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mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber

__-___________Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat"._________________________

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Mittwoch, den 16. Dezember 1908

59. Jahrgang.

Die im 59. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreitendste Zeitung im Kreise

Schlächtern und weit noch über denselben

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finaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.

daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der

wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Dez. unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Januar ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß

nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstall und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. Januar 1909 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

Mc Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Die Diamantenfunde in DeutsüftSüdweftafrika.

Als seinerzeit die Kunde zu uns kam, daß bei Lüderitzbucht in unserer südwestafrikanischen Kolonie Diamanten gefunden worden seien, tauchten zunächst mehrfach Zweifel an der Richtigkeit dieser Nachricht auf, oder man war auch wohl der Meinung, daß es sich nur um vereinzelt vorgekommene Diamanten von geringem Wert handele. Als dann weitere Funde gemacht wurden, schwächten sich die erhobenen Zweifel schon erheblich ab, und nach den neuesten Meldungen scheinen die Diamantenfunde bei Lüderitzbucht doch von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit zu sein. So hat kürzlich ein Windhuker Bürger die Diamantenfelder besucht und das dort Gesehene alsunglaublich groß­artig,, bezeichnet. Ueber die gewonnenen Eindrücke hat er denWindhuker Nachrichten" berichtet, und seine Mitteilungen sind so interessant, daß wir einiges dar­aus mitteilen.

Insgesamt arbeiten jetzt vier Syndikate auf den der Kolonialgesellschaft für Südwestafrika gehörenden Schürfgebieten. Auf dem Schürffelde Charlottental ist ein Weißer mit sechs Ovambos tätig; anf dieser Seite werden täglich bei gutem Wetter durchschnittlich 70 Karat Diamanten gewonnen; es sind aber auch bereits 84 Karat an einem Tage gewonnen worden. Dabei ist die Methode der Gewinnung sehr primitiv. Sie besteht darin, daß der aus Kies und Sand be­stehende Grund der Oberfläche mit Schaufeln gegen ein schräg stehendes Sandsieb geworfen wird. Der grobe Stoff wird dann in einem runden Siebe in einer Wasserwanne durchgeschüttelt und duychgewaschen; da­durch gelangen die nur kleinen Diamanten auf den Boden des Siebes. Dann wird der Inhalt umgestülpt und die Diamanten, die nun obenauf liegen, ausgelesen. Wie viele Diamanten auf diese Weise dem Sucher entgehen, zeigt der Umstand, daß auf der Schürfstelle des Bahnmeisters Stauch, wo bereits mit einer Hand­waschmaschine gearbeitet wird, die tägliche Ausbeute

Künstkerbtut.

Roman von Vera v. Varatowski.

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Ich erinnerte mich heute einer Unterlassungssünde i und wollte sie noch gutmachen, denn lieber spat als aar nicht. Wie ich schon seit Wochen weiß, hat sich ein Ko­mitee für Weihnachtsbescherung armer, kranker Kinder gebildet und Sie gehören zu den Vorstandsdamen."

Allerdings." . . ,

Immer wollte ich mein Sicherstem bettragen, aber stets kam mir die Sache wieder aus dem Sinn, bis ich Mich heute plötzlich daran erinnerte und nicht länger zö­gern wollte, das Versäumte nachzuholen."

Wie gütig, gnädige Frau!"

Darf ich Ihnen meinen kleinen Beitrag überreichen ?"

Ich werde ihn mit größter Erkenntlichkeit m Emp- sang nehmen, und wahrscheinlich heute noch abhefern.

Die Sängerin legte mehrere Banknoten auf den Lisch.

Das ist ja eine fürstliche Gabe!" rief Flora errö­tend.So viel weist unser ganzer Kassenbestand nicht auf. Ich danke Ihnen aufrichtig im Namen der armen Kleinen. Da können wir ja morgen noch nach Herzens­lust einkaufen und unsere Schützlinge beschenken, vollen Sie der Bescheernng am zweiten Feiertage nicht beuooh- nen? Es würde Sie erfreuen, den Jubel der so groß­mütig Bedachten zu sehen. Ohne Zweifel lieben Sie die Kinder."

Ich hatte selbst ein Söhnchen, und dieses liebte ich sehr," erwiderte Klothilde mit gepreßter Stimme, wurde mir genommen, seitdem vermag ich das Jauch­zen froher Kinderstimmen nicht mehr zu hören. Es schnel- bet mir in die Seele, und neben jeder Mittler, die ihr Teuerstes noch besitzt, fühle ich mich als Bettlerin."

