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mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

________________________Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". ___________________

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 74 Mittwoch, den 15. September 1909 60. Jahrgang,

Amtliches.

J.-Nr. 5045 K.-A. Da noch immer gegen die Bestimmungen der seit mehreren Jahren eingeführten Ordnung über die Erhebung einer Kreis-Umsatz- und Wertzuwachssteuer verstoßen wird, sehe ich mich ver­anlaßt, wiederholt darauf aufmerksam zu machen, daß die Anzeigen über Eigentumsveränderungen innerhalb 2 Wochen nach dem Erwerbe bei dem zuständigen Gemeindevorstand oder beim Kreisausschuß eingehen müssen. Zuwiederhandlungen werden mit 130 M. Geldstrafe bestraft.

Schlüchtern, den 3. September 1909.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: . Valentiner.

Bekanntmachung.

Einstellung in das Heer!

Alle Freiwilligen und Rekruten, welche diesen Herbst zur Einstellung gelangen, können ihre Gestellungsbefehle Dom 15. ds. Mts ab bei den Bürgermeisterämtern gegen Abgabe der Annahmescheine bezw. Rekruten- Urlaubspässe in Empfang nehmen.

Diejenigen Rekruten, welche keine Gestellungsbefehle erhalten, gelangen voraussichtlich dieses Jahr nicht zur Einstellung und haben sich nächstes Jahr erneut zur Stammrolle zu melden.

Bezirkskommando Hanau.

Deutsches Reich.

Kaiser Wilhelm hat sich nach herzlicher Ver­abschiedung von Kaiser Franz Josef nach Karlsruhe begeben.

Forchheim. Des Kaisers Eintreffen bei den deutschen Kaisermanövern. Am Samstag seit den frühen Morgenstunden strömten zahllose Menschenmengen teils zu Fuß, teils zu Wagen, teils mittels der zahlzeichen Extrazüge nach dem Paradefelde. Um 9.10 Uhr traf der Kaiser im Sonderzuge von Jglau kommend, auf dem Bahnhöfe Forchheim ein. Zur Begrüßung hatten sich eingefunden die Kaiserich das Großherzogpaar, das Prinzenpaar Max von Baden, der Fürst zu Fürsten­berg und der preußische Gesande von Eisendecher, sowie die obersten Hofchargen. Nach herzlicher Begrüßung bestiegen die fürstlichen Herrschaften die Pferde bezw. die Wagen und begaben sich zum Paradefelde, von einer Eskadron des 22. Dragoner-Regiments geleitet. Um 7210 Uhr begann auf dem Exerzierplatz bei Forchheim die große Parade des 14. Armeekorps.

zahlung fehlen, vorübergehende Anleihen aufnehmen wollen.

In der 23. Hauptversammlung desVerbandes Sächsischer Gewerbe- und Handwerkervereine" äußerte sich Buchdruckereibcsitzer Beck aus Geringswalde dahin, daß der Lehrlingsmangel seinen Grund nicht zum kleinsten Teile darin habe, daß die Handwerksmeister zu viel über ihre schlechte wirtschaftliche Lage klagten und namentlich den eigenen Nachwuchs dem Handwerke mit der Begründung entzögen, daß ihre Söhne es einmal besser haben sollten als sie selbst.

Ausland.

In Deutsch-Südwestafrika hat das Bestreben des Gouvernements, aus den Stämmen des Nordens und des Südens brauchbare Arbeitskräfte für die wirtschaftliche Entwickelung des Schutzgebietes nutzbar zu machen, auch neuerdings wieder recht erfreuliche Resultate gezeitigt. Im Monat Juni passierten die Station Namutoni auf dem Wege nach dem Süden 1096 arbeitsuchende Ovambos, zurückgekehrt sind 213; die andere Grenzstation, Outjo, berührten im gleichen Zeitraum 526, auf dem Rückmarsch 59 Ovamboleute. Die Heranziehung der Bondelzwarts zu geregelter Arbeit außerhalb ihrer Reservate macht gleichfalls be­friedigende Fortschritte. So haben z. B. im Monat Juni 31 Bondels bei der Kolmanskoop-Gesellschaft in Lüderitzbucht Arbeit genommen.

Während die deutschen Sozialdemokraten jede Forderung für die Flotte ablehnen, sind sozialdemo- kratische Marinefreunde in England zu finden. So vertritt z. B. der Sozialist Hyndman den Gedanken, daß England zum Scyutze seiner Nahrungsmittelzufuhr einer großen Kriegsflotte bedarf.Unsere Existenz als eine Nation", schreibt dieser englischeGenosse",von freien Menschen hängt von unserer Beherrschung der See ab." Der englische Sozialist empfindet als eng­lischer Patriot, während die deutschen Sozialdemokraten international zu denken gewohnt sind.

