Einzelbild herunterladen
 

Sd)lüd)tcrner>ilun g

nnt amtlichem Rreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

__Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".______________________ _______

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 29. September 1909

60. Jahrgang. MBBMW

Die im 60. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreitendste Zeitung im Kreise

Schlächtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.

TTT m daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der

lli QP 10 I TITUPslPPPH wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Will lil Illl I III lli III llllll IIIIII Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Sept. unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, II ihnen unsere Zeitung vom 1. Oktober ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß

nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreicher» Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober 1909 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Bekanntmachung.

Nach Mitteilung der Inspektion der Infanterie« Schulen herrscht bei den Unteroffizierschulen für die diesjährige Herbsteinstellung noch Mangel an Frei­willigen.

Die Einzustellenden müssen mindestens 17 Jahre alt sein, dürfen aber das 20. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Als Nachersatz kommen jedoch auch diejenigen Freiwilligen in Betracht, welche in der Zeit nach dem allgemeinen Einstellungstermin bis Ende Dezember ds. Js. 17 Jahre alt werden.

Der Aufenthalt in der Schule dauert im Allge­meinen 3 Jahre.

Nähere Bestimmungen sind beim unterzeichneten Kommando zu haben.

Königliches Bezirkskommando Hanau.

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat, wie aus Dresden amtlich ge­meldet wird, den König von Sachsen zum Generaloberst ernannt und dem Prinzen Ernst Heinrich von Sachsen den Schwarzen Adlerorden verliehen.

Anläßlich der Kaisermanöver zwischen dem 12. und dem 19. Korps hat der Kaiser, wie nachträglich bekannt wird, den sächsischen Kriegsminister Freiherr» von Hausen durch Verleihung des Schwarzen Adler­ordens in besonderer Weise ausgezeichnet. Der Trans­portdirektor der sächsischen Staatseisenbahnen, Bachmann, erhielt vom Kaiser den Roten Adlerorden 3. Klasse.

Der Reichstag wird in diesem Jahre wahr­scheinlich erst im letzten Drittel des November zu­sammentreten. Diese Maßnahme wird damit begründet, ' daß die Reichslagsabgeordneten im Sommer des Jahres , 1909 wegen der Reichsfinanzreform etwa vier Wochen länger als sonst tagen mußten, ehe sie in die Ferien gehen konnten. Von dieser Zeit der Mehrarbeit soll ihnen soviel wie möglich zur Ausübung ihrer Privat­berufe zurückerstattet werden.

Das LuftschiffZ. III" ist am vergangenen

Mittwoch abend 7 Uhr ohne Zwischenfall in Manzell eingetroffen und glücklich gelandet.

Der Staatssekretär des Reichs-Kolonialamtes Wirkl. Geheimer Rat Dernburg hat sich in Begleitung des Referenten für Landwirtschaft im Kolonialamt Regierungsrats Dr. Busfe nach Hamburg begeben, um mit dem nach New Dort abgehenden DampferCleve- land" eine Dienstreise in die Baumwollgebiete der Vereinigten Staaten anzutreien. Die Reise hängt mit der Absicht des Staatssekretärs zusammen, dem Anbau von Baumwolle in den deutschen Schutzgebieten einen größeren Umfang zu geben und die dahin zielenden Bestrebungen des Kaiserlichen Gouvernements und des Kolonial-Wirtschaftlichen Komitees zu fördern und zu stützen.

Mit dem 1. Oktober dieses Jahres geht die Verwaltung des Reichsinvalidenfonds und des mit diesem verbundenen Hinterbliebenenversicherungsfonds auf das Reichsschatzamt über und hört mit dem gleichen Tage die bisher unter dem NamenVerwaltung des Reichsinvalidensonds" bestehende Behörde auf. Die zur Ueberleitung des Jnvaliedenfonds in die allgemeine Reichsverwaltung erforderlichen Anordnungen sind be­reits getroffen. Die Uebernahme wird im Laufe der nächsten Wochen stattfinden. Die zu übernehmenden Werte sind auch jetzt noch beträchtlich. Der Invaliden- fonds selbst besteht formell noch aus etwa 125 Mil­lionen Mark, von denen allerdings ein erheblicher Teil schon durch Vorschüsse belastet ist. In den Hinter­bliebenenversicherungsfonds, welcher nach § 15 des Zolltarifgesetzes zur Anbauung der Witwen- und Waisenversicherung gegründet wurde, ist bekanntlich nur in einem einzigen Jahre die Summe von etwa 47 Millionen Mark gelangt. Auch für das laufende Jahr ist es zweifelhaft, ob irgendeine Ueberweisung an ihn erfolgen kann.

