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SchlüchtemerMun g

mit^amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

__Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat"._____________________

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

psingstmaienzeit.

Das ist ein wundervolles Blaun Von Himmel, Luft und Höhn. Von Berg zu Bergen, welch ein Schaun! Tief drunten grüne Wiesenaun, Rings frischer Winde Wehen.

Ein Geist wie sanften Trostes Hauch Streicht über Blütenlande.

In Knospen steht der Rosenstrauch, Es treibt der Weinstock Aug' an Aug', Das Leben sprengt die Bande.

Doch eines höhern Lebens Kraft Muß uns das Herz durchdringen, Soll sich aus der Gefangenschaft Die Seele frei und lerchenhaft, Gottfröhlich aufwärts schwingen.

Nur wenn uns Jesus seinen Geist Gibt, sproßt in uns das Leben, Die starre Herzensrinde reißt, Und warm es durch die Adern kreist Wie Saft in grünen Reben.

Ein Trosthauch nicht von dieser Welt Berührt Herz und Gemüte, Viel schöner prangt uns Wald und Feld, Und jeder Pfad wird uns erhellt

Vom Lächeln seiner Güte. F. St.

psingstgeist.

Pfingsten, das liebliche Fest, ist gekommen; die Natur hat ihrprächtiges Festgewand angelegt, in Feld und Waldund indenGarten junges Grün, Blüten und Blumen, in den Zweigen und den blauen Lüften Vogelfang, die warme Sonne lacht vom Himmel, wir kommen uns vor, als wenn wir aus einer langen Gefangenschaft erlöst sind u. uns nun,wieder unseres Lebens freuen können.

Aber auch der Frühling geht, wie er gekommen ist, und je später er gekommen ist, desto kürzer ist sein Verweilen. Alles auf Erden geht vorüber, das Trübe, Traurige und leider auch das Sonnige, Schöne. Oder gibt es ein Mittel, das Sonnige, Frühlingsmäßige festzuhalten? Freilich die Erde kann uns ein solches Mittel nicht darreichen, sie steht unter der Vergänglich­keit, wohl aber die Heimat des Ewigen, der Himmel. Und der Himmel hat uns schon vor 1900 Jahren eine Pfingstgabe gebracht, die da bleibt und uns im Strome der Vergänglichkeit, in der Flucht der Zeiten, in der Wandlung alles irdischen das Bleibende schenkt. Die

Samstag, den 29. Mai 1909

Pfingstgabe ist der Heilige Geist, ist die himmlische Salbung, von der die Pfingstgeschichte erzählt.

Mit diesem Pfingstgeiste sind im Anfang unserer Zeitrechnung nicht bloß jene elf Jünger zu Jerusalem gesalbt worden, sondern seit jenem ersten Pfingsttag alle, die zu Jesus Christus gekommen sind und von ihm Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit empfangen haben. Dieser heilige Geist geht seitdem durch die Welt, auch durch unsere heutige Zeit. Alles. Hohe, Edle, Schöne, Heilige, alles, was Frieden schafft, was gut macht, alle erbarmende Menschenliebe, alles, was wirklich Wahrheit und Gottähnlichkeit im Denken, Fühlen und Tun der Menschen, ist das alles hat dieser heilige Gottesgeist geschaffen, der durch Jesum Christum über diese Erde ausgegossen ist. Auch in dir lebt und wirkt dieser Geist, wenn du in Jesu Christo deinen Gott gefunden hast und sein gehorsames Kind ge­worden bist.

Es ist nun dieser Salbung mit dem heiligen Geist eigentümlich, daß sie bleibt, daß sie eine dauernde Himmels­gabe ist. Gott nimmt sie nie wieder von dir, wenn du sie durch Unglauben und bösen Wandel nicht selbst aus deinem Herzen reißt. Von diesem Geiste sagt der Apostel Johannes: er lehrt euch alles, und ihr bedürft nicht, daß euch jemand anders lehre, und was er lehrt, ist Wahrheit. Alles, was du Gutes gehört und gelernt hast von deinen'Eltern, Lehrern, Geistlichen und anderen Menschen, was du selber nun schaffst Edles, Heiliges, Menschenwürdiges in deiner Familie, deinem Beruf, unter deinen Mitmenschen, was dir Kraft im Leid, Freudigkeit in deiner Arbeit, Liebe zu den Deinen, Frieden und Hoffnung gibt, es geschieht durch die Kraft des Himmelsgeistes.

So bleibe bei dem, wozu dich dieser Pfingstgeist treibt, was er dich lehrt! Bleibe diesem Geiste treu, wenn er bei den Modernen auch nicht als modern gilt. Dieser heilige Geist hat in der Welt schon unendlichen Segen geschafft, und durch ihn soll die Welt, sollst auch du zu himmlischer Vollendung gelangen.

Konsolidation (UerKoppelung) der Grundstücke.

