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mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

___________Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".__________

Erscheint Mittwoch und SamStag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

3£ 33. Samstag, den 23. April 1910

61. Jahrgang.

Amtliches.

J.-N. 2677 K.-A. Auf dem am 16. April er. stattgehabten Kreistage sind folgende Beschlüsse gefaßt wurden:

1. Die Kreiskommunal- Kreiskrankenkassen- und Kreissparkassen-Rechnungen wurden als abgehört erklärt und wie folgt festgestellt:

a) Kreiskommunalkassen-Rechnung pro 1908/9: Einnahme 278272 Mk. 08 Pfg.

Ausgabe 252878 03

Bestand 25294 Mk. 05 Pfg.

b) Kreiskraiikasfen-Rechnung pro 1908; Einnahme 42278 Mk. 47 Pfg.

Ausgabe 37136 49 Bestand 5141 Mk. 98 Pfg.

c) Kreissparkassen-Rechnung pro 1908: Einnahme 1314756 Mk. 40 Pfg.

Ausgabe 1289986 08

Bestand 247 70 Mk. 32 Pfg.

Den Rendanten wurde Entlastung erteilt.

2. Zu den Kosten der gewerblichen Fortbildungs­schule in Soden wurde eine jährliche Kreisbeihülfe von 50% jedoch bis zum Höchstbetrage von 200 Mark be­willigt.

3. für die Kinderheilanstalt in Soden wurde ein jährlicher Kreiszuschuß von 100 Mk. bewilligt.

4. Die Aenderung der §§ 19 und 24 der Kreis- sparkassen-Statuien und der Erlaß eines Nachtrages zur Einführung des Uebertragbarkeitsverkehrs wurde beschlossen.

5. Die Bürgschaftsübernahme für Darlehen der Landesversicherungsanstalt zu Gunsten des Baues von Arbeiterwohnhäusern wurde einstimmig beschlösset'.

6. Als Mitglieder der Kreisarmen-Kommission wurden gewählt:

Uhrmacher Orlh in Schlächtern, Dr. Kraushaar in Salmünster, Bürgermeister Fink in Steinau, Rentmeister Pfalzgraf in Schlüchiern.

7. Als Sachverständige zur Bildung der nach dem Gesetz vom 13. Juni 1873 betreffend Kriegsleistungen zu wählenden Kommissionen wurden gewählt:

Gutsbesitzer Walter zu Elisabethenhof, Gutsinspeklor Preiß in Vollmerz, Gutsinspektor a. D. Weiche! in Schlächtern.

8. Die seitherigen Mitglieder der Kreistags-Wahl- Prüfungskommission wurden wiedergewählt.

9. Als Vertrauensmänner zur Auswahl der Schöffen und Geschworenen für 1911 wurden neu gewählt:

Bürgermeister Jöckel in Eckhardroth für Bürgermeister a. D. Weber, Bürgermeister Weitzel in Kressenbach für Bürgermeister a. D. Müller, Fabrikant Gerhäuser in Altengronau für Johannes Schreiberzin Dietershof.

Die übrigen bisherigen Vertrauensmänner wurden für 1911 wiedergewählt.

10. Der Kreistag nahm von dem Stand der Verhand­lungen hinsichtlich des Brückenneubaues über die Salz bei Wahlen Kenntnis. Er beschloß, den Herrn Landes« hauplniann zu bitten, ein neues Projekt auszuarbeiten, nach welchem die Ausführung der Anlage auf einfachere und billigere Weise möglich ist.

11 - Das Projekt zu einem Durchlaß-Neubau bei Oberzell wurde einstimmig genehmigt, in der Voraus­setzung, daß der Bezirksveiband die Hälfte der Bau­kosten trägt. Die auf den Kreis entfallenden 250 M. werden auf Titel VII. 2 des Etats übernommen.

12. Der Kreishaushaltsetat für 1910/11 wurde aus eine Einnahme und Ausgabe von 177000 Mark festgesetzt.

13. Herr Bürgermeister a. D. Berta wurde als Kreisdeputierter wiedergewählt.

14. Als Kreisausschuß-Mitglieder wurden gewählt:

a) Herr Justizrat Handschuh in Marburg,

b) Herr Bürgermeister Albrecht in Schlüchiern

15. Der Kreistag erklärte sich damit einverstanden, daß das jetzige Kreiskrankenhaus in Salmünster nebst Nebengebäuden und den zugehörigen Grundstückspar­zellen an die Stadt Salmünster zurückgegeben wird, sobald das von dieser neu zu erbauende städtische Kran­ken- und Siechenhaus für zneiskianke und Kreisarme geöffnet wird und wenn die vom Kreis-Ausschuß zu formulierenden Bedingungen erfüllt werden. Der Kreistag ermächtigte den Kreisausschuß, diese näheren Bedingungen mit dem Mutterhaus Fulda und dem Magistrat Salmünster zu treffen.

