Einzelbild herunterladen
 

mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber

__Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".___

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. -- Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

» 'lw^^M»^^»LWM.^l-Hm.mlK^.m^«mlgl-r»l^"rMnl^«a^1l -' - ' »r -r«rr»..-^TT»wyu.,i..m^~,r..«i.i».wni«ii-» .jyngumnM.CT«.rni«>" -wwL.rr>»»m<»y.-««^^r*wzm UM»I nrr illH l 'Uini' '>»»-~~»"~~

^» 96. Samstag, den 28. November 1908. 59. Jahrgang.

Aufruf!

J.»Nr. 120 K-A. Die Kunde von dem entsetz­lichen Grubenunglück auf der Zeche Radbod bei Hamm hat im ganzen Vaterlande und weit über seine Grenzen hinaus schmerzlichen Widerhall gefunden.

Mit Hunderten von Familien, welche ihre Väter und Söhne verloren, trauern Alle. Wie die Herzen so öffnen sich da auch die Hände, um den so schwer Be­troffenen zu helfen, soweit Menschen das vermögen.

Wir richten an alle Kreise der Bevölkerung die herzlichste Bitte, ihre helfende Liebe schnell und reich­lich zu betätigen.

Beiträge werden von den unterzeichneten Vereinen bezw. von jedem der unterzeichneten angenommen,

Schlüchtern, im November 1908.

Die Vorstände des Vaterländischen Frauenvereins und des Männervereins vom Roten Kreuz: Frau Landrat Valentiner, Pfarrer Rollmann, Landrat Valentiner Rentmeister Pfalzgraf, Kreisausschußsekretär Schäfer.

Deutsches Reich.

Seine Majestät der Kaiser hütete am Dienstag wegen einer Erkältung das Bett.

Für die geplante Kaiserreise nach Korfu im Frühjahr steht nunmehr fest, daß der Kaiser von Bremerhaven aus den Seeweg wählen und dem König von Spanien einen Besuch abstatten wird. Die Kaiserin wird mit der Prinzessin Viktoria Luise und dem Prinzen Joachim über Venedig nach Korfu reisen.W

Die Kaiserin hat das Protektorat über das im Anschluß an die Vereinsorganisation vom Roten Kreuz in Münster gebildete Zentral-Hilfskomitee für das Grubenunglück von Radbod übernommen. Zugleich hat sie eine weitere Zuwendung von lOcO M. über­weisen lassen.

Der Reichstag setzte am Sonnabend die erste Lesung der Reichsfinanzreformvorlage fort. Reichs­schatzsekretär Sydow trat den Ausführungen des Abg. Dr. Spähn (3 ), der den Mehrbedarf des Reiches auf nur 300 Millionen Mark schätzte, entgegen und erklärte, daß mit weniger als 500 Millionen Mark keinesfalls ein Auskommen zu finden sei, zumal das Defizit des neuen Jahres die Berechnung noch um 100 Millionen Mark übersteigen werde. Abg. Paasche (natl.) erklärte sich im allgemeinen mit den vorge­schlagenen Steuern einverstanden, schlug aber statt der

Nachlaßsteuer eine Reichsvermögenssteuer vor, deren Undurchführbarkett der preußische Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben darlegte. Abg. v. Dziembowski (Pole) lehnte im Namen seiner Partei alle Vorlagen ab. Am Montag erklärte zunächst Dr. Wiemer (fr. Vp), es müsse in den Finanzen des Reiches Ordnung ge­schaffen werden, bekämpfte aber die Projekte der Re­gierung nicht sowohl prinzipiell, als vielmehr wegen der Form, die sie erhalten haben. Abg. Schrader (fr. Vg.) schloß sich den Ausführungen Dr. Wiemers an- Reichsschatzsekretär Sydow und Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben traten den freisinnigen -Rednern ent­gegen; kleinliche Gedanken und Nörgeleien seien hier nicht am Platze, wo es sich um eine Frage des Vater­landes ^handle. Auch Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.) rechnete mit Schrader ab; noch nie habe eine Steuer­reform so günstige Aufnahme in den weiten Kreisen der Bevölkerung gefunden wie diese. Im übrigen vertrat er besonders die Einwendungen gegen die Nach­laßsteuer und die Gründe für das Brantweinmonopol. Der Reichstag beschäftigte sich am Dienstag mit den Interpellationen wegen des Grubenunglück auf Zeche Radbod. In seiner Beantwortung erklärte Staatssek­retär v. Bethmann-Hollweg, eine nachgewiesene Schuld werde ihre Sühne finden. Zweifellos hätten bei dem Unglück elementare Kräfte gewirkt. Er sprach sich für Schaffung einer Art Arbeiterkontrolle aus und ver­sicherte, daß die Vorschläge der preußischen Regierung über die Reform der Berggesetzreform mit den übrigen Bundesstaaten beraten werde. Handelsminister Dr. Delbrück wiederholte seine bereits im Abgeordnetenhause vorgetragenen Pläne mr Reform und sprach sich neuerdings gegen die Arbeiterkontrolleure aus. In der nun folgenden Besprechung trat Abg. Dr. Osann (natl.) scharf gegen die sozialdemokratische Presse auf, der er Verhetzung und politische Auffassung des furcht­baren Unglücks vorwarf. Abg. Hue (Soz.) erging sich in wüsten Angriffen gegen die Regierung und die Zechenverwaltungen. Am Mittwoch gab bei Fort­setzung der Debatte Abg. Graf Kanitz (kons.) der Ansicht Ausdruck, daß die Einführung eines Reichs berggesetzes nicht notwendig sei, wenn man die bestehenden Vorschriften entsprechend erweitert und streng durch- führt Er empfahl, im Sinne des Handelsministers Vertrauensmänner aus den einzelnen Steigerabteilungen zu wählen, um so einen Teil der Verantwortung von den Bergbehörden auf die Arbeiterschaft zu übertragen, falls wieder ein Grubenunglück >sich ereignen sollte. Abg. Ledebour (Soz.) rief erregte Szenen hervor.

