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Erscheint Mittwoch und Samstag, Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 83.

Mittwoch, den 14. Oktober 1908. 59. Jahrgang.

Fortwährend

werden Nestellungen auf die

Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt

von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner lliSGi d Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Amtliches.

J.-Nr. 13626. Die von dem Herrn Regierungs­Präsident in Cassel im Einvernehmen mit der Hand- Werkskammer erlassene Gesellenprüfungsordnung für das Portefeuiller-Handwerk liegt vom 15. ds. Mts. ab im diesseitigen Geschäftszimmer zu Jedermanns Einsicht aus.

Schlücytern, den 13. Oktober 1908.

Der Königliche Landrat: J. V. Schultheis.

Deutsches Reich.

Der Kaiser wird gegen den 6 November zur Rekrutenvereidigung in Kiel erwartet und wird einen mehrtägigen Aufenthalt nehmen. Da auf der Hohenzollern" zurzeit Reparaturen ausgeführt werden, ist es wahrscheinlich, daß der Kaiser auf dem Flotten» flaggschiffDeutschland" Wohnung nimmt.

Prinz Heinrich von Preußen, der gegenwärtig zur Kur in St. Moritz weilt, wird mehrere Tage in Friedrichshafen im königlichen Schlosse Wohnung nehmen und dem in nächster Zeit erfolgenden Aufstieg des verbessertenZeppelin I" beiwohnen. Auf der Werft in Manzell herrscht fieberhaftes Treiben.

Die Einwohnerzahl der deutschen Großstädte nimmt im laufenden Jahre viel langsamer zu als 1907. Einmal hat der Zuzug von außerhalb erheblich nachgelassen; es kommt sogar vor, daß die Zahl der Fortziehenden den Zuzug überschreitet. Sodann aber läßt im laufenden Jahre namentlich auch die eigene Vermehrung der großstädtischen Bevölkerung zu wünschen übrig. Entweder hat die Geburtenhäufigkeit abgenommen oder aber die Sterblichkeit ist gewachsen. Berlin, Hamburg, Dresden und Leipzig liefern für diese Fest­stellungen lehrreiches Zahlenmaterial.

Ein starker Rückgang der Auswanderung hat sich immer mehr bemerkbar gemacht. Die Auswander­ung über Hamburg betrug im September 9717 (gegen 1 1292 im Vorjahr), seit Jahresanfang 53 904 (150 386). Die Auswanderung über Bremen betrug im Sevteinber 7 228 (17 898), seit Jahresanfang 44 142 (180 421).

Der bedauerliche Mangel an Nationalgefühl wird schon wieder durch den Verkauf eines deutschen Gutes an einen Polen geoffenbart. Das Rittergut Jakobkowo bei Libau (Regierungsbezirk Bromberg), 1100 Morgen groß, ist von dem deutschen Besitzer an den Polen Klepka für 283 000 Mark verkauft worden. Ein derartiger Mangel an Nationalgefühl ist angesichts der fortgesetzten deutschfeindlichen Hetzereien der Polen jedenfalls tief bedauerlich.

Das Krankentragbett im Eisenbahnbetriebe. Wie uns mitgeteilt wird, hat der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten neuerdings durch Einführung besonders ausgerüsteter Krankentragbetten eine Ein­richtung geschaffen, die einen nicht zu unterschätzenden Fortschritt auf dem Gebiete der Krankenbeförderung bedeutet. Diese Krankentragbetten, von welchem vor­erst je eins auf den Stationen Marburg, Göttingen Soest aufgestellt ist, sind so eingerichtet, daß der Kranke darin von der Wohnung oder der Unfallstelle abgeholt, ohne Umbettung in einem besonderen Eisenbahnwagen­abteil, in welches das Bett hineingestellt wird, weiter­befördert und auf der Bestimmungsstation vom Bahn­höfe wieder bis an die neue Lagerstätte (Krankenhaus, Klinik, Wohnung usw.) getragen werden kann. Die Tragbetten können von allen Bahnhöfen des Direk­tionsbezirks Cassel im Bedarfsfalls nötigenfalls telegraphisch bei den obengenannten 3 Stationen angefordert und zur Beförderung nach sämtlichen Bahnhöfen der Preuß.-Hessischen Staatseisenbahnen verwendet werden. Die Tragbetten werden nur in Abteilwagen 3. Klasse mit getrennten und abschließ- baren Aborten eingestellt und in allen Fernzügen, die 3. Klasse führen, mit Ausnahme der v-Züge, befördert. Neben dem Tragbett bleiben noch 2 Plätze für Be­gleiter. Für die Beförderung eines Kranken mit Tragbett auf den Streken der Preuß-Hessischen Staatseisenbahnen sind zwei Fahrkarten 3. Klasse für den Kranken und je eine Fahrkarte 3. Klasse für jeden Begleiter zu lösen. Weitere Gebühren, insbesondere solche für die Benutzung, Rücksendung und Desinfektion usw. des Tragbettes, gelangen nicht zur Erhebung. Auch für die Benutzung der Tragbetten zur Beförder-

