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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

___________vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".__

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mirKreisblatt" vierteljährlich 1 M. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 39 Samstag, den 14. Mai 1910 61. Jahrgang.

Erstes Blatt.

Wngstjubel.

Es säuselt in den Blütenbäumen Der Pfingstgeist durch die stille Nacht, Daß rings aus ihren Frühlingsträumen Die schlummernde Natur erwacht.

Wie sprost und blüht es allerwärts!

Des Waldes Grün glänzt sonnumhellt, Und mit ihm blüht aufs neu das Herz: Wie schön ist doch die Welt!

Es funkeln in der Morgensonne

Die grünen Halme auf der Au,

Und über all der Festeswonne Erglänzt's im goldnen Sternentau.

Es will in seinem Sehnsuchtsdrang

Das Herz durchjauchzen Flur und Feld

Und weithin jubeln, stromentlang:

Wie schön ist doch die Welt!

Jetzt ist die Zeit, da auf die Erde

Den Kuß der blaue Himmel drückt, Daß sie im Herbst dann Mutter werde,

Vom süßen Kusse froh beglückt.

Doch ob des Lebens Wandelung

Den Blütenschmuck oft früh vergällt, Wenns Herz nur frisch und frei und jung, Bleibt dennoch schön die Welt.

Hat doch die Rebe, wonnig blühend,

Gar manche Träne schon geweint, Bis ihre Trauben, purpurglühend, Das schönste Sonnengold durchscheint?

Im Innern reift die Geisteskraft, Wenn auch der Blütenschmuck zerfällt;

Und wer in Liebe lebt und schafft.

Dem bleibt auch schön die Welt.

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Wieder ist es ins Land gekommen, das lieblichste aller Feste und mit ihm ist angebrochen die seelige, gnadenbringende Pfingstenzeit. Was in den Herzen der Menschheit seit Jahrtausenden wach gewesen ist, das hat sich an ihm erfüllt, Gottes Geist ist einge­zogen ins menschliche Herz. Jene alte Ueberlieferung aus der Apostelgeschichte, die uns von der Ausgießung des heiligen Geistes über die versammelte Jüngerschar

ZN der Schute des Lebens.

Roman von Editha v. Welten. 8

Wer aber auf mich reinfallen wird, darauf bin ich neugierig. Unterm Baron tu' ich's nicht: die Ware steigt im Preise, wenn sie knapp wird."

Die Mutter verwies ihr ernstlich eine derartig un- weibkiche Sprache.

Ottilie hörte gar nicht hm. In grotesken Sprüngen tanzte sie um ihr dickes Väterchen herum, bis diesem ganz schwindlich wurde.

Du pappekiges Ding," rief er, nach Luft schnappend, setz' Dich doch endlich einmal auf einen Stuhl, mir geht der Atem aus, wenn ich Dich so herumtollen sehe."

Ottilie breite sich lachend auf einer Fußspitze, um sich selbst und stürmte dann in dieSchote," um sich zum Ausgehen fertig zu machen.

Sie schoß davon, ohne auf dasWohin?" der Zu­rückbleibenden zu antworten.

Sie mußte zu Lina unbedingt; wenn eine, hatte sie es verdient, eine so wichtige Mitteilung zu allererst zu erhalten. Und das Gesicht, das Tante machen würde, war den Gang allein wert.

Jedes edle Strebe« ist seines Lohnes wert, und der wurde an diesem Morgen der schnellfüßigen Botin in reichem Maße zuteil. Besonders dadurch, daß sie Will- furth's beim zweiten Frühstück traf, bei dem mitzuhalten sie sich nicht lange bitten ließ. Und ihre Nachricht schlug ein wie eine Bombe, Lina war ganz freudige Teilnahme, ganz Neugier, und Frau Willfurth äußerte dasselbe, konnte sich aber nicht enthalten zu bemerken: »Schade, daß es nicht Grete ist, dann brauchte sie das fatale Examen nicht zu machen."

Ottilie widersprach eifrig.Da kennst Du unsere Mutter schlecht, Tantchen, erst recht würde sie darauf

