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mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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12- _______ Mittwoch, den 9. Februar 1910 61. Jahrgang.

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Amtliches.

J.-Nr. 786 K.-A. Die Herren Standesbeamten der Stadt- und Landgemeinden ersuche ich, inner­halb 5 Tagen den Bedarf an Formularen für das Jahr 1911 anzugeben.

a) Auszug aus dem Geburtsregister j j^o (^^")

b) Heiratsregister ^O

M 1900 "

c) Sterberegffter 1800

d) Bescheinigung der Eheschließung, "

e) Aufgebot

f) Bescheinigung des Aufgebots und standes- amilicher Ermächtigung,

Schlüchtern, den 4. Februar 1910.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

J.-Nr. 676 K.-A.

Bekanntmachung

Der Gastwirt Heinrich Müller in Jofsa beab­sichtigt auf seinem in der Gemarkung Jossa gelegenen Grundstück Kartenblatt A Parzelle N. ^- ein Schlacht« haus zu errichten.

Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kennt­nis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzu- bringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht

Freitag, den 25. Februar d. 3.

vormittags 11 Uhr vor dem Unterzeichneten an. Im Falle des Aus­bleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden wird gleichwohl mit Erörterung des Unternehmens bezw. der Einwendungen vorgegangen werden.

Zeichnungen und Beschreibungen der Anlage können wahrend der Dienststunden im Bureau des Kreisaus­schusses eingesehen werden.

Schlüchtern, den 2. Februar 1910.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.

Adolf Spieß.

Zur Erinnerung an seinen hundertjährigen Geburtstag.

Die hessische Stadt Lauterbach, am Vogelsberg, begeht den 100jährigen Geburtstag ihres größten Sohnes Adolf Spieß. Nicht allein für sein engeres

Mrkannt.

Roman von Lothar Palmer. 11

Zu tief vor ihr hat sie sich eigentlich gedemütigt, als Magd wollte sie ihr dienen, wenn sie sie nur aufnahm, daß sie sich wieder aufrichten konnte. Und alles war gut geworden; in tiefer Reue hatte sie gebüßt, und das Einst vergessen lernen. Warum kamen jetzt die Schatten wie­der, sollte sie diese Macht gewinnen lassen, das Licht zu verdunkeln? Nein, nie und nimmer! Sie wollte mutig sein, Fehlen, das liegt in der schwachen Menschennatur, aber wie der einzelne die Folgen seines Fehlens trägt, das nur kann den edlen von dem gemeinen Geiste un­terscheiden. Ihr Liebling Shakespeare hat wieder recht erhalten:Der Fall ist oft ein Mittel, desto glücklicher wieder aufzustehen!"

Als gleich darauf die Glocke tönte, wußte sie, daß Göllnitz kam und stolz emporgerichteten Hauptes ging sie ihm entgegen und reichte ihm beide Hände.

Auch in seinen Augen lag der goldene Schein von Glück. Er gab ihre Hände nicht sogleich frei und sah sie tief und innig an:Nie bist Du schöner, als in derStille Deines Heims, wenn Du keine andere Rolle spielst, als dieDir von der Natur zugedachte.

Sie verzog ihr Gesicht zum Schmollen, aber ihre Au­gen lachten dazu, als sie entgegnete:Das wagst Du der ersten Tragödin der Haupt- und Residenzstadt zu sa­gen ?"

Ja, siehst Du wohl, ich beuge mich vor Deinem Ta­lent ich bewundere Dich stets von neuem, wenn ich Dich auf der Bühne sehe, ich bin stolz für Dich und mich zu­gleich, wenn Dich der Beifallsjubel umrauscht, und doch, lieber bist Du mir hier in Deinem Heim, schöner bist Du ohne Schminke und Prunk, und hinreißender mit Deinem warmen Händedruck, als in all den jauchzenden und schluchzenden Liebesbeteuerungen in Deinen Glanz­rollen." . , _ - - - y

Vaterland, sondern auch für das ganze deutsche Volk bei einem Duell erlittenen Wunde. Spieß hat auch hat sich Spieß in herrvoragender Weise Verdienste er- eine fruchtbare schriftstellerische Tätigkeit entwickelt, worden. Spieß darf für sich das Verdienst in Anspruch . Das deutsche Volk wird sein Andenken allezeit in nehmen, das Turnen vollständig neu gestaltet und dass Ehren halten. Fr.

sog. Schulturnen begründet zu haben. Insbesondere hat er die Gebiete der Ordnungsübungen und der Freiübungen der Turnkunst erschlossen.

Durch die Einführung des Turnunterrichts in der Volksschule hat sich Spieß für alle Zeiten ein Denkmal in der Geschichte der preußischen und deutschen Volks­schule gesichert.