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ung der Kranken nach und von dem Bahnhöfe wird eine Gebühr nicht erhoben. Soweit jedoch zur Be­förderung des Tragbettes zwischen Wohnung oder Krankenhaus und Station etwa verfügbare Eisenbahn­bedienstete (Gepäckträger ic.) in Anspruch genommen werden, ist deren Tätigkeit nach dem Gepäcktaris zu vergüten. Wenn auch die Gestellung der zur Bedien­ung der Tragbetten erforderlichen Personen Sache der Kranken ist, so sind die Eisenbahnbediensteten dessen ungeachtet angewiesen, soweit es ihre sonstigen Dienst» Obliegenheiten erlauben, hierbei, namentlich beim Hin- einheben der Tragbetten in die Wagen und beim Herausheben aus denselben, bereitwilligst Hilfe zu leisten. Da die vorgeschriebene Beförderungsweise von Kranken mit verhältnismäßig geringen Kosten verknüpft ist, verdient die Einrichtung Beachtung und kann in Rücksicht auf die bequeme Einrichtung der Tragbetten nur empfohlen werden.

In Kaiserslautern ist der Lehrer Hoffmann als sozialdemokratischer Landtagskandidat für den bayrischen Landtag aufgestellt worden. Er hat nunmehr sein Lehramt niedergelegt, wie er selbst behauptet, freiwillig. DerVorwärts" teilt indessen mit, daß Herr Hoff­mann deshalbfreiwillig" verzichtete, weil der bayrische Ministerpräsident ebenso bestimmt wie unzweideutig er­klären ließ, daß Hoffmann sofort entlassen werden würde, falls er die sozialdemokratische Kandidatur an« nähme. Trifft diese Darstellung zu, so ist derFall Hoffmann" von der bayerischen Regierungen grund­sätzlich entschieden worden, und zwar in einer Weise, die man durchaus billigen muß.

Ausland.

Ueber die Unterdrückung von Unruhen im mittleren Deuffch-Ostafrika wird halbamtlich mitgeteilt: Die vor einigen Monaten gemeldete Eingeborenenbe- wegung in den zentral-ostafrikanischen Landschaften Turn und Jraku ist nach soeben an amtlicher Stelle eingetroffenen Nachrichten ohne weitere Störungen zum Abschluß gelangt. Die Ruhe ist überall wieder hergestellt. Der Demonstrationszug des Hauptmanns Charisius durch Turn ist bis auf wenige Schüsse einer Patrouille vollständig friedlich verlaufen. Die Anstifter der Bewegung sind sämtlich verhaftet, der Akide Mausa zum Tode verurteilt. Der genannte Truppenführer ist nach Aruscha zurückgekehrt, wo die Expedition auf- gelößt wurde. Eine Abteilung Askari unter Oberleut­nant von Trotha wird noch kurze Zeit in den beru^

Aünstterökut.

Roman von Vera v. Baratowski. 23

Ich möchte allein mit Dir sein."

Liska und ich, wir sind eifrig beschäftigt, wie Du stehst."

So sehr wird ja die Sache nicht eilen."

Doch, ich habe keine Stunde zu verlieren."

Du wirst wohl erwartet?"

Ja."

Sei etwas weniger wortkarg, wenn es Dir beliebt!" rief Sudowsky, kaum fähig, seine zornige Aufregung zu bezwingen.

Ich pflege stets wenig zu sprechen, wenn irgend eine Beschäftigung mich ganz in Anspruch nimmt."

Diese Spielereien," er wies auf das Pferdchen und das Trinkglas,können auch später erledigt werden."

Was Dir als Spielerei erscheint, hat für mich tiefen Sinn. Lieber würde ich alle meine Edelsteine und den letzten Pfennig meines Vermögens missen, als diese wert­losen Gegenstände, welche von meines Kindes Händchen berührt wurden."

Wie verträgt es sich denn mit Deinen pietätvollen Empfindungen, die Gräber der von Dir so heiß Gelieb­ten zu verlassen?"

Ich glaube, was ich tue, verantworten zu können."

Desto besser! Aber es gibt doch noch so manches wischen uns zu erörtern, und ich bin nicht gewöhnt, über Familienangelegenheiten in Gegenwart der Dienstboten zu sprechen."

Laß uns allein!" sagte Klothilde zu Liska, die mit einem bösen Blick auf den Gutsherrn gehorchte, und fuhr dann zu diesem gewendet fort:Also, faß Dich so kurz wie möglich."

