Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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^L 86. Samstag, den 24. Oktober 1908. 59. Jahrgang.
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Die Eröffnung des preußischen Landtages.
Zum erstenmal nach den Neuwahlen ist der preuß» ische Landtag am 20. Oktober dieses Jahres zusammengetreten und mit einer bedeutsamen Thronrede eröffnet worden. Der Inhalt der Thronrede bringt keinerlei Ueberraschungen, bestätigt aber die Ueberzeugung, daß wir mit der neuen Legislaturperiode in Preu,en ir ein Stadium weitreichender und tiefgreifender politischer Entwickelungen für unser Vaterland getreten find.
Wie ernst es die Regierung mit ihrem Versprechen einer Reform des preußischen Landtagswahlrechts nimmt, beweißt die erneute Ankündigung dieser Reform gleich im Eingänge der Thronrede. Es heißt daselbst nach einer Erwähnung des hundertjährigen Gedenktages der Städteordnung und einem Rückblicke auf die segensreiche Entwickelung der Selbstverwaltung: „Mit dem Erlaß der Verfassung ist die Nation in die Mitarbeit auch an den Geschäften des Staates eingetreten. Es ist Mein Wiche, daß die auf ihrer Grundlage erlassenen Vorschriften über das Wahlrecht zum Hause der Abgeordneten eine organische Fortentwickelung erfahren, welche der wirtschaftlichen Entwickelung, der Ausbreitung der Bildung und des Verständnisses sowie der Erstarkung staatlichen Verantwortlichkeitsgefühls entspricht. Ich erblicke darin eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart. Ihre Bedeutung für das gesamte Staatsleben erfordert um* fassende Vorarbeiten, die von Meiner Regierung mit allem Nachdruck betrieben werden." Aus dem Inhalte
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dieser Sätze verdient besonders der von einer „organischen Fortentwickelung" des bestehenden Wahlrechts handelnde Passus hervorgehoben und MMÜkichen zu w^Am Datmt sind die Bestrebungen aller-derftmgra, m^Das jetzige Wahlrecht durch etwas absolut Neues ersetzen, also etwa "das Reichstagswahlrecht an seine Stelle treten lassen wollen, kurz alle radikalen Reformlestreb» ungen mit Entschiedenheit zurückgewiesen. Die Grundlagen des geltenden preußischen Landtagswahlr>.ch!es sollen unangetastet erhalten bleiben. Jeder Preuße, der sein Volk und Vaterland wahrhaft lieb hat md ihnen ein segensreiches Fortschreiten zu immer Ww Höhen der Wohlfahrt und Kultur wünscht, wird ich sicherlich dieser Stellungnahme der Staatsreglering von Herzen freuen. _ , .
Es wird alsdann die unverzügliche Ernbringurgder schon für die vorletzte Tagung angekündigten E?etz. entwürfe über die Ausbesserung des Diensteln om ens der Staatsbeamten, Geistlichen und Volksfchullehrc tu
Aussicht gestellt. Gleichzeitig sotten die Wohnungs» geldzuschüsse neu geordnet, das Besoldungssystem der unmittelbaren Staatsbeamten vereinfacht und die Lehrerbesoldung unter Festhaltung der verfassungsmäßigen Grundlagen für ihre Ordnung einheitlicher gestaltet we' den. Die Besoldungsrlassen und Gehaltsstufen der Beamten dürften demgemäß eine Verringerung erfahren. Das Lehrerbesoldungswesen aber bleibt nach wie vor in erster Linie Sache der Kommunen, und der Staat tritt auch in Zukunft nur subsidiär mit seinen Mitteln ein.
Als dauernde jährliche Neubelastung aus den Anforderungen der genannten Vorlagen wird für den Staatshaushalt in der Thronrede die Summe von 200 Millionen Mark herausgerechnet. Es wird beabsichtigt, diese Summe zum wesentlichen Teile durch eine erhöhte steuerliche Belastung von Einkommen und Besitz in den höhern Stufen aufzubringen. Gleichzeitig wird die äußerste Sparsamkeit bei der Etatsaufstellung für 1909 angekündigt, und auch allgemein soll in der Zukunft durch übersichtlichere Gestaltung der Behörden, durch Dezentralisation und durch Vereinfachung der Geschäftsformen auf die Ersparung von Ausgaben hingewirkt werden. Auch diese Ankündigung dürfte zweifelsohne in den weitesten Kreisen mit hoher Befriedigung ausgenommen werden.
Nachdem die Thronrede alsdann noch der Mädchenschulreform und ihrer Ziele Erwähnung getan hat, greift sie mit einem flüchtigen die Dinge im europäischen Orient streifenden Exkurs über Den Rahmen der spezifisch preußischen Politik hinaus auf das Gebiet „In jüngster Zeit haben sich im nahen Orient Er- eignisse vollzogen, die die Aufmerksamkeit Europas in Anspruch nehmen. Sind wir dort auch politisch weniger interessiert als andere Mächte, so erfordern jene Vorgänge doch ernste Beachtung. Das Deutsche Reich wird in treuer Gemeinschaft mit seinen Verbündeten für eine friedliche und gerechte Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeiten eintreten."