berichtet, ist nicht eine Tatsache der Vergangenheit, sondern kann alle Tage für seelige neue Wirklichkeit werden, wenn wir uns nach Gott sehnen und strecken und ihn um seinen Geist bitten. Und wie bitter not­wendig ist es, daß wir diesen guten Gottesgeist em­pfangen. Ist doch unser Herz, wenn es ihn nicht hat, unruhig und tot in seinen Sünden. Aber unter des Gottes­geistes Wehen, da blüht und grünt es selbst in den totesten Herzen, und seelige Gemeinschaft mit Gott führt uns zum Frieden. Und wie in dem Leben der einzelnen, so im Leben der Völker. Nur wenn sie Gottes Geist in ihre Entwicklung und in ihre Geschichte hinein - nehmen dann sind sie starke und brauchbare Werk­zeuge in der Hand des großen Weltenmeisters, der hier auf Erden sein Reich hineinbauen will in die Herzen der Menschen und in die Seele ganzer Völker. Möchte solcher Geist der Pfingsten auch wieder einmal die deutschen Lande durchrauschen, damit wir einen Geistes­frühling erleben, den wir alle so recht von Herzen er­sehnen. Darum soll auf den Lippen derer, die Gott kennen, die Pfingstbitte stets lebendig sein: Komm heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe!

Deutsches Reich

Der Kaiser wird, während er in London weilt um den Beisetzungsfeierlichkeiten beizuwohnen, auf Ein­ladung des Königs Georg im Buckingham-Palast Wohnung nehmen.

Wildpark. Theodore Roosevelt sowie seine Gattin und Kinder trafen heute mittag 12 Uhr 52 Minuten mittels Sonderzuges auf Station Wildpark ein und begaben sich nach dem Neuen Palais. Mit dem Sonderzuge, trafen auch der Reichskanzler und andere zum Frühstück geladene Gäste in Station Wild­park ein. Die Fahrt von der Station nach dem Neuen Palais erfolgte im Königlichen Wagen. Im ersten derselben saß Dir. Roosevelt mit Frau und General von Löwenfeld, der vom Kaiser mit der Be­gleitung Roosevelts beauftragt ist. Dec Kaiser, der den Ueberrock und den Helm des Regiments Garde du Corps trug erwartete seine Gäste in dem Vestebühl vor dem Muschelsaale und trat bei Ankunft der Wagen auf die Freitreppe heraus. Er begrüßte Roosevelt und seine Gattin auf das herzlichste und begleitete sie durch den Muschelsaal nach dem Treffenzimmer. Der Oberhofmarschall von Eulenburg und der Hausmarschall Freiherr v. Lyncker schritten voran. Im Treffenzimmer

dringen; jetzt, drei Wochen vor der Prüfung zurück­zupfen um so'n bißchen Verloben .. nein, das gibt's bei uns nicht. Mutter hat uns beiden sofort plausibel gemacht, daß der Lehrer einzig und allein die Beloh­nung für AmalieS Bravheit und ihre gute Nummer im Examen ist, ein weiterer Sporn für unseren Fleiß. Na, wie unsere Amalie sich als Braut aus- und be­nimmt, das muß ich erst 'mal sehen, denken kann ich's mir nicht. Vielleicht hat die Liebe sie ganzumgekremvelt."

Ottilie schob eine gehörige Portion geräucherten Lachs in den Mund, und kniff vor Wonne die Augen zu, um den ungewohnten Genuß voll auszukosten.

Ob wohl so etwas einmal bei uns auf den Tisch kommt, nie! Aber ich hoffe, wenn das Brautpaar da ist, wird es auch bei Nerlings hoch hergehen, gelehrte terren sollen eine feine Zunge haben. Wenn aber chwager Ottomar, denkt Euch .. Ol .. to .. mar heißt er, der Rotwein aus dem Beamtenverein, die Flasche zu neunzig Pfennig, nicht schmeckt, so kann ich ihm nicht helfen."

Ottilie! Ottilie!" rief Lina, während Frau Willfurth moquant lächelte,denkst Du denn immer nur an Essen und Trinken? Du bist doch ein schrecklich materialistisches Wesen."

Findest Du? Ich glaube, viele, sehr viele Menschen denken genau wie ich, sie zeigen's nur nicht, weil sie besser Komödie spielen können. Biete mir doch auch von dem gekochten Schinken an, liebes Linchen, an Lachs allein möchte ich mir den Magen nicht verderben."

Lina reichte ihr lachend die Schüssel mit dem Auf­schnitt über den Tisch.

Wird denn Amalie," fragte Frau Willfurth,nun gleich ihre Stellung aufgeben und nach Hause kommen? Hat sie nichts darüber geschrieben?"

Kein Sterbenswörtchen. Sie muß wohl erst kündi­gen, damit sich Frau von Proßmann eine Nachfolgerin suchen kann. Amalie wird es schon ganz recht sein. Er­

wurde Roosevelt und Frau von der Kaiserin und den Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses empfangen, während die anderen Gäste im Tamerlan- zimmer verblieben. Hierauf fand in der Jaspisgalerie ein Frühstück an einzelnen Tischen statt. Die Herren erschienen hierzu in Ueberrock, die Damen in schwarzer Prvmenadentoilette mit Hut.