Ich habe mehr auf dem Herzen, als in wenig Wor­ten zusammenzudrängen ist, dennoch will ich versuchen, das zu tun. Du korrespondierst mit Meißner, der Dir, zum

Dank für meine Protektion und Gastfreundschaft, aben­teuerliche Ideen in den Kopf setzte."

Wie ich sehe, waren Deine Spione wieder in Tätig­keit," äußerte Klothilde mit geringschätzendem Lächeln, aber sie bedienen Dich schlecht. Ihre Berichte sind un­vollständig und irreführend. Du mußt ihnen auftragen, sich genauer zu orientieren."

.jWohl korrespondiere ich, doch nicht mit Meißner."

Mit wem sonst?"

Eine Verpflichtung, Dich darüber aufzuklären, be­steht nicht für mich."

Diese Erwiderung bestätigt die Richtigkeit meiner Voraussetzung."

Die mich anundfürsich wenig kümmern würde, doch möchte ich nicht, daß ungerechter Verdacht den Abwesen­den träfe. Ueberzeuste Dich also, daß wir keine Briefe wechselten." Sie reichte ihm verschiedene Schriftstücke und Depeschen.

Er nahm Einsicht und lachte dann krampfhaft auf. Was fällt Dir ein? Gastspielverträge? Denkst Du im Ernst daran, wieder zur Bühne zu gehen?"

In vollem Ernst? Und weshalb nicht, da doch der Erfolg meine ersten Schritte auf derselben begleitete?"

Seitdem sind mehr als sechs Jahre verflossen."

Ich habe stets an meiner künstlerischen Ausbildung weiter gearbeitet."

Aber Du bist nicht mehr die hoffnungsvolle Anfän­gerin Eufemi. Man sagt sich:Sie war so und so lange vom Theater weg und wird verloren haben. In sechs Jahren kann sich mel ändern .. wer weiß . .."

Diese Briefe und Depeschen belehren Dich, daß man anders denkt," unterbrach Klothilde kalt.Du siehst hier eine Reihe sehr vorteilhafter Anerbietungen."

Natürlich! Es wird auf die Neugierde des Publi­kums gerechnet, und Frau Reklame versäumt gewiß nicht, die große Glocke in Bewegung zu setzen. Zwei brillante Einnahmen gibt es unter allen Umständen.Was, die Eu­femi singt wieder?" heißt es am ersten Abend.Da müs­

sen wir hin!" Feierst Du einen Triumph, verkünden ihn die Zeitungen, so ist wohl auch am nächsten Abend der Andrang groß. Nimmt man Dich kalt auf und steht ge­schrieben: Du habest verloren und die einst auf Dich ge­setzten Hoffnungen getäuscht, so gibt es trotzdem noch einmal ein volles Haus, denn man will sich selbst über­zeugen, und es bleibt immerhin amüsant, ein leuchtendes Gestirn jäh erlöschen zu sehen."

Du magst ja recht haben," erwiderte sie, dem fast ge­füllten Koffer ihre ganze Aufmerksamkeit zuwendend.Ich muß es eben darauf ankommen lassen, welche von den beiden Möglichkeiten bei mir zutrifft, hoffe jedoch nie­mand eine allzu arge Enttäuschung zu bereiten. Geschähe es dennoch, so würde ja nur ich der leidende Teil sein."

O nein. Klothilde, denn Du trägst unseren Namen."

Als ausübende Künstlerin werde ich wieder Eufemi heißen, und mich der Verwandtschaft mit Dir wahrlich nicht rühmen."

Aber weshalb denn ins Unsichere, Nebelhafte hinein­schreiten? Vor Jahren schon liebte ich Dich, wie Wladi­mir Dich niemals geliebt hat."

Sie trat zurück und erhob abwehrend ihre Hand.Sprich nicht von dem Toten! Wie Grabesschändung erscheint es mir, wenn Du seinen Namen nennst."

Er teilte Deine Abneigung gegen mich keineswegs, sondern vertraute mir."

Ich wäre wohl im stände gewesen, ihm die Augen zu öffnen; aber es gibt Dinge, von denen ich mich mit Ekel abwende und deren auch zu erwähnen ich mich daher scheue. Wie darfst Du wagen, von Deiner Liebe zu mir zu reden und was nennst Du so? .. Dein Ge­fühl für mich? Du versuchtest mich in den Schlamm zu zerren."

Wenn mich damals meine Leidenschaftzu einem un­überlegten Schritt verleitete, so mußt Du es mir, der zu jener Zeit arm und aussichtslos dastand, vergeben. Heute bin ich der Eigentümer dieser großen Besitzung, bin ein reicher Mann." . ... 155,18.