16. Die im November 1909 stattgehabten Kreis- tagsergänzungswahlen wurden für gültig erklärt.

Schlüchtern, den 20. April 1910.

Der Königliche Landrat: Valentin er.

Deutsches Reich.

Zum Tode des Grafen Oriola. Dem ver­storbenen Reichstagsabgeordneten Grafen von Oriola

widmete der engere Vorstand des Bundes der Land­wirte in derD. Tagesztg." einen längeren, sehr warm gehaltenen Nachruf, in dem es zum Schlüsse heißt: Dem Bunde der Landwirte, war er einer der Treuesten, die in den schweren Zeiten des Kampfes ebenso fest und unwandelbar zu uns standen, wie in Zeiten des Erfolges zu denen auch der Entschlafene das Seine mit beigetragen hat. Als eines unserer Getreuesten werden wir, wird der Bund der Landwirte stets seiner gedenken.

Die Verkehrseinahmen deutscher Eisenbahnen betrugen im März 1910 im Personenverkehr 62 735 721 Mk., oder 13 847 774 Mk. mehr, als im gleichen Monat des Vorjahres, im Güterverkehr 138 947 562 Mark oder 4 612 810 Mk. mehr.

Der evangelische Bund zählt nach dem neuen Verzeichnis der Haupt- und Zweigvereine, das am 1. Februar ausgegeben worden ist im ganzen 2741 Zweig­vereine in 39 Hauptvereinen.

Der Reichstag beschäftigte sich am Sonnabend vor leeren Bänken mit dem Entwurf eines Reichsbe­steuerungsgesetzes, das die Steuerpflicht des Reichs für fabrikähnliche Unternehmungen, Militärkantinen und andere Einrichtungen reichsgesetzlich regeln soll. Die Redner aller Parteien begrüßten die Vorlage, die schließ­lich der Butgelkommission überwiesen wurde. Bei der Beratung eines kolonialen Nachtragetats zur entgültigen Regelung der Aufstandsausgaben in Südwestafrika holte sich der Abg. Stolle (Soz.), der eine scharfe Rede gegen die Schlampereien in Südwest hielt eine derbe Ab­fuhr vom Bundesratstisch und von allen folgenden Rednern, die ihm nachwiesen, daß er er die Vorlage Spar nicht begriffen hatte. Schließlich wurde in vorge­rückter Stunde noch die Fernsp> echgebühlenordnmig in Angriff genommen. Am Montag wurde mit der ersten Lesung der Reichsversicherungsordnung begonnen. Abg. Dr. Spähn (Z.) wünschte ein baldiges Zustande­kommen des Gesetzes, und auch Abg. Schicken (kons.) sprach die Hoffnung aus, daß eine baldige Verabschie­dung der Versicherungsordnung gelingen werde. Abg. Horn (natl.) erklärte sich für die Ausdehnung der Versicherungspflicht auf die landwirtschaftlichen Arbeiter und die Hausangestellten. Abg. Dr. Mugdan (fortsch. Vp.) forderte ebenfalls entschieden die Ausdehnung der Versicherungspflicht auf die Landarbeiter und erklärte, daß seine Partei bereit sei, an dem Zustandekommen des Gesetzes mitzuarbeiten. Abg. Molkenbuhr (Soz.)

Uerkannt. *

Roman von Lothar Palmer. 37

Hoch bis zum Dach war der Efeu geklettert, die knor­rigen Akazien spannten wie ein Dach ihre Zweige aus, Moos lag dicht über den Steinen am Mauerrand, und im Fliederbusch sang ein Fink ein Abendlied.

Die Trauerweide schleppte ihreZweige über den Kies­weg, und wie sie vor wollte, in die braunen Wasser der Seillezu blicken, sah sie im Schatten unter dem Tränen- baum eine zusammengesunkene Gestalt, zurückgelehnt in einenFahrstuhl.die schmalen,weißenHände auf derDecke verschlungen.

Sie wagte kaum zu atmen; als Unbefugte war sie hier eingedrungen, sie mußte zurück, um nicht indiskret zu erscheinen.

Aber der Kies hatte wohl unter ihrem Schritt ge­knirscht; der Kranke wendete den Kopf; und wie sie in sein abgezehrtes, leidendes, bleiches Gesicht sah.dastürzte sie vor, da fiel sie vor der zusammengesunkenen Gestalt in die Knie, und die Hände des Mannes erfassend, schluchzte fi d "O^m^> Du? Du? Und so muß ich Dich wieder

Der Fink war verstummt; nur das leise, eintönige Rauschen der Seille drang herauf, und vom Friedland­platz herüber klang aus einer Schenke leise verzitternd der ^^breim :Nur einmal im Leben die Liebe!"

König Belis Töchterlein," sagte Oswald Göllnitz lerfe,ich wußte, daß wir uns hier wieder finden würden."

Ach, Oswald! Was habe ich getan?" schluchzte- ethe ohne den Kopf zu heben;nun erst bin ich schuld­beladen, nun erst streue Deine Porwürfe über mich aus. Was tat ich, Unsinnige?"