Die Wiederaufnahme der Arbeit in Schweden nach dem Scheitern des Generalstreiks vollzieht sich nur allmählich, da die Arbeitsbedingungen verschieden aus« gelegt und verschiedene Fachvereine den Weisungen der Streikleitung nicht gefolgt sind. Die Hindernisse, die sich der Vermi.tlung der Regierung entgegensetzten, sind also noch nicht beseitigt, anderseits scheinen die Einigungsverhandlnngen verschiedener Gruppen, die zunächst Scywierigkeilen machten, zu einer Verständig-

Nach der Parade hielt der Kaiser Kritik und nahm militärische Meldungen entgegen. Die Kaiserin und die Großherzogin kehrten zu Wagen, der Kaiser und der Großherzog an der Spitze der Fahnen und Stan­darten nach Karlsruhe zurück. Um ein Uhr fand für sämtliche dort anwesenden Fürstlichkeiten Frühstückstafel bei Prinz und Prinzessin Max von Baden statt.

Explosion eines Knallkörpers unter dem Kaiser­lichen Extrazuge. Der Hofsonderzug des deutschen Kaisers, der in der Nacht vom Freitag auf Samstag von Jglau nach Karlsruhe über die bayerische Strecke Furth im Walde Nürnberg-Crailsheim geleitet wurde, ist beim Durchfahren der Station Cham durch eine auf die Schienen gelegte Knallkapsel zum Halten ge­bracht worden. Offenbar liegt ein grober Unfug vor. Der Hofzug setzte nach kurzem Aufenthalt seine Fahrt fort.

Am Montag, den 13, September, vollendete die Prinzessin Viktoria Luise von Preußen, die einzige Tochter und das jüngste Kind des deutschen Kaiser­paares, das 17. Jahr ihres Lebens sie wurde am 13. September 1892 im Marmorpalais zu Potsdam geboren. Die Einsegnung soll am 18. Oktober, deM Geburtstage des Kaisers Friedrich, vor sich gehen. - - wird in Gegenwart der gesamten kaiserlichen Fami in der Friedenskirche zu Potsdam durch den Ober-Hof- und Domprediger D. Dryander vollzogen werden. Die Prinzessin verlebt diese letzten Wochen vor der Kon­firmation in stiller Zurückgezogenheit im Familienkreise. Durch die Konfirmation erhält sie, nach fürstlichem Brauche, eine gewisse Selbständigkeit und. dies wird sich äußerlich dadurch bekunden, daß ein eigener Hof­staat für sie gebildet wird.

Graf Zeppelin ist nach Kiel zum Prinzew Heinrich gereist, um mit demselben eine Polarfahrt mit dem Luftschiff zu beraten.

Der Kultusminister hat angeordnet, daß den« jenigen Lehrern und Lehrerinnen, die sich nach erfolgter Aufforderung für die neue Besoldungsordnung erklärt haben, die ihnen zustehenden erhöhten Bezüge an Grundgehalt, Amtszulage und Mietentschädigung mög­lichst bald gezahlt werde, soweit die Schulverbände, ohne die Verteilung der Ergänzungszuschußmittel abzu- warten, dazu imstande sind. Diese Verteilung wird nach Möglichkeit beschleunigt werden. Der Minister hat ferner zur Erwägung gestellt, ob nicht einzelne Schulverbände, denen die Mittel zur sofortigen Aus­

Kotdsteöer.

Roman von Lothar Mehnert. 12

Und doch .. vielleicht war es gut so. Vielleicht schlum- nerte noch ein letztes Fünkchen von Gewissen in dem Fälscher, der seine Millionen, seine ganzen Ehren und Auszeichnungen einem »Verbrechen zu verdanken hatte, und vielleicht wurde er umso eher dem von ihm Hin­tergangenen behülflich sein, eine seiner würdige Stellung in der Gesellschaft zu erringen.

Auch der alte Charles van Messen lullteso seine Zwei­fel und Selbstvorwürfe ein. Es gilt ja nur außerdem ein Jahr der Trennung.

Romano Perasini hatte der Abschied von seiner Braut gar mächtig aus Herz gegriffen. Er war dem anmutigen Mädchen von ganzer Seele zugetan und auch er suchte den ersten Trennungsschmerzzu mildern durch die Ge­wißheit: Es gilt ja nur ein Jahr der Trennung!

Das Schiffsleben jedoch ließ Grübeln und Kopfhän­gen nicht recht aufkommen. Der frische Meerwind blies schnell die trüben Gedanken hinweg. Schon nach we­nigen Tagen herrlichster Meerfahrt warRomanosfianze Leichtlebigkeit zurückgekehrt und Fahrgäste und Mann­schaft lachten oft herzlich über seine tollen Einfälle.

