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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
__vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".________________________
X 72.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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J.-Nr. 5031 K. A. Die nächste Btttt-nköru«g findet nicht am 11. September, sondern
Samstag, den 18. September
in Steinau statt.
Schlüchtern, den 3. September 1909.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
J.-Nr. 9991. Für den am 19. Februar 1892 zu Heubach geborenen Ludwig Müller ist die Ausfertigung eines Reisepasses zur Reise nach Amerika beantragt worden.
Schlüchtern, den 4. September 1909.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
Zur Lage in Griechenland.
Die Blätter, die in Griechenland eine große Revolution, wohl gar einen Wechsel der Staatsform zur Republik angekündigt haben, sind mit ihren Prophezeiungen wieder still geworden. Denn wenn auch das Zerwürfnis zwischen Dynastie und Heer noch nicht völlig ausgeglichen ist, so fehlt es doch in Athen beim Hofe wie im Offizierkorps nicht an Bemühungen, um den Abgrund, der sich bedrohlich öffnen konnte, zu überbrücken. Die griechischen Prinzen, in erster Reihe der Thronfolger Kronprinz Konstantin, in Griechenland der Diadoche genannt, verhalten sich gegen den populär gewordenen Wunsch nach einer Aenderung ihrer Stellung in der Armee nicht grundsätzlich ablehnend, und die mit militärpolitischen Forderungen gegen die Krone hervorgetretenen Offiziere beteuern für sich und ihre Truppen, daß sie sich von der Ergebenheit gegen die Person des Königs Georgios nicht lossagen wollen. Mag immerhin in jungmilitärischen Kreisen von der Abdankung des Monarchen gesprochen worden sein, mag der hellenische Herrscher in berechtigtem Unmut erklärt haben, er werde unter Umständen mit seiner ganzen Familie Griechenland den Rücken kehren, solche Ausbrüche persönlicher Verstimmung können schon jetzt als überwunden gelten. Krone und Heer haben sich darauf besonnen, daß sie nicht in unversöhnlichen Gegen« satz geraten dürfen.
Allerdings ist die Wiederannäherung zwischen der monarchischen und der militärischen Gewalt nur vorläufig. Neubesiegelt muß das erforderliche beiderseitige Vertrauen dadurch werden, daß es der demnächst zu- sammentretenden griechischen Kammer gelingt, für die zur Stärkung der Wehrkraft Griechenlands unerläßliche
Hotdfieöer.
Roman von Lothar Mehnert. 10
Drüben am Ufer bleibt sie wie festgewurzelt stehen, etwas abseits, nicht im Knäuel der Neugierigen, die sich stetsbeimAnkommen und Abfahren eines großenDampfers versammeln. Ihre Augen blicken unverwandt auf den Geliebten.
„Achtung! Langsam vorwärts!"
Der Kapitän signalisiert es von der Landungsbrücke hinein in das tosende Reich der Maschinen. Schwere Taue plumpsen ins Wasser und werden von den Matrosen auf das Verdeck gezogen.
Am Hintermast senkt sich die Schiffsflagge.„
Und nun, leb' wohl, leb' wohl! Taschentücher wedeln in der Luft. Ein letztes Hinüber- und Herübergrüßen, Zurufen letzter Liebesworte. . .DieSchiffsschrauben arbeiten; langsam setzt sich der Koloß in Bewegung.
Auf einem kleinen, ins Meer hinausragenden Vor- sprunge steht Gerda und verfolgt mit ihren Blicken das Schiff, wie es majestätisch die Wellen durchschneidet. Jetzt erkennt, sie noch deutlich die liebe Gestalt dort oben an Deck, die ununterbrochen mit dem Taschentuchs das letzte Lebewohl herüberwinkt. Dann werden die Unirisse der Gestalt undeutlicher, sie verschwimmen mit der sie umgebenden Menschenmasse, auch der Schiffsumfang wird kleiner und kleiner. Nun unterscheidet Gerda nur noch einen schwarzen Punkt... Und jetzt. . nichts mehr.
Aus tiefem Herzensgründe seufzte sie auf. Fest preßt sie die Hand auf die Brust. Ihr ist, als ob eine unsichtbare, kalte Faust nach ihrem Herzen fasse. Schwarze Punkte tanzen vor ihren Augen. Eine Stütze suchend,
Este um sich. Da schlingt sich ein starker Arm um
„ tternde Gestalt, und eine bewegte Stimme spricht ihr leise tröstende Worte ins Ohr.
„Ruhig, ruhig, mein Herzblatt. Er kommt ja wieder! Nur ein Jahr der Trennung l Rasch geht es vorüber."
