen Weines.

Der Pole mochte wohl recht haben, wenn er über die Launenhaftigkeit seiner verwitweten Schwägerin klagte. Wer hätte heute in ihr die ernste, finstere Frau wieder­erkannt, welche Meißner am ersten Abend feiner Anwe­senheit auf dem Gute entgegentrat.

Ein opulentes Souper wurde serviert. Man bot die edelsten Weine dar.

Hugo, aus kleinen, ärmlichen Verhältnissen plötzlich in solche versetzt, wo Luxus und Verschwendung herrsch­ten, begann gleichsam eine ihm bis dahin fremde Welt

WMWIWWNWWIIWWWIIIWIIIIWMWM

von einem verächtlichen Herabblicken auf den damals zu Boden geworfenen Feind darf natürlich heute, wo sich der Besiegte wieder aufgerichtet und zu einer achtunggebietenden Höhe emporgeschwungen hat, nicht die Rede sein. Bringen wir vielmehr zunächst als ein Volk, das von jeher gern das Walten der Vorsehung anerkannt bat, dem Allmächtigen, der die blutige Ent­scheidung so wunderbar zu unsern Gnnsten gelenkt, den schuldigen Dank dar! Gedenken wir ferner baut* baren Herzens des greifen königlichen Feldherrn, der damals unser Volk in Waffen zu Sieg und Ehren geführt! Vergessen wir dabei nicht jenes Mannes, der am 2. September den dritten Napoleon zu König Wilhelm geleitete, des grossen Kanzlers Bisinarck, nicht minder des weisen Schlachtenlenkers Moltke, des getreuen Waffenmeisters Roon und all der tapfern Helden und Mitkämpfer in jenem ruhmreichen Kriege! Vergessen wir aber auch das nicht, daß die erworbenen hohen Güter, des Vaterlandes Macht und Einheit, Freiheit und Unabhängigkeit nur dann unversehrt in unserem Besitze bleiben werden, wenn wir uns den nationalen deutschen Stolz bewahren, deutsche Kraft und deutsche Treue bekunden und bleiben ein einig Volk von Brüdern! Und

Nun laßt die Glocken

Von Turm zu Turm Durchs Land frohlocken Jm Jubelsturm!

Des Flammenstoßes Geleucht sacht an! Der Herr hat Großes An uns getan.

Ehre sei Gott in der Höhe!

Deutsches Reich.

Der Kaiser wird mit kurzer Untersuchung die nächsten drei Wochen noch im Westen Deutschlands zu­bringen. Er gedenkt nach der am Donnerstag statt- gefundenen Besichtigung des 16. Korps in Metz einige Tage in Straßburg zu bleiben und dort die Parade über das 15. Korps abzuhalten. Am 1. September war der Monarch in Berlin anwesend, um die große Herbstparade über das Gardekorps abzunehmen und der Aufführung vonSardanapal" beizuwohnen. Spätestens am 7. September trifft der Kaiser, nach den bisherigen Dispositionen, auf seiner lothringischen Besitzung Urville ein. Von dort begibt sich der Kaiser zur Leitung der großen Herbstübungeu..in das Manö­vergelände.

kennen zu lernen. Seine ganze, nur mühsam unterdrückte Sehnsucht, des Lebens Freuden mit vollen Zügen zu ge­nießen, erwachte und nahm ihn gefangen.

Er engagierte, als später der Ball eröffnet wurde, seine Tischnachbarin, eine sehr niedliche Brünette, in derenTanz- kärtchen sich schon viele eingezeichnet hatten.

Nachdem diese Pflicht der Höflichkeit erfüllt war, lehnte sich Meißner an eine Säule des Saales, und verfolgte jede derrythmischen BewegungenKlothildes.Jedesmal, wenn sie an ihm vorüberkam, sog er gierig den süßen, feinen Duft des goldgestickten Gewandes ein, und zuweilen war es auch, als gleite ein flüchtiger Blick des dunklen Augerr- paares über ihn hin.

Endlich wagte er, Frau vonSudowsky aufzufordern, die gerade noch einen einzigen Tanz frei hatte.

War das ein wildes, berauschendes Dahinfliegen! Hugo fühlte das Herz der entzückenden Frau an dem sei- nigen klopfen. Ihre wundervolle Gestalt schmiegte sich weich an ihn, derHauch ihres Mundes streifte seine Wange.

Kaum vermochte er noch zu unterscheiden, ob er es war, der seine Tänzerin in den immer toller werdenden Wirbel hineinriß, ober ob sie, leidenschaftlich erregt wie eine Bacchantin, ihn mit sich fortzog.

Als die Musik verstummte, schlugen alle seine Puls« so stürmisch, daß er meinte, das Blut müsse die zum Ber­sten gefüllten Adern zersprengen.

Er geleitete Klothilde m einem Sitz, über welchen hoch­gewachsene Palmen ihre dunkelgrünen Blätter breiteten.

Frau von Sudowsky rückte ein wenig zur Seite und wies ihn: den Platz dicht neben ihr an.

Ihr Antlitz war so blaß wie immer. Keine Blutwelle zauberte Rosen auf diese schneeweißen Wangen.

Wann werden Sie mit bem Bilde beginnen?" fragte die junge Frau, den flimmernden Fächer bewegend.

In Gedanken beschäftige ich mich bereits viel da­mit," erroiberte er.Morgen fange ich an zu skizzieren. Möge mir der Entwurf nur gelingen und meine Lei­stungsfähigkeit der Aufgabe gewachsen sein!"... 155,18