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SchlüchternerMtun g

mit amtlichem Kreisblatt Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber

___vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".____________ ____

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg,

102. Samstag, den 19. Dezember 1908. 59. Jahrgang.

Die im 59. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreitendste Zeitung im Kreise Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.

daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der

Wer eins IMmta

wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Dez. unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen,

_ daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Januar ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. Januar 1909 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Erstes Blatt.

Amtliches.

J.-Nr. 120 R. K.

Ausruf.

Die Kunde von dem entsetzlichen Grubenunglück auf der Zeche Radbod bei Hamm hat im ganzen Vater­lande und weit über seine Grenzen hinaus schmerzlichen Widerhall gesunden.

Mit Hunderten von Familien, welche ihre Väter und Söhne verloren, trauern Alle. Wie die Herzen, so öffnen sich auch die Hände, um den so schwer Be« troffenen zu helfen, soweit Menschen das vermögen.

Wir richten an alle Kreise der Bevölkerung die herz­lichste Bitte, ihre helfende Liebe schnell und reichlich zu betätigen.

Beiträge werden von den unterzeichneten Vereinen bezw. von jedem der Unterzeichneten angenommen. * Schlüchtern im November 1908.

Tie Vorstände des Vaterländischen Frauenvereins und des Männervereins vom Roten Kreuz: Frau Landrat Valentiner, Pfarrer Rollniann, Landrat Valentiner, Rentmeister Pfalzgraf, Kreisausschußsekretär Schäfer,

Bei vorgenannten Sammelstellen gingen bis jetzt ein:

3 Mk. von ungenannter Dame,

1 Ungenannt in Schlüchtern,

10 Frau Lehrer Wichard in Schlüchtern,

1,50 Kreisbote Becker in

5 Frau Bauinspektor Lieser in

3 Dr. Stern in

3 Dr. Cauer in

10 Ungenannt in

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Künstkerökut.

Roman von Vera v. Varatowski. 47

Das letzte, was ich nun noch besitze, Hugo, dessen großes Talent ich der Welt zeigte, dem ich zu Hilfe kam milder gan- zen Machtmeiner eigenen Künstlerschaft, Hugo, von dem ich Ersatz für alles hoffte,was nur entrissen wurde,der eine neue Jugend, eine neue Welt, ja, noch mehr für mich bedeutete.. ihn gebe ich niemals freiwillig auf! Er ist mein, mit unlösbarer Fessel an mich gebunden, und niemals, nie­mals breche ich diese Kette, bringt sie auch uns beiden nur namenloses Elend. Können wir vereint nicht leben, nun gut, dann gehen wir vereint zu Grunde! Sie nah­men mir seine Liebe und säten mit vollen Händen Un­frieden. Die giftige Saat ging auf, so üppig, wie nur das Böse zu wuchern pflegt, und alle sorgfältig gepfleg­ten Keime eines Glückes, das mir und Meißner erblühen und uns wonnige Früchte tragen sollte, mußten welken und sterben. Sie, mein Fräulein, deren Haß gegen mich ich begreife und entschuldige, wollten sich rächen und den Boden, auf welchem ich stehe, untergraben. Es ist Ih­nen zum Teil gelungen .. aber auch nur zum Teile! Gött­liche und irdische Bande umschlingen mich und Hugo, niemand vermag sie willkürlich zu zerreißen. Wir sind und bleiben aneinander geschmiedet so lange, bis ich selbst zu meinem Gatten sage:Geh, Du bist frei ! Was die Kirche band, darf sie auch lösen!" So werde ich aber nie­mals sprechen! Nein, in alle Ewigkeit nicht! Ein Dämon in Engelsgestalt kann sich wohl zwischen uns stellen, nimmermehr aber mich verdrängen. Eines habe ich doch vor jeder Frau voraus: meine geheiligten Rechte, an de­nen nicht zu rütteln ist. Meißners Gemahlin bleibe ich bis zum Grabe, und wer ihn trotzdem mit Sirenenkün- sten umstricken wollte, könnte . .."

Beenden wir diese Unterredung, welche eine häßliche Wendung nimmt," unterbrach Flora.

,Wie falsch beurteilen Sie mich,und wie sehrmüßte ich

5 Mk. von Bürgrstr. Elm in Schwarzenfels,

5 Gärtner in Elm,

4 Hausvater Hirte in Hof Reith,

500 Freifrau von Stumm geb. Rauch zu Schloß Ramholz,

750 Freiherrlich v. Stummsche Vermögens« Verwaltung zu Schloß Ramholz.

Rinderzucht-Genossenschaft.

