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mit amtlichem Äreisblatt. Monatsbei/age: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

____________Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat"._______________________

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 70. Mittwoch, den 1. September 1909 60. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 4842 K.-A. Dem Schäfer Schlemmer in Hütten ist für langjährige treue Dienstzeit eine Prämie von 20 Mk. aus Kreismitteln bewilligt worden.

Schlüchtern, den 27. August 1909.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.

Ium Sedantage.

Und wiederum auf Deutschlands Höhen Steigt himmelan der Flammenstrahl.

O saget, ob die Berge sehen

Noch heute stolz in jedes Tal?

Ob noch des Sieges Jubeltöne Entströmen allen Herzen gleich.

Ob noch umschlingt Germanias Söhne Die alte Treu' im deutschen Reich?

Wohl ragt der Einheit feste Mauer Noch stark empor, der Grenzen Wall. Doch innen drückt der Flor der Trauer Das Herz der Treuen überall. Ein Feind im Innern ist erstanden, Der an des Reiches Säulen reißt; Der Geist des Hasses macht zuschanden Des deutschen Schicksals guten Geist.

Des deutschen Vaterlands Verderben Ist dieses Feindes Ziel und Plan.

Da gilt's, zu neuem Kampf zu werben: Ihr Treuen all, heran! heran! Laßr uns als deursche Männer stehen Unwandelbar zum Reichspanier! Hier unter deinem Himmel flehen Entblößten Haupts wir, Gott, zu dir.

Errette, Vater aller Wesen, Uns vor des Unglücks tiefstem Schmerz: Laß unser deutsches Volk genesen! Erhalte rein das deutsche Herz! Am Sedanfest hör unsre Klage Verlassen ist, wer dich verläßt! O segne bis zum jüngsten Tage Des deutschen Volkes Siegesfest!

Fr. Hosmann.

Holdsteber.

Roman von Lothar Mehnert. 8

Der steinreiche Bankier, dem alle Damen in der fast aufdringlichen Weise ihrer südlichen Lebhaftigkeit den Hof machten, schien für Angelika Brandissi gar nicht vorhan­den zu sein. Das war für den verwöhnten Mann einmal etwas Neues. Er näherte sich ihr mehr und mehr und tuschelte man sich zu, das Herz des sonst so kalten Süd­afrikaners habe Feuer gefangen, ja brenne lichterloh.

So schlimm stand es nun freilich nicht um Helbornes Herz. Es war mehr Eitelkeit, die ihn zu dem Mädchen hinzog. Er wollte ihren Widerstand besiegen; es ver­letzte seinen Stolz, daß seine Millionen seine Aufmerk­samkeiten, seine verehrungsvollen Blicke so gar keinen Eindruck machten. Bald besuchte er nur noch jene Ge­sellschaften, Theater und Konzerte, wo er glaubte, An­gelika mit ihrer Mutter zu treffen, und es bereitete ihm eine herbe Enttäuschung, wenn die Damen nicht anwesend waren.

Als er dann gar drei Wochen lang vergebens nach Angelika Umschau gehalten und sie nirgends zu Gesicht bekommen hatte, steigerte sich seine Bewunderung für die schöne Malerin zur wirklichen Neigung, wenigstens so­weit er einer solchen überhaupt fähig war. Und wie er sie nun an jenem Frühlingsnachmittag auf dem Monte Pincio endlich traf, da machte sein Herz wirklich etwas wie einen rascheren Schlag. Er fühlte es: dieses Mäd­chen mußte seine Gattin werden .. dieses oder keines.

Angelika war nicht ganz gleichgültig geblieben gegen die Huldigungen des vielumschwärmten Mannes. Ihr weiblicher Stolz verbot ihr jedoch, es zu zeigen. Wie oft errötete sie für andere junge Mädchen, die ihre Gesell­schaft, ihr Lächeln, ihre süßesten Blicke dem Millionär fast aufdrängten. So nahm ihr Wesen ihm gegenüber etwas Herberes, Trotzigeres an, als es sonst in ihrer Natur lag, und sie wußte nicht, daß sie dadurch den ver­

Sedan.

