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mit amtlichem Rreisblalt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
__________________ Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Samstag, den 1. Januar 1910
Fortwährend
werden Bestellungen auf die Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.
finden in der Schlüchterner Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Anflage der im Kreise Schlächtern erscheinenden Zeitungen besitzt.
Neujahrsgruß.
Ein neues Jahr! — Mit lautem Singen Begrüßen wir den ersten Tag,
Und in den Liedern, die erklingen, Hallt noch die Weihnachtsglocke nach.
Beim Lichterbaum, bei Stall und Krippe, Da standen wir, das Herz voll Licht.
Davon spricht jubelnd noch die Lippe;' Denn Christfest, das vergißt man nicht!
Ein neues Jahr! — Was wird es bringen?
Viel Lust und Scherz? Der Freuden viel?
Zu tapferm Streben gut Gelingen?
Ein Vorwärtsschreiten hin zum Ziel?
Viel echte traute Freundschaftsstunden
Und frohes Wandern Hand in Hand
Mit solchen, die wir treu erfunden,
Manch neues schönes Liebesband?
Ein neues Jahr! — Was wird's verlangen?
-—Was fordert es von unsrer Kraft?
Durchzittert uns ein leises Bangen,
Gedenken wir, wie leicht erschlafft
Wir standen, wenn im stolzen Wagen
Wir großer Dinge uns erkühnt
Uud mit Enttäuschung bald und Zagen
Die Ueberhebung still gesühnt?
Ein neues Jahr! — Mit ernstem Denken
Begrüßen wir den ersten Tag.
Der Herr der Tage wolle schenken,
Was alles uns bisher gebrach!
Er möge geben und verlangen,
Was gut ihm dünkt zu unserm Heil;
Wenn wir nur ihm am Herzen hangen, Ist lauter Segen unser Teil. Ad. Grundier.
choldsteöer.
Roman von Lothar Mehnert. 51
, Ihm ist, als fühle er sich sicherer in dem Häuserge- wirr der ewigen Stadt, jetzt da nicht mehr das große einsame Schweigen der Eampagna ihn umfängt. Unbemerkt tritt er in seinen Palast. Ungesehen hastet er die breite, dunkle Marmortreppe hinauf, schlüpft er in sein Privatbureau.
vor Erreg Eisentür h
Er läßt sich keine Zeit, das elektrische Licht aufzu- drehen! Zwischen den goldfarbenen Seidenvorhängen leuchtet der matte Schein des Mondes herein. Zitternd vor Erregung öffnet er die Schatzkammer und zieht die hinter sich zu.
Ein tiefer Seufzer der Erleichterung hebt seine Brust. Allein, allein mit seinem Gold. Kein Geschwirr von Stimmen um ihn her, keine vorwurfsvollen Blicke, keine Anklagen.
In nervöser Hast dreht er die elektrische Lampe auf. Dann öffnet er Kasten auf Kasten, holt mit übervollen Händen den glitzernden Inhalt heraus und schüttet ihn auf das grüne Tuch des Tisches...
Höher und höher schwillt der rotleuchtende Berg an .. und mit pochenden Schläfen steht ervorseinem Götzen. , „Dämon Gold, dem Sie Ihre Seele verkauften, wird Ihr ^Verderben werden!" Sagte nicht so der verrückte
Pah, mag es sein! Ist dieser Anblick nicht herrlich, wunderbar, nervenstärkend? Ist das nicht hundertmal mehr wert als Liebe, Freundschaft, ruhiges Gewissen, Ehre?...
Helborne sinkt nieder auf den Stuhl vor dem aufge- stapesten Goldberge. Mit einer Art Verzückung bohren sich seine Blicke in die funkelnden Massen, feine Schläfen pochen. Dunkle Punkte beginnen vor seinen Augen zu tanzen. In seinen Ohren saust und braust es wie fernes Wasserrauschen. ......... _ . .
Zum Neujahrstage.
