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mit amtlichem Nreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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32 99. Mittwoch, den 9. Dezember 1908» 59. Jahrgang.

Amtliches.

Lehrschmiede zu Fulda.

Am 4. Januar 1909 beginnt in der Lehrschmiede zu Fulda ein neuer Kursus von dreimonatiger Dauer. Der Kursus schließt mit einer Prüfung ab, durch deren Bestehen der Befähigungsnachweis zur selbständigen Ausübung des Hufbeschlaggewerbes erworben wird. Der theoretische und der praktische Unterricht wie auch die Prüfung sind unentgeltlich. Die Kursisten erhalten wöchentlich 1 Mk. Taschengeld. Für Prämienzwecke bei der Prüfung stehen 50 Mk. zur Verfügung. Für Unterkunft und Kost haben die Kursisten sebst zu sorgen.

Anmeldungen sind bis zum 15. Dezember ds. Js. an den Leiter der Lehrschmiede, Herrn Kreistierarzt Weber in Fulda, einzureichen. Der Anmeldung sind beizufügen, eine Geburtsurkunde, ein Unbescholtenheits- zeugnis und ein Nachweis, daß der Aufnahmesuchende drei Jahre ordnungsmäßig das Schmiedehandwerk er­lernt hat.

Ferner hat ein jeder Kursist mitzubringen bezw. aus eigenen Mitteln zu beschaffen: ein Schurzfell, einen Hufhammer, ein englisches Rinnenmesser, einen Falz- Hammer, einen Stempel, ein Lehrbuch nach Angabe des Leiters der Lehrschmiede.

Schlüchtern, den 8. Dezember 1908.

Der Königliche Landrat: I. V. Schultheis.

Politischer Wochenbericht.

Im Reichstage ist die erste Lesung der Reichs­finanzreform beendet, freilich mit dem Resultate, daß die Vorlage zunächst einer besonderen Kommission über, wiesen worden ist. Leider sind die Aussichten für das Zustandekommen der für das Wohl des Deutschen Reiches so dringend notwendigen Reform, nach den Reden der Freisinnigen und Zentrumswortführer zu schließen, keine besonders erfreulichen. Das Zentrum lehnt fast alles ab, die Nachlaßsteuer sowohl wie die meisten indirekten Steuern, während durch die scharfen Worte der freisinnigen Redner doch ein Ton der Be­reitwilligkeit klang, mit sich handeln zu lassen. Hoff­entlich bietet später die entscheidende Abstimmung ein erfreulicheres Bild. Das Zentrum und die Linke haben sich zu entscheiden, ob sie sich bei dieser wichtigen nationalen Angelegenheit auf einseitige Fraktionspolitik beschränken oder durch Kompromisse mit andern Par­teien an der positiven Arbeit beteiligen wollen, und wir wollen hoffen, daß sich das Wort des Abgeordneten Arendt bewahrheitet, daß die Vorlage trotz aller An­

Künkterötut.

Roman von Vera v. Baratowski. 43

Eine andere, die Dich mitdemAlitterglanz ihres unech­ten Heiligenscheines blendet. Kleinliche Ränke liegen mir jetzt und lagen mir stets fern. Deine ehemalige Braut mag sich ihrer bedienen .. mir sind derartige Machinationen zu gering und erbärmlich! Aber fortdauern können diese unseligen Zustände nicht! Ich weiß und fühle, daß wir vor einer Katastrophe stehen, daß etwas geschehen muß und geschehen wird, denn ich ertrage ein solches Leben nicht länger."

Auch meine Kraft und Geduld sind zu Ende. Dein ewiges Rasen und Toben macht mir das Haus zur Hölle!"

s, Wohin willst Du?" rief sie, als er nach seinem Hut griff....

Mir irgendwo ein Atelier mieten, in welchem ich ungestört arbeiten kann."

Das hast Du nicht nötig! Ich bin heute zum letz­tenmal hier eingetreten. Meine Gegenwart soll Dich nicht mehr belästigen. Gehen wir also getrennt und dennoch ge­bunden nebeneinander her, denn es sei gesagt: Freiwil­lig löse ich Deine Fesseln niemals! Für Dich gab ich alles hin, sogar die Gräber meiner Lieben. Dir opferte ich auch mein höchstes Gut, meine Stimme; denn ich fange an zu fürchten, daß sie seit jener Nacht, wo Du unter Floras Fenster standest, rettungslos verloren ist."

Eine Bettlerin, die verzweifelt auf bessere Tage zurück- blickt, stehe ich heute da. Die Zukunft zeigt mir ein ödes, reizloses Bild, die Gegenwart ist unerträglich. Ich würde wahrlich nichts verlieren, wenn ich von hinnen ginge, und der Tod könnte mir nur Erlösung bringen."

Aber ich will nicht sterben, will nicht, sondern klam- mere mich mit aller Gewalt an dieses elende Leben. Meine Feindin darf nicht triumphieren, und über mich lachen. So lange ich einen Tropfen Blut üiben Adern.

griffe zustande kommen wird, weil sie zustande kommen muß.

