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Beilage zur Schlüchterner Zeitung mit amtl. Kreisblatt für die Stabs und Kreis Schlächtern.

Rr. 3.

Abdruck des Originsl-AMsl aus diesem Blatte ist ohne Genehmigung nicht gestattet. Unsern Redaktions-Briefkasten, in dem die Beantwortung von Fragen allgemeinen Interesses kostenfrei erfolgt, empfehlen wir gest. Benutzung; diesbezügliche Zuschriften find an denLandwirtschaftlichen Ratgeber", Hannover, Lilienstr. zu richten.

1909

Spruch.

Bau' nach Lust dein Feld, Nach Bedarf dein Haus, Und steh' auf die tolle Welt Behaglich zum Fenster hinaus.

Rückert.

Frühjahrsbestellung.

Ebenso wie die zu späte Aussaat im Herbste ein großer Fehler ist, welcher das Gedeihen der Pflanzen beeinträchtigt, muß auch das zu zeitige Bestellen der Saat im Frühjahre als schwere Sünde gegen die Natur bezeichnet werden Die­selbe wird manchmal gerade von den eifrigsten und fleißigsten Landwirten begangen, weil sie einen Ehrgeiz darein setzen, als die ersten in der Gegend mit der Bestellung fertig zu fein. Aber jede Pflanze braucht, wie Dr. Gustav Böhme in seiner lesenswerten SchriftLandwirtschaftliche Sünden" ausgeführt, zu ihrer Keimung und in ihrem Wachstum eine gewisse Temperatur. Ehe der Bodm und die Luft sich nicht bis zu diesen Wärmegraden gesteigert haben, kann der Keimungs­prozeß nicht von fiatten gehen: Das Korn liegt im Acker und vermalzt, d. h. wtrd keimungs- unfähig, die Kartoffel wird glastg oder verfault. Die kräftigere Saat erhält sich zwar, muß aber lange ein Daseinhangend und bangend in schwebender Pein" ausstehen und bleibt deshalb kränklich. Das weniger empfindliche Unkraut aber gedeiht bei der frühen Bestellung ausge­zeichnet und überwuchert die schwache Saat voll­ständig. Die Folge davon ist ein erbärmlich dünner Pflanzenstand und eine sonst wiesenartige Beschaffenheit des Ackers, deren Folgen sich in trauriger Ernte und Verwahrlosung des Feldes auf ein oder mehrere Jahre hinaus kundgrben. Der Landwirt sorge im beginnenden Frühjahre für die Abtrocknung seiner Felder durch Oeffnen der verschlämmten Wasserfurchen und Abeggen der trockenen Stellen. Bezüglich der Waffer­

furchen ist es zu empfehlen, dieselben schon im Herbste auf dem frisch gepflügten Lande fix und fertig zu machen, wobei natürlich die feinen Planierungsarbeiten unterbleiben können. Eine solche im Herbste mit der Schaufel ordnungs­mäßig hergestellte Wasserfurche erfüllt ihren Zweck Sie leitet das Wasser wirklich ab und versackt sich nicht leicht, bietet auch im Frühjahre den großen Vorteil, daß der fertig gestellte Acker nicht wieder mit dem Gespanne beim Furchen- fahren festgetreten wird. Die bei der Bestell- arbeit leise eingeworfenen Erdmengen werden leicht mit der Schaufel wieder hinausgeworfen. Ein so vorbereiteter Acker ersäuft auch nicht gleich bei einem während der Bestellung sich entladenden Regenschauer und trocknet schnell wieder ab, wie er überhaupt im Frühjahre auch vor der Be­stellung schneller trocknet. Der häufige Gebrauch, die Wafferfurchen im Herbste mit einer doppelten zusammengeschlagenen Pflugfurche herzustellen, taugt nicht viel, taugt aber überhaupt garnichts, wenn man die Furchen nicht auch mit der Schaufel sauber nacharbeitet. Hie« und da sieht man zwar Wasserfurchen im Felde, denen aber die durch die Anwände führende Ausstiche fehlen oder welche durch hineingefallene Erdklumpen das Wasser dann anstauen und somit Gelegen­heit zu Teichbildungen mitten im Felde bietm. In dem Eggen der Felder im Frühjahre hat der Landwirt eine schwierige Aufgabe zu ersäßen, welche gewöhnlich viel zu leicht genommen wird. Meistens wartet man mit dem Abeggen so lange, bis das ganze Feldstück genügend für die sofort vorzunehmende Bestellung abgetrocknet ist. Dies ist aber nicht zu billigen. Wenn der Acker auch nur einen Eggenstrich bekommen hat, so trocknet er mächtig ab, Luft und Wärme wirken ein, und dann kann bald zur Saat gestritten werden. Aber man hüte sich sehr vor dem Abeggen auf noch zu nassem Lomde: Hier brechen die Eggen Klöße heraus, welche sofort erhärten und dann

nur schwer Nein zu kriegen sind. Die etwa doch fein zerteilte Krume bäckt dann gar leicht zu einer festen, die Luft abschließenden Kruste zusammen. Im Frühjahre, noch lange vor der eigentlichen Bestellzeit, gehört der Landwirt hinaus auf's Feld, um den von der Natur langsam herbei- geführten Abtrocknungsvorgang mit Eggen zu unterstützen. Es ist ganz erstaunlich, wie un­endlich viel da ein einziger Eggenstrich tun kann: er ist gewissermaßen eine Einladung für Licht und Wärme, daß sie beide ihren Einzug in den Acker halten und dem Landwirte ihre unersetz­liche Hilfe zur Verfügung stellen. Mit der Er­wärmung des Bodens tritt die Gare ein, das aus der rauhen Furche bekanntlich nur ergrü- nende Unkraut schlägt aus, und wenn es dann zur eigentlichen Bestellung geht, so vollzieht sich Diese schnell und unter Vernichtung des ausge­laufenen Unkrauts. Daß bei starkem Regen das Voreggen unter Umständen wiederholt werden muß, ist ja unvermeidlich; soll doch überhaupt die Eggearbeit vor der Einsaat soweit besorgt sein, das nach der Saat wenig mehr übrig bleibt. Mit einem solchen vorzeitigen Abeggen der Aecker kommt der Landwirt der Natur zur Hilfe, kann damit eine weit frühere Beendigung der Saat erreichen, als wenn er den Acker ungerührt liegen läßt und auf die Austrocknungsarbeit der Natur ganz allein wartet. Je zeitiger (natürlich immer unter Berücksichtigung der örtlichen klimatischen und Bodenverhältnisse) die Saat erfolgen kann, desto länger kann sie wachsen, und desto höheren Ertrag giebt sie. Aber die zeitige Bestellung soll nicht in Urberstürzung ausarten uund auf einem Acker geschehen, dem man die Wachstumsbedin­gungen: nötige Abtrocknung und Wärme, noch nicht gegeben hat. Man gibt sie ihm aber duWh ein zeitiges vorbereitendes Abeggen der Wint^c- furche. .