Mit der Faust wütend auf das Pult schlagend, rief er:Der Reichstag ist planmäßig irregeführt worden !" Unerhört! Der Reichstag ist betrogen worden! "Da­mit die Szene zum verabscheuungswürdigen Theater wurde, sprang Hus (Soz.) auf die Bundesratstreppe und schrie:Ledebour sagt die Wahrheit!" Um die Ordnungsrufe, die inzwischen Ledebour und Huö ob dieses Betragens erhalten hatten, scherte sich die an­wesende kleine Gruppe der Sozialdemokraten nicht, sondern rief dem Präsidenten zu:Rufen Sie uns alle zur Ordnung!" Handelsminifter Dr. Delbrück wies die sozialdemokratischen Angriffe energisch zurück.

Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Sonnabend zunächst die Interpellation des Zentrums wegen des Grubenunglücks in Radbold. Handelsmi­nister Dr. Delbrück erklärte als erster Redner, natür­lich keine Garantie dafür übernehmen zu können, daß die Namen der Gewährsmänner des Abg. Leinert von der Grubenverwaltung nicht auf die schwarze Liste ge­setzt werden, ist aber bereit, diese Leute auf den fiska­lischen Gruben anzustellen und nicht zu kündigen, wie auch diese Aussagen ausfallen. Nachdem noch die Abgg. Pachnicke (fr. Vp.) und Brust (Z.) gesprochen, wurde noch die Vorlage über den Wohnungsgeldzu- schuß der Beamten vor fast leerem Hause behandelt, die schließlich ebenso wie ferner der Gesetzentwurf über die Gebühren der Medizinalbeamten einer besonderen Commission überwiesen wurde. Am Montag wurde die Aufhebung des Steuerprivilegs der Beamten be­raten. Der Minister des Innern wies darauf hin, daß es nicht angängig sei, den im Dienste befindlichen B'twHn die ihnen zustehenden gesetzlich gewährleisteten Vorrechte in der Kommunalbesteuerung ohne eine ent­sprechende Entschädigung zu nehmen. Die Regierung trete deshalb dafür ein, daß das Kommunalsteuer- Privileg den bisherigen Beamten gewährt bleibe, den erst anzustellenden aber entzogen werde, doch solle der Zuschlag zur Staatseinkommensteuer nicht über 100 v. H. hinausgehen. In der Debatte sprachen sich die Redner des Zentrums, der beiden konservativen Par­teien und der Nationalliberalen im Prinzip für die Vorlage aus, die Freisinnigen und die Sozialdemokraten dagegen. Der Entwurf wurde an die durch sieben Mitglieder zu verstärkende Gemeindekommission über­wiesen. Die Vorlage über die Haftung des Staates bei Hebelgriffen und Versehen von Beamten wurde der verstärkten Justizkommission überwiesen. Darauf ver­tagte sich das Haus auf unbestimmte Zeit.

Die Weihnachtsferien der Parlamente werden

Künstkerökut.

Roman von Vera v. Baratowski. 38

Soll ich etwa glauben, daß er Dich gewonnen hat und daß es niemand auf der Welt mehr gibt, dem ich unbedingt vertrauen darf?"

Damit würdest Du mir das größte Unrecht zufü­gen. Keine Mutter kann ihrem Kinde zärtlicher zugetan sein, als ich es Dir bin. Aber deshalb hasse ich jeden, der Dich kränkt, und stehe auf Seite dessen, der seine Hände unter DeineFüße legen möchte."

Noch ein einziges Wort zu Gunsten Sudowskys .. und wir sind getrennt auf immer und ewig! Ermor­dete mein Kind, meinen kleinen, süßen Nikolaus! Wla­dimirs Ebenbild!"

Welche Beweise hast Du für seine Schuld?"

Keine, auf welche hin ich ihn öffentlich anklagen könnte, aber ich fuhr mit Dir zur Kirche. Mein Söhn- chen blieb unter der Obhut einer Wärterin, die ich für vertrauenswürdig hielt, zurück. Das gewissenlose Ge­schöpf ließ, wie es später eingestanden hat, Nikolaus aus den Augen. Als man den Kleinen vermißte, und nach thm suchte, war es endlich Bogislaus, der seine Leiche indemhochangeschwollenen Bach entdeckte."