Schon 39 Jahre sind seit dem Tage von Sedan im Zeitenstrome verrauscht, aber die Erinnerung an jene große Zeit der deutschen Siege ist uns lebendig geblieben. Zumal der 2. September ist wahrhaft volks­tümlich geworden, und das mit gut geschichtlichem Rechte. Der Marksteine im Leben der Völker gibt es nie allzu viele, und man muß in der Anwendung jenes Ausdrucks etwas vorsichtig sein. Aber Sedan, das war ein solches weltgeschichtlich epochemachendes Er­eignis, und uns Deutsche ging's und geht es an. Dem großen entscheidenden Siege König Wilhelms vom 1. September folgte jener ewig denkwürdige Tag, an dem 85000 Franzosen die Waffen streckten und der französische Kaiser Napoleon III. gefangengenommen wurde.Wenn ich mir denke," so schrieb damals der greise König Wilhelm an seine Gemahlin,daß nach einem großen glücklichen Kriege ich während meiner Regierung nichts Ruhmreicheres mehr erwarten konnte, und ich nun diesen weltgeschichtlichen Akt erfolgt sehe, so beuge ich mich vor Gott, der allein mich, mein Heer und meine Mitverbündeten ausersehen hat, das Ge­schehene zu vollbringen, und uns zu Werkzeugen seines Willens bestellt hat: nur in diesem Sinne vermag ich das Werk aufzufassen und in Demut Gottes Führung und seine Gnade zu preisen."

Wahrlich, ohne dieses Walten der Vorsehung, das uns Sedan gab, wäre wohl kein Versailles gewesen. Aus Blut und Eisen sollte die deutsche Einheit hervor« gehen. Und da gedenken wir wie könnte das anders sein! vor allem auch jenes Mannes, der am 2. September den dritten Napoleon zu König Wilhelm geleitete: Bismarck ist's gewesen, und dieser Name wird noch auf ungezählte Geschlechte, hinaus seine national begeisternde Wirkung üben. Neben diesem Recken steht der kluge Schlachtenlenker Moltke und der getreue Waffenmeister Roon, und wer vermöchte sie alle aufzuführen, die wackeren, hochverdienten Helden und Mitkämpfer von damals!

Die Schar ist im Laufe der Jahrzehnte immer mehr zusammengeschmolzen. Eine junge Generation ist heran­gewachsen, die nur noch von Hörensagen weiß, was sich um Sedan einstmals gruppierte. Doch nur umso eindringlicher soll es klingen:

Enkel mögen kraftvoll walten,

Schwer Errungnes zu erhalten!

Unsere politische und wirtschaftliche Lage mag ja viel­fach eine andere sein als damals. Eine lange Friedens­

wöhnten Mann fester an sich kettete, als durch die ab­gefeimteste Koketterie.

Die Marchesa war allerdings nichts weniger als ein­verstanden mit dieser Zurückhaltung ihrer Tochter, die sie eineSchrulle" nannte.

Er ist unermeßlich reich, Angelika!" sagtesie oftvor­wurfsvoll.Meinst Du nicht, Du solltest seine augen­scheinliche Werbung etwas ermuntern?"

Dann schüttelte das Mädchen ernst den Kopf.Nein, Mama; denn ich liebe ihn nicht. Ich schätze ihn, aber ich bin nicht überzeugt, ob William Helborne imstande ist, eine Frau glücklich zu machen."

Aber er liebt Dich doch!"

Ich glaube nicht, Mama. Er hat nur eine Leiden­schaft und die bin ich nicht."

Aber wer denn, wer?"

Das Geld. Ich sehe es seinem Gesichte an, ich fühle es aus seiner Unterhaltung heraus. Das Geld'ist seine Braut, seine Herrin, sein alles. Dafür lebt er allein."

Geld ist immer sehr nützlich, mein Kind. Ich denke, wir wissen zur Genüge, was Armut heißt."

Ja, liebe Mama, aber diese Zeiten sind doch vor­bei. Unser Leben ist gesichert und wir sind zufrieden. Willst Du mehr, Mama?"

Dann seufzt die Marchesa aus tiefstem Herzen auf, blickt wie flehend zur hochgewölbten Zimmerdecke und schweigt. Eine tiefe, sinnende Natur wie die Angelikas sieht und merkt manches, was oberflächlichen Geschöp­fen verloren geht. Und gerade, weil sie für William Hel­borne eine größere Teilnahme hegte, weil seine uner­müdlichen Huldigungen ihr weibliches Empfinden rühr­ten, beschäftigte sie sich im Geiste viel mit ihm. Sie hatte bemerkt, was jedem bisher entgangen, daß seine Augen bei einem Gespräch über Gold fieberhaft glänzen konnten und sein Gesicht einen gespannten Ausdruck er­hielt. Mußte eine solche krankhafte Leidenschaft für totes, kaltes Metall nicht nach und nach alles Gute in ihm ersticken? Mußte sie nicht verheerend auf Geist und Seele

zeit hat die Blicke vornehmlich auf die Kulturgüter und Kulturbestrebungen gerichtet. Aber der patriotische, opferbereite, idealgesinnte Geist von damals, der muß uns bleiben, wenn anders unser Volk auf der Höhe wandeln will. Ueber aller Jntereffenpolitik soll das Vaterland stehen, und Schillers Mahnruf muß gerade uns Deutschen nach wie vor aus innerster Seele ge­sprochen sein:Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr alles freudig setzt an ihre Ehre!" Die Erinnerung an Sedan schaffe uns Lust und Kraft zu neuen Auf­gaben und Pflichten!

