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chlüchternerZitung

mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreiöblalt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

^ 31.

Samstag, den 16. April 1910

61. Jahrgang.

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Fortwährend

werden Bestellungen auf die Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner lilovl a Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Austage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Reich.

Wie nach derStraßb. Post" bestimmt der« lautet, ist in das Programm für den Aufenthalt des Kaisers im Reichsland auch ein Besuch der Stadt Straßburg ausgenommen worden. Der Kaiser trifft mit der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Louise voraussichtlich am 23. April nachmittags für mehrere Tage in Straßburg ein.

Prinz Wilhelm von Sachsenweimar feierte mit seiner Gemahlin Gerta, geborene Prinzessin zu Isenburg- Büdingen-Wächlersbach, in Heidelberg die silberne Hochzeit.

Berlin. Gouverneur von Rechenberg, dessen Ab­reise bekanntlich im Laufe dieses Monats vorgesehen war, wird, wie dieJnf." erfährt, sich nach den letzten Dispositionen am 9. Mai nach Deutsch-Ostafrika zurück- begeben.

Berlin. Oberst Roosevelt wird bei seiner An­kunft auf deutschem Boden (er kommt über Trelleborg von Stockholm) von dem amerikanischen Botschafter Dr. Hill und dem Stäbe der Berliner Botschaft empfangen werden. I» Berlin wird der Expräsident zunächst zwei Tage Gast der Washingtoner Regierung in dem Botschaftspalais, Bismarckstraße 4, am Königsplatz, sein und dann der Einladung des Kaisers folgend, in das Königliche Schloß übersiedeln. Für die Zeit dieses Aufenthalts ist vom Oberhofmarschall Grafen zu Eulen- burg ein Programm ausgearbeitet worden, das sich genau an gleiche Vorbereitungen für den Empfang re­gierender Fürsten hält. Die Einzelheiten dieses Pro­gramms sind durch das auswärtige Amt, über den Botschafter hin, Herrn Roosevelt nach Rom zur Begut­achtung übermittelt worden. Wie sehr die höfischen Dispositionen ins Einzelne gehen, zeigt eine Weisung

Aerkannt.

Roman von Lothar Palmer. 35

Nur für diesen Gedanken hatte sie noch Raum. Was ihr zu anderer Zeit und unter anderen Verhältnissen Ruhe und Genugtuung in die Seele getragen haben würde, was sie da aus den langen Schwurgerichtsverhandlun­gen über Paul Schönfuß las in den Zeitungen, die der Baron ihr übergab, das erregte kaum mehr ihrJnteresse. Sie hätte ja längst jenen Mann mitsamt der Erinnerung begraben und vergessen, der auf der Bahn des Lasters immer tiefer gesunken war, bis er als gemeiner Verbre­cher im Zuchthaus endete. Als handle es sich um einen Fremden, der nie ihren Weg gekreuzt, las sie, daß er an­dere betrogen wie sie, daß er bald hier, bald dort Leicht­gläubige belogen, Richter irre geführt, Diplomaten ge­narrt und gewiegte Kaufleute bestohlen hatte.

Auch ohne den schweren Stein, den sie hätte auf ihn schleudern können, war er zur entehrendsten langjähri­gen Strafe verurteilt worden. Weder Haß noch Mitleid wurden in ihr wach, es war eine tote Sache für sie, nur ihre Schuld Göllnitz gegenüber wuchs ins Gigantische, und es trieb sie in die Heimat zurück, ihn dort zu erwar­ten, wo er heimkehren würde aus der Fremde, wo er Heilung suchen gegangen war.

' In der ewigen Stadt trennte sich Cäcilie Richon von dem jungen Paare, das einige Wochen dort verweilen wollte, um dann über Bozen und den Brenner die alte Heimat wieder aufzusuchen, während Cäcilie den Heim­weg über Frankreich beschlossen hatte, um einige Tage dann auch in bemalten, geliebten Metz zu rasten, wohin sie so viele sehnende Interessen zogen.

1 Die prachtvollen Paläste, die vielen wohlerhaltenen Denkmäler italienischer Kunst, die herrlichen Plätze mit dem Stempel der großartigen Bautätigkeit Sixtus' V. und seiner Nachfolger, die unvergleichlichen Fontänen, Säu­

an den Obermusikmeister Graf vom 2. Garderegiment z. F., mit seiner Kapelle eine ganze Anzahl amerika- nischer Melodien einzuüben, die bei der Galatafel zum Vortrag gebracht werden sollen. Wie dasB. T." hört, ist geplant, Roosevelt eine Parade in Döberitz vorzuführen und ihm auch in Tegel die Militärluft­schiffe zu zeigen.

Dem Kardinal-Erzbischof Fischer zu Köln wurde der Rote Adler-Orden erster Klasse verliehen.

