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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Der Reichstag setzte am Donnerstag die 2. Lesung des Militäretats fort. Abg. Dr. Müller- Meiuingen (fr. Vp.) kam auf seine alten Klagen über Bevorzugung des Adels in der Armee zurück und ver­langte die Unterordnung des Militärkabinetts unter das Kriegsministerium. Demgegenüber erklärte Kriegs­minister von Heeringen, daß es dazu einer Verfassungs­änderung bedürfe. Die Abgg. Gothein (fr. Bg.) und Dr. Mugdan (fr. Vg.) klagten wieder über die angeb­liche Zurücksetzung der jüdischen Einjährig-Freiwilligen, wogegen sich Kriegsminister von Heeringen entschieden verwahrte. Im übrigen drehte sich die Debatte um die Veterinäroffiziere, die Militärkapellen, die Büchsen­macher und Militärschmiede, über Proviantämter und ausländisches Heu. Am Freitag wurde das Ordi- narium des Militäreiats erledigt. Bei dem Kapitel Bekleidung der Truppen" fragte Abg. Sommer (fr. Vp.) an, warum man denn solange mit der Heraus­gabe der neuen Felddienstuniformen zögere. Kriegs­minister v. Heeringen erklärte, daß nur allmählich die Einführung der neuen feldgrauen Uniformen durchge­führt werden könne. Eine Resolution der National­liberalen, die eine Denkschrift über die Organisation des Bekleidungswesens fordert, wurde angenommen und hierauf eine Reihe weiterer Kapitel ohne wesentliche Debatte erledigt.

Das preußische Abgeordnetenhaus trat am Donnerstag in die Beratung der Wahlrechtsreform ein, die Ministerpräsident v. Bethmann-Hollweg mit einer großzügigen glänzenden Rede einleitete. Nach ihm sprach Minister des Innern von Moltke, der die Einzel­heiten der Wahlrechtsreform eingehend erörterte. Frhr. v. Richlhofen (kons.) ging mit den sozialdemokratischen Radaumachern scharf ins Gericht und erklärte, daß die konservative Partei, wenn sie auch manche Be­denken gegen Einzelheiten der Vorlage habe, zu ernster Mitarbeit bereit sei. Die Abgg. Träger (fr. Vp.) und Schiffer (natl.) erklärten dte Vorlage in der vorlieg­enden Form für unannehmbar, doch erklärte letzterer, die Nationalliberalen feien bereit, zur Erlangung einer brauchbaren Reform mitzuarbeiten. Am Freitag erklärte zunächst Abg. Herold (Z.), daß seine Partei an dem Prinzip der Uebertraaung des Reichstagswahl­recht auf Preußen festhalte. Minister des Innern von Moltke verteidigte wirkungsvoll den Standtpunkt der Regierung. Abg. Freiherr v. Zedlitz (frkons.) erkannte die Reformbedürftigkeit des jetzigen Wahlrechts an,

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Roman von Lothar Palmer. 14

Hatte sie gar in ihrer ängstlichen Sorge, die Tochter gut und standesgemäß verheiratet zu sehen, das Herz und das Glück ihres Kindes in Gefahr gebracht? Klang aus Mariannes Worten nicht eine Ergriffenheit, die sie be­sorgt machen mußte? Wie nun, wenn sie den Baron lie­ben gelernt und dieser nichts für Marianne empfände, oder wenn sie mit dem ehrlichen, offenen Charakter, den sie vom Vater geerbt hatte, ihre Pläne in übertriebenem Ehrgefühl durchkreuzen würde? Sie war sich gar nicht bewußt geworden, daß sie damit geradezu ein Unrecht beging, die Heiligkeit der Ehe und die Weihe der Liebe in den Staub zog. Sie hatte es immer als etwas ganz Natürliches und Selbstverständliches angesehen, daß sie die Verehrer, die sich Marianne nahten, in erster Linie auf die Solidität ihrer Revenuen prüfte und stets nur ihre warnende Stimme erhoben, wenn ihr ein Bewerber nicht solvent erschien. Sie glaubte, ihre Mutterpflichten auf diese Weise treu zu erfüllen, und ihr ganzes Hoffen und Planen ging darauf hinaus, Marianne reich ver­heiraten zu können, was bei ihr gleichbedeutend mit glück­lich war.

Die größten Sorgen ihres Lebens waren ihr daraus erwachsen, daß sie nie aus dem Vollen schöpfen konnte, daß jeder Luxus, jede gesellige Pflicht sich nur mit Op­fern hatte erfüllen lassen, daß die Heiratskaution längst durch den Zwang der übertriebenen Geselligkeit in ver­schiedenen Garnisonen, durch Verluste an gutem Pferde­material und Erziehung der drei Söhne und Mariannes aufgezehrt war, und es war ihr fast zur fixen Idee ge­worden, daß nur eine reiche Partie das Glück ihrer Toch­ter ausmachen könnte. Darum hatte sie fast aufgejubelt, -als sie bemerkte, wie der sehr reich begüterte Baron ihre Marianne vor allen anderen jungen Damen der Gesell­schaft auszeichnete, und weniger als je vorher wollte sie

Mittwoch, den 16. Februar

lehnte aber die Uebertragung des Reichstagswahlrechts ab. Der Abg. Ströbel (Soz.) schimpfte in fast drei­stündiger Rede vor halbleerem Hause in bekannter Weise über das jetzige Wahlrecht und dieJunker" als die Verfechter dieses Wahlsystems und erntete da­für zwei Ordnungsrufe. Zum Schluß sprach Abg. Korfanty (Pole), der gleichfalls für die Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen eintrat.