Der Reichstag erledigte am Montag zunächst eine Reihe von Petitionen, die der Budgetkommission Vorgelegen hatten, ohne Debatte und nahm dann eben­falls debattelos in dritter Lesung die Gesetzentwürfe über Gewährung von Diäten an die Sommerkommissionen, die dem Reichstag vorliegenden Nachtragsetats, das Kolonialbeamtengesetz und das Konsulatsgebührengesetz an. Dann folgte wieder die Beratung von zahlreichen Petionen, von denen die meisten Debattelos nach den Beschlüssen der Kommission erledigt wurden. Am Dienstag wurde eine allgemeine Sitzung abge­halten, in der die zweite und dritte Lesung des Kali­gesetzes erledigt wurde. Dieses hat in Kommission namhafte Abänderungen erlitten, und die einzelnen Parteien nahmen nun zu den betreffenden Anträgen ihre Stellung. Handelsminister Sydow erklärte sich im Namen der Regierung mit den Kommissionsbe- schlüffen einverstanden. Der Regierung kommt es nur darauf an, daß den unleidlichen Zuständen ein Ende gemacht wird, ein Gesichtspunkt, den auch die Redner der Rechten in den Vordergrund schoben. Es wurden zwar allerlei Bedenken geäußert, aber mit der Ten­denz waren eigentlich alle Redner einverstanden. Nur die Volksparteiler und Polen waren anderer Meinung. Nach einer sehr angeregten Debatte über die einzelnen Pharagraphen^wurde schließlich der Gesetzentwurf in zweiter und darauf in dritter Lesung en bloc gegen gegen; die Stimmen der fortschrittlichen Volkspartei, der Polen und der Minderheit der Reichspartei end­gültig angenommen. Reichskanzler v. Bethmann-Holl- weg verlas eine kaiserliche Merordnung, nach welcher der Reichstag bis zum 8. November vertagt wird. Mit einem dreifachem Hoch auf den Kaiser schloß der Präsident die Sitzung.

Das Abgeordnetenhaus ehrte am Sonnabend zu« nächst das Andenken des verstorbenen Königs Eduard von England durch Erheben von den Sitzen und er­ledigte sodann die erste Lesung des Gesetzentwurfes betreffend die Regelung des Wohnungsgeldzuschusses. Finanzminister Freiherr von Rheinbaben erklärte, mit der Verabschiedung des Gesetzes über die Beamten-

stens hat sie ja ihren Schatz in der Nähe und zweitens kann sie das Gehalt für ein halbes oder dreiviertel Jahr noch gut zur Aussteuer brauchen. Damit wird es von zu Hause wohl mau genug aussehen. Aber zu Ostern kommen sie, ich will nur wünschen, daß uns Grete nicht durchfällt, das könnte die ganze Stimmung schädigen. Pfingsten ist dann daS andere Brautpaar fällig, dies­mal wird Emil nur einen Tag für uns abstoßen, er muß natürlich zu seinem Bräutchen."

Weißt Du, Lina, die Ottilie ist doch ein rechter Irrwisch," sagte Frau Willfurth, als diese gegangen war.Sie hat mehr von einem Studenten an sich, als einem jungen Mädchen ansteht. Ich möchte nicht, daß Du solche Art und Weise schön fändest und Dich damit anstecken ließest. Und ich finde sie nicht einmal natürlich, sie schauspielert ein bißchen, weil sie weiß, daß man über sie lachen muß. Auch ihre Vorliebe für das Effen ..."

Nein, Mama, die ist echt," fiel Lina heiter ein.Du hättest sie nur neulich sehen sollen, als Du zum Whist warst und ich mein erstes Cousinenessen gab, es war ordentlich schmeichelhaft für mich, wie andächtig sie sich der Sache widmete und was für ein feines Verständ­nis sie hatte. Für solchen Gast zu kochen, ist eine Lust; Grete lobte mich selbstverständlich auch, aber der hätte ich ebensogutSchellfisch oorsetzen können, sie hätte es vielleicht für Steinbutt oder Seezunge gegessen."

Ja, die Amalie," lenkte Frau Willfurth auf die Hauptsache zurück.Wer hätte das gedacht. Ich sehe sie noch, wie sie vor einem Jahre abreiste, das blaffe, ver­weinte Gesicht mit der roten Nasenspitze, das ganze dürftige Figürchen und die kommt jetzt als Braut zu­rück."

Möglicherweise hat das Landleben sie frischer und ansehnlicher gemacht. Damals war sie ja noch vom Exa­men angegriffen, so daß Onkel sie gar nicht fortlassen wollte, bis sie sich erst ordentlich erholt hätte." 168,18