Ein neues Jahr! Was das vergangene Jahr dem deutschen Lande nach außen und innen gebracht hat, wissen wir alle. Vor allem dürfen wir uns freuen, daß uns der edle Friede, die Grundbedingung aller Völkerwohlfahrt, auch im vergangenen Jahr erhalten geblieben ist. Die Kriegsgefahr war da, aber eine friedfertige Diplomatie hat die Kriegswolken zerstreut. Jeder weiß auch, was ihm persönlich das alte Jahr gebracht hat. Dem einen Freud, dem andern Leid, den meisten beides, So mancher Wunsch ist nicht in Erfüllung gegangen, manch unverhofftes Leid ist gekommen, aber auch manch unverhofftes Glück. So mancher unserer Lieben sank in das Grab. Wir aber, die wir das neue Jahr erleben durften, haben allen Grund, unserm Gott chankbar zu sein. Es ist Gottes Gnade, daß wir noch leben. Und wir schauen heute vorwärts. Die Hoffnung trägt uns weiter. Nicht hoffnungslos wollen wir in die Zukunft blicken, auch wenn wir in einer sorgenvollen, bösen Zeit stehen, das hieße sich selber der Kraft berauben, die wir für die Aufgaben des neuen Jahres brauchen. Noch lebt der alte Gott im Himmel, der wirkliche lebendige Gott. Er ist kein bloßes Gedankending, an das nur Kinder und Toren glauben, den aber kluge Leute leugnen müssen. E> ist auch nicht der Gott der modernen Weltanschauung, der weiter nichts ist als die wirkende Nalurkraft oder die Summe der Naturgesetze. Er ist auch kein welt- abgewandter Herrscher, der in seinem Himmelspalast thront und sich nicht um seine Menschenkinder kümmert. Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Es ist der Herr, der ".ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat und heute noch in seiner Allmacht, Weisheit und Liebe regiert. Der nicht müde und matt wird, dessen Weisheit unerforschlich ist, der Mittel und Wege weiß, eine Sache herrlich hinauszuführen, wo wir Menschen mit unserer Weisheit und Kunst zu Ende sind. Er ist allen nahe, die auf ihn bauen; er gibt den Müden Kraft, und Stärke genug den Unvermögenden. Er wird auch weiter unsere Füße uns stärken, wie er es bisher getan; er wird uns nicht verlassen, wie er uns bisher mit Rat und Kraft beigestanden hat. Darum mit Gott weiter! Er wird uns sicher führen und selig vollenden lassen.
Weit breitet er die Arme aus. Sein Kopf neigt sich herab. Wie geistesabwesend murmelt er:
Gold, Gold, klar und rot, Leuchtend, gleißend, hart und ...
* *
Am nächsten Vormittag wird der Bankier nicht in seinem Bureau sichtbar., auch nicht auf der Börse, auch nicht in der Nationalbank, mit der er sonst täglich Geschäfte hat.
Man lächelt und meint gutmütig: „Er wird in Fras- cati sein und sich in seiner Villa bei seiner schönen Frau von den Aufregungen des Wettrennens erholen!"
_ Aber auch der nächste Tag vergeht. . und der übernächste. Von William Helborne keine Spur!
Jetzt beginnt man unruhig zu werden. Ist er krank? Oder verreist?
Seine Anwesenheit im Bureau wird immer notwendiger. Verschiedene Unternehmungen, in die er andere Geschäftsleute mit hineingezogen, scheinen fehlzuschlagen .. Wenn er da wäre, würde man wieder Vertrauen gewinnen. Auch stehen ihm derartige Geldmittel zur Verfügung, daß er jede Scharte rasch auswetzen kann. Sein erster Bankbeamter entschließt sich endlich am dritten Tage, nach Frascati hinauszufahren, um den Chef auf die unbedingte Notwendigkeit seiner Anwesenheit in Rom aufmerksam zu machen.
Frau Helborne empfängt ihn aufs höchste überrascht und beunruhigt. Auch sie hat den Gatten seit jenem Festabend nicht gesehen; sie wähnteihn in Rom, in Geschäfte vertieft.
Die allgemeine Bestürzung wächst. Einige Stinimen gegen ihn werden laut.
„Hat sich vielleicht in faule Spekulationen eingelassen und sich beizeiten verduftet. Sein ungeheures Glück hatte stets etwas Unheimliches."
Auch Angelikas Unruhe nimmt zu. Wäre es möglich, daß ihr Gatte eine längere Reise angetreten hätte, ohne sie davon zu benachrichtigen?
61. Jahrgang.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser hat mit seiner Vertretung bei den Beisetzungsfeierlichkeiten des Großfürsten Michael in Petersburg den Prinzen Friedrich Leopold. beauftragt.
— Der Kronprinz ist am Montag abend über München nach Tegernsee abgereist, um dort an der Gruft des Herzogs Karl Theodor einen Kranz niederzulegen. Nach kurzem Besuch bei der Herzoginwitwe wird der Kronprinz wieder nach Berlin zurückkehren.