Von vielen Seiten wird über Ueberbürdung unserer Schuljugend geklagt. Durch das Turnen ist ein Gegen­gewicht gegen geistige Ueberanstrengung geschaffen. Wer selbst längere Zeit auf den Schulbänken gesessen, der weiß es wohl am besten zu beurteilen, welch wohl­tätigen erfrischenden Einfluß eine Turnstunde erwirkte, wie wohltuend es auf die Nerven wirkte, wenn nach mehrstündiger geistiger Anstrengung einige Turnübungen in der freien Natur vorgenommen werden konnten. Men sana in corpore sana. Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper ist eine Forderung, die heut­zutage von jedem Pädagogen und Arzte gestellt wird.

Adolf Spieß wurde am 3. Februar 1810 in Lauterbach in Oberhessen geboren. Sein Vater wirkte hier als evangelischer Pastor. Auch der kleine Adolf sollte zu diesem Berufe vorgebildet werden und kam zu diesem Zwecke in die später von seinem Vater geleitete Privatanstalt zu Offenbach. An den Universitäten Gießen und Halle vollendete der lebenslustige Jüngling seine theologischen Studien. Jedoch gab derselbe nach beendetem Studium den Priesterberuf auf, um sich voll und ganz seiner Lieblingsbeschäftigung, der geliebten Turnkunst zu widmen. In Gießen versammelte Spieß eine Knabenschar um sich, mit der er allerlei Turn­übungen betrieb. 1833 berief man den Turnfreund als Lehrer für Geschichte, Turnen und Gesang nach Burgdorf in die Schweiz. Hier verfaßte er die 3 ersten Teile seinerTurnkunst". 1844 wurde Spieß als Turnlehrer nach Basel berufen. Hier entfaltete er eine eigenartige, erfolgreiche ersprießliche Tätigkeit. Schließlich wurde die Regierung seines Heimatlandes Hessen auf ihn aufmerksam gemacht. 1848 beriet sie Spieß zur Leitung des hessischen Schulturnens nach Darmstadt, woselbst derselbe die Stelle eines Ober­studienprofessors bekleidete. Darmstadt war damals der Mittelpunkt des Schulturnens für ganz Deutschland. Von allen Seiten strömten Jünglinge herbei, um Die Turnkunst zu erlernen. 1858 starb Spieß im besten Manuesalter an den Folgen einer im früheren Jahre

Sie schüttelte verwundert den Kopf, und rückte die kleinen Sessel dem Kaminfeuer näher, indem sie ihn durch eine Gebärde einlud, Platz zu nehmen:Wie Du heute seltsam bist."

Seltsam?" sagte er, und beugte sich weit vor.Bin ich nicht, wie ich immer zu Dir war ? Weißt Du es nicht mehr, daß ich keinen anderen Kameraden wollte als Dich, daß Du mir immer schöner dünktest als die Feen in den Märchen, die ich Dir vorlas?"

Ach ja," seufzte sie, von seligen Erinnerungen be­wegt,das war im lieben Gärrchen an der Seille, wo Du und ich allein waren, mit den Vögeln und den Blu- men.

Er nickte stumm und sah mit den dunklen, tiefen Au­gen in ihr strahlendes Gesicht. Wie Musik dünkte ihm ihre Stimme, als sie fortfuhr:Weißt Du's, daß ich alle TageeinenschönenTraumspinne? Wenn Du Deine Ferien hast im Sommer, wollen wir zusammen nach Metz, um all die lieben Stätten wieder aufzusuchen."

Ganz nahe schob er seinen Sessel zu ihr hin, und hielt ihre Hände wieder umfaßt:Auch ich spann den Traum," sagte er leise, so leise, daß das Ticken der Ubr auf dem Kaminsims seine Worte übertönte:Wir wollen zusam­men hinfahren, über die alte Mauer ins Wasser sehen, und ich werde Dich festhalten wie früher, damit Du nicht hinabfällst!"

Dann sprang er plötzlich auf, fuhr sich erregt durch das dunkle Haar, ging hastig ein paar Male durch das tiefe Gemach, und dann trat er an ihre Seite, legte schwer seine Hand auf ihre Schulter, und fragte kurz und ge­preßt:Macht Dich Dein Beruf sehr glücklich, liebst Du sehr Deine Kunst?"

Ja!" sagte sie ohne aufzublicken.

Könntest Du sie nie aufgeben, nie einem anderen Glück opfern?"

Jetzt sah sie auf, sah in seine fragenden, bangen, bren­nenden Augen, und griff wie hilfesuchend nach seinen

Deutsches Reich.