Und nun war die Ozeanfahrt vorüber, und vorüber auch die Eisenbahnfahrt, welche ihn an das Ziel seiner Sehnsucht brächte: nach der ewigen Stadt Rom.

einer ver-

Rom" rauschten ihm die Wogen des Atlantischen Ozeans, wenn sie in südlicher Sternennacht schäumten und blinkten, zu.Rom" erschien ihm gleich ein:: -7" heißungsreichenLuftspiegelungimHafengewühlvonPly- mouth und Calais.Rom" raunte die Gletschersprache der Alpen, flüsterte der Frühlingswind Toskanas, brs es dem Glückberauschten endlich aus beut tiefen Glocken­geläute der Peterskirche als feierliches Willkomm entge- oenklana- .R^inI Storni Rom I"

Die ersten Stunden in der ewigen Stadt erschienen Romano wie ein Traum.

Seine schönheitsdurstige Seele, die in dem durchaus modernen Kapstadt außer der herrlichen Natur keine Nah­rung fand, weitete sich. Mit einer Art Andacht betrat er den Boden der durch die Ueberfülle der Erinnerungen geweihten Stadt, die zweimal die Welt beherrschte.

Nach dem ersten Schlendern durch die Straßen, wo­durch sich ihm ein flüchtiges Bild der welthistorischen Stadt entrollte, galt sein Besuch zunächst William Hel- borne.

Wie er den stolzen Palazzo in der Via Nazionale be­tritt, steckt der in blinkende Uniform gekleidete martialische Portier den Kopf zu seinem Fenster heraus.

Wohnt hier Herr William Helborne?"

Ein geringschätziger Blick streift den merkwürdigen Frager.Ich denke wohl. Dies ist Herrn Helbornes Pa­lazzo."

Ah, er hat einen eigenen Palazzo, da ist er wohl sehr reich. Nachdenklich steigt Romano die breiten Marmor­stufen hinauf ins erste Stockwerk.

In den weitenBureaus, worin ein paarDutzendBeamte über ihr Pult gebeugt hocken, fragt er nach Herrn Hel­borne.

Was wünschen Sie von Herrn Helborne?" lautet statt der Antwort die Gegenfrage.Sind Sie bestellt?"

Nein."

Dann bedaure ich."

Aber ich bin ein guter Freund von ihm."

Der Beamte lächelt spöttisch.Es ist nicht das erste Mal, daß ein Bittsteller sich alsguter Freund" von Herrn Helborne Einlaß verschaffen will."

Ist er nicht zu Hause?" fragte Romano abermals, da der Beamte sich in Schweigen hüllt.

Wenn Sie bestellt sind, ja. Wenn nicht, nein."

Ach so!" Romano lacht und ahmt den nachlässi- aen Ton des Mannes nach, indem er eine Visitenkarte

aus der Tasche zieht:Wenn Sie diese Karte Herrn Helborne überreichen wollen, gut. Wenn nicht, auch gut."

Etwas verblüfft dreht der Beamte die Karte hin und her. Dann entschließt er sich zu gehen. Nach kurzer Zeit schon kehrt er zurück. Sein Ton ist jetzt völlig anders.

Bitte, mein Herr, wollen Sie sich gütigst heraufbe­mühen. Herr Helborne wünscht Sie zu sehen."

Als gleich darauf Romano an die Türe zu Helbornes Privatbureau klopft, antwortet von drinnen eine feste Stimme, der man keine Spur von Erregung anmerkt.

Mit ausgestreckten Händen kommt Helborne auf ihn zu. Einen Augenblick ruhen seine Augen forschend auf den freudig erregten Zügen des jüngeren Mannes. Dann ruft er mit gutgespielter Gemütlichkeit:Herzlich gegrüßt mein Junge! Freue mich, daß Du da bist!"

Ich mich auch, Helborne... Aber zum Kuckuck, Du hast Dir's mollig gemacht!" Romano blickt bewundernd im Zimmer umher.Scheinst es zu was Großem gebracht zu haben!"

O ja. Zu dem Zweck ging ich nach Rom.

Romano lacht.Nicht jeder ist so glücklich, sein Wün­schen und Wollen erfüllt zu sehen!"

Man muß nur wirklich wollen.. Wann bist Du angekommen?"

Heute früh." \

Und willst jetzt eine Zeitlang in Rom bleiben ?"

Hast Du schon irgend etwas in Aussicht genom­men?"

Nein. Ich dachte, Du würdest mir helfen als alter Freund."

Mit Vergnügen, wenn es in meiner Macht steht. Hast Du Mittel?"

Soviel wie nichts. Tausend Pfund Sterling, der Rest, der mir von meinem ganzen Vermögen blieb. Ich möchte, daß Du sie in zehntausend umsetztest." 161,18