Das preußische Abgeordnetenhaus führte am Sonnabend die zweite Lesung des Bauetats zu Ende. Ein Antrag des Abg. v. Arnim-Züsedom (kons.) die zur Erweiterung des Schutzhafens bei Hameln ver­langten 50 000 Mk. an die Budgetkommission zurück- zuweisen, die prüfen soll, ob die Stadt Hameln zu diesen Kosten herangezogen werden kann, wurde, nach- dem auch der Minister v. Breitenbach sich gegen ihn ausgesprochen hatte, abgelehnt, weil der jetzige Hafen in Hameln den Anforderungen des vergrößerten Ver­kehrs in der Tat nicht genügte. Der Gesetzentwurf betreffend die Doppelbesteuerung bei der Heranziehung zu direkten Kommunalsteuern in den verschiedenen Bundesstaaten des Reichs wurde in erster Lesung de- battelos angenommen. Der Gesetzentwurf betreffend die Verpflichtung zum Besuch ländlicher Fortbildungs­schulen in der Provinz Schlesien wurde der Gemeinde­kommission überwiesen. Am Montag wurde die zweite Lesung des Eisenbahnetats begonnen. Minister von Breitenbach machte Mitteilung über das zu er­wartende Endergebnis für das Elatsjahr 1909, das sich danach als besonders günstig erweisen dürfte. Es steht nämlich ein Reinüberschuß von 149 Millionen zu er­warten, während der Voranschlag ihn nur auf 87 Millionen berechnete. Gleichzeitig wird sich eine nicht unbeträchtliche Einschränkung der Ausgaben ergeben. In der Debatte kam im allgemeinen Anerkennung und Befriedigung über die Mitteilungen des Ministers zum Ausdruck. Bemerkungen des Abgeordneten Dr. Fried­berg (natl.) über den Ausgleichfonds und die Anleihe- politik veranlaßten den Finanzminister Frhrn. v. Rhein­haben in die Debatte einzugreifen und nachzuweisen, daß die Erhöhung des Extraordinariums dem Beschreiten des Anleihewegs vorzuziehen sei, weil sonst für die Zukunft ein bedenkliches Präjudiz geschaffen werden könnte. Dem Abg. Borgmann (Soz.), der die preußische Eisenbahnpolitik heftig angriff, wurde vom Minister v. Breitenbach gebührend erwidert.

Das Kieler Polizeipräsidium hat den geplanten

len und Obelisken, vor allem aber die wunderbaren Kir­chen und unter ihnen wieder die sieben Basiliken mach­ten einen unvergeßlichen Eindruck auf Cäcilie. Eine Weihe und Inbrunst erfaßte ihr Herz wie nie vorher und sie lernte beten, wie nie im Leben. Alles, was sie bedrängte und quälte, quoll ihr aus der Seele; und wenn sie dann wieder überwältigt vor den Wunderbauten des antiken Roms stand, und die große Zeit aus den gigantischen Denkmälern zu ihr sprach, dann sehnte sie Oswald, den kunstsinnigen Freund, herbei, unter dessen Leitung ihr je­der Genuß noch erhöht warben wäre. Und sie fragte sich, warum doch nie ihr Sehnen nach dem Süden gegangen sei, wo sie doch jetzt ganz Bewunderung und Staunen war.

Konnte es denn wohl einen höheren Genuß geben, als an der Seite des Geliebten vom Aventinischen Hü­gel, vom Palatin oder einem der anderen sieben Hügel über die Stätte hinzublicken, wo so viel Größe, so viel Geschichte, so viel Menschenleid und Menschenglück sich abgespielt hatte?

Ja, mit ihm!" ging es dann durch ihr Herz,doch ohne ihn vergeht mir auch hier in all der Größe, der Kunst und Schönheit das Herz in Reue und Sehnen!"

Und so kam's, daß sie früher schied, als sie selber ge­glaubt, daß sie im Osterjubel der Menge, wo Tausende aus allen Landen sich zu den Heimischen gesellten, er­griffen weinte; daß sie unter den warmen Strahlen der Sonne, mitten unter Prachtbauten und Palästen an ein nordisches Landhaus dachte, wo dunkle Kiefern um den Raumafluß hoch emporragten, wo ein stilles Plätzchen in hehrer Einsamkeit war, ein abgeschiedenes Idyll, wo­hin Oswald sich mit ihr hatte flüchten wollen, das junge Glück der Ehe zu genießen.

Wohin war all das selige Hoffen verflogen? Sie irrte einsam, losgelöst von Frieden und Freude, unter den tau­send Fröhlichen umher, die Last der Schuld auf dem Ge­wissen, und er war in weiter Ferne, ein kranker, verlas­sener Mann! Was hals es denn, daß sie von ihm ge­

sozialdemokratischen Maifeierumzug verboten, da ein solcher Umzug eine Demonstration gegen die staatliche und wirtschaftliche Ordnung bedeute und die Wahl­rechtskundgebungen eine allgemeine Erregung hervor­gerufen hätten.