In der deutschenKopenhagener Zeitung" er­geht eine Warnung an Deutsche, die sich nach Däne­mark begeben wollen, um dort Beschäftigung zu suchen.

Wie das Blatt ausführl, ist die Stellenlosigkeit in Dänemark zurzeit überaus groß, so daß kein Arbeitgeber in die Lage kommt, Leute anzustellen, die des Dänischen nicht mächtig sind. Der Kopenhagener Deutsche Hülfs- verein beklagt nun besonders, daß mittellose Zuwanderer aus Deutschland es bisweilen dennoch verschmähen, das vom Verein gebotene Geld zur Rückreise anzunehmen und lieber ihren Landsleuten zur Last fallen, ohne daß ihnen dieser Versuch, sich durchzuschleppen, bessere Aus« sichten eröffnen kann. So gesellen sich diese Elemente denjenigen zu, die Deutschland verließen, weil sie dort etwas auf dem Kerbholz hatten. Wie zahlreich auch sie augenblicklich sein müssen, beweist die dänische Ge­fangenenstatistik. Zehn vom Hundert aller Insassen der Gefängnisse seien Ausländer, und hierunter über­wägen die Deutschen. Jedenfalls verdient die Ab­mahnung, sich aufs Geradewohl mit geringen Mitteln nach Dänemark zu begeben, um dort Arbeit zu suchen, weiteste Verbreitung.

Ausland.

.Der LenkballonLa Röpublique", der Samstag früh 7/a Uhr mit vier Personen aufstieg, um nach Meudon zurückzukehren, ist zwischen Trevol und Ville- neuve, acht Kilometer nördlich von Moulins (Departe­ment Allier), geplatzt und aus einer Höhe von hundert Metern herabgestürzt. Die Gondel fiel auf die Straße. Alle Insassen sind tot.

Die polnischen Wirtschaftsgenossenschaften in Galizien, deren Entstehung in das Jahr 1899 fällt, sind in überwiegender Mehrheit dem Raiffeisensystem nachgebildet. Ihre Zahl beträgt gegenwärtig 880. Nach dem Jahresbericht für 1908 betrug die Zahl der Genossenschaften 818 und die der Mitglieder 163915. Auch in Galizien tritt dieselbe Erscheinung wie bei uns zutage, daß die Genossenschaften größtenteils unter der Leitung von Geistlichen stehen; denn in diesen 818 Genossenschaften nehmen 651 Geistliche leitende Stellungen ein, denen noch 212 Lehrer als Kassierer

-

Holdsteöer.

Roman von Lothar Mehnert. 17

Eine kleine Abwechslung würde Dir gut tun, lieber Freund. Du hältst Dich zu viel in Deinem Bureau auf. Frische Luft..."

Erschrocken bricht Romano ab;benn Helborne ist mit zusammengezogenenBrauenzornigaufgesprungen.Küm- mereDich um Deine Pferdeund nicht um mich!" herrschte er ihn an.Ich weiß selbst, was mir gut tut!"

Nicht so heftig, Helborne!" erwiderte Romano ru­hig.Ich halte es für meine Pflicht als Freund, Dich darauf aufmerksam zu machen. Du hast Dich sehr verän­dert. Ändere finden das auch!"

Andere sollten sich um ihre eigenen Geschäfte küm­mern und nicht um meine. Ich brauche keine sogenann­ten guten Ratschläge. Verstanden?"

Kopfschüttelnd verläßt ihn Romano. So heftig wie heute hat er den Bankier noch nie gesehen.

Am Abend besucht Romano die Marchesa Brandissi und erwähnt dabei die zunehmende Nervosität seines Freundes.

Auch Angelika hat dieselbe Beobachtung gemacht, und mit dem guten Frauen innewohnenden Mitleid mit Kran­ken und Schwachen grübelt sie darüber nach, was wohl die Ursache dieser ungünstigen Veränderung sein könne.

Sie verhehlt sich nicht, daß sie William Helbornes Antrag schon lange erwartete. Und obgleich sie weiß, daß ihre Empfindungen für den Bankier durchaus keine lei­denschaftlichen sind, hat sie sich doch vorgenommen, ihm ihr Jawort zu geben. Sie schätzt ihn- sie sieht, er ist nicht glücklich, und denkt, es sei ihretwegen; sie hofft, mit einem Teile seines großen Reichtums viel Gutes schaffen zu können, ihn selbst für höhere Bestrebungen zu ge­winnen: Gründe, welche zu seinen Gunsten sprechen. Und warum sollte sie nicht seine Frau werden? Paßt er, der

ernste, welterfahrene Mann, nicht besser zu ihr, als ir­gend ein anderer?

