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SchWernerZeitung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

________________________Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".______________________

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum lOPfg.

32. 63. ' Samstag, den 7. August 1909 60. Jahrgang.

Schutz des Handwerks.

Die Gesetzgebung der letzten Jahre hat eine Reihe von Gesetzen zu verzeichnen, die dem Schutze des Hand­werks dienen sollen, ein Erfolg, der nicht zum mindesten auch auf die Tätigkeit der Handwerks- und Gewerbe­kammern zurückzuführen ist. Da ist zunächst der sogenannte kleine Befähigungsnachweis, durch den die seit Jahren erhobene Forderung, daß nur der geprüfte Meister Lehrlinge anleiten darf, zur Tatsache geworden ist, wobei selbstverständlich die zunächst als lästig em- , pfundenen Uebergangsbestimmungen mit in den Kauf genommen werden müssen. Für die Zukunft wird auch dieses Gesetz eine gewaltige Bedeutung für das Hand­werk erlangen, das unterliegt keinem Zweifel, und es wird und muß Aufgabe des korporierten Handwerks sein, mit aller Energie das Vertrauen, das man durch dieses Gesetz in das Handwerk und seine Vertretungen setzte, zu rechtfertigen, indem vor allen Dingen das Gesellen- und Meisterprüfungswesen diejenige Ausge­staltung erfährt, die es ermöglicht, den erzieherischen Wert des Gesetzes zur Geltung zu bringen.

Weiter ist zu nennen das Bauschutzgesetz, das aber leider noch nicht von den betreffenden Gewerbekreisen in richtiger Weise verstanden wird, obwohl doch nicht verkannt werden darf, daß auch dieses Gesetz bei zweck­mäßiger Anwendung Nutzen stiften und Erfolge zeitigen wird, insofern als es die ungeeigneten Elemente aus dem engeren Baugewerbe (Maurer-, Zimmer-, Stein­metzhandwerk) beseitigt und geeignet ist, dem Pfuscher­wesen im Baugewerbe Einhalt zu tun.

Von großer Bedeutung für das Handwerk sind vor allem zwei Gesetze, welche die letzte Reichslagssession gebracht hat: das Gesetz über die Sicherung der Bau­forderungen und das Gesetz zur Bekämpfung des un­lauteren Wettbewerbs. Das zuerst erwähnte Gesetz hat eine lange Geschichte hinter sich; denn schon im Jahre 1899 wurde dem Reichstage von der Regierung ein diesbezüglicher Entwurf vorgelegt. Gegen diesen ersten Entwurf hat das neue Gesetz eine Reihe wichtiger Aenderungen erfahren, und es muß dankbar anerkannt werden, daß der Reichstag und die von ihm für diesen Zweck eingesetzte Kommission das Möglichste getan hat, um ein Gesetz zustande zu bringen, das tatsächlich die Wünsche des Handwerks auf diesem Gebiete berücksichtigt. Die verschiedenen neuen Bestimmungen, die in den Regierungsentwurf hineingekommen sind, die vielen Abänderungen, die getroffen wurden, machen es für den Handwerker allerdings schwer, sich in den 67 Para-

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graphen des Gejetzes ohne weiteres zurecht zu finden. Deshalb wird es Aufgabe der Handwerkskammern sein, an ihrem Teile dazu beizutragen, daß eine möglichst populäre Information den beteiligten Kreisen gegeben wird. Jedenfalls wird das Gesetz über die Sicherung der Bauforderungen noch längere Zeit beanspruchen, ehe es in die Kreise des Handwerks wirklich eingedrungen ist, so daß jeder Handwerker weiß, was er zu tun hat, um seine Forderungen, die er an dem Bau eines Ge­bäudes hat, sicher zu stellen. Es wird also vieler Aufklärungsarbeit bedürfen, um die Bestimmungen und Vorschriften dieses Gesetzes auch dem letzten Handwerker klar und zugänglich zu machen.

Durch das Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs endlich, das mit dem 1. Oktober d. J. anstelle des früheren Gesetzes vom 27. Mai 1896 in Kraft tritt, soll der Unlauterkeit im Handel und Ver­kehr ein wirksamer Riegel vorgeschoben werden, und es ist zu hoffen und zu wünschen, daß auch dieses Gesetz überall gelesen, überall verstanden und überall dort rücksichtslos zur Anwendung gelangt, wo sich die Un­lauterkeit im geschäftlichen Leben bemerkbar macht. Jede ehrliche Konkurrenz sei willkommen, und jeder Konkur­rent, der mit ehrlichen Waffen kämpst, sei und bleibe dem Handwerker stets der Kollege, 'der Anspruch auf seine Achtung und sein Vertraueu hat. Aber demjenigen, der mit unlauteren Mitteln kämpst, muß unter allen Umständen mit der größten Schärfe entgegengetreten werden, damit seinem verderblichen Wirken sobald als möglich ein Ziel gesetzt werden kann. Dazu bietet das neue Gesetz eine günstige Handhabe.

Deutsches Reich.