Ein wenig erfreuliches Bild bieten auch die De« hatten im Reichstage über konstitutionelle Garantien, die ebenso unzeitgemäß wie schädlich sind. Unzeitge« mäß, weil sich die alsbald nach der Erklärung des Reichskanzlers unternommene Aktion als eine Undank­barkeit dem Kaiser gegenüber darstellt; schädlich, weil sie den Zusammenhalt des Blocks gefährden. Die Erklärung des Fürsten Bülow enthielt den Entschluß des Kaisers, die Stettigkeit der Politik unter Wahrung der verfassungsmäßigen Verantwortlichkeiten zu sichern Das muß unter allen Umständen genügen, will man nicht in die Worte des Kaisers Zweifel setzen. Die Anträge auf Einführung von Reichsministerien müssen als vollständig aussichtslos bezeichnet werden; denn die Machtbefugnisse, die in den Einzelstaaten dem kollegialen Staatsministerium vorbehalten sind, stehen im Reiche dem Bundesrate zu. Neben ihn ein kollegiales Reichs­ministerium zu setzen, ist mit dem bundesstaatlichen Charakter des Reiches schlechterdings unvereinbar und auch undurchführbar Strebt der Reichstag eine Er­weiterung seiner Machtstellung an, so wird man sich im deutschen Volke die Frage vorlegen müssen, ob es in Preußen-Deutschland das Parlament oder die Krone war, der wir allein oder doch vornehmlich Königgrätz und Sedan, die deutschen Kolonien und die deutsche Flotte danken. Jedenfalls hätte der Reichstag die mit den Debatten vergeudete Zeit nutzbringender ver­wenden können.

Das uns befreundete und verbündete Nachbarreich Oesterreich hat das sechzigjährige Regierungsjubiläum 'des Kaisers Franz Joses festlich begangen. Trotz herber Schicksalsschläge, die manchen andern zur Ver­zweiflung getrieben hätten, hat Kaiser Franz Josef sechzig lange Jahre ergebungsvoll und pflichtgetreu auf seinem hohen Posten ausgeharrt, unbeirrt seines ver­antwortungsvollen Amtes gewaltet und so ein schönes Beispiel von Pflichttreue, Charakterfestigkeit und Gott­vertrauen gegeben, wie es schöner kaum zu finden ist. Welchen innigen Anteil auch Deutschlands Fürsten und die deutsche Nation an der Jubelfeier nehmen, dafür hat unser Kaiser beredte und von Herzen kommende Worte gefunden, als die deutschen Bundessürsten unter Führung des Kaisers an jenem denkwürdigen Maitage im SchönbrWner Schlosse erschienen waren, umdem edlen Herrscher, dem treuen Bundesgenossen, dem mächtigen Hort des Friedens" Glückwünsche darzu- bringen. Die weihevolle Stunde dieser einzigartigen

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einen freien Atemzug in der Brust habe, bin ich auch das Hindernis, über welches Ihr beide nicht hinwegzu- schreiten vermögt. Deshalb werde ich weiter leben, so mächtig auch oft die Versuchung an mich Herantritt, dem ganzen? Elend ein rasches Ende zu bereiten, und so sehr mich auch alles, was ich sehe und höre, mit Ekel und Verachtung erfüllt. Als ich mid) von Dir geliebt glaubte, hätte ich mit einer Empfindung süßen Grauens sterben können für Dtch und Deine künstlerische Größe, jetzt werde ich mich energisch dagegen webren, diese Welt zu verlassen, bringt mir auch jeder Augenblick nur Schmerz und Krän­kung. Mag mich das Unglück immerhin zu Boden tre­ten, dennoch bleibe ich Deine Frau und Herrin der Situa­tion !"

Du sprichst fast, als wünsche ich Deinen Tod," sagte Meißner mit heiserer dumpfer Stimme.So weit ist es denn doch noch nicht mit mir gekommen. Ich schuldete Dir viel Dank, Klothilde. Hättest Du mir Deinen Bei­stand versagt, so wäre vielleicht mein Streben, mich em- porzubringen, erfolglos geblieben. Sei überzeugt, daß ich dessen ewig gedenke. Dein kühnes Genie verhalf mir zu kühnem Aufflug.

Seit lange aber ging eine traurige Verwandlung mit Dir vor. Du bist nicht mehr die größempfindende, über der Alltäglichkeit schwebende Künstlerin, sondern ein eifer­süchtiges Weib, eine rastlos spähende Spionin, die kein wichtigeres Ziel mehr kennt, als mich und das reinste, verehrungswürdigste Mädchen mit beschimpfendem Arg­wohn zu verfolgen. Was Du damals gut machtest, machst Du jetzt schlecht. Dein Werk war es, wenn die durch Miß­erfolge unterdrückte Flamme künstlerischer Besteigerung wieder hoch in mir emporschlug, Seit wir in M. sind, versäumst Du aber nichts, um sie zu töten, und wirklich ist es Dir fast schon gelungen, den göttlichen Funken zu ersticken und anszulöschen. Wir sind quitt, Klothilde! Schwinge ich mich jetzt noch einmal zur Höhe, so ver­danke ich es nicht mehr Dir, sondern meiner eigenen Kraft."

