Einzelbild herunterladen
 

IchWernerMung

mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

________________________Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 103.

Samstag, den 25. Dezember 1909

60. Jahrgang.

Die im 61. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreitendste Zeitung im Kreise Schlächtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.

TT-nl-niili'nnnlmTt n daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der I i H kMe dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen iJllini III llllllllllll Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Dezbr. unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, UUIU1 d^ ihnen unsere Zeitung vom 1. Januar ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß

w eine

nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. Januar 1910 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Ium Christfeste.

Nun senkt auf leisen Engelsschwingen Sich nieder die geweihte Nacht, Und Friedensworte hör' ich klingen, Und Lust und Freude sind erwacht.

Das Herz, umgrämt von Alltagssorgen, Stimmt froh in solche Klänge ein; Es weiß: Ein rechter Weihnachtsmorgen

Muß auch ein Fest der Freude sein.

Und ob des Kummers lichte Zähre

Dem Armen von der Wange rinnt

Daß es die Leidensnacht verkläre, Erschien des Höchsten Weihnachtskind.'

Es scheucht hinweg die trüben Sorgen Und läßt den Weihnachtsstrahl herein Fürwahr: Ein rechter Weihnachtsmorgen Muß auch ein Fest des Lichtes sein.

O ew'ge Liebe, einst geboren

In Armut und in Niedrigkeit,

Du suchst, was irrend und verloren, Und wandelst es in Herrlichkeit!

Kein Hüttlein bleibt vor dir verborgen, Nicht »»gehört die stumme Pein Du lehrst: Ein rechter Weihnachtsmorgen

Muß auch ein Fest der Liebe sein.

So kehre denn in trauter Stille

Auch heute wieder bei uns ein

Und spende deiner Gaben Fülle Bei Tannenduft und Kerzenschein!

In deinem Schoße trägst verborgen Ein Kleinod du für groß und klein Wir ahnen's wohl: Ein Weihnachtsmorgen Muß auch ein Fest des Segens sein.

___Richard von Felsenegg.

Zum Weihnachtsseste.

Weihnachten ist der Kinder liebstes Fest! Ihre blitzenden Augen, ihre roten Wangen, ihre Lebendigkeit

und Fröhligkeit dürfen im Weihnachtsbilde nicht fehlen. Ja, viele Erwachsene halten Weihnachten geradezu für das Fest der Kinder, und die Kinder selbst tun es sicher. Der geheimnisvolle Hintergrund der Weihnachts­geschichte, das Kind in der Krippe, die Hirten auf dem Felde, die Weisen aus dem Morgenlande vermischt sich ihnen mit den Erinnerungen voriger Jahre: an den lichtergeschmückten Tannenbaum mit dem köstlichen Waldduft und Harzgeruch, an die Lebkuchen und Spiel­sachen immer höher steigt die Erwartung, bis sie wieder herrliche, mit Jubel begrüßte Wirklichkeit ge­worden ist. Und auch die Erwachsenen werden am Christfeste wieder zu Kindern: Weihnachtsfeiern längst vergangener Jahren steigen vor ihrem Geist auf, und der Glanz der Kinderaugen läßt auch die ihrigen hell aufleuchten. Unter dem Christbaume schwinden die Altersunterschiede dahin, da wird die ganze Familie zu einer Schar fröhlicher Kinder! Die ganze Familie ge» hört zu Weihnachten zusammen; denn es ist ja ein rechtes Familienfest, auch der Familie im weiteren und weitesten Sinne, der Bürgerschaft, der Familie unseres Volkes, ja, aller christlichen Völker. ^Friede auf Erden! Es geht die Ahnung eines allgemeinen und ewigen Friedens durch die Welt am heiligen Weihnachtsfest. Als Brüder scharen sich die Christen aller Bekenntnisse um das Kind in der Krippe, das die Welt erneuern, die Menschen selig machen will, und singen frohlockend: Christ, der Retter ist da! Da tun freilich viele nicht mehr mit. Und doch ist die Weihnachtsbotschaft so wunder­bar, so lieblich und tröstlich! Was findet sich da alles zu­sammen: Engel, Menschen und Tiere, die alte Davidsstadt und das blanke Feld, der mächtige König David, der 1000 Jahre vorher gelebt hatte, und sein schlichter Nach­komme, der Zimmermann Joseph, die Hirten und die Weisen; der Himmel neigt sich zur Erde, Gott wird Mensch. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Diese Verkündigung ist so erhaben und