Der Reichstag lehnte am Dienstag den Ein­spruch des Abgeordneten Ledebour (Soz.) gegen den ihn am Sonnabend erteilten Ordnungsruf in einfacher Abstimmung ohne Debatte ab. Mit den Sozialdemo- kraten stimmten nur die Freisinnige Fraktionsgemein­schaft und die Polen. Sodann wurde der deutsch-portu­giesische Handelsvertrag in zweiter Lesung mit Vi Majorität angenommen. Dagegen stimmten die Mehr­heit der Nationalliberale», die Hälfte des Zentrums und ein Teil der Reichspartei. Hierauf wurde die Beratung des Kolonialetats fortgesetzt. Staatssekretär Dernburg tat die krampfhaften Versuche desGenossen" Noske, die fortgesetzte Opposition der Sozialdemokratie gegen die deutsche Kolonialpolitik zu begründen, mit ätzendem Spott ab und erntete damit den heiteren Bei­fall des ganzen Hauses. Am Donnerstag wurde die zweite Lesung die Kolonialetats beendet. Es kamen eine ganze Menge Redner zu Worte, die aber Neues nicht vorbrachten. Einen breiten Raum nahmen Be­schwerden des Abg. Erzberger (Z.) ein, der den Bischof in Samoa schlechl behandelt glaubte und außerdem noch mancherlei Wünsche für bessere Behandlung der katholischen Missionare seitens des Kolonialamtes vor- brachte. Staatssekretär Dernburg wies die Vorwürfe an der Hand des Aktenmaterials zurück. Zum Schluß wurde noch der Etat des Reichsmilitärgerichts ohne Debatte angenommen.

Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Dienstag den Gestütsetat in zweiter Lesung und begann dann mit der zweiten Lesung des Forstetats. Gegen­über einem Antrag des Abg. Borgmann (Soz.) die Jagden in den Staatsforsten in Zukunft an den Meist­bietenden zu verpachten, wies der Landwirtschafts­minister v. Arnim in ausführlichen Darlegungen nach, daß die beantragte Aenderung keinen Vorteil sondern nur Nachteile für die Gemeinden wie für die Forst­beamten und die Wildhaltung, bringen würde. Abg. Weißermel (kons.) beleuchtete die Phantasiezahlen des Abg. Borgmann und betonte, daß man den Forstbeamten durch eine solche fiskalische Maßnahme nicht die Freude an ihren: Berufe nehmen dürfe. Abg. Dr. Varenhorst (frkons.) aber erinnerte daran, daß der Abg. Borg­mann selber vor einem Jahre sehr glaubhaft versicherte, er verstehe nichts von der Jagd, und riet ihm, erst

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Händen, die eiskalt in den ihren bebten, aber sie antwor­tete nicht.

Da neigte er sich tief zu ihr hinab, und vor ihr nie- derkniend, küßte er heiß ihre Hände:Sieh, Cäcilie, ich hab Dich so lieb, daß ich's nicht ertrage, wenn andere Männer Dir zujubeln, wenn sie Dich mit heißen Blicken streifen, wenn sie Deinen Namen nennen, und von Dir wie von einer Sache reden, die jeder bewundern und kri­tisieren kann; so lieb habe ich Dich, daß ich Dich allein besitzen möchte, daß ich Dich nicht einmal Deiner Kunst gönne. O, sag', Cäcilie, hast Du ein Begreifen für mein Fühlen, wirst Du mich einen Egoisten schelten, oder er­bebt Dein Herz wie das meinige, wenn ich mich Dir ganz gebe, wie ich Dich ganz begehre?"

Wie geblendet von der Glücksfülle, die über sie her- einbrach, schloß sie die Augen, alles um sie her verschwand, Vergangenheit und Zukunft versanken vor der überwäl­tigenden Seligkeit des Augenblicks. Wie ein Traum um­wogte es sie, ein Traum, den sie mit zitterndem Glücks­gefühl zu Ende träumen wollte. Er kniete noch immer vor ihr, sah bang in ihr verblaßtes, liebes Gesicht, und wie in Flüstern erstarb seine Stimme:Gehören wir nicht zusammen, Cäcilie, wir beide?"

Wir beide!" Wie ein Schluchzen und ein jubelnder Aufschrei zugleich rang es sich aus ihrer Brust empor. Sie erfaßte seinHaupt mit beidenHänden,sie sahihmwonne- trunken in die Augen, und dann fanden sich ihre Lippen.

Nicht wahr, mein Lieb, wir beide allein, nichts Tren­nendes zwischen uns?"

Nichts, Oswald, nichts! O, ich bin ja so namenlos glücklich."

Leise tickte die Uhr, das Holz knisterte im Kamin und Veilchenduft wogte umher; sie saßen eng aneinander ge­schmiegt, sie schmiedeten frohe Pläne für die Zukunft, und plauderten von ihrer Liebe, die sproß wie ein seltenes Blümchen im sonnigen Garten der Kindheit, und die nun ein mächtiger Baum geworden war, der allen Stürmen trotzen wollte. . _. . 164,18