mit amtlichem Areisblatt.
Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher
Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 17.
Samstag, den 26. Februar 1910
61. Jahrgang.
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Amtliches.
J.-Nr. 2156.
Pflanzenschutz.
Auf Anregung des Herrn Ministers für Landwirtschaft rc. hat die Landwirlschaftskammer eine ausge- breitete „Organisation für den Pflanzenschutz" eingecichtei Dieselbe hat die Aufgabe, die Ursachen der auftretenden Pflanzenkrankheiten ausfindig zu machen, Ratschläge für die Bekämpfung zu erteilen und in jeder Weise die Landwirte im Kampfe gegen die Pflanzenkrankheiten zu unterstützen.
Als Mittelpunkt für den ganzen Pflanzenschutzdienst des Bezirkes wirkt die Landwirtschaftliche Versuchsstation in Marburg, welche zur „Hauptsammelstelle" für Pflanzenschutz erklärt worden ist. Sie hat es übernommen die Landwirte und Interessenten durch Notizen und Aufsätze, sowie auf jede andere Weise über Pflanzenkrankheiten zu belehren, in Zweifelsfällen die Krankheiten auf Grund von eingesandtem Material zu bestimmen und Ratschläge im allgemeinen zu erteilen. Beim Auftreten von Krankheiten, die von größerer wirtschaftlicher Bedeutung oder in ihrer Bedeutung noch nicht genügend bekannt sind, können auch Beamte der Hauptsammelstelle nach den betreffenden Orten entsandt werden. Die Untersuchung und Auskunfterteilung geschieht in allen Fällen unentgeltlich.
Die örtliche Tätigkeit des Pflanzenschutzdienstes liegt in erster Linie bei einem weiteren Gliede der Gesamtorganisation den „Sammelftellen" für Pflanzenschutz, von denen bis jetzt 13 von der Landwirtschaftskammer eingerichtet sind.
Inhaber der Sammelstelle für den Kreis Schlüchtern ist Herr Winterschuldirektor Wagner in Gelnhausen.
Inhaber der Sammelstelle für Krankheiten des Obstes und Gemüses für den ganzen Bezirk Cassel ist Herr Garteninspektor Huber in Oberzwehren.
Den Inhabern der Sammelstellen (Winterschul- direktoren und Landwirtschaftslehrern) steht eine größere Anzahl von „Sammlern" zur Seite, denen hauptsächlich die Beobachtung der Krankheiten an Ort und Stelle obliegt.
In vielen Fällen wird zur Feststellung einer Pflanzenkrankheit eine örtliche Besichtigung nicht nötig sein, sondern die Einsendung von beschädigtem Material durch die Besitzer an die Sammelstelle oder die Hauptsammelstelle genügen. Die Einsendung kann auch aus anderen Gründen erwünscht sein, z B. wenn über die Natur der Krankheit Zweifel bestehen.
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Roman von Lothar Palmer. 17
Nach einer Weile stieß er hervor: „Hast Du je irgend einem Menschen auf weiter Welt Veranlassung gegeben, Dir ehrenrührige Dinge nachzusagen?"
Sie sah ihm groß in die Augen und sagte, indem sie die Hände in den Schoß verschlang: „Ehrenrühriges ? Nein?"
„Wie kannst Du dann mit meinen Andeutungen einen Namen, den ich nie gehört habe, in Verbindung bringen? Wie kannst Du so blaß und niedergeschmettert vor mir sitzen, als drücke Dich eine Schuld?"
Seine Stimme bebte, aber sie fühlte es wohl, daß es das Weh, das große, brennende Leid, nicht derZorn war, was ihn so tief ergriff. Und wie sie ihn so schmerzbewegt sah, fühlte sie, nun hat all Dein Schonen und Verheimlichen doch nichts genützt, nun hat ihn von anderer Hand der Schlag getroffen, da kamKraftund Energiein ihr zu Recht. Und in all dem Weh, das hereinbrach, hätte sie aufjubeln mögen. Streng und herb stand er dem Gedanken gegenüber, daß sie gefehlt haben konnte; er sah nicht lächelnd und tändelnd darüber hinweg; so tief und groß war feine Liebe, daß er um sie litt.
„Ich wollte Dich schonen," sagte sie, „ich habe Dich so lieb, daß ich den Gedanken nicht ertrug, Dir von einem rörichten Fehlen zu sagen, das mir eine wehe Zeit des Jammers brächte. Du glaubtest so fest an mich, und ich hatte alle Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart abgebrochen, um getragen von Deiner Liebe, eine neue zur Zukunft aufzubauen; warum sollte ich Dein Vertrauen zerstören, das mich aus allem Leid emporhob?"
„Wahrheit und Vertrauen sind die Grundpfeiler der Liebe," sagte er dumpf.