gewaltig, daß auch diejenigen, die sie nicht glauben zu können meinen, unter ihrem Schall ernst und nach­denklich werden müssen. Durch diese Botschaft wird das Weihnachtsfest zum Feste der göttlichen Liebe. Das Jesuskind in der Krippe ist die erschienene Gottesliebe und liegt doch so menschlich, so schlicht, so ohne Prunk und Pracht im Schoße seiner lieblichen Mutter.Euch ist heute der Heiland geboren", sagte der Engel. Wir hören mit den Hirten die frohe Botschaft und treten mit ihnen in den Stall zu Bethlehem. Wir haben einen Heiland, Gott hat uns seinen Sohn geschenkt, daß wir durch ihn selig werden sollen.

Deutsche-Reich.

Der Kronprinz und die Kronprinzessin werden am 8. Januar zu einem dreitägigen Jagdbesuch deS Fürsten von Pleß auf Schloß Fürstenstein eintreffen. Am 11. Januar erfolgt Weiterreise nach Oels.

Die Pariser Akademie der Wissenschaften verlieh dem Grafen Zeppelin und anderen hervorragenden Aviatikern die Goldene Medaille.

Eine Niederlage der Sozialdemokratie bedeuten die Stadtverordneten-Stichwahlen in Potsdam. Während ^eGenossen" nur 729 Stimmen aufbrachten, erhielten die Kandidaten der vereinigten bürgerlichen Parteien 1157 bis 1178 Stimmen.

Bekanntlich ist seit etwa zwei Jahren Legitimations­zwang für ausländische Arbeiter, die im Jnlande Arbeit suchen, eingeführt worden. Dadurch wurde eine genaue Kontrolle über den Verbleib und die Arbeitsstelle der Ausländer ermöglicht und gleichzeitig dem Kontraktbruch vorgebeugt. Ueber die Wirkung des Legitimationszwanges sind nun seitens der Regierungspräsidenten Berichte eingegangen, die unbedingt zugunsten der Maßnahme sprechen. Es wird im allgemeinen anerkannt, daß der Legitimationszwang eine gute Wirkung gehabt hat, wenn es auch nicht möglich war, daß alle Klagen der Arbeitgeber über das Verhalten der ausländischen Arbeiter beseitigt werden konnten.

Hotdfieöer.

Roman von Lothar Mehnert.

49

Pah! Einsperren!" höhnt Helborne, aber seine Zähne klappern dabei wie im Fieber.Einen Mann in meiner Stellung und von meinem Reichtum sperrt man nicht ein!"

Romano tritt einen Schritt zurück. O, wie er den kaltlächelnden Schurken da vor ihm verachtet.

Die Erregung der beiden Männer ist so groß, daß keiner von ihnen vorhin bemerkt hat, wie die Türsich öffnet und Angelika über die Schwelle tritt.

Bei Romanos furchtbarer Anklage war sie entsetzt, wie gebannt stehen geblieben. Was wird ihr Mann ant­worten ? Um Himmels willen, was? Mit verzehrender Angst hängen ihre Blicke an feinen Lippen. Da, großer Gott, er weist die Anklagenicht zurück. Seine höhnischen Worte bekräftigen dieselbe sogar noch.

Einen Augenblick ist der armen Frau, als schwänden

ihr die Sinne. Ihr Mann nicht nur ein Betrüger, sondern auch ein Mörder? Ein einen alten, hilflosen Greis niederschlug, weil er um sein

)er, ein ch, der

Verbrechen wußte?

Mein Gott, mein Gott! Nur nicht länger unfrei­williger Zeuge dieser schrecklichen Unterhaltung sein. Laut­los, wie sie gekommen, zieht Angelika sich wieder zu­rück.

Der Zorn in Romano ist inzwischen zur Hellen Flamme emporgelodert. Er kann nicht mehr an sich halten.Suche nicht, Dich hinter Hohn zu verstecken!" ruft er leiden­schaftlich.Ich weiß alles. Auch, wie Du zu Deinem Vermögen gekommen bist!"