Diejenigen Landwirte, welche die landw. Ausstellung in Hanau mit Kühen oder Rinder beschickt hatten, werden gebeten, das von ihnen in Hanau verauslagte Stallgeld mit 1 M. pro Stück baldigt, spätestens aber bis 1. Januar 1909 bei dem Geschäftsführer der Ge­nossenschaft Kreisausschuß-Sekretär Schäfer in Empfang zu nehmen.

Alle bis zum 1. Januar 1909 nicht abgehobenen Beträge werden an die Genoss.-Kasse abgeführt.

Ich bitte die Herren Bürgermeister für möglichste Verbreitung vorstehender Bekanntmachung zu sorgen.

Schlüchtern, den 2. Dezember 1908.

Der Vorsitzende der Rinderzuchtgenossenschaft: ________________Valentiner, Landrat.__________

Deutsches Reich.

Die Abreise des Prinzen Kuni von Japan, der sich anderthalb Jahre in der Reichshauptstadt in Berlin aufgehalten und hier zu seiner militärischen Ausbildung dem zweiten Garde-Regiment zu Fuß angehört hat, wird, nachL.-A.", in den nächsten Wochen erfolgen. Der Prinz siedelt Ende dieses Monats von seiner Wohnung in der Tiergartenstraße nach einem Hotel Unter den Linden über und verläßt bereits am 10. Januar die Reichshauptstadt, Prinz Kuni, der sich beim Kaiser großer Beliebtheit erfreute, begibt sich nicht unmittelbar nach Tokio zurück, sondern gedenkt bort erst im Herbst des nächsten Jahres ein= zutreffen. Inzwischen will der Prinz einige Wochen an den Kunststätten Italiens weilen und auch Frank­reich, England und Amerika besuchen.

mich selbst verachten, hätte ich Ihnen nur den geringsten Grund gegeben, so klein von mir zu denken. Weder Haß noch Liebe beeinflussen meine Handlungsweise Ihnen und Ihrem Herrn Gemahl gegenüber. Alles, was Sie und ihn betrifft, liegt mir endlos fern. Er war mir einst teuer, und unter keinen Umständen würde ich mein gegebenes Wort gebrochen haben, als ich aber nach schweren Kämp­fen und reiflicher Ueberlegung den Verlobungsring ab- zog, da fühlte ich auch meine ganze Seele losgelöst von dem Mann, der sich kühl von mir gewendet hatte. Möge er das Glück anJhrer, mögen Sie es an seiner Seite finden, das ist mein aufrichtigster Wunsch, dem mir nichts mehr hinzuzufügen bleibt, als die Versicherung, daß selbst der Tod unfähig gewesen wäre, eine Scheidewand, wie die jetzt bestehende, zwischen mir und Hugo Meißner auf- zurichten. Des Gestorbenen Andenken würde ich mit treuer Zärtlichkeit bewahrt haben, der Lebende, dem ich nun mehr eine drückende Last, ein Hemmnis auf seinem Wege war, ist mir fremd geworden. Ich bedauere, mich über­haupt zu einer derartigen Erklärung gezwungen zu sehen, denn weder Ihnen noch Ihrem Gemahl oder irgend je­mand auf der Welt gab ich jemals Ursache, mir die ge­bührende Achtung zu verweigern. Was ich tat und tue, das vermag ich auch mit gutem Gewissen vor Gott, vor meinem zweiten Vater, dem Hauptmann von Westberg, und vor mir selbst zu verantworten... Die gütigst ge­spendete Summe wird Ihrer Bestimmung gemäß Ver­wendung finden.Haben Sie noch Befehle, gnädige Frau?"

Nein, ich will Ihnen nicht länger lästig fallen, mein Fräulein; unsere Unterredung war, wie ich jetzt einsehe, so zwecklos wie alles, was ich in letzterer Zeit unter­nahm. Ich bedauere, sie herbeigeführt zu haben."

Ich beklage, daß Sie für nötig hielten, es zu tun."

Schon hatte Klothilde den Pelzmantel umgeworfen, als sie plötzlich schwankte und ängstlich nach Luft zu rin­gen begann.

Flora konnte sie nur noch mühsam unterstützen und zum Sofa geleiten.

