mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Amtliches.
Wichtig für Pferdezüchter!
Alljährlich kauft die Landwirtschaftskammer im Rheinland oder in Belgien Fohlen (Kaltschläger) zur Aufbesserung der heimischen Pferdezucht an. Voraussetzung dafür ist, daß genügende Aufträge von Privaten zum Ankauf vorliegen. Zur Ermunterung der Privaten gewährt der Herr LandwirlschaftsministerStaatszuschüsse. In diesem Jahre sind es 4000 M. für den Regierungsbezirk Cassel, sodaß die Fohlen den Käufern verhältnis- niäßig billig zu stehen kommen würden. Wie ich nun erfahre, liegen bis jetzt erst so wenige Kaufaufträge aus dem ganzen Regierungsbezirk vor, daß die Reise der Ankaufskommission sich einstweilen noch nicht lohnt und- vielleicht ganz unterbleibt. Alsdann würde der Staatszuschuß ohne Verwendung bleiben. Wenn es aber gelänge, noch eine Anzahl Kaufaufträge herbei- zuschaffen, so würde der Staatszuschuß sich auf ziemlich wenige verteilen und folglich für den Einzelnen ziemlich hoch werden. Die Gelegenheit ist also günstig und ich empfehle allen denen die ihre Pferdezucht verbessern und rentabel machen wollen, sich an den Aufträgen zu beteiligen.
Die gekauften Fohlen werden ins Stutbuch eingetragen und die von ihnen zu erwartende Nachkommenschaft repräsentiert natürlich einen wesentlich höheren Wert als der bisher gezüchtete -Mischmasch. Wollen unsere Züchter, daß das Landgestüt Dillenburg wie bisher alljährlich Zuchthengste in guter Qualität liefert, so sind sie auch verpflichtet, ihr Pferdematerial zu verbessern. Sie haben alle Veranlassung dazu; denn die bet der letzten Stutenschau vorgeführten Stuten verdienten wenig Lob. Zu einer gründlichen Besserung bietet sich unseren Pferdezüchtern durch eine Beteiligung an obigen Auftrügen eine gute Gelegenheit. Um ihnen den Entschluß zu erleichtern, bin ich bereit, deni Kreisausschuß vorzuschlagen, für jedes anzukaufende Fohlen bis zur Höchstzahl von 6 Stück auch noch eine Kreis- beihülfe von je 100 M. zu gewähren.
Außerdem wird die Kreissparkaffe bereit sein, denjenigen die es wünschen, das Kaufgeld möglichst billig darzuleihen.
Etwaige Aufträge sind schleunigst, spätestens aber bis zum 7. August bei mir einzureichen.
Schlüchtern, den 30. Juli 1909.
Der Landrat und Vorsitzende des Kreisausschusses: Valentiner.
Der Hotensee.
Roman von Martin Wehrau. 51
Nachdem sich sein in Wallung geratenes Blut etwas beruhigt hatte, setzte er sich wieder hin und versuchte eine Vervollständigung des Zettels. Diese ging nicht so leicht, wie er es sich gedacht.
Den ganzen Tag saß er bei seiner Arbeit und nahm nur das Notdürftigste zu sich. Selbst seiner Braut gegenüber, die ihn wie immer in Begleitung ihres Bruders auf eine Plauderstunde besuchte, benahm er sich wunderbar abwesend, so daß diese ihn beunruhigt ansah.
„Was fehlt Dir, mein Rolf? Hast Du wieder Fieber?"
Dieser lächelte. „Fieber, ja, mein Liebling; es ist aber nicht durch die Wunde hervorgerufen. Ich habe nämlich einen Traum gehabt, der so schön ist, daß man gar nicht an ihn glauben möchte, und doch wird er eintreffen, ich hoffe es gewiß."
„Erzähle doch, Rolf!" baten die Geschwister emstrm- mig^
„Später, später," erwiderte Helmbach, indem er dre Geliebte küßte, „noch ist es nicht an der Zeit. An unserem Glück wird dann nichts mehr fehlen."
„Fehlt Dir denn jetzt noch etwas, Du Böser?" schmollte Charlotte.
Der Angeredete antwortete nichts. Er sah sie nur mit einem eigenartigen Aufleuchten seiner Augen an.
Auf dem Nachhausewege meinte die junge Dame zu ihrem Bruder: „Ich bin noch nicht ganz beruhigt wegen Rolf, er tut mit einem Male so sonderbar, ^ch muß doch nocheinmalDoktorKanth darüber fragen."
Erst am späten Abend glaubte der Majoratsherr mit einigen Ausnahmen die "Ergänzungsarbeit zur Zufriedenheit gelöst zu haben.