Im Mansfelder Aufruhrprozeß wurden die Angeklagten Bergmann Golzer zu drei Monaten und Bergmann Sichting zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt.

Gegen die Berliner sozialdemokratische Jugend­bewegung hat der Polizeipräsident von Jagow aufs neue Stellung genommen. Ein Unterrichtskursus in Geschichte für die Jugend" sollte in Lichtenberg be­gonnen werden. Gegen diese Veranstaltung wandte sich der Polizeipräsident, indem er dem Leiter und Lehrer des Kursus folgende Verfügung zustellen ließ:Wie ich in Erfahrung gebracht habe, beabsichtigen Sie am 11. Februar 1910 in Lichtenbergfür die Jugend" einen Unterrichtskursus für Geschichte zu beginnen. Ich fordere Sie auf, mir vor Beginn des Unterrichts gemäß § 1a der Ministerialinstruktion vom 31. Dezember 1839 zur Ausführung der Kabinettsorder vom 10. Juni 1834 erforderlichen Erlaubnisschein zum Unterrichten jugendlicher Personen vorzulegen. Widrigenfalls ich den Unterricht verbieten würde."

Ausland.

Die Reise des Prinzen Heinrich nach England, die in nächster Zeit angetreien werden wird, ist nach offiziöser Angabe zurückzuführen auf eine Anregung des Prinzen Ludwig von Battenberg, der als Admiral in englischen Diensten steht. Den Prinzen wird seine Gemahlin begleiten, das Paar gedenkt sich einige Zeit im Kreise seiner englischen Verwandten aufzuhalien. Der Besuch des Prinzen, der viele Freunde in England hat, wird in der englischen Presse freundlich besprochen, unb es wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß er der Besserung der Beziehung zu Deutschland gute Dienste leisten werde. Wenn dieser Besuch, mit dem übrigens keine politische Sendung und kein politischer Auftrag verbunden ist, in diesem Sinne wirksam sein würde, so könnte das in Deutschland nur zur beson­deren Befriedigung gereichen.

Für die deutsche Einfuhr ^ in den Vereinigten Staaten von Amerika werden durch eine Proklamation des Präsioenten Taft die Minimalsätze zugestanden. Die Proklamation umfaßt nicht die deutschen Schutz-

hier die Opfer scheuen, um den willkommenen Schwieger­sohn einzufangen.

Sie sprach zwar nie direkt mit Marianne über ihre Pläne, aber diese ahnte wohl, woher die große Vorliebe für den Baron kam, und je mehr die Mutter ihm ent­gegengekommen war, desto scheuer hatte sie sich in kühle Reserve gehüllt. Erst jetzt an den Theaterabenden, wo sie dem direkten Einfluß der Mutter entzogen war, wo sie in harmloseren und zwangloseren Verkehr mit Busch­beck kam, lernte sie so manche Tiefen seines Charakters kennen, die Widerhall in ihrem Herzen fanden, und fast zu ihrem Schrecken, wuchs mehr und mehr ihrJnteresse für ihn. Ohne die Pläne und Hoffnungen ihrer Mutter wäre wohl die Liebe zu Buschbeck ganz unbefangen in ihrem Wesen zum Ausdruck gekommen, so aber erfaßte sie ein Bangen, daß sie verraten könnte, was sie bewegte und so kam eine gewisse Unruhe und Erregung über sie, die dem Baron nicht entgehen konnte.

Seinerseits mochte er ganz offen gewesen sein, als er damals Pöhland sagte, es sei nur Zufall, daß er Fräu­lein von Stupka auszeichne; er hatte keine bestimmte Ab­sicht dabei gehabt, dennoch aber lag in diesem Zufall, der ihn immer wieder auf Bällen und in Gesellschaften in die Nähe dieses stillen, ernsten Mädchens führte, schon ein Beweis dafür, daß sie ihm sympathischer sein mußte, als die übrigen. Seitdem er aber Gelegenheit gefunden, in ungezwungener Weise öfter mit ihr zu verkehren, be­gann er, sich allen Ernstes für sie zu interessieren. Sie war nicht das, was man leichthin eine Schönheit nennt, aber sie hatte ein Paar schöne dunkle Augen, die so tief und innig blicken konnten und ein kluges, regelmäßiges Gesicht, das bezaubernd wirkte, wenn ein Lächeln die ernsten Züge umsonnte.