DerFranks. Generalanzeiger" schreibt: Es gibt wohl kein anderes Gesetz, welches der Landwirtschaft so erhebliche Vorteile verschafft als das die Konsoli­dation der Grundstücke betreffende. Leider schreiten noch zu wenig Gemeinden zur Konsolidation, und zwar zu einer Zeit, in der die Aufbesserung der Landwirt« schaft ein äußerst dringendes Bedürfnis geworden ist. Jeder einsichtige und weiter blickende Landwirt kennt

60. Jahrgang.

KOS^SBSMMHHMHHHBMK^ die Vorteile, die aus der Konsolidation erwachsen- Ersparung an Arbeitskräften bei Bearbeitung und Aberntung der Aecker und Wiesen, Schonung des Zug­viehes durch bequeme und gut fahrbar angelegte Wege, Befreiung von lästigem Flnrzwang, Entwässerung des nassen Geländes durch Anlegung von Vorstutgräben, Regelung der Wiesenbewäfferung, Niedermessung von regelmäßig geformten Plänen unter Beseitigung der unbequemen Schlüsselformen und Vermeidung lang gezogener Parzellen von geringer Breite, die Möglich­keit freier intensiver Bewirtschaftung gegen veralteten Zwang und veraltete Gewohnheit, die Festlegung der Grenze durch danernde Vermarkung u. s. W. Das ganze Verfahren wird von staatlich angestellten und besoldeten Beamten nach gesetzlichen Bestimmungen durchgefühlt. Der aus der Mitte der Beteiligten gewählte Konsolidations-Vorstand ist berechtigt und verpflichtet, die Interessen der Gesamtheit in jeder Hinsicht zu vertreten. Erprobte und erfahrene Güter­schätzer sorgen für die Taxierung des Bodens nach landwirtschaftlichen Grundsätzen. Sie werden vereidet und dürfen mit den Beteiligten nicht verwandt sein. Daß Gleiche gilt von den Obstbaumeinschätzern und sonstigen Sachverständigen. Der die neue Einteilung bearbeitende VermessungSbeamte, welcher von seiner Vorgesetzten Behörde erst nach jahrelanger Ausbildung und nachdem er sich bewährt hat, mit dieser Arbeit betraut wird, sorgt, daß jeder beteiligte Grundbesitzer nicht nur nach der Fläche und den Klassen seines alten Besitzes, sondern auch in der neuen Lage so niederge­messen wird, daß er nicht weiter vom Wirtschaftshofe zu liegen kommt, als sein alter Besitz da, und daß jedem so viele Vorteile aus der Konsolidation entstehen, als die Interessen des andern es zu erlassen. Die Kosten der Konsolidation sind nicht groß im Vergleich zu dem Nutzen, der gewährt wird. Ein großer Teil der Aufwendungen kommt Mitgliedern der Gemeinde durch Uebernahme von Arbeiten und Lieferungen wieder zugute. Dennoch wird gegen Erwarten noch vielfach der Konsolidation Mißtrauen entgegengebracht: von manchem einzig und allein aus dem richtigen Grunde daß er sich von dem Besitze, den er von seinen Vätern ererbt hat, nicht trennen will. Möge das Vorstehende dazu dienen, die der Konsolidation noch mit Argwohn gegenüberstehenden Landwirte zur eingehende» und vorurteilsfreien Prüfung eine Sache zu veranlassen, die unstreitbar jetzt von ganz besonderer Bedeutung für die Schaffung und Erhaltung der Konkurrenzfähig­keit der Landwirtschaft in vielen Gemeinden ist. W.

Der Totensee.

Roman von Martin Wehrau. 31

Hatte man aber erst einmal seinen Namen gehört, so flog die gute Meinung davon wie die Spreu im Winde, denn der Agent Schröpfer, so hieß der Passagier, war weit über seinen Wirkungskreis hinaus als Blutsauger erster Güte bekannt, der einem mit dem freundlichsten Gesicht von der Welt das letzte Hemd, das letzte Stück­chen Brot fortnahm, falls er dabei ein Geschäft zu ma­chen hoffte.

Von Haus aus gewöhnlicher Dorfschneider, arbei­tete er sich mit eiserner Energie bis zur jetzigen Stellung empor, und es glückte ihm auch, da er so etwas wie Ge­wissen überhaupt nicht kannte, sich ein Vermögen zu er­werben, von dem er selber nur allein wußte, wie groß es war. Dieser sein Kapitalbesitz bildete seinen größten Stolz, und er suchte ihn, meist durch Ausleihen auf Wucherzinsen an junge Leute, deren reiche Väter ihm vorläufig Bürgschaft genug waren, zu vermehren.

Man hätte es kaum für möglich halten sollen, aber trotzdem entsprach es der Wahrheit, nämlich daß sein Herz einmal für etwas anderes als^für Geld geschwärmt, ja dieses sogar in den Hintergrund treten ließ.