Der Kaiser trifft von seiner Nordlandreise am 7. August in Kiel ein, wo er tags darauf das von England zurückkehrende Zarenpaar begrüßen wird.

Zum Vortrag beim Kaiser waren Mittwoch abend Reichskanzler v. Bethmann Hollweg und der Chef des Militärkabinetts Generalleutnant Freiherr v. Lyncker in Swinemünde eingetroffen und hatten auf derHohenzollern" Wohnung genommen.

Die erste Urenkelin des Alt-Reichskanzlers Fürsten Bismarck hat dieser Tage das Licht der Welt erblickt. Sie ist das Töchterchen des Grafen Herbert von Ein- siedel auf Creba (Reg.-Bez. Liegnitz) und seiner Ge­mahlin einer geborenen Gräfin von Bismarck. Die Gräfin ist die zweite Tochter des jüngeren Sohnes des 'Alt-Reichskanzlers, des im Jahre 1901 verstorbenen

Grafen Wilhelm von Bismarck. Der einzige direkte männliche Nachkommen des ersten Kanzlers ist der noch im Kindheitsalter stehende Otto von Bismarck, der Sohn des im September 1904 verstorbenen Fürsten Herbert.

Die Uebergangsabgabe für Bier. Der Bundes­rat hat die Uebergangsabgabe von dem an die Nord­deutsche Brausteuergemeinschaft aus Bayern, Württem­berg, Baden und Elsaß-Lothringen eingeführten Biere mit Wirkung vom 1. August 1909 ab auf 5 Mk. für 1 Hektoliter festgesetzt.

Der Hund im Dienst des Menschen. Mit Genug­tuung begrüßt man den Erlaß des Justizministers, in den Gefängnissen Polizeihunde zu verwenden. Für die auf dem Kontrollgange befindlichen Wachbeamten be­deutet ein begleitender Hund einen sehr wesentlichen Schutz und mancher Verbrecher wird es sich künftig überlegen, den Beamten niederzuschlagen, wenn er weiß, daß ihm im nächsten Augenblick ein scharfes Gebiß in die Kehle schlägt. Die Aussicht auf das Gelingen eines Fluchtversuchs sinkt für ihn so auf ein Minimum herab. Denselben Segen, den die Hunde im Polizeidienst ge­bracht haben, dürften sie auch im Gefängniswachdienst bringen.

In Scheveningen wurde die europäische Eisen­bahnkonferenz eröffnet. 73 Eisenbahn-Direktionen sind durch 139 Delegierte vertreten.

Das englische Unterhaus hat anderthalb Mill. Mark für Zwecke der Luftschiffahrt bewilligt.

Die Neunzehnhundertjahrfeier der Schlacht im Teutoburger Walde wird in der Zeit vom 15. bis 22. August in Detmold und auf der Grotenburg, dem Standorte des Hermanns-Denkmals, begangen werden. Am Sonnabend, den 14. August, findet zur Einleitung eine festliche Beleuchtung sämtlicher Häuser Detmolds statt. Der folgende Sonntag, der 15. August, beginnt mit Morgenmusik und bringt um die Mittagsstunde eine Hauptveranstaltung, den großen Germanenzug, der sich durch die Hauptstraßen Detmolds bewegen wird. Nachmittags wird eine Feier alle Teilnehmer auf der Grotenburg am Hermannsdenkmal vereinigen. Nach Enthüllung des dort errichteten Denkmals für Ernst von Bändel, den Schöpfer des Hermanns-Denk­mals, wird Professor Hans Delbrück aus Berlin die Festrede halten. Danach wird im Hünenring, einer altgermanischen Umwallung, das Festspiel «Hermann, der Cherusker", zur Aufführung gelangen. Am Sonn­abend, 21. August, finden Begrüßungsfestlichkeiten für

Der Hotensee.

Roman von Martin Wehrau. 53 , Mit einem Mal sah er, daß sich Rolf tief über das Wasser beugte und er hörte, wie es bei dem Herunter­stoßen des Spatens erklang, als habe derselbe etwas Hartes berührt.

Gefunden!" jauchzte der Suchende.

Der See war an dieser Stelle so flach, daß trotz des tiefen Wasserstandes der Stein kaum von den Wellen bespült wurde.

Mit aller Kraft versuchte Rolf den Koloß umzu- drehen, indem er sich seines Spatens als Hebel bediente. Doch das gelang ihm nur unter Aufbietung der äußer­sten Kräfte. Trotz des kühlen Morgens floß ihm der Schweiß in Strömen von der Stirn. Schließlich aber war die Arbeit getan.

Nunmehr grub er in dem Loch weiter, welches der Stein im Laufe der Jahre eingedrückt hatte. So sehr er sich auch bemühte, er vermochte nicht das geringste zu entdecken, was eine Andeutung auf den dort verborgenen Schatz machte. Dabei hatte er bereits eine Grube von einem halben Meter Tiefe und dem Umfang des Steines ausgeworfen.

Entmutigt ließ er endlich das Grabscheit sinken.