AuslanL.

In Jerusalem hat die feierliche Einweihung der Kaiserin Auguste-Viktoria-Stiftung auf dem Oelberge in Gegenwart des I Prinzen und der Prinzessin Eitel Friedrich von Preußen stattgefunden. Nach dem Vortrag des LiedesTochter Zion, freue dich" durch einen gemischten Chor hielt Oberkonsistorialrat Lahusen aus Berlin die Weihrede. Während der Geistliche zuin Weihespruch niederkniete, ertönte mit mächtigem Klang die große GlockeHerrenmeister". Die Predigt hielt Propst Jeremias über das Schriftwort: Friede sei mit euch." Hierauf führte Pfarrer'Sturberg- Kaiserswert die den Dienst in der Stiftung wahrnehm­enden Kaiserswerter Schwestern in ihr Amt ein. Ebenso festlich erfolgte Tags darauf die Weihe der katholischen Sionskirche zu der mehr als ein tausend Pilger aus Deutschland, Oesterreich und der Schweiz erschienen waren. Nach einer Ansprache des Erzabtes von Beu- ron Schober wurde ein feierliches Hochamt zelebriert, an das sich das Tedeum und der Ambrosianische Lob­gesang schloffen.

In St. Chamand wurde von Anarchisten und Sozialisten eine Kundgebung gegen den französischen Ministerpräsidenten Briand veranstaltet, bei der mehrere Polizeibeamte durch Revolverschüsse und Steinwürfe verletzt wurden.

Der Ausstand in Albanien hat die türkische Re« gierung veranlaßt, sünzig Bataillone Truppen nach Prischtina zu entsenden. Nach Mitteilung des Ministers des Innern hofft man, trotz der ernsten Lage mit den Aufständischen schnell fertig zu werden. Das türkische Ministerium des Innern erhielt eine Depesche aus Prischtina in der gemeldet wird, daß sich die Rebellen infolge der ihnen von den Behörden erteilten Ratschläge zerstreut haben. Die Führer würden sich alsbald unterwerfen. Die Entsendung von Truppen in die Gegend von Prischtina dauert fort.

Der französische Matrosenstreik verläuft im Sande. Trotz des von der Vereinigung der Syndikats- kanimer der Arbeiter in Marseille verbreiteten Appels zugunsten des Generalausstandes arbeiten sämtliche Kleinarbeiter weiter. Die Torpedojäger, die in Mar-

gangen war, daß sie sich losgesagt hatte? Sie fühlte es jetzt mit jeder rinnenden Minute deutlicher, daß sie trotz der Weite, die zwischen ihnen lag, doch zu ihm gehörte, daß sie unzertrennlich durch die Liebe, durch das gege­bene Wort, durch die innigste Zugehörigkeit mit ihm ver­bunden war. Nicht allein das Wort des Gesetzes, nicht allein der Gottessegen machten die Ehen zur ewigen, un­löslichen Vereinigung, die Sympathie, die große, heilige Liebe war das erste knüpfende Band, das nicht der Tod selbst mehr lösen konnte!

Sie fühlte und bekannte sich, kraft ihrer Liebe, als sein Weib und nun wußte sie, wo ihr Platz war.

Zu ihm!" pochte ihr Herz;zu ihm!" beteten ihre Lippen, und als sie vor dem Abschied von den liebae- wonnenen Freunden von Marianne gefragt wurde:Wa­rum drängen Sie plötzlich so fort, wohin zieht es Sie so gewaltig, daß hier alle Schönheit Sie kalt läßt?" da sagte sie ehrlich:Zu ihm!"

In einer vertraulichen Stunde, als sie zum letzten Male unter den Wipfeln der Bäume ausdemJaniculum wan­delten, eröffnete sie dem jungen, verständnisvollem Paare ihr Herz und erzählte von ihrer Liebe zu Göllnitz und ihrer Verlobung, und ergriffen von ihrem Schicksal dräng­ten sie sie nun selber heimwärts, um den Heimkehrenden zu begrüßen und sich mit ihm auszusöhnen.

Als sie schon im Wagenabteil saß und Marianne ihr die Hand immer wieder preßte, sagte der Baron:Und vergessen Sie nicht, Sie sind mir noch den Besuch schul­dig zum Veilchenpflücken im Wintergarten!"

Ich werde daran denken, wenn mich mein Weg je wieder nach München führt!"

O, Sie müssen extra zu uns, aber nicht solo! Wir laden auch Pöhland ein ..." 164,18

Dann der schrille Pfiff der Lokomotive, Tücherschwen» ken hinüber und herüber, und Cäcilie verbarg die nassen Augen in den herrlichen Blüten, die Marianne und Ba­ron Alexander ihr als Abschiedsgruß gereizt hatten.