„Und ist Schweigen denn auch Lüge? Was hätte ich Dir in dem Jubel meines Glücks und unserer Liebe sagen sollen, da ich alles vergessen hatte, da ich nichts sah
Besondere Aufmerksamkeit ist auf die Verpackung des einzusendenden Materials zu richten und dafür zu sorgen, daß die Proben in möglichst frischem Zustande ankommen, doch ist von einem Befeuchten der Pflanzen vor dem Absenden Abstand zu nehmen. Von den einzusendenden kranken Pflanzen sind möglichst große Stücke, eventuell die ganzen Pflanzen vorzulegen, also nicht nur solche Teile, an denen die Krankheit direkt bemerkbar ist.
Jeder Probesendung ist ein kurzer Belicht (am besten unter Verwendung der in Händen der Sammler und Sammelstelleninhaber sich befindenden Meldeblättern) beizufügen, mit knappen, aber sachgemäßen und unbedingt zuverlässigen Angaben über die Art und Sorte der beschädigten Pflanze, die äußere Erscheinung und den Verlauf der Krankheit, sowie möglichst auch über die Größe, Lage und Bodenbeschaffenheit des die Erkrankung zeigenden Grundstückes, das Verhältnis und die Verteilung zwischen erkrankten und gesunden Pflanzen, in Prozenten geschätzt, die Vorfrucht, Düngung Bodenbearbeitung, über die Verbreitung der Krankheit auf Nachbargrundstücken und die Witterungsverhältnisse.
Die Landwirte werden aufgekordert, an der Bekämpfung der Pflanzenkrankheiten, die lediglich in ihrem eigenen Interesse liegt, möglichst regen Anteil zu nehmen und sich in allen Fällen der Pflanzenschutzorganisation zu bedienen, indem sie sich an den ge- nannten Inhaber der Sammelstelle für den Kreis oder an die Hauptsammelstelle, die landw. Versuchsstation in Marburg, wenden.
Schlüchtern, den 23. Februar 1910.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
J.-Nr. 1044 K.-A. Dem Kreis stehen für 1910 einige Freistellen in der Kinderheilanstalt Orb zur Verfügung.
Anträge auf Gewährung einer Freistelle nehme ich bis zum 15. März d. Js. entgegen.
Schlüchtern, den 21. Februar 1910.
Der Landrat: Valentiner.
Deutsches Reich.
— Palästinafahrt des Prinzenpaares Eitel Friedrich. Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich werden ihre Reise an Bord der „Hohenzollern", die sie nach Palästina führt, auch auf Aegypttn ausdehnen.
— Zum Nachfolger des Grafen Tattenbach als
und fühlte als Dich, und bett festen Willen, Dich glücklich zu machen, nutzt nur glücklich zu sein? Für mich ist die Vergangenheit abgetan, die Toten ruhen in ihren Gräbern, was weckst Du Erinnerungen aus ihren Särgen auf?"
„Nicht Tote sind's, die Steine nach Dir schleudern," sagte er rauh.
Da trat sie dichter vor ihn hin, und ihre Stimme bebte, als sie mit Nachdruck sagte: „Gehörst Du auch zu jenen Selbstgerechten, die nie fehlten, weil nie eine Versuchung sie traf? Und ahnst Du, was es für ein alleinstehendes Mädchen heißt, keinen anderen Schutz zur Seite zu haben, als die Weiblichkeit? Weißt Du, wie es um eine vertrauende, leichtgläubige Menschenseele aussieht, wenn ein Sturm über sie hinbraust? Und dann erfaßte sie eine wildeBitterkeit,ein brennender,quälenderSchmerz; sie mußte nun selbst die Toten hervorzerren, er ersparte es ihr nicht. Sie schloß die Augen und wie eine Traum- wandlerin sprach sie vor sich hin, ohne Betonung, als zitiere sie eine auswendig gelernte Lektion: „Die Mutter war tot, keiner ihrer Verwandten nahm mich auf. Ich stand allein in der Welt mit meinem Talent und bent kleinen Vermögen, das mir eine Lebensversicherung ausgezahlt hatte, und die Bühne war der ehrgeizige Traum meines Herzens; ich wollte groß werden, größer als es die Mutter gewesen war, die mir stets sagte, der Erfolg sei in erster Linie der Kritik zuzuschreiben. An einer kleinen Bühne fand ich bald Engagement, und fühlte mich überglücklich, als der Redakteur der dortigen Zeitung mich überschwänglich lobte. Ich lernte ihn bald persönlich kennen, es war ein gereifter Mann mit dem ehrwürdigen Aussehen eines hohen Vierzigers. Bald gestand er mir, daß er mich liebe und keinen sehnlicheren Wunsch hege, als mich heimzuführen. Er schilderte mir in den lockendsten Farben, wie er mich beschützen und auf den Händen tragen wolle, wie er ein großes Vermögen in sicheren Papieren angelegt hätte und wie ich, einsam stehend,
deutscher Botschafter in Madrid ist der Gesandte in Lissabon, Prinz Max zu Ratibor und Corvey ausersehen.