Nichts, nichts!" rief er dem Verwalter mtt bleichen Lippen zu, welcher dastand, als habe er sein eigenes Vermögen verloren.

Da vernahmen sie eine besorgte Stimme:Rolf, was tust Du denn da in dem kalten Wasser. Du weißt doch, daß Du noch nicht vollständig gesund bist und wirst Dir gewiß noch eine Erkältung zuziehen."

Sehr ängstlich kamen die Worte aus dem Munde Charlotte Eistedts, welche eben in ihrem Boot um eine Landzunge bog. Sie liebte es sehr, am frühen Morgen eine Fahrt auf dem See zu machen. Der Unfall, wel­cher sie seinerzeit ereilte, hatte sie nicht abgeschreckt. Da

das alte Boot völlig unbrauchbar geworden war, ließ sie sich ein neues bauen, ohne das ihr Vater je etwas von dem Vorfall erfuhr, Geld stand ihr ja ausreichend zur Verfügung, und einige Wochen nach der unglück­lichen Begebenheit nahm sie wieder ihre Wasserfahrt auf. Dabei hatte sie gewöhnlich wie heute ihre Büchse mit, um vielleicht einem unglücklichen Wasservogel den Garaus machen zu können.

Sie war aufs höchste verwundert, ihren Verlobten, welchen sie im warmen Zimmer glaubte, bei einer so sonderbaren Beschäftigung im See zu erblicken.

Verlegen schaute Rolf auf. Die Angelegenheit kam ihm jetzt in der Tat etwas abenteuerlich vor, und er schämte sich, auf einen Zettel hin, der ja nicht einmal eine Unterschrift trug und mit welchem sich vielleicht jemand hatte einen Witz leisten wollen, ein derartiges Unterneh­men ausgeführt zu haben.

Er watete also aus dem Wasser nach dem festen Bo­den, wo seine Braut eben ihr Boot anlegte, das von Iahn diensteifrig an der Bootskette nach dem Ufer ge­zogen wurde.

Wortlos reichte er ihr dort, nachdem sie sich herzlich begrüßt hatten, das aufgefundene Blatt, auf dem die Schriftzüge bereits wieder zu verblassen begannen. Trotz­dem waren sie noch deutlich genug wahrnehmbar. Er­staunt las Charlotte und sah sodann Rolf fragend an.

Ich verstehe wirklich nicht!"

Er erzählte ihr nun von dem plötzlichen Verschwin­den der selbst für die Jetztzeit so gewaltigen Barsumme und der kostbaren Helmbachschen Familienjuwelen, wo­nach schon sein verstorbener Vater so viele Jahre hin­durch gesucht. Mit diesem Zettel nun glaubte er die Spur gefunden zu haben, doch sei er herb enttäuscht worden.

Aufmerksam hörte Charlotte zu.Zeige mirdoch noch einmal das Papier," bat sie nach einigem Nachdenken.

Prüfend beschaute sie dasselbe von allen Seiten und las von neuem Wort für Wort durch. Darauf sagte sie langsam:Da steht: Unter einem großen Stein wird

man alles finden. Hast Du denn schon unter dem Stein nachaeschaut?"

Natürlich. Die Grube, die ich gemacht habe, ist beinahe einen Meter tief."

Auf den Gedanken, zu graben, sollte man allerdings im ersten Augenblick kommen, aber es gibt noch eine andere Möglichkeit."

Eine andere? Welche denn?"

Nun, daß der Schatz unten im Stein eingelassen ist, worauf er im See versenkt wurde. Seinerzeit muß übrigens das Wasser bedeutend tiefer gewesen sein, man sieht es ja noch am Ufer, das ziemlich hoch über dem Wasserspiegel liegt."

Du könntest recht haben, Charlotte," erkannte Rolf aufgeregt an, während er von neuem in das Wasser schritt.Iahn," rief er dann,sind Ihre Stiefel eini­germaßen wasserdicht?"

Hoffentlich," erwiderte diensteifrig der Verwalter und trat sofort in das nasse Element, trotzdem ihn sein Herr noch garnicht dazu aufgefordert hatte.

Na, dann helfen Sie mir das Ungetüm nach dem Ufer wälzen. Hier wird eine Untersuchung zu schwer sein."

Ihren gemeinsamen Anstrengungen gelang es denn auch, den Stein wenigstens soweit zu bringen, daß der ehemals untere Teil aus dem Wasser hervorragte. Iahn zog nun sein Messer, das eine große starke Klinge besaß und kratzte den Schmutz von der rauhen Fläche ab. Mit einem Mal geriet er auf etwas Weiches. Wie er mit der Spitze hineinstieß, fand dieselbe keinen Wi­derstand, sondern der Stahl verschwand völlig. Bei ge­nauerem Hinsehen bemerkte man einen großen viereckigen Spalt, jedenfalls die Pforte zu dem gesuchten Schatz, die durch festgewordenes Baumharz mit dein übrigen Stein verkittet war.

Fieberhaft arbeitete man nun, die Platte loszu­lösen. Dieses gelang nach längerer Zeit, trotzdem drei Klingen draufgingen. . 160,18