— Die Antwort Pius X. auf das Glückwunschschreiben des Kaisers Wilhelm H. zum 25jährigen Bischofsjubiläum O)es Papstes hat nach dem „Corriere d'Jtalia" in Uebersetzung folgenden Wortlaut: „Die Gefühle und Wünsche, die Ew. Majestät die Gewogenheit hatten, mir gelegentlich des 25. Jahrestages meiner Bischofsweihe zukommen zu lassen, haben mich sehr gerührt. Ich drücke Ew. Majestät meine tiefste Dankbarkeit hierfür, wie für die Sympathie aus, von der Sie mir einen neuen und so wertvollen Beweis geben. Als Entgelt hierfür flehe ich zu Gott, er möge reichlichen Segen auf die Person Ew. Majestät, auf die Kaiserliche Familie, auf den Staat und die Untertanen ausbreiten und hauptsächlich bitte ich ihn, er wolle Ew. Majestät noch lange Zeit zum Wohle der Untergebenen und des Deutschen Reiches erhalten".
Daß Theorie und Praxis in der Sozialdemo- kratie grundverschiedene Dinge sind, zeigt wieder folgender Vorfall. Im Gewerkschaftshause in Kiel, das durchweg von organisierten Arbeitern besucht wird, legten von den vier Kellnern drei die Arbeit nieder, weil sie mit dem vierten nicht mehr zusammenarbeiten wollten. Die Leitung des Gewerkschaftshauses tat daraufhin das, was sie der Kieler Kommune beim Streik der städtischen Arbeiter zu so schwerem Vorwurf gerecht hatte: sie stellte „Arbeitswillige" ein. — Das Charakteristische des Falles ist eine gewohnte Er« scheinung. Die Sozialdemokratie hat als Arbeitgeberin für die Gründsätze, die sie als politische Partei predigt, nicht viel übrig.
— Ein widerspenstiger „Genosse" sitzt im Bremer Stadtparlament in der Person des Redakteurs der sozialdemokratischen „Bürgerzeitung" Henke. Dieser „Genosse" hat sich während der Sitzungen nicht sehr angenehm betragen. Um Ordnungsrufe des Präsidenten kümmerte er sich nicht und machte spöttische Gegenbemerkungen, so daß der Präsident Henke gegenüber völlig machtlos war. Nunmehr ist dem Stadtparlament
In ihrer Sorge um den Verschwundenen überwin- det sie die Scheu, nach all dem Vorgefallenen Romano wieder gegenüber zu treten. Als er sich am dritten Tage bei ihr melden läßt, empfängt sie ihn freundschaftlich wie ehedem.
„Helfen Sie! Raten Sie, was zu tun ist, Herr Pe- rasini!" bittet sie leise, während Tränen ihre schönen Augen verdunkeln. „Ich habe keine Ahnung, wo er sein kann. Es wird ihm doch kein Unglück zugestoßen sein?"
Schweigend zuckt Romano mit den Achseln. Er ge» denkt seiner heftigen Auseinandersetzung mitHelborne, der Aufregung, welche jener Tag für ihn gebracht, der Gewissensbisse, die er ob des plötzlichen Todes des alten Niessen empfinden mußte, wenn sein Herz auch noch so hart und verstockt war. Unwillkürlich wiederholter bei sich Angelikas Worte: „Wenn ihm nur kein Unglück zugestoßen ist!"
Und plötzlich leuchtet ein Gedanke in ihm auf: „Gnädige Frau ..." beginnt er schaudernd. „Haben Sie schon von der geheimen Kammer gehört, worin Ihr Herr Gemahl seine wichtigen Papiere aufbewahrt?"
„Nein, was ist damit?"
„Ich möchte.. hm, es wäre vielleicht gut, wenn in derselben nachgesucht würde."
„So lassen Sie nachsuchen! Heute noch; sogleich!"
„Ja, gnädige Frau. Aber wird jemand die Kammer, öffnen können?"
Jetzt hat Angelika keine Ruhe mehr. Sofort läßt sie anspannen und fährt mit Romano hinunter nach Rom.
Das ganze Privatbureau des Millionärs wird aufs sorgfältigste untersucht. Man findet auch schließlich den versteckten Knopf, durch welchen ein Teil der Wand beiseite geschoben wird. Aber man ist darum nicht klüger geworden. Die schmale Eisentüre hat kein Schloß. Verschiedene Kunstschlosser werden vergeblich herangezogen. Auch die größte Geschicklichkeit vermag das verborgene Schloß nicht zu entdecken. _ 161,19