Weil niemand so eifrig wie er nach dem verschwun­denen Kinde suchte."

Oder weil niemand so genau wußte, aus welche Weise es ums Leben kam... Ach, nichts mehr davon! Diese ewig ungelöst bleibenden Fragen werden mich zum Wahn­sinn treiben! Wenn ich anSudowsku denke, steht immer die kleine, wassertriefende Gestalt meines von Schilf und Wasserrosen umstrickten und zur Tiefe gezogenen Kindes neben ihm, und ich meine zu sehen, rme sich das Händ­chen drohend nach dem Mörder ausstreckt, der ein hilf- u"° wehrloses Geschöpf vom blumigen Ufer in die Tiefe

- »Sahst Du Deinen Vetter etwa die Tat vollführen?"

Nein; aber eine innere Stimme ruft mir fortwäh­rend zu:Keinem unglücklichen Zufall fiel Dein Sohn zum Opfer, sondern einem verruchten Verbrecher, der nach des Kleinen Eigentum verlangte!" Ach! Liska, was stürmt alles auf mich ein und zerreißt mir die Seele! Könnte ich nur aufhören, zu denken!.. Geh !.. Ich will schla­fen."

Die Dienerin stand minutenlang an ihrem Bette und schlich dann auf den Fußspitzen davon.

Klothildes Befürchtungen waren nicht grundlos ge­wesen. Eine sehrstarkeHefferkeit stellte sich einund zwang sie nicht nur, der Intendanz ein ärztliches Attest zu schik- ken, sondern auch das Haus zu hüten. Und wer trug nun auch an diesem Unheil die Schuld? Flora, niemand sonst!

Um ihretwillen hatte die Primadonna sich dem rauhen Anprall des wütenden Sturmes ausgesetzt und die eisige Nachtluft eingeatmet. Was aber eine solche er­neute Erkrankung, die langwierig zu werden drohte, und was Repertoirestörungen gerade jetzt, wo alles inM. ... zusammenströmte, um den Musterausführungen der Werke Wagners beizuwohnen, bedeutete, darüber täuschte sich auch Klothilde nicht.

Gibt es keine Möglichkeit, daß ich übermorgen die Isolde singe?" fragte sie den Theaterarzt.

Nein!" erwiderte dieser sehr entschieden.

Aber mir liegt unendlich viel daran. Kennt die Wis­senschaft kein Mittel, das mir wenigstens momentan zu helfen vermöchte?"

Nein.. Wollte man aber wirklich etwas Außerge­wöhnliches versuchen, so würden Sie an dem darauffol­genden Tage vollständig krank und erschöpft sein."

Und wenn ich nach einem letzten großen Erfolg tot bin! Geben Sie mir nur die Möglichkeit, ihn zu errin­gen."

Das liegt nicht in meiner Macht. Ruhe, nur allein Ruhe kann helfen."

Ruhe? Wie soll ich sie finden, wenn jeder Nerv in mir fiebert? Bis wann werde ich wieder hergestellt sein?"

Das läßt sich nicht bestimmen, hängt aber in erster Linie von Ihrem Verhalten und der gewissenhaften Be­folgung meiner Vorschriften ab."

Sei es denn! Ich werde sie befolgen."

Es fiel ihr schwer, diesen Vorsatz auszuführen. Gern hätte sie wenigstens des Arztes strenges Verbot, das Haus zu verlassen, umgangen.

Die Abende wurden immer länger, und Meißner ver­lebte sie meist außerhalb. Die wenigen freien Stunden, die ihm sein Lehramt ließ, brächte er "im Atelier zu. Dort suchte ihn Klothilde oft auf, vermochte aber nicht mehr wie einst begeisternd auf ihn zu wirken und seine künst­lerischen Bestrebungen zu fördern.

Ihr ungestümes Temperament verleitete sie, ihm Vor- würfe zu machen und heftige Auftritte herbeizuführen. Mit der Eifersucht und dem Argwohn wuchs ihre Liebe, aber auch der Wunsch, zu dominieren und ihren Willen durchzusetzen.

Je mehr sie ihrerLeidenschaftlichkeit dieZügel schießen ließ, desto anmutiger stand Floras Bild vor Meißners geistigem Auge, in desto reinerem Glänze erstrahlte der Edelstein, nach welchem er nun nicht mehr die Hand ausstrecken durfte... Und doch .. Flora war es ja, die damals zurücktrat.

Klothilde hatte kürzlich erst gesagt:Deine Braut liebte Dich nicht; denn sie gab Dich freiwillig auf."

Die Erinnerung an diese Worte quälte ihn. War er doch fest entschlossen gewesen, sein Wort zu halten. Flora zog den Verlobungsring ab, nicht er. Warum? .. Jeder Wankelmut schien doch diesem Mädchen fern zu liegen-

Einst, sich zur Akademie begebend, sah erFräulein dorr Henck in die Kirche treten und folgte ihr. (Sie hiiete an einem der Seitenaltäre nieder und betete andächtig.

Als sie das Gotteshaus verließ, näherte sich ihr Meiß­ner und bat um eine kurze Unterredung, _ 155,18;