Mittwoch, den 8. September 1909
60. Jahrgang.
Heeresreform einen angenieffenen Ausgleich mit den Interessen und der Würde des Königshauses zu finden. Wie wichtig um'Griechenlands politischer Zukunft willen der Fortbestand der regierenden Dynastie ist, wird den Hellenen in diesen Tagen sogar von republikanischen Zeitungen eingeschärft. Gerade der Pariser „Temps" war es, der für die Leistungen des Kronprinzen Konstantin als Oberbefehlshaber des griechischen Heeres eine Lanze brach. Der Schwager Kaiser Wilhelms, so meinte das führende französische Blatt, habe manche zeitgemäße Neuerung durchgesetzt oder angestrebt. Das Ausbleiben des gewünschten Erfolges komme nicht auf Rechnung des Kronprinzen oder sei doch mindestens ebenso sehr auf die Verfahrenheit der innerpolitischen Zustände des Königreichs zurückzuführen. Der „Temps" steht mit diesen, Urteil nicht allein. Das internationale Ansehen Griechenlands gründet sich vor allem auf die Achtung, die Europa der Person des Königs Georgios seinen verwandtschaftlichen Beziehungen und seiner bewährten politischen Klugheit entgegenbringt. Man kann ohne Uebertreibung sagen: das moderne Griechenland hat keinen besseren Staatsmann als seinen König, und alle griechischen Patrioten haben Anlaß, die Trennung von diesem Führer als ein nationales Unglück zu betrachten, das vermieden werden muß.
Deutsches Reich.
— Der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg wird am 20. September in Wien eintreffen und vom Kaiser in Audienz empfangen werden. Zu Ehren des Kanzlers findet beim Kaiser ein Diner statt.
— Zum Besuche beim Grafen Zeppelin haben sich 229 Reichstagsabgeordnete gemeldet.
— Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ergebnisse des Reichshaushalts für das Rechnungsjahr 1908. Im ganzen sind an ordentlichen Einnahmen, soweit sie im Reiche verbleiben, 185 Millionen Mark weniger aufgekommen. Da der Ausgabebedarf um 63 Millionen Mark hinter dem Anschläge zurückgeblieben ist, ergibt sich für das Rechnungsjahr 1908 ein Fehlbetrag von 122 Millionen Mark. Mehreriräge brachten die Zigarettensteuer, die Zuckersteuer und die Salzsteuer, zurückgeblieben sind gegen den Voranschlag die Zölle um 121 Millionen Mark, Brausteuer, Erbschaftssteuer und Fahrkartensteuer.
— Der deutsche Katholikentag in Breslau ist beendet. In seiner Schlußrede dankte der Vorsitzende Landtagsavgeordneter Herold der Bevölkerung Breslaus
| „Sieh', Du hast ja noch Deinen alten Vater, der Dich ; so herzlich liebt, dessen Trost, dessen Stütze im Alter ! Du bist! Ruhig, ruhig mein kleines Herzblatt!"
Einige Augenblicke birgt Gerda das müde Köpfchen ! an der treuen Paterbrust. Dann wischt sie sich entschlossen i die Tränen aus den Augen. „Hast recht, Vater. Ich will ; stark sein. Komm' wir wollen jetzt heim!"
Arm in Arm, mit erzwungener Ruhe, aufrechten Haup- ; tes schreiten Vater und Tochter hinweg. Kein Wort fällt ; mehr zwischen ihnen, ihre Herzen sind zu voll.
Als sie aber ihr kleines, in buntfarbige Blumenpracht gebettetes Häuschen in Wynberg, einem Vorort von Kap- . stadt, erreicht haben, da zieht sich jedes in sein Zimmer . zurück, um den eigenen trüben Gedanken nachzuhängeu.
An Gerdas geistigem Auge ziehen nochmals die letzten i Jahre vorüber, die ihrem ganzenLeben eine andere Wendung gegeben. Still, einsam lebte sie nach dem Tode ihrer Mutter in ihrem kleinen Häuschen, nur für das Wohl und die Bequemlichkeit des alten Vaters sorgend, dessen Augapfel sie ist. Aber der Vater war fast den ganzen Tag vom Hause abwesend, da er die Stelle eines Kassierers an der Nationalbank in Kapstadt bekleidete. So wurde dem armen Mädchen die Zeit oft lang. Und wenn abends der Vater ermüdet und ab gemästet aus dem Bureau nach Hause kam, so war er auch kein passender Gesellschafter für ein junges, aufblühendes Mädchen, dessen Herz und Seele nach Anregung, nach ein wenig Fröhlichkeit, nach etwas Sonnenschein verlangten.
Da lernte sie auf einer Landpartie Romano Perasini kennen. Beim ersten Blick flogen beider Herzen einander zu.
Von da an besuchte der junge Mann, so oft er von seiner im Innern des Landes gelegenen Farm Rosen- bank nach Kapstadt kam, das kleine, blumenumrankte Häuschen in Wynberg.
Und diese Besuche wurden häufiger und länger und länger.
