mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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M 10.
Mittwoch, den 2. Febmar 1910
61. Jahrgang.
Amtliches.
J.°Nr. 600 K.°A. Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises, welche noch mit Erledigung der Kreisblatt-Verfügung vom 13. Januar 1910 J.-Nr. 189 K.-A., betreffend Anzeige des Be» standes an deckfähigen Ziegen und an Böcken, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist von 5 Tagen erinnert.
Schlüchtern, den 28. Januar 1910.
Der Landrat: Valentiner.
3< 603 K.-A. ’
Bekanntmachung
Der Metzger Nikolaus Ochs in Hütten beabsichtigt auf seinem in der Gemarkung Hütten gelegenen Grundstück Kartenblatt I< Parzelle N. 113 ein Schlachthaus zu errichten.
Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenntnis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzu» bringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht
Sonnabend,den 26Lebruar d.^.
vormittags ll Uhr
vor dem Unterzeichneten an. Im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden wird gleichwohl mit Erörterung des Unternehmens bezw. der Einwendungen vorgegangen werden.
Zeichnungen und Beschreibungen der Anlage können während der Dienststunden im Bureau des Kreisausschusses eingesehen werden.
Schlüchtern, den 28. Januar 1910.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.
J-Nr^ 607. K.-A. Diejenigen Herren Bürger» meiste, der Landgemeinden, welche noch mit Erledigung der Kreisblatwerfügung vom 23. Dezember 1909 — J.-Nr. 6986 K.-A. — betreffend Anzeige, ob die Offenlegung der Wählerliste für die Wahlen zur Ergänzung der Gemeindevertretung erfolgt ist, werden hieran mit Frist von 8 Tagen erinnert.
Schlüchtern, den 29. Januar 1910.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.
Englisches Wahlrecht und preußische Mahlreform.
Die gegenwärtig in England stattfindenden Neuwahlen zum Unterhause lenken in erhöhtem Maße die Aufmerksamkeit auf das Recht, nach dem sich die Wahlen in diesem Mutterlande des Parlamentarismus vollziehen. Es ist durchaus nicht das allgemeine und gleiche Wahlrecht des Deutschen Reiches, sondern hat sich aus enger Verbindung mit dem Grundbesitze in der Weise entwickelt, daß auch heute noch eine gewisse Seß haftigkeit Voraussetzung für die Ausübung des aktiven Wahlrechtes ist. Wahlberechtigt sind die Besitzer von Grundstücken, die einen jährlichen Ertrag von 10 Pfund (200 Mk.) abwerfen und sich zwölf Monate vor der Einregistrierung im Besitz der betreffenden Wähler befunden haben; ferner diejenigen ein auf Armensteuer eingeschätztes Wohnhaus oder einen Teil eines solchen bewohnten Personen, die zwölf Monate vor dem 15. Juli des betreffenden Jahres Inhaber der Wohnhäuser oder der Wohnung gewesen sind; dann der Mieter einer Wohnung im jährlichen Werte von 10 Pfund, der sie seit einem bestimmten Zeitpunkt inne hat. Unter gewissen Voraussetzungen für die Besitzerlangung sind ferner Grundeigentümer schon in dem Falle wahlberechtigt, wenn der Reinertrag ihres Eigentums nur 40 Schilling im Jahre beträgt; endlich geniesen noch die Graduierten an den Universitäten ein besonderes Stimmrecht.
Hiermit sind also erhebliche Einschränkungen der Allgemeinheit des Wahlrechts ausgesprochen, indem diejenigen Elemente der Bevölkerung, die häufig ihren Wohnsitz wechseln und nicht über einen, wenn auch be- fch->idenen Besitzstand verfügen, davon ausgeschlossen sind; in erster Linie trifft das natürlich die nicht seßhafte Arbeiterbevölkerung. Aber auch Gleichheit des Wahlrechts ist in England nicht vorhanden; denn es ist leicht möglich, daß ein Wähler, der in mehr als einem einzelnen Parlamentswahlkreise Grundeigentumsqualifikation nachweisen kann oder einen akademischen Grad besitzt, verschiedene Wahlstimmen auf sich ver» einigt; in London geht die Wahlberechtigung eines in den verschiedenen Wahlkreisen der Metropole grund- sngesessenen Mannes sogar bis 31 Stimmen.