O, verzeihen Sie, daß ich eine schmerzende Wunde unvorsichtig berührte!"

^,Es bedarf durchaus keiner Entschuldigung, mein

mehr als das Doppelte, nämlich 150 bis 200 Karat beträgt.

Die Größe der Diamanten ist zwar gering, höchstens sieben achtel Karat Gewicht das Stück, doch werden auch Steine von einem halben Karat in genügender Menge gefunden. Die Qualität ist erstklassig, die Farbe ein klares, ungetrübtes Weiß, oft mit leicht gelblichem Anhauch. Ein kapischer Händler Herz, der in Lüderitzbucht wohnt, ist der Käufer; er zahlt 21 Mark für das Karat. In einem Monat wurden im ganzen 2687 Karat zum Preise von 56 427 Mark verkauft. Wie aus der Art der Gewinnung hervor- geht, sind ihre Kosten im Verhältnis zum Gewinn ganz geringe. Schwierigkeiten bildete anfangs die Beschaffung des Wassers zum Waschen der Steine und auch zum Trinken für Mensch und Tier; Bohr- versuche auf dem Diamantenfelde haben aber ein ganz erstaunlich günstiges Ergebnis gehabt und Wasser in genügender Menge zutage gefördert. Allerdings war das Wasser anfangs salzhaltig, hat aber, je mehr es ausgeschöpft wurde, immer mehr an Salzgehalt ver­loren, so daß es wenigstens für Tiere genießbar ist.

Das bis dahin ganz wertlose Gelände beim Bahn­kilometer 15 hat natürlich jetzt einen unbezahlbaren Wert erhalten. Für ein Schürffeld, für das ursprüng­lich 63 Mark gezahlt wurden, werden jetzt 10 000 Mark geboten; aber kein Inhaber gibt das seinige her. Selbstverständlich ist jetzt, da das ganze Diamanten­feld belegt und abgesteckl ist, auch das Lüderitzbuchter Diamamfieber erloschen. Lüderitzbucht hat sein ge« wöhnliches Alltagsaussehen wiedergewonnen; auch die glücklichen Inhaber von Schürfscheinen gehen ruhig, als wäre ihnen kein Glückslos in den Schoß gefallen, ihrer gewohnten täglichen Beschäftigung nach. Nur die amtlichen roten Warnungsplakate an den Straßen­ecken, die den Ankauf von unrechtmäßig erworbenen Diamanten auf Grund des Hehlereiparagraphen des

Strafgesetzbuches mit Strafen bis zu fünf Jahren

Gefängnis bedrohen, weisen darauf hin, welches unge-^war gebe es in Englisch-Südwestafrika wertvollere

Fräulein. Sie sprachen, wie Sie mußten, meine trauri­gen Erlebnisse nicht genau kennend."

Desto höher schätze ich jetzt Ihre Freigebigkeit. Ih­ren Entschluß, so vielen von Geburt an Enterbten ein frohes Fest zu bereiten!"

Nicht diese Absicht allein führte mich her, sondern die Erkenntnis, daß es zwischen uns beiden zu einer offe­nen und ungestörten Aussprache kommen muß. Wes­halb? .. Darüber brauche ich kein Wort zu verlieren. Sie kennen ja die Gründe so gut wie ich."

Nein, gnädige Frau!"

Ein bitteres, spöttisches Lächeln zuckte um Klothildes Lippen.Ich hätte mehr Offenheit von Ihnen erwartet. Zwischen Ihrer und meiner Vergangenheit besteht ein ge­meinschaftliches Band."

Allerdings! .. Aber mit dieser Vergangenheit, deren Sie erwähnen, habe ich vollständig und für immer abge­schlossen und bedauere, an längst Ueberwundenes erin­nert zu werden."

Und doch griffen Sie selbst darauf zurück, vor noch nicht sehr langer Zeit."

Ich bin mir nicht bewußt, das getan zu haben."

Reden wir doch ohne alle Umschweife! Sie lösten Ihre Verlobung mit Hugo auf Grund eines Briefes, der an mich gerichtet war und Ihnen von Warschau aus zuging."

Jede Spur von Farbe wich aus Floras Wangen, als sie erwiderte:So ist es... Warum darauf zurückkvm- men ?"

Weil ich nichts Totgeschwiegenes dulde."

Für mich war das Vergangene wirklich tot und be­graben."

Und dennoch bewahrten Sie jenen Brief auf?"