Am Mittwoch vormittag fand im Neuen Palais in Darmstadt die Taufe des zweiten Sohnes des Groß- herzoglichen Paares statt. Der Prinz erhielt die Namen Ludwig, Hermann, Alexander, Chlodwig. Taufpaten waren Prinzessin Heinrich von Preußen, die den Prinzen über die Taufe hielt. Prinzessin Ludwig von Battenberg in Vertretung ihres Gemahls, Land­graf Alexander von Hessen, Landgraf Chlodwig von Hessen (Philippstal-Barchfeld), Prinz Reinhard Ludwig zu Solms-Hohensolms-Lich, Kaiserin Alexandra von Rußland und Königin Alexandra von Großbrittanien.

Nachdem am 13. d. Mts. erst Prinz Leopold von Bayern sein 50jähriges Militärdienstjubiläum hat begehen können, feierte am 15. d. Mts. sein Vater, der Prinz-Regent Luitpold, den Tag seiner 65jährigen Zugehörigkeit zur Generalität der bayerischen Armee.

Bei der Reichstagsersatzwahl in Meseritz-Bomst für den verstorbenen konservativen Abgeordneten v. Gersdorf wurde der konservative Kandidat GrafWest- arp mit 11 506 Stimmen gewählt, während für den Kandidaten des Zentrums Propst Rönspieß 10 211 Stimmen abgegeben wurden. Bei der letzten Wahl wurden 11 388 konservative, 8427 polnische, 1682 Zentrums- und 102 sozialdemokratische Stimmen ab« gegeben. Die Wahl hat diesmal insofern Interesse, als in diesem Wahlkreise zum erstenmal das Zentrum sich mit den Polen vereinigt hatte. Ihr Ergebnis aber beweist, daß die Versuche des Zentrums, die deutschen Katholiken auf die Seite der Polen zu ziehen, völlig mißglückt sind.

Vor kurzem hat sich ein Kammergerichtsurteil eingehend mit der Abstellung übelriechender Benzin­düfte bei Automobilen befaßt. Das Urteil besagt, daß der Kraftwagenführer während der Fahrt sich dauernd zu überzeugen hat, daß sein Fahrzeug nickt derartige Gerüche von sich gibt. Sobald er bemerkt, daß in dieser Beziehung nicht alles in Ordnung ist, muß er den Wagen zum Halten bringen und sofort für Abstellung des Uebelstandes sorgen. Gelingt es

HalberstickteTöne klangen schauerlich durch das Zim­mer.

Fräulein von Henck riß die Kleider der Erkrankten auf und bemühte sich eifrigst um sie, ohne ein befriedigendes Resultat zu erreichen."

Herr Jesus, die stirbt uns unter den Händen," kreischte Henriette.Sehen Sie doch mal, gnädiges Fräulein, das Gesicht wird ja wachsgelb und fo verfallen! Ach Sott! Ach Gott! Was ..

Man klingelte.

Das wird der Professor sein. Oeffne!" sagte Flora und täuschte sich nicht.

O, bitte schnell! Hier ist Ihre Hilfe nötig!" rief sie dem Eintretenden zu.

Ein heftigerHerzkrampf,der bald vorübergehen wird," beruhigte er und veranlaßte alles Nöttge.

Wirklich erholte Klothilde sich bald, war aber sehr erschöpft und mußte sich auf Winters Arm stützen, um die Treppe hinab zu ihrem Wagen zu gelangen.

Ein Uebel, welches mich jetzt oft befällt," flüsterte sie.Ich pflege sonst immer Tropfen zu nehmen, welche ich jedoch heute vergaß."

Als Ernst zurückkehrte, sah Flora so bleich und ange­griffen aus, daß er besorgt fragte:Sie erschraken wohl sehr?"

Allerdings erschrak ich .. aber das war es nicht allein," erwiderte sie befangen und schob das Geld hin.Diese Summe übergab mir Frau Eufemi-Meißner. Ein reicher Zuschuß, nicht wahr? Bitte um Ihren Rat hinsichtlich der zweckmäßigen Verwendung. Noch lieber wäre es mir ja, die ganze Sache gleich Ihnen zu überlassen und der Schwester Antoinette."

Sie versprachen doch, sich selbst darum bekümmern zu wollen. Bereitet Ihnen denn das gute Werk keine Freude mehr?"

O ja .. aber ich habe in meinem kleinen Haushalt noch so viel zu tun." , 155,18