Ich borgte neuntausend Pfund Sterling von Dir," fällt Helborne ein mit einem letzten Versuch, die Sache leicht zu nehmen.Du erhieltest sie zurück. Was wei­ter?"

«Was weiter? Hättest Du sie nur von

wollen, mit Freuden hätte ich sie Dir geliehen. Aber Du fälschtest meinen Scheck und setztest fremdes Geld, mein Geld, aufs Spiel. Das ist gemein; das ist ein Verbrechen! Und der arme, ehrliche Charles, der einzige, der darum wußte, der Dich sieben Jahre lang schonte: er mußte diese Kenntnis Deiner Schande mit dem Leben büßen!"

Bist Du jetzt fertig?"

William Helborne ist aufgesprungen. Mitzornglü- henden Augen steht er vor dem mitleidlosen Ankläger.

Ja.

Dann bitte ich Dich, mein Haus zu verlassen. Mit unserer Freundschaft ist es aus."

Wir waren niemals Freunde. Ein Freund betrügt den andern nicht."

Pah! Schwärmerische Redensarten!"

Nenne es, wie Du willst! Nur eines noch: Char­les van Niessen machte Deiner Frau von Deinem Ver­gehen Mitteilung. Hat sie ihm geglaubt? Um ihrer Ruhe willen hoffe ich, nein."

Die Ruhe meiner Frau geht Dich gar nichts an. Ich verbitte mir derartige Bemerkungen."

Die hochmütige Kälte des Bankiers, den er so tief verachtet, reizt den heißblütigen Italiener aufs äußerste. Nur nicht so stolz!" ruft er mit bei ihm ungewohnter Schärfe.Wenn Deine Frau Deinen wahren Charakter gekannt hätte, würde sie Dich niemals zum Manne ge­nommen haben!"

Und das wäre Dir jedenfalls nicht unangenehm ge= wesen," höhnte der andere.

Romano zuckt zusammen.

Aha, Du schweigst!" fährtHelborne spöttisch lachend fort.Ja, ja, ich treffe stets den Nagel auf den Kopf. Gute Nacht!"

Und ohne Romano noch eines Blickes zu würdigen, geht er ins Nebenzimmer.

-röteten Wangen verläßt Romano fällt dieTüre hinter ihm inS Schloß.

Gleich darauf rollt auch der Wagen dieses letzten ver­späteten Gastes zum Park hinaus.

*

Angelika hat inzwischen in ihrem Gemach eine bange Viertelstunde verlebt. Immer wieder lauscht sie hinab, als fürchtete sie, dort unten im Arbeitszimmer ihres Man­nes könne irgend etwas Ungewöhnliches vorgehen.

Jetzt hört sie heftige Reden, die Türe wird zugeschla­gen . . jetzt rollt ein Wagen fort.. dann tönen die star­ken Schritte ihres Mannes die Treppe herauf.. er öff­net die Tür zu seinem Schlafzimmer, der Riegel wird vorgeschoben . . Dann ist alles ruhig.

Angelika erträgt die Ungewißheit nicht länger. Sie klopft an die Tür des Schlafzimmers. Mit einem Ruck wird drinnen der Riegel zurückgeschoben. Sie tritt ein.

In ihrer geraden offenen Weife sagt sie frei heraus, was sie soeben drunten im Arbeitszimmer, ohne eS zu wollen, gehört und fragt, was der heftige Wortwechsel bedeute.

Daß ich mit Perasini nichts mehr zu tun haben will," lautet die schroffe Entgegnung.

Aber Du wiesest ja seine Anklagen nicht zurück, Wil-

Weil ich es unter meiner Würde hielt."

Sie schweigt einen Augenblick. Dann fragt sie lang­sam mit Nachdruck:Trafst Du in jener Nacht, als Du so spät mit dem Automobil hierankamst, den alten Nies­sen auf der Landstraße?"

Ja. Wozu die Frage?"

Hattest Du einen Wortwechsel mit ihm?"

Und Du schlugst ihn zu Boden?"

Er hatte mich bei Dir verklatscht."

Gleichviel. Einen alten, gebrechlichen Mann zu Bo­den schlagen, ist eine Feigheit."

Totenblässe überzieht sein Gesicht.Hüte DeineZunge, Angelika," preßte er zwischen den Zähnen hervor.Ich bin kein Feigling." ^" ^ _ ^^/^ 161,18