*

William Helborne selbst merkt, daß etwas in ihm vorgeht. Er fühlt auch, daß er ein anderes Wesen braucht, dessen seelisches Gleichgewicht seinem durch das Gold­fieber krankhaft erhitzten und überreiztem Nervensystem die Wage hält.

Wieder sagt er sich:Heute oder nie!" bestellt seine Karosse, wirft sich in Frack und Zylinder und fährt zum Palazzo Brandissi.

Ohne Umschweife bittet er Angelika um eine Unter­redung. In beredten Worten, hie und da voll Empfin­dung und jugendlichem Feuer, bittet er um ihre Hand. Er habe sich lange zurückgehalten, weil er fürchtete, An­gelika liebe ihn nicht. Diese Zweifel hätten ihn ganz nervös und krank gemacht. Inmitten seiner Reichtümer sei er doch ein einsamer Mann; es verlange ihn nach einem Wesen, welches ihm helfe, die Bürde des Goldes, die ihn manchmal fast erdrücke, zu tragen. Und dieses Wesen könne nur sie fein, sie, Angelika Brandissi, die Frau, die er liebt.

Immer leidenschaftlicher fließen die Worte von den Lippen des erregten Mannes. Er glaubt in diesem Au­genblicke wirklich, das Mädchen, das da so stolz, so jung­fräulich erhaben vor ihm steht, sei ihm zu seinem Glücke notwendig. Ungestüm ergreift er ihre Hände und blickt ihr in die Augen.

Und sie entzieht ihm ihre Hände nicht. Auch sie ist in diesem Augenblicke überzeugt, daß er der Mann ist, dem sie zugetan ist, den sie binnen kurzem von ganzem Herzen lieben wird.

Er bemerkt den weichen Ausdruck in ihren Zügen, das anmutvolle Lächeln um ihre feinen Lippen.

Angelika! Du willigst ein ?" ruft er fastjubelnd.

Sie neigt das stolze Haupt.

Du willst meine Frau werden?"

Ja, ich will Ihre Frau werden."

Angelika!" Er beugt sich über sie und küßt sie auf den Mund. Und sie wehrt ihm nicht.

Noch einmal feiert William Helbornes unbeugsamer Wille einen Triumph, den größten vielleicht feines gan­zen Lebens: das gesiebte Wesen ordnet sich ihm unter.

Als Romano am nächsten Morgen das Bureau be­tritt, um dem Bankier Bericht zu erstatten, findet er die Vorgänge nicht wie sonst zugezogen. Weit stehen die Fen­ster offen, frische Luft und heller Sonnenschein strömen erfrischend herein.

GutenMorgen.Perasini!" ruftHelborne dem Freunde auffallend heiter entgegen.Siehst mich im vollsten Glücke schwimmen. Wünsche mir Glück! Ich habe mich gestern verlobt."

Einen Augenblick ist es Romano, als greife eine kalte Faust nach seinem Herzen.Verlobt..?" wiederholte er leise.Mit..."

Mit Angelika Brandissi natürlich."

Natürlich . . natürlich! Meinen herzlichsten Glück- wünsch!"

DerBerichtüberdenRennstallunterbleibtheute. Beide Herren sind nicht in der Stimmung, sich über Pferde zu unterhalten.

Als Romanolangsam seinerWohnung vor dem Tore zuschreltet, ist ihm wunderlich ums Herz. Zum ersten Male ist ihm klar geworden, daß er Angelika liebt, und zwar mit der ganzen Glut, der Leidenschaft und dem Un- gestümseinesheißenHerzens,unddiesesBewußtsein kommt ihm gerade in dem Augenblicke, da er erfährt, daß sie für immerfürihnverloren.daßsiedieBrautseinesFreundesist.

Arme Gerda! Jetzt erst weiß Romano, was Liebe ist. Seine Zuneigung zu dem Burenmädchen erbleicht wie das matte Licht des Mondes vor der glühenden, blen­denden Sonne. Er fühlt, daß er, ohne es zu wissen, schon seit lange nur dieser einzigen gedenkt, die seinem Dasein einen neuen Zweck gegeben und deren Umgang alles Gute, das in ihm schlummerte, geweckt hat. 161,18

k