— Der Reichstag beschäftigte sich am Sonnabend mit der sozialdemokratischen Interpellation über das Reichstagswahlrecht, bei der sich die Sozialdemokraten Ordnungsrufe und eine scharfe Abfuhr holten. Der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg beantwortete die vom Abg. Dr. Frank (Soz.) begründete Interpellation gelassen und ruhig und hielt den Sozialdemokraten vor, daß der wirkliche Feind des Reichstagswahlsrechts in den eigenen Reihen der Sozialdemokratie zu suchen sei, die das Mindestalter herabsetzen und den Frauen das Stimmrecht geben wolle. An der Besprechung beteiligten sich die Abgg. Gröber (Z ), Dietrich (kons.), Wassermann (natl.) und Dr. Wiemer (fr. Vp.), dessen Angriffe der Reichskanzler scharf zurückwies, Fürst Hatzfeld (Rp.) und Ledebour (Soz.) Dann wurde die Spezialberatung des E'ats des Reichsamts fortgesetzt und zum Schluß der Abg. Graf Schwerin-Löwitz (kons.) zum Aushilfspräsidenten gewählt. — Am Montag fand anläßlich des Todes des Reichstagspräsidenten Grafen Stolberg eine lediglich der Trauerkundgebung für den Dahingeschiedenen gewidmete kurze Sitzung statt.
— Das preußische Abgeordnetenhaus verwies am Sonnabend zunächst den Gesetzentwurf über die Neuregelung der Reisekosten der Beamten nach kurzer Beratung an eine besondere Kommission. Bei der Besprechung des Etats der direkten Steuern wies der Abg. Hennings (kons.) den Vorwurf des Professors Delbrück zurück, daß manche Grundbesitzer unrichtige Steuererklärungen abgegeben hätten. Der Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben führte aus, der Vorwurf, daß die Landräte den ländlichen Grundbesitz zu milde erfassen, sei absolut unbegründet. Die folgenden Redner verschiedener Parteien gingen besonders auf die Einflußnahme der Landräte bei der Steuerveranlagung ein. Hierzu erklärte der Finanzminister noch, die Frage des Vorsitzes der Landräte in der Veranla- gungskommission werde bei der Verwaltungsreform eine endgültige Lösung finden. Schließlich wurde nach unwesentlicher Debatte der Etat des Finanzministeriums erledigt. — Am Montag widmete zunächst Vizepräsident Dr. Porsch dem verstorbenen Reichstagspräsidenten einen ehrenden Nachruf, worauf der konservative Antrag auf Verschärfung der Geschäftsordnung beraten wurde. Zentrum und Linke äußerten Bedenken gegen den Antrag, welcher der Geschäftsordnungskommission überwiesen wurde. Bei dem darauf folgenden Etat der
wohl nie die rechte Höhe erklimmen würde. Ich ließ mich betören, gab ihm sogar mein kleines Vermögen zur Verwaltung in die Hand und folgte freudig seinem Vorschlag, mit ihm nach Frankfurt zu meiner höheren Ausbildung zu ziehen. Dort mieteten wir schon die kleine Familien- wohnung, die wir zusammen bezogen, während die Hochzeit an meinem Geburtstage gefeiert werden sollte. Nach und nach aber, an tausend winzigen Dingen mußte ich erkennen lernen, daß ich einem Ehrlosen in die Hände gefallen war. In den wenigen unbewachten Augenblicken, die ich hatte, suchte ich auszuforschen, was an meinen Ahnungen Wahres war, und da erfuhr ich, daß er bereits vor langen Jahren geheiratet, aber Weib und Kind wieder verlassen hatte, um ein Abenteuerleben zu führen. Bald hier, bald dort hatte er, Leichtgläubige wie mich, die nicht mittellos waren, umgarnt. Als ich zum ersten Mal von dem zu sprechen wagte, was ich ausgekundschaf- tet, lernte ich erst seine wahre Natur kennen. Er wurde brutal und drohte mir, mich zu vernichten. Als ich ihn verlachte, weil ich guten Gewissens und die Betörte und die Betrogene war, zischte er mir zu: „Ich werde Dich ins Unglück stürzen und wenn ich tausend Lügen und Verbrechen ersinnen müßte, wenn Du Dich von mir lossagst!" In wilder Raserei sprach er von seiner Liebe, die mich nie und nimmer freigeben würde, wir gingen denn beide daran zu Grunde. Da begann ich mich vor ihm zu fürchten: mehr noch vor seiner Liebe als vor seiner Wut, denn beives hatte nichts Menschliches an sich, er drohte mir, quälte mich und ich litt ein Martyrium durch, bis mich eines Tages die Verzweiflung zu einem Entschlüsse trieb. Ich sagte mir: „Lieber sterben, als dieses Elend, diese Entwürdigung länger ertragen I" und mit der Kraft der Verzweiflung riß ich mich los.
Es war ein schwerer, böser Kampf, der sich dann entspann, aber als ich frei war, wuchsen mir die Flügel. Ich gab Geld und alles hin, brach jede Verbindung ab und schuf mir unter dem Namen Elfriede von Holthaus eine neue Existenz. K 164,18