Einmal, in einer längeren Pause, als das Gros des Publikums sich am Büfett und in den Galerien erging und BuschbecknndMariannealleininderLogezurückgeblie- ben waren, fragte er sie ganz impulsiv, nachdem er sie eine

0 61. Jahrgang. gebiete, da das Staatsdepartement nicht genügend Zeit gehabt hat, um zu prüfen ob die amerikanischen Ein­fuhrprodukte von den Schutzgebieten unterschiedlich be­handelt werden.

Ein Lob der deutschen Armee wurde in der französischen Deputiertenkauimer bei der Beratung des Budgets des Kriegsministeriums ausgesprochen. Der Abg. Lachaud (Soz.-Radikaler), der Arzt ist, zog einen Vergleich zwischen dem Gesundheitszustand der deutschen und der französischen Armee, der namtl. in Bezug auf die epidemischen Krankheiten in Deutschland weitaus günstiger sei, und erklärte, der Grund dafür liege in dem allgemein schlechteren Gesundheitszustände der fran­zösischen Rekrutenkontigente, dann aber auch in der Unzulänglichkeit der hygienischen Einrichtungen in den französischen Kasernen.

Durch kaiserliche Entschließung ist die Verta« gung des böhmischen wie des steierischen Landtages er­folgt. Beide Landtage sind daran gescheitert, daß die Neo-Slawisten in Oesterreich den Augenblick für ge­kommen erachteten, den Deutschen in Oestereich gegen­über die Machtfrage aufzurollen. Im steierischen Land­tage beantworteten die Slowenen die Vertagung mit lauten Zivio-Rufen und Händeklatschen. Die Verta­gung des böhmischen Landtags wurde nach Sitzungs­schluß durch eine Extraausgabe des Amtsblattes bekannt- gemacht ; sie wird auch ihre Rückwirkung auf den österreichischen Reichsrat haben, der in der zweiten Hälfte dieses Monats wieder einberufen werden soll. Die Regierung wird dem Reichsrat nur das Rekruten­kontingent unterbreiten und das Budget und die neuen Steuergesetze abermals zurückstellen. Wie verlautet wird aber auch eine Rekonstruktion des Kabinetts Bienerth abermals aufgeschoben werden. Der Verband der deutsch-böhmischen Landtagsabgeordneten hat einen Aufruf an das deutsche Volk erlassen.

Aus Madrid wird der Rücktritt des spanischen Kabinetts Moret gemeldet. Mit der Bildung des neuen Kabinetts wurde der Deinokrat Canalejas beauf­tragt.

Eine Kosenplauderei.

(Von Mannzen, Gärtner, Brandenstein.)

Gerne komme ich einer an mich gerichteten Auf­forderung, einmal etwas über Rosen zu schreiben nach, teile den sich dafür interessierenden Lesern der Schlüchterner Zeitung in folgendem Artikel mit, wie ich meine Rosen und zwar mit gutem Erfolg zu behandeln Pflege:

Weile gedankenverloren angesehen hatte:Warum haben Sie sich eigentlich nicht verheiratet, Fräulein Marianne ?"

Da war das sonnige Lächeln gekommen, das sie so schön machte, und leicht errötend stellte sie statt der Ant­wort die Gegenfrage:Bin ich schon so alt, daß sich Ih­nen diese Frage aufdrängt."

Er hatte erst mit einer kleinen Verlegenheit gesümpft; wie konnte sie so seine Frage auslegen. Aber dann sagte er mit Wärme:Ich begreife nicht recht, daß man Sie Ihren Eltern nicht gleich abbat, als Sie in die Gesell­schaft eingeführt wurden. Das lag wohl an Ihrem eige­nen Entschluß?"

Sie vergessen, Herr Baron, daß ich daS bin, was die Weitem armes Mädchennennt.MeineEntschlüssebrauchte ich nie geltend zu machen, ich bin nie begehrt worden."

Ganz ruhig sagte sie es, ohne Bitterkeit, aber auch ohne das Lächeln, das ihm stets das Herz so warm machte. Er sah nur, wie ihr Atem schneller ging und sie die Lippen unmerklich preßte.

Eine Pause war eingetreten, sie ließ den Blick ge­dankenlos über die Gruppen im Parkett schweifen, und plötzlich kam es wieder, das liebe Lächeln; sie sah ihn an mit dem großen, ehrlichen Blick, der ihm eine Flut von Rätseln in die Seele trug, und sagte neckisch:Aber Sie, Baron, warum blieben Sie allein, Sie, der nur zu wäh­len hatte?"

Er lachte:Sehen Sie, nun bin ich wie ein dum­mer Bub' und weiß nicht Antwort. Vielleicht.. weil es mir zu gut ging, weil mich die Wogen der Genüsse und die Ueberzahl der Freunde hinderten, daran zu denken."

Das erste Glockenzeichen fiel in seine Worte, die Be­sucher kehrten zurück und es war vielleicht nur ein lau­tes Denken gewesen, als er nach einer flüchtigen Pause hinzusetzte: Ab er für keinen von uns beiden ist's zu spät!"

Er begleitete sie an jenem Abend heim, wie immer, aber er war schweigsamer als sonst; als sie sich aber an der Haustür trennten und der Diener aufschioß, reichte er ihr seine Hand. , 164,18