Die kleine siebzehnjährige Gerda erblühte wie eine
und den städtischen Behörden mit dem Bemerken, daß auf eine Begrüßung seitens der städtischen Behörden leider verzichtet werden mußte, obwohl sie allen Generalversammlungen zuteil geworden sei. Ein Mißklangsei in die Generalversammlung nur gekommen durch das Verbot der Regierung, den polnischen Glaubensgenossen zu gestatten, in ihrer Muttersprache zu sprechen. Nachdem sodann Kardinal-Fürstbischof Dr. von Kopp der Versammlung seinen Segen erteilt hatte, wurde mit dem Gesang „Großer Gott, dich loben wir" die diesjährige Tagung geschlossen.
— Eine anarchistische Jugendorganisation ist in aller Stille in Berlin begründet worden. Berlin zählt gegenwärtig etwa 500 organisierte Anarchisten, die früher meist der Sozialdemokratie angehörten, denen aber das Tempo der sozialdemokratischen Führer „zur Vernichtung der politischen und ökonomischen Macht" zu langsam ist. Nun haben die Anarchisten auch eine Jugendorganisation begründet, der schon an 50 Mitglieder angehörgen. Alle mußten sich feierlichst verpflichten, in den Werkstätten und bei sonstiger passenden Gelegenheit für den Anarchismus Propaganda zu machen. Auch die Mitglieder der sozialdemokratischen Jugendorganisation sollen vorsichtig bearbeitet und in das anarchistische Lager hinübergezogen werden.
— Ueber Notwendigkeit und Segen einer starken Monarchie hat sich Professor Reinh. Macke in Wiesbaden in einem Vortrage in der Ortsgruppe Hanau des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie bei der letzten Feier des Geburtstages des Kaisers ausgesprochen. Die genannte Ortsgruppe hat den Vortrag drucken lassen. In überzeugender Weise legt der Redner die Vorzüge eines starken und volkstümlichen Königtums gegenüber einer Parlamentsherrschaft und der reinen Demokratie dar. Er weist auch darauf hin, daß die monarchische Regierungsform an sich die dem Menschen natürliche sei, wie denn schon die Familie, ferner jede mit Gefahr verknüpfte Unternehmung, ein Schiff, ein Heer usw. ein Oberhaupt habe und haben müsse.
Ausland.
— Jacobstadt. Ein deutsches Luftschiff in Rußland. Der Ballon „Hildebrandt" mit dem Führer Sticker und den Insassen- Erich Korn, Leo Jmpekoven und Betty Köhler ist in Kreutzburg in Kurland glatt gelandet.
Rose unter dem Sonnenschein dieses Glückes und auch Charles van Messen sah den Verkehr der beiden jungen Menschen nicht ungern. Er hatte Erkundigungen über Romano Perasini eingezogen und erfahren, daß er zwei Farmen besaß und auch sonst in durch aus geregelten Ver- hältnissen lebte.
Als nun der junge Farmer förmlich um die Hand des geliebten Mädchens anhielt, als der Vater freudig sein Jawort gab, da jubelte Gerda auf. Ihr Leben hatte jetzt einen Zweck. Sie sah ein Ziel vor Augen .. an der Seite des geliebten Mannes, als seine Gattin, seine treue Lebensgefährtin. Schon wurde von einer baldigen Heirat gesprochen, der Hochzeitstag in Erwägung gezogen.
Da trat jenes Ereignis ein, welches der Bereinigung der beiden Liebenden ein vorläufiges Hindernis entge- genstellte: Romano verlor sein ganzes, durch den Verkauf seiner Farm Rosenbank erstandenes Vermögen, welches erleichtsinnigerweise in jenen „Helena"-Goldminen- Aktien angelegt hatte, als sie am höchsten standen.
Gerda war untröstlich. Nicht daß der Verlust deS Geldes sie schmerzte; aber daß sie nun den Einziggeliebten nicht heiraten konnte, machte sie tief unglücklich. Zwar zeigte sie dem Geliebten immer ein lächelndes Gesicht, aber ihr stilles Kämmerlein, die Kissen, in welche sie nachts schlaflos den schmerzenden Kopf einwühlte, könnten viel erzählen von bitteren Seufzern, von heimlich vergossenen Tränen.
Schließlich ergab sie sich darein. Sie sah ja täglich den Geliebten, hörte seine teure Stimme und fühlte seinen warmen Häudedruck. Und einmal mußte doch die Zeit kommen, da sie sürimmer vereint würden! Also warten .. warten!
Das ging so weiter .. fünf, sechs Jahre lang. Da fiel in dieses mühsam zurechtgebaute Glück des armen Mädchens wie ein Donnerschlag Romanos Mitteilung, er reise mit dem nächsten Schiff nach England und von dort nach Rom. 161,18