Ein wehes Lächeln huschte über seine leidende Züge: :> ll uns nicht abwägen, Cäcilie, wendieschwerere Schuld oructt! Du hast nur unbewußt, ich aber bewußt gesün-

Jetzt hob Cäcilie den Kopf wie befreit, und ihre feuch­ten Augen suchten mit unendlicher Liebe seinen Blick.

Armer Mann!" hauchte sie,wie mußt Du gelitten haben? Aber sieh, noch eh' ich alles erfahren hatte, war mein Entschluß gefaßt, Dich in Reue zu suchen."

So gelitten, daß die Seele verzweifeln konnte, daß ich frevelnd die Waffe gegen mich selbst erhob," sagte er, von einem Beben erfaßt.

Armer Liebling!" stöhnte sie ein zweites Mal.

Wie, Du schauderst nicht zurückvormir?" fragte er und seine Augen weiteten sich,Du hast Mitleid vor dem Selbstmörder?"

Schaudern, weil Du gelitten? Um mich gelitten! O, wie gering und elend müßte die Liebe gewesen sein, die nicht das Leid und Weh mit Dir teilen könnte. Dich nicht verstände."

Er machte eine Anstrengung, sie emporzuheben, aber sie wehrte ihn ab:Laß mich!" sagte sie bittend,nicht eher stehe ich auf, bis ich Dir all'meine Schuld gebeich­tet, bis ich Dir gesagt habe, wie ich jeden Tag, jede Stunde mich nach Dir sehnte, wie ich nicht Ruhe gefunden habe, weder in der Einsamkeit, noch in der Arbeit, und wie ich nun auf dem Wege war, Dich zu suchen . .."

So hast Du den Schuldigen, den Kranken, der Dich so viel und in Unrecht gequält hat, noch lieb?" fragte er, und seine fahlen Wangen färbten sich.

Ach! Oswald, bin ich nicht Dein? Darf Unglück tren­nen ?"

Tiefer sank die Dämmerung, von den Türmen klan­gen die Abendglocken, unter den Zweigen im lauschigen Gärtchen kroch die Nacht heran. Wie in ferner Jugend­zeit saßen Oswald und Cäcilie beisammen, aber es wa­ren keine Märchen mehr, di« sie sich erzählten. Wehe Schick­salsfragen, Irren, Fehlen, Reue, Buße und viel Leid zit­terte durch beider Worte, aber in Frieden und stillem Hoffenklangen sie aus. Und als Göllnitz Cäcilie erzählte, daß Trude während seines Aufenthaltes in Aeaypten sei­nen Umzug hierher in bie einstige elterliche Wohnung

vollzogen hätte, weil ihm eine Ahnung zugeraunt, hier würden sie sich am ehesten wiederfinden, da schüttelte sie in Unbegreifen den Kopf und sagte:Und da verneinen die Ueberklugen alle Ahnungen; jeden geheimen, in die Ferne wirkenden Kontakt der Seelen!"

Als aber die Kühle niedersank, und nach innigem Ge­dankenaustausch Göllnitz sagte, nun würde Trude wohl kommen, ihn hinaufzuführen, da neigte sich Cäcilie zu ihm nieder, schlang die Arme um seinen Nacken und hauchte: Nein, Liebling, nicht Trude darf Dich mehr führen! Ich will Dir Pflegerin sein, daß Du wieder gesundest und lachen lernst,ich will Dich führen, aus denSchattenheraus, die uns umgaben, ins Licht. Wir haben beide gefehlt, und Vergangenes läßt sich freilich nichtungeschehen ma­chen, aber Abgründe kannmanüberbrücken, Wunden hei­len und Fehler sühnen. Laß uns die Schatten vergessen, die unser Glück eine Zeit verdunkeln konnten, und nur mehr in der Sonne unserer durch Leid geläuterten Liebe leben!"

In gegenseitigem Vertrauen," sagte er tief bewegt und ließ sich, auf den Arm der Freundin und Geliebten gestützt, zum Hause führen.

Im Verstehen und Verzeihen," hauchte sie. '.

Ende!

Gute« Rat. Eine hübsche Liszt-Anekdote erzählt der Carriere della Sera". Einst wollte dem großen Weima­rer Meister eine junge uud schöne Dame, die ein großes mu­sikalisches Talent zu haben glaubte, eine Probe ihres Kön­nens geben; sie setzte sich mit seiner Erlaubnis ans Kla­vier und begann eine Ballade von Chopin zu spielen. Liszt hörte mit der größten Aufmerksamkeit zu. Als die Dame fertig war, trat er an sie heran, legte ihr seine durchsichtige Hand auf die blondenHaare, drückte ihr einen väterlichen Kuß auf dieStirn und sagte mit unendlicher Sanftmut: Heiraten Sie, liebes Kind, heiraten Sie bald ... leben Sie wohl!" 164,18