Ein neuerer Historiker, der es beklagt, daß Deutsch­land früher so manches Mal mit Lauheit und Dick- felligkeit in vaterländischen Dingen vor der angelehnten Tür gestanden habe, hinter der die glänzende Assemblee der übrigen europäischen Staaten sich tonangebend be­wegte, er fährt doch jubelnd fort:Mit dem Tage von Sedan aber und mit dem 18. Januar von Versailles, da schlug der deutsche Michel die Flügeltüren ein und stellte sich straff in die Mitte der Gesellschaft drinnen, ein verwandelter Michael, nicht mehr mit der Mütze, sondern mit der Stahlhaube und im klirrenden Eisen­gewand." Bewahren wir uns den nationalen deutschen Stolz, bekunden wir deutsche Kraft und deutsche Treue! Das sei uns die Mahnung des Sedantags!

Deutsches Reich.

Der Kaiser war am Sonntag abend 7 Uhr 20 Min. im Hofsonderzug in Swinemünde eingetroffen. Der Kaiser, der in Admiralsuniform am Waggonfenster stand, wurde vom Publikum stürmisch begrüßt und dankte anhaltend mit großer Liebenswürdigkeit.

Swinemünd. DieHohenzollern" mit dem Kaiser an Bord, war am Montag früh mit dem Sleipner" unter Festungssalut in See gegangen.

DerZeppelin III" war am Freitag früh 4 Uhr 35 Min. zur Fahrt nach Berlin aufgestiegen und hatte die Lustreise bei schwachem nordöstlichen Wind angetreten. Bei Ostheim in Mittelfranken erfolgte eine Zwischenlandung behufs Wafferaufnahme und zur Auswechselung eines Propellers.

DerZeppelin III" mußte in Nürnberg wegen Motordefekts eine Zwischenlandung vollziehen, um einen neuen Zylinder einzusetzen. Um 2 Uhr 15 Minuten morgens erfolgte die Weiterfahrt nach Bitterfeld. Um 1 Uhr nachmittag überfuhr das Luftschiff die Stadt Reichenbach im Vogtlande sehr langsam in der Richtung nach Greiz. Die Ankunft in Berlin verzögerte sich um

wirken ? .. Oder war ihr noch Einhalt zu tun ? Sie konnte die Antwort nicht darauf geben.

Als Helborne neulich auf dem Monte Pincio um Erlaubnis bat, sie einmal besuchen zu dürfen, da gaben die Damen ihm diese Erlaubnis. Aber da sie sonst ganz zurückgezogen lebten, war dieselbe bereitsein Schritt vor­wärts zur Erfüllung der Pläne des Bankiers.

Auch heute hat wieder das gewohnte Gespräch zwi­schen Mutter und Tochter stattgefunden. Die Marchesa beklagte, daß Angelika so unvernünftig sei und den Ban­kier stets kalt behandle, und die Tochter wehrte sanft ab. weil sie ihn nicht liebe.

Da meldet das Dienstmädchen wie auf Stichwort: Herr William Helborne."

Die Marchesa läßt vor freudiger Ueberraschung ihre Häkelarbeit fallen. Angelika jedoch malt ruhig weiter an dem Bild einer Magdalena.

Da tritt er auch schon ein. Er wird freundlich be­grüßt und macht selbst einige nichtssagende Worte über das angefangene Bild und die Malerei im allgemeinen, denen Komplimente über Angelikas Aussehen folgen.

Dann springt das Gespräch durch irgend einenZufall auf Geld hinüber. Und wieder bemerkte Angelika die überlebhafte Teilnahme bei ihrem Gaste.

Sie müssen glücklich sein, so viel Geld zu besitzen," sagt sie lächelnd.Wie viel gutes läßt sich damit schaffen!"

Verwundert horcht der Bankier auf.Gutes schaffen, mein Fräulein? Wie meinen Sie das? Ich verstehe mich nur aufs Geldeinnehmen, aber nicht auf die Feinheiten im Ausgeben. Wollen Sie meiner Unkenntnis nicht et­was nachhelfen? Ich würde mich glücklich schätzen ..-

Nicht heute; ein andermal." >

So darf ich wiederkommen?"

Wenn es Ihnen Vergnügen macht."

Und Sie werden mich den richtigen Gebrauch von meinem Gelde lehren, Fräulein Angelika? Sie werden mir helfen?"

Vielleicht!" . 161,18