Anfänglich tat ich es, um durch wiederholtes Durch­lesen desselben die feste Ueberzeugung zu gewinnen, daß ich wirklich zwischen Hugo und dem Glück stehe, dann .. als mir gänzlich klar geworden war, welchen Weg ich

^eure Wunder sich in der Nähe der Stadt ereigne1 hat.

Deutsches Reich.

Der Kaiser speiste am Montag abend beim Osfizierkorps des Leibgardehusarenregiments zu Pots­dam.

Der Großherzog von Oldenburg wurde am Sonntag vor und während der Tafel, die für die Landtagsabgeordneten gegeben wurde, von Ohnmachts­anfällen befallen. Die Ursache, ist wahrscheinlich. in einem Magenleiden zu suchen.

Der Reichstag setzte am Donnerstag die Etats­debatte fort. Zunächst sprach Abg. Hausmann (südd. Vp.) sehr eingehend über die auswärtige Politik. Ihm antwortete Reichskanzler Fürst Bülow auf mehrere Anfragen. Er erklärte, daß ein Vorschlag auf inter­nationale Einschränkung der Rüstungen an Deutsch­land nicht herangetreten sei, und fügte hinzu, daß eine solche Einschränkung im Augenblick auch kaum durch­führbar wäre. Die Ausführungen des Reichskanzlers ergänzte der Staatssekretär v. Schven, der u. a. ver­sicherte, daß Deutschland wegen des Vorfalles von Casablanca sich niemals entschuldigt, sondern nur sein Bedauern ausgesprochen habe. Zu einzelnen Etats­fragen sprachen sodann die Abgg. Zimmermann (wirtsch. Vg.), Dröscher (kons.) und Beck-Heidelberg (natl.). Am Freitag brachten die Führer der einzelnen Par­teien nochmals deren Spezialwünsche eingehend zum Vortrag, namentlich solche, welche die Besoldungsvor­lage betreffen Sehr interessant war die Rede der Staatssekretärs Dernburg, der sich in sehr hoffnungs- erweckender Weise über die Diamantenfunde bei Lüder» itzbucht in Deutsch-Südwestafrika äußerste. Er berief

sich dabei auf den Bericht eines Geologen, der lange Jahre auch im Diamantenwesen Südafrikas erfolgreich tätig war und überzeugt ist, daß es sich in unserer Kolonie um ein Objekt von bedeutendem Werte handle.

zu gehen hatte, legte ich das Schreiben beiseite und nahm es nicht wieder zur Hand."

Bis vor kurzem, wo Sie es meinem Mann gaben."

Herr Meißner, dem ich vor Jahren die Ursache mei­nes Rücktrittes verschwieg, bat mid), sie ihm jetzt zu nen­nen. Ich will in niemandes Augen für leichtfertig und wankelmütig gelten und habe nichts zu verbergen; des­halb, und damit alles, was einst gewesen, nun gänzlich zur Ruhe komme, ließ ich mich zu der betteffenden Er­klärung bereit finden."

Und klagten mich an, Ihnen den Brief geschickt zu haben."

Das tat ich nicht! Wohl aber beschuldigen Sie mich jetzt einer Niedrigkeit, und dazu bestreite ich Ihnen jedes Recht!" Flora erhob sich. Ihr sanftes, anmuttges Gesicht zeigte einen strengen, herben Ausdruck.

Auch Klothilde stand auf. Die ganze Leidenschaftlich- kett eines ungezügelten Temperaments offenbarte sich in dem Blick der großen, heißen, dunklen Augen.

Hugo machte mir, mit dem Brief heimkehrend, eine furchtbare Szene. Ich besam Dinge zu hören, wie sie bis dahin kein Mensch auf dieser Welt gewagt hatte mir zu sagen. Sie erreichten Ihren Zweck, uns zu entzweien, vollkommen, Fräulein von Henck."

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Wir leben seitdem in beständiger Fehde. Unsere Ehe bedeutet nichts mehr als eine Hölle auf Erden. Es muß schon weit mit mir, deren Stolz sprichwörtlich war, g< kommen sein, wenn ich ein derartiges demütigendes Ge­ständnis mache. Vermutlich bereue ich auch morgen be- reits, es getan zu haben. ja, jetzt schon schäme ich mich solcher Schwache,

Aber mir raubte das unerbittliche Schicksal ja alles: Wladimir, den ersten Gemahl, an dem ich mit der Glut eines unentweihten Herzens hing, mein süßes, kleines Kind, und selbst denKlang der Stimme, in welchem ich mich berauschte und über manchen bitteren Schmerz der Gegenwart hinwegtäuschen konnte." 155,ia