Kaiser Wilhelm schließt seine Eröffnungsrede mit dem landesväterlichen Wunsche, daß die Arbeiten des neuen preußischen Landtages dem Staate zum Wohl gereichen mögen. Jeder gute Preuße wird sich diesem Wunsche von ganzen Herzen anschließen.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser gedenkt Ende November ^oder Anfang Dezember d. Js. im königlichen Saupark bei Springe eine Hofjagd abzuhalten, an der als Gäste des Monarchen mehrere Fürstlichkeiten teilnehmen werden.
— Hochzeit im Kaiser Hause. Die Einholung der Braut des Prinzen Wilhelm von Preußen, der Prinzessin Alexandra Viktoria von Schleswig-Holstein-Glücksburg ging am 21. Oktober nachmittags 3 Uhr in der üblichen Weise in Berlin vor sich. Im Schloß Belle» vue wurde sie von der Kaiserlichen Familie empfangen. Nach der Frühstückstafel erfolgte der Einzug durch das Brandenburger Tor. Die Einzugsstraßen waren reichlich geschmückt und die Truppen bildeten Spaliere. Auf dem Pariser Platz hielt der Zug und Oberbürgermeister Kirschner hielt die Begrüßungsrede in der er die Prinzessin im Namen der Stadt willkommen hieß. Die Prinzessin dankte und Der Zug setzte sich nach dem Schlosse in Bewegung. Nach Ankunft daselbst erfolgte die Vollziehung der Ehepakten im Kurfürstenzimmer, daran schloß sich eine Familientafel im Elisabethensaal und abends fand Festvorstellung im Opernhause statt.
— Die Enthüllung der Bismarck-Büste in der Walhalla bei Regensburg hat am Gedenktage der Leipziger Völkerschlacht unter zahlreicher Beteiligung stattgefunden. Nach einer ergreifenden Ansprache des bayerischen Ministerpräsidenten Frhrn. v. Podewils ergriff Reichskanzler Fürst Bülow das Wort zu einer schwungvollen Rede, die Bismark als den „deutschesten aller Deutschen", den „Vollender der deutschen Ein- pries ituLnLDp Worte ausklang: „Die deutschen "Dynastien und die deutschen Stämme durch gleiche Vaterlandsliebe und gemeinsame nationale Gesinnung in unlöslicher Einheit miteinander verbunden, sie können doch sicher sein, daß die Ansprüche der Gesamtheit nie* mals das Opfer ihrer Eigenart verlangen, mit deren Verschwinden das Deutsche Reich um ein wesentliches Gut verarmen würde, — jene Eigenart, die sich erst zu entfalten vermag im und Frieden des Deutschen Reiches, wie cs der Dichter besingt: „Eins nach außen, schwertgewaltig, um ein hoch Panier geschart, — doch im Innern vielgestaltig, jedermann nach seiner Art." Meine Herren! Es ist eine denkwürdige Stunde, wo an dieser durch den Patriotismus und den Kunstsinn des bayerischen Herrscherhauses geschaffenen Stätte das Denkmal des ersten Reichskanzlers eingeweiht wird, und es sind Gefühle tiefster Dankbarkeit, wenn
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Roman von Vera v. Baratowski.
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^eüt bist Du mein Kind!" sagte Oitkel Theo, i» oerwaALdchen umschlingend. „Weine Dich aus, u scheinst so seltsam starr und ruhig."
„Ich meinte schon seit langer Zeit so mel, dav^ keine Tränen mehr habe," erwiderte sie leise „Mei n Mütterchen ist wohl. Der Tod nahm sie sanft in ^ Arme und ersparte ihrvielleichtmanchen großeriSch m
„Komm hinweg!" bat nun auch Hugo. „Du mist Dir zu, was über Deine Kräfte geht."
„Ich bin stärker, als Ihr glaubt." entgegnete sie Heftigkeit, aber sehr entschieden. „So lange die Ve bene noch über der Erde weilt, bleibe ich bei ihr. ö e Hände sollen sie nicht berühren und zur letzten m schmücken. Ist die irdische Hülle der Entschlafenen ms Grab gebettet, dann will ich an mich und auch ane Zukunft denken." ,, , , „ .,. _ m
„Tue, wie Dir recht und gut erscheint, stimmte berq ^ei •
Als das Begräbnis vorüber war, kehtte Flora,a Westberg und Meißner begleitet, in die Wohnung - rück, um Vorbereitungen zur Uebersiedelung in das H des Oheims zu treffen, welches nun bis auf weiteres > das ihrige sein sollte.