Bei alledem dark nicht vergessen werden, daß England die parlamentarisch am längsten geschulte Wählerschaft der Welt besitzt, deren Verständnis für die Staatsnotwendigkeiten dasjenige großer Teile unserer deutschen Wählerschaft durchschnittlich weit überragt. Um so be- merkenswerter ist, daß jenes bei uns so oft als Hort
freiheitlicher Staatseinrichtungen und als parlamentarisches Musterland gepriesene Reich den großen Massen keineswegs eine so allgemeine und gleiche Wahlberechtigung einräumt wie das Deutsche Reich, dessen Wahlrecht an Liberalismus von keinem Lande der Welt übertroffen wird. Je demokratischer aber das Reichswahlrecht ist, je mehr es die letzte Entscheidung den großen Massen überläßt, umso berechtigter ist das Verlangen, daß wenigstens in den Einzelstaaten, vor allem in Preußen, auch Bildung und Besitz in gebührender Abstufung des Wahlrechts zur Geltung kommen. Die Politiker, die bei uns für die bevorstehende Reform des preußischen Wahlrechts nach öder Gleichmacherei rufen, können sich von dem berühmten Mutterlande des Parlamentarius, von England eines Bessern belehren lassen.
Deutsches Reich.
— Der Reichstag verhandelte am Dienstag über den Nachtragsetat für Südwestafrika und erörterte dabei eingehend die bekannten Vorgänge in der Budgetkommission: die Lüderitzbuchter Depesche und die Diamantenfunde. Staatssekretär Dernburg ergriff das Wort zu einer fast einstündigen Rede. Er lehnte es ab, auf die Beschwerden aus Südwestafrika auch nur mit einem Wort einzugehen, weil das die Stellungnahme der Budgetkommission und des Reichstags nur abschwächen könnte. Er skizzierte dann die wirtschaftliche Entwicklung Südwestafrikas und führte die jüngste Haltung der Diamantinteressenten darauf zurück, daß den Leuten der Appetit beim Essen gekommen sei und daß sie auch ein Stück aus dem Kuchen haben möchten. Die Redner aller Parteien mit Ausnahme des Sozial, demokraten Ledebonr sprachen dem Staatssekretär ihr Vertrauen in seine Kolonialpolitik aus. — Am Mittwoch wurde zunächst der südwestafrikanische Nachtragsetat nach längerer Debatte genehmigt, in die Staatssekretär Dernburg nochmals eingriff. Er betonte erneut die Notwendigkeit des Ausbaues des südwest- afrikanischen Bahnnetzes durch den das ganze mittlere Gebiet wirtschaftlich erschlossen werden sollte. Von der Aufregung in Südwestafrika hofft er, daß sie vorübergehen w-rde. Den Weißen in Südwestafrika sollte möglichste Bewegungsfreiheit eingeräumt werden. Es folgte die zweite Beratung des Militäretats, der auch der Kronprinz beiwohnte. Wie alljährlich leitete Abg. Haeußler (Z.), Generalmajor zu Dienst die Debatte ein und sagte dasselbe wie jedes Jahr. Zum Schluß ergriff Kriegsminister von Heeringen das Wort. Er
^erkannt.
Roman von Lothar Palmer.
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„Ich werde Dich verfolgen und vernichten, wenn Du Dich von mir lossagst, keinMittel werde ich scheuen,Dich zu Grunde zu richten, und wenn ich auch mit zu Grunde gehe!" So hatte er einst gesagt, als sie gefleht und gebettelt: „Gib mich frei, Du bistnichtder, dem ich mein Wort gab, Du gehörst einer anderen und ich sehne mich nach Freiheit!" Sollte er die Macht haben, sie zu vernichten?
„Nein!" jubelte ihre Seele auf. „Ich rang mich los aus entehrenden Fesseln, ich war die Betrogene, nicht die Schuldige! Ein Kind, ein unerfahrenes Geschöpf konnte er einschüchtern, nicht mich!"
Und sie streicht die feuchten Locken aus der Stirn und trocknet die heißen Augen.
„Trude!" ruft sie, „nie wieder läßt Du diesen Menschen vor, und erzwingt er je den Eingang, so bleibe an meiner Seite. Ich fürchte mich vor Narren und Schurken ; in diesem Menschen steckt von beiden ein Teil."
Pfeifend war Franz Gottschall, aliasPaulSchönfuß, die Treppe hinuntergestiegen. Auf dem unteren Vorplatz stieß er mit Referendar Pöhland zusammen. Franz Gottschall zog tief den weichen Filzhut: „Verzeihung, Herr Referendar, aber wenn Sie zu Elfriede wollen .. vergebene Liebesmüh!"
Der Referendar lüftete leicht den Hut: „Ah, Sre sind es, Herr Gottschall? Was tausend, Sie verkehren bei der schönen Tragödin?" „ „ t „
Gottschall, der in einem Hause nahe dem Siegestor auf einem Flur mitPöhland wohnte, lächelte unverschämt und sagte: „Alte Bekanntschaft!"