Der Zettel lautete jetzt seiner Ansicht nach:
‘ Man gehe an den Mau-
Samstag, den 31. Juli 1909
J.Mr. 3798 K.-A. Der zum Bürgermeister der Gemeinde Breunings gewählte Landwirt und Wagner Adam Richter zu Breunings ist heute bestätigt und vereidigt worden.
Schlüchtern, den 20. Juli 1909.
________ Der Königliche Landrat: Valentiner.
J.-Nr. 4300 K.-A. Der zum Gemeinderechner der Gemeinde Niederzell ernannte Schreiner Johannes Zinkhan zu Niederzell ist heute bestätigt und vereidigt worden.
Schlüchtern, den 23. Juli 1909.
Der Kgl.' Landrat: Valentiner.
Der Wert unseres Kolonialbesitzes.
Kolonien vermögen den mannigfachsten Zwecken zu dienen; sie kommen als Handels-, Pflanzungs- und Siedlungskolonien in Betracht. Der größte Teil des deutschen Kolonialbesitzes besteht ausschließlich aus Handels- und Pflanzungskolonien. Solche Kolonien dienen in trefflicher Weise zur wirtschaftlichen Ergänzung des Mutterlandes. Da das Mutterland bei der politischen Zusammengehörigkeit mit den Kolonien es in seiner Hand hat, deren Wirtschaftspolitik seinen Wünschen und Bedürfnissen anzupassen, so bilden Kolonien für den sie besitzenden Staat die besten und sichersten Absatz- und Produktionsgebiete. Das gilt insbesondere in einer Zeit, in der einmal die Staaten sich gegeneinander durch Schutzzölle mehr und mehr abschließen und anderseits die Gefahr vorliegt, daß durch Trusts und Monopole die unentbehrlichen tropischen Rohstoffe und Genußmittel mehr und mehr verteuert werden.
Das beste Beispiel hierfür bietet die Baumwolle dar. Fast alle Staaten sind gegenwärtig von der Roh- baumwoll-Ausfuhr Nordamerikas abhängig. Dort wird sich aber in absehbarer Zeit ein Baumwolltrost bilden, und es steht daher eine erhebliche Verteuerung der Baumwolle in Aussicht. So tritt denn ganz naturgemäß in allen Verbrauchsländern von Baumwolle das Streben zutage, sich von Amerikas gutem Willen unabhängig zu machen. England, Frankreich und Rußland pflegen und fördern deshalb mit steigendem Eifer den Baumwollbau iu ihren Kolonien. England tut dies, nach Vollendung des großen Stauwerkes bei Assuan in Aegypten, in Nigeria und Sierra Leone, Frankreich in Senegal, Sudan und Dahomey, Rußland in Turkestan. Das Gleiche versucht Deutschland unter Führung des kolonial-wirtschaftlichen Komitees mit steigendem Erfolge in seinen Kolonien. In Togo,
see, dort wo im Nord- das sogenannte chlein ein- mündet und gehe genau Schlüssel undzwanzig Schritte im seichten Wasser nach Süden zu. Dort unter einem großen Stein wird man alles finden.
Vier Sachen blieben ihm unklar, auch konnte er trotz allen Sinnens nicht darauf kommen; es war in dem Schriftstück von einem Büchlein die Rede, doch der Name war leider verbrannt. Der Anfang „Mau" bildete offenbar den Anfang der Bezeichnung eines Sees, in welchen das Büchlein einmündete. Die Schrittzahl an der einen Stelle und die Richtung an der anderen würde sich dann leicht feststellen lassen, wenn man nur erst wußte, wo sich der bewußte See befand. Er wenigstens hatte von einem „Mau" oder ähnlich klingenden See sein Lebtag nichts gehört.
Wie er so nachdachte, fiel ihm plötzlich ein, daß womöglich mit dem See gar der Totensee gemeint sein könnte. Dort mündete in der Tat im Nordwesten das Lehmhalsbächlein ein.
„Lehmhalsbächlein!" Da hatte er bereits den Namen. Eifrig schrieb er ihn auf den Ergänzungsstreifen. Wahrhaftig, er paßte. Rolf jubelte auf, denn die Frage schien gelöst. Er zweifelte kaum noch daran, daß mit dem See der Totensee gemeint sein könnte, um so mehr, als derselbe seinen Namen erst nach dem unglücklichen Kriege 1807 erhalten hatte, der Schatz aber anscheinend vorher verschwunden war. Doch sicherheitshalber wollte er den alten Iahn darüber befragen. Vielleicht wußte der etwas.
Auf sein Klingeln erschien der Diener.
„Ist der Verwalter noch auf?"
60. Jahrgang.
SKK^HHBSMHHOHHMHKi Kamerun, L-üdwestafrika, Ostafrita und Neu-Guinea sind bereits erfolgreiche Versuche im Baumwollbau an° gestellt worden. Togo- und ostafrikanische Baumwolle haben sehr gute Preise erzielt; die hier gewonnene Baumwolle ist von den Fabriken, die sie verarbeitet haben, als vorzüglich bezeichnet worden.