„Bitte, Onkel Theo, gestatte mir eine Unterrch unter vier Augen mit Hugo," sagte sie, die verems ten Räume betretend.
Eine Wolke des Unmuts verdüsterte das Antlitz- alten Offiziers, als er der Bitte nachgab. Meißner e seine Sympathien immer noch nicht gewonnen.
„Was hast Du mir mitzuteilen?" fragte dieser,? Westberg gegangen war und sie ihm nun stumm bleich gegenüber saß. Ihre zarte Gestalt verschwand in dem großen, altväterlichen Lehnstuhl. Ganz in selbst zusammengesunken, kauerte sie in der linken
des alten Familienmöbels und sah unbeschreiblich elend aus.
Er wiederholte seine Frage, doch auch jetzt erfolgte keine Antwort.
Flora stand offenbar unter der Herrschaft mächtiger Erregung. Allmählich kämpfte sie diese Anwandlungvon Weichheit und Schwäche nieder und erwiderte: „Wäre meine Mutter am Leben geblieben, so hätte ich wohl nie den Mut gefunden, zu sagen, was dennoch gesagt werden muß."
„Und das ist?"
„Hugo .. ich bitte Dich, mir mein Wort zurückzugeben."
„Flora!" Fast wußte er selbst nicht, ob ihm Schreck oder Jubel den lauten Ausruf entlockte.
„Sei mir nicht böse," fuhr sie jetzt ruhig und gefaßt fort. „Es muß sein und ist besser so für uns beide.
Ich war noch ein halbes Kind, als wir uns verlobten, und wußte kaum, was ich versprach. Eine schöne, süße Zeit zog an mir vorüber, als ich mich Deine Braut nannte. Aus den Armen der Mutter schmiegte ich mich in dieDeinigen und grüßte jeden Tag mit frohem Lächeln. Dieses holde Getändel mirb immer meine schönste Erinnerung bleiben. Aber der Ernst des Todes lehrte mich auch das Leben ernst nehmen, und deshalb bitte ich Dich: Gib mir mein Wort zurück."
Jetzt fühlte Meißner doch jähen, nagenden Schmerz.
„Für wankelmütig Hütte ich Dich nicht gehalten,"preßte er hervor. „Ist Dir unsere Liebe wirklich nichts weiter gewesen als ein holdes Getändel? Dann täuschte ich mich allerdings gründlich in Dir. Doch ich kann es nicht glauben. Vielleicht., ja, wahrscheinlich., beherrschen Dich fremde Einflüsse. Dein Oheim war mir niemals gewogen."
„Keine Macht der Welt hätte mich von Dir losgerissen, wäre ich nicht selbst zur Ueberzeugung gelangt, daß unsere Wege sich scheiden müssen."
Sie zog den Ring ab.
Meißner zögerte, ihn zu nehmen.
„Du bist überreizt. Die vielen schlaflosen Nächte machten Dich krank."
„Nein, nein, Hugo! Nie war ich mir klarer dessen bewußt, was ich tun will und muß. Erschweren wir uns den Abschied nicht unnötig! Gib mich frei!"
„So ist es wirklich Dein Wunsch, unser Verlöbnis zu lösen?"
„Es ist mein Wunsch."
„Fast glaubte ich zu träumen. Du liebtest mich also wohl nie?"
„Ich lernte einsehen, daß wir beide nicht für einander bestimmt sind und daß unsere Ehe keine glückliche werden könnte. So denkend und empfindend darf ich nicht mit Dir an den Altar treten. Das hieße an Gott und dem heiligsten Sakramente freveln. Nimm Deinen Ring und gib mir den nichtigen wieder."
„Nahmst Du mit dem Oheim Rücksprache?"
„ ein.
„Ich dächte, Du wärest es ihm, als Deinem nächsten Verwandten und Vormund schuldig."
„In diesem Falle wird er meine eigene Entscheidung gelten lassen."
„Nun gut, Du hast es gewollt, nicht ich," sagte er, nun ebenfalls den Goldreif abziehend. „Diese Wendung der Dinge trifft mich allerdings ganz unvorbereitet. Alles andere hätte ich Dir eher zugetraut als Unbeständigkeit."
Ein herber Zug legte sich in tiefeinschneidenden Linien um ihren Mund und ließ das jugendliche Gesicht plötz- lich viel älter erscheinen. Sie erhob keinen Einwand wider die in gereiztem Ton hervorgestoßene Beschuldigung.
Vielleicht hatte Meißner doch einen solchen erwartet, denn er blieb minutenlang schweigend stehen, äußerte dann aber kurz und rauh: „Da Herrn von Westberg, wie Du versicherst, Dein so energisch durchgeführter Entschluß noch unbekannt ist, muß ich ihn, um nicht etwa selbst im falschen Lichte zu erscheinen, sofort von dem Grund und Resultat unserer Unterredung in Kenntnis setzen, ßebe* wohl!"