„Nee, nee," sagte, mitdertzand abwinkend, Pöhland. „Ist sie wirklich nicht zu sprechen?"
„Geben Sie sich keine Mühe! Uebngens, unter uns gesagt, sie hat schon ihren Protektor!" - „
„Was Sie sagen? Oder., sind Sie am Ende eifersüchtig und wollen mir nur den Weg abschneiden?"
Gottschall lachte hell auf: „Auf Wort, sie hat ihren Beschützer."
„Wen denn?"
„Alle Tage soupiert er bei ihr; ein steifleinener Professor, der vielleicht sogar im stände wäre, eine Torheit zu begehen."
„Und der Mann heißt?"
Gottschall gab keine Antwort.
Sie traten auf die Straße: es regnete in Strömen, und Pöhland schlug Herrn Gottschall vor, in ein nahegelegenes Cafe zu gehen.
Der Buchhalter sah nach der Uhr; es blieben ihm noch gute zwanzig Minuten, und bald saßen die beiden an einem der kleinen Marmortische, schlürften ihren Kaffee, rauchten Pöhlands feine Zigarren und der Buchhalter gab Details aus der Vergangenheit Elfriede von Holt- Haus preis, die dem Herrn Referendar den heroischen Entschluß eingaben, für seine Person den Schwärm für dieTragödin nicht aufzugeben, aber seinen Freund, Baron Buschbeck, vor der blonden Schönheit zu warnen, die den seltsamen Eigensinn besaß, ihre Anbeter auf „ernste Absichten" mit dem Schlußkapitel „Ehe" zu prüfen. Er selber war zu klug und ließ sich nichtsangen.
Das Ergebnis dieser Cafehaussitzung war nun die Unterhaltung Baron Buschbecks und des Herrn Referendars nach dem Souper bei Stupka.
Sie saßen in dem kleinen, behaglich erwärmten Rauchsalon, den eine gelbverhangene Ampel in mattes Licht hüllte. Der Baron hatte noch eine Flasche Rheinwein servieren lassen, und schweigend horchte er auf den Redeschwall des Freundes, während er langsam im Schaukelstuhl auf und ab wippte. Als Pöhland mitseinen kleinen Bosheiten und Intimitäten zu Ende ist, fragt Buschbeck nur: „Woher wissen Sie denn das alles, Mensch, die Holthaus ist doch kaum vierzehn Tage hier?"
Pöhland dreht die Spitzen seines Bartes in die Höhe
und bläst langsam den Rauch seiner Manila durch die Nase; dann sagt er: „Eigentlich tut ja das „Woher" nichts zur Sache, aber es negt auch absolut kein Grund zum Verschweigen vor. Ich habe sogar das sehr zweifelhafte Vergnügen aushalten müssen, mit einem Menschen von wenig vertrauenerweckendem Benehmen und Wesen im Cafe Central den Verdauungstrunk einzunehmen, um Details zu erfahren."
„AberdaSwardochallesgar nichtnötig!"meinteBusch- beck blasiert. „Ich war entzückt vorn Spiel... und, sagen wir auch .. von der Erscheinung, aber so furchtbar wichtig war denn doch die Sache nicht!"
„Sie machten aber trotzdem sofort Ihren Besuch, lieber Baron."
„Gewiß, wie es eben auch andere taten."
Pöhland sieht auf, die Blicke der Freunde kreuzen sich. Nach einer kleinen Weile lacht der Referendar. „Das ist ja ganz prächtig, lieber Freund. DieHolthaus ist Ihnen, wie ich sehe, ziemlich gleichgültig, also stehen ja die Sachen sehr gut."
„Ist das der Dienst, den Sie mir erweisen wollen?"
Buschbeck hat bei dieser Frage die Zigarre beiseite gelegt und ist aufgestanden. Mit großen Schritten durch- mißt er das Zimmer, während Pöhland in leichtem Tone meint: „Seien Sie doch nicht so tragisch heute, lieber Baron. Ich wäre Ihnen nie mit meinen speziellen Wünschen in die Quere gekommen, aber da Sie die Sache so ganz leicht nehmen, darf ich Ihnen wohl sagen, daß auf mich die junge Künstlerin einen tieferen Eindruck machte, als auf Sie. Ich freue mich also, daß Sie kein Rivale sind."
„Sie wollen sich allen Ernstes verloben, Sie,derEhe- verspotter, sich in die verhaßten Fesseln schlagen lassen?"
Jetzt springt auch Pöhland auf, und ein lautes Lachen durchhallt den Raum: „Heiraten, eine Komödiantin, ein Weib, von dem ich nichts weiß, als daß sie schön ist und .. eine Vergangenheit hat?" . 164,18