Daß eine steigende Verdrängung der amerikanischen Baumwolle durch die in unsern eigenen Kolonien gewonnene Baumwolle auf dem deutschen Markte insbesondere auch den deutschen Arbeiterinteressen dienlich ist, liegt klar auf der Hand. , Je teurer die Rohstoffe einer Industrie werden, desto geringer wird die Möglichkeit von Lohnsteigerungen, und umgekehrt. Wäre die Sozialdemokratie daher in Wirklichkeit eine Vertreterin der Arbeiterinteressen, so müßte sie schon aus diesem Grunde nachdrücklich für unsere Kolonialpolitik eintreten. In einem lichten Augenblicke hat der „Vorwärts" selber die Notwendigkeit eigenen Baumwollbaues anerkannt. Er schrieb nämlich am 16. Oktober 1903: „Wir stehen den in Afrika betriebenen Versuchen, dort die Baum- wollkultur einzuführen und auszudehnen, sympathisch gegenüber. Das Baumwollmonopol, das die Vereinigten Staaten immer noch besitzen, führt in jedem Jahre zur Bildung von Spekulationen und Preistreibereien, welche fast regelmäßig anhaltende Störungen in der englischen, deutschen und französischen Baumwollindustrie nach sich ziehen. Könnte dieses Monopol Amerikas und der dortigen Baumwollkönige durchbrochen werden, so wird das für die gesamte Industrie ein großer Vorteil sein." Die Sozialdemokratie handelt aber nicht im mindesten nach dieser Einsicht, sondern will vielmehr den gesamten Kolonialbesitz Deutschlands Preisgeben. Es siegt hier wieder einmal der Beweis vor, daß die Sozialdemokratie das, was sie zu sein vorgibt, nämlich eine Vertreterin der Arbeiterinteressen, in Wahrheit ganz und gar nicht ist.
Genau so wie mit den Rohstoffen aber verhält es sich auch mit zahlreichen Konsumartikeln. Wir verweisen hier beispielsweise auf den Kakao, der ja mehr und mehr ein Volksnahrungsmittel zu werden beginnt. Für den Kakaobau liegen in Samoa nach dem Urteile des besten lebenden Kenners der tropischen Landwirtschaft, Professor Wohltmanns, die günstigsten Bedingungen vor, und das Gleiche trifft auch für Kamerun zu. Durch die Verbilligung dieses Genußmittels wie zahlreicher anderer tropischen Konsumartikel aber würde gerade auch wieder das Interesse der Arbeiterschaft wesentlich gefördert werden.
WI„Jch weiß nicht, gnädiger Herr, will einmal nachschauen."
Das Gesicht des treuen Alten verzog sich bekümmert, als er kam und seinen Herrn noch arbeiten sah. Er vergaß allen Respekt und meinte vorwurfsvoll und mit zitternder Stimme, ohne auf Rolfs Anrede zu warten: „Ich bitte um Verzeihung, gnädiger Herr, wenn ich mir eine Bitte erlaube. Aber es zerreißt mir das Herz, Sie hier so spät noch arbeiten zu sehen. Der Doktor hat doch jede Strapaze strengstens verboten!"
Der Graf nickte dem ihn ängstlich anblickenden Mann freundlich zu: „Haben Sie keine Angst, mein lieber Iahn, diese Arbeit schadet mir gewiß nicht. Wissen Sie, was ich hierin den Händen habe?" Er wies auf den „Schlüssel".
Iahn sah die wie in Fieber geröteten Wangen und die glänzenden Augen seines Herrn und schüttelte immer besorgter das weiße Haupt.
„Was das ist, weiß ich zwar nicht, aberich fürchte, daß Sie Ihre schwere Krankheit noch nicht überwunden haben, daß dieselbe im Gegenteil wieder Fortschritte macht. Sie arbeiten zuviel, gnädiger Herr," meinte er traurig.
Rolf klopfte dem Besorgten freundlich die Schulter.
„Sie ahnen also wirklich nichts? Nun, so will ich es Ihnen verraten. Sie sollen der erste sein, der es erfährt. Sind Sie es doch gewesen, welcher treulich Leid und Kummer mit mir getragen hat, so mögen Sie denn auch als erster an dem wieder anhebenden Glück der Helmbachs teilnehmen. Iahn, alter Freund, ich habe entdeckt, wo sich der verloren gegangene Helmbachsche Familienschatz befindet." 160,18
Der Alte stand bei dieser Ankündigung erst einen Augenblick wie versteinert da, dann aber schien sich infolge der freudigen Nachricht eine Schraube in seinem Kopf gelöst zu haben. Er kicherte wie ein kleines Kind und hüpfte abwechselnd von dem einen Bein auf das andere, was einen äußerst komischen Eindruck machte.