Er verliebte sich eines Tages in die Tochter eines blutarmen, kinderreichen Schullehrers und führtedieselbe trotz ihres anfänglichen Protestes auch heim. Die Liebe zu ihren Angehörigen zwang die Aermste dazu, denn durch ihre Heirat wurde ihr Vater seine Schulden los, im anderen Falle würde es dessen Ruin bedeutet ha­ben, da er sich ganz in der Hand des Wucherers be­fand. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor, die Schröpfer gleich seinem Weibe abgöttisch liebte.

Nichts war ihm für sie gut genug, unb wie er auch sonst mit barem Gelde kargen mochte, -buen stand es in jeder gewünschte Höhe zur' Verfügung.

Die älteste hatte er an einen Oberlehrer verheiratet, mit der zweiten aber plante er größere Dinge. Ihr wollte er einen adligen Rittergutsbesitzer verschaffen und er hielt im Geiste schon Ausschau, wer sich wohl am besten dafür eignen würde. Da war ihm neulich ein Gedanke gekommen, zuerst noch schwach und unbestimmt, der nach und nach aber immer bestimmtere Formen an- nahm.

Weshalb sollte seine Tochter, die schön, reich und ge­bildet war, nicht Gräfin Helmbach werden ? Der junge Graf schien ihm das geeignetste Objekt für einen sol­chen Handel zu sein. Dieser besaß den ältesten Adel der ganzen Provinz, eine hübsche, einnehmende Gestalt, das Patent als Rittmeister eines Kavallerieregiments, dazu noch das prachtvolle, augenblicklich allerdings bis an die Wolken verschuldete Majorat Ilmenau. Das gab einen vortrefflichen Schwiegersohn für ihn ab. Nein, würden sich die Leute ärgern bei der Ankündigung der Verlobung, frohlockte er innerlich. Daß der Graf seine starken Andeutungen ausschlagen konnte, das kam ihm gar nicht in den Sinn. Er kannte ja die jungen, adli­gen Kavaliere, von denen er mehr als einen wußte, der mit Handkuß sein Anerbieten angenommen hätte. Wa­rum sollte dieser anders sein?

Vergnügt pfiff er also, wie er während des Fahrens an das vielversprechende Projekt dachte, das alte Schel- meuliedchen:O Du lieber Augustin", vor sich, stets ein Zeichen, daß er sich in überaus guter Laune befand.

Reichet schaute ihn denn auch verschmitzt lächelnd an und fragte:Sie freuen sich wohl schon, Herr Schröpfer, auf die Prozente, die bei der Geschichte für uns abfal­len?"

Was küimnert Sie meine Freude! Ich habe an bessere Sachen gedacht als an die lumpigen Prozente."

Erstaunt betrachtete Reiche! seinen Herrn und Mei­ster. Es war ihm noch nicht vorgekommen, daß dieser so verächtlich über einen offenbaren Gewinn gesprochen

hatte. Vielleicht aber plante er etwas anderes, noch Aussichtsvolleres.Sie haben wohl was Großes vor?" fragte er gierig, er durfte dabei auf keinen Fall fehlen.

Schröpfer nickte.Aber das geht Sie gar nichts an. Diesmal mache ich das Geschäft allein."

Reiche! schwieg vor der Hand und betrachtete nur unruhig den Agenten von der Seite. Im Innersten aber schwur er sich tausend Eide, er würde die Sache auf keinen Fall aus den Augen lassen. Er wußte, wo Schröpfer dabei war, fiel stets ein fetter Bissen ab.

Still wollte er warten und. zur gegebenen Zeit auf den Plan treten.

Der Wagen begegnete unterwegs zahlreichen mit Weizen oder Hafer beladenen Erntewagen, die ihre Last den Scheunen zuführten. Bald fuhren sie an drei gro­ßen von dem Roggendrusch herrührenden Strohbergen vorüber und befanden sich auf dem Gutsplatze von Ilmenau.

Iahn sah von seinem Fenster aus die Männer das Gefährt verlassen und hatte Mühe, ein schadenfrohes Gelächter zu unterdrücken.

Kommt nur, Ihr Gauner," spöttelte er,werdet die Maulsperre vor Verwunderung kriegen."

Dann schritt er hinaus und ging nach der entge­gengesetzten Seite, gerade, als hätte er die beiden noch nicht gesehen. Auf den Anruf reagierte er gar nicht, er schien völlig taub zu sein.

Schröpfer knirschte wütend mit den Zähnen. Er fühlte sich schon als Machthaber auf dem Gute und zischelte verbissen in den Bart:Warte nur, alter Schlei­cher, Du bist der erste, der hinausfliegt, wenn ich nur erst ein kleines Wörtchen hier mitzureden habe!" So laut, daß die Störche auf der einen Scheune erschreckt mit dem Geklapper aufhörten, schrie er:Herr Ver­walter, zum Teufel, so hören Sie doch endlich! Sind Sie denn taub geworden?" , 160,18