Kundgebung steht wieder lebendig vor der Seele der deutschen Nation, die sich mit den Völkern Oesterreich- Ungarns in dem Wunsche vereinigt, daß eine gütige Vorsehnung dem verehrungswürdigen Herrscher des Habsburgischen Kaiserstuates auch fürderhin Gesund­heit und Glück verleihen und noch viele Jahre segens­reichen Wirkens gewähren möge !

Leider fiel ein trüber Schatten auf die Jubelfeier durch die tschechische Schreckensherrschaft in Prag, der zweitgrößten Stadt Oesterreichs. Der Zustand, den die Gewalttaten des tschechischen akademischen und nichtakademischen Pöbels in der Hauptstadt des öster­reichischen Kronlandes Böhmen geschaffen hatten, ist empörend und schmachvoll zugleich. Den Tschechen als Nation, welche die ganze-Jämmerlichkeit ihrer erborgten Scheinkultur und ihre tierische Brutalität wieder ein­mal so herrlich offenbart haben, gebührt nur Veracht­ung und Abscheu. Die Regierung aber erntet jetzt für die langgeübte Milde und Langmut den Dank der edlen Tschechen dadurch, daß sich der gegen das habs- burgische Haus gerichtete Charakter der Präger Exzesse immer deutlicher enthüllt und der tschechische Mob, mag er die Ballonmütze tragen oder sich mit dem nationalen Schnürrocke schmücken, immer frecher sein Haupt erhebt. Eine eiserne Faust ist hier dringend vonnöten, und es ist daher mit Genugtuung zu begrüßen, daß die Re­gierung nunmehr über Prag das Standrecht verhängt hat. Die seit Wochen fortdauernden tschechischen Pöbeleien, die durch die gewöhnlichen Machtmittel nicht unterdrückt werden konnten, haben die Anwendung jenes außergewöhnlichen Mittels notwendD gemacht, welches hoffentlich die von allen friedliebenden Ele- menun ersehnte sofortige Wiederherstellung der vollen Ruhe und Ordnung mit sich bringen wird.

In England hat es Lord Roberts nicht verwinden können, im Oberhause wieder einmal von der Gefahr einer deutschen Invasion zu sprechen, um für seine Lieblingsidee, die Einführung der allgemeinen Wehr« Pflicht und eines stehenden Heeres, Stimmung zu machen. Uns kann es sicherlich völlig gleichgiltig sein ob England die allgemeine Wehrpflicht und ein stehendes Heer hat oder nicht, da wir, wie wir unsern lieben Vettern jenseits des Kanals zu oft wiederholten Malen versichert haben, gar nicht daran denken, aggressive Politik zu treiben, sondern uns gegebenenfalls nur unserer Haut wehren. Freilich scheint die Neigung zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und eines stehenden Heeres, wenigstes zurzeit noch, in England sehr gering zu sein.

Und wähnst Dich damit frei und los aller Lerpflich. tungen?"

Wieso denn? Deine Rechte bleiben ungeschmälert; was die meinigen betrifft, so beanspruche ich aber wenig- stens, in meinen Arbeitsräumen ungestört zu sein."

Das sollst Du künftighin. Mein Fuß tritt nicht mehr über diese Schwelle!"

Von nun an sah man Klothilde oft auch in Gesellschaft ohne ihren Gatten, wohl aber in Begleitung von Su- dowsky. Da er ihr nächster Verwandter war, ließ sich da­gegen ja auch nichts einwenden. Das Zerwürfnis zwi- schon den beiden im Mittelpunkte des allgemeinen In- teresses stehenden Künstlern wurde bald bekannt. Man bedauerte die geniale Frau, welche den fast noch unbe­kannten Maler durch ihren Einfluß und Rat und da­durch, daß sie ihm gestattete, ihre Züge, ihre tadellose Ge- statt wiederzugeben, in die Reihender Vielgenannten ge­rückt hatte. a

Klothildes Indisposition warnicht gehoben, aber den­noch gebessert. Die (Stimme begann, trotz sehr wahrnehm­barer Verschleierung ihren wunderbaren Reiz allmäh. ttch zurückzugewinnen. Jetzt wäre wohl doppelte Scho­nung am Platz gewesen, aber Klothilde kam selten, be­vor der Morgen graute, heim. Sie suchte Betäubung und vermochte diese nur auswärts zu finden. Innerhalb der vier Pfahle ihrer Wohnung stürmte die wilde Jagd sie- berhaft aufgeregter Gedanken unaufhaltsam auf sie ein, und bte immer brennender werdende Eifersucht zeigte ihr Bilder, von denen sie sich zum Wahnsinn getrieben fühlte

Sudowsky fand stets Mittel und Wege, die Erreguno zu steigern. Oft nahm sich Frau Eufemi-Meißner' vor. ihni ihre Tür zu verschließen, aber es geschah nicht. War er doch der einzige, mit dem sie über das, was ihre Ge­danken Tag und Nacht beschäftigte, reden konnte. Er er­sparte ihr sogar die Mühe, nach diesem und jenem zu fragen, und brächte, wie zufällig, stets selbst das Gespräch darauf. ~ x 155,18