mit amtlichem Areisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
Erscheint Mittwoch und SamSlag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Samstag, den 25. Juni 1910
61. Jahrgang
Die im 61. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreitendste Zeitung im Kreise
Wer b UMW
Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.
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dir Expedition der „Schlüchterner Zeitung"
Deutsches Reich.
— Der Kaiser hat in seiner Antwort auf das Telegramm des Präsidenten des Hamburger Rennklubs, Max Schinckel, sein lebhaftes Bedauern ausgesprochen, nicht anwesend sein zu können. Es heißt alsdann wörtlich: „Ich freue mich in Dankbarkeit des guten Empfanges der Kaiserin und meines Kindes seitens der lieben Hamburger. Meine Heilung schreitet gut vorwärts, so daß ich hoffe, auf der Fahrt zur Kieler Woche Hamburg besuchen zu können."
— Wie verlautet, wird der Kaiser am Mittwoch nach seiner Ankunft in Altona bei Generaldirektor Ballin das Frühstück einnehmen.
— Der Kaiser ist Mittwoch früh 8 Uhr 4 Minu« ten mittels Sonderzuges nach Hamburg-Altona abge» reist und nachmittags dort eingetroffen.
— Prinzessin Feodora zu Schleswig-Holstein, die jüngste Schwester der Kaiserin ist Dienstag vormittag in Obersasbach, wo sie zum Besuch bei Freifrau von Roeder weilte an Herzschwäche gestorben.
— Der Staatsminister und Minister des Innern v. Moltke ist aus dem Amte geschieden, das er fast genau drei Jahre geführt hat: er wurde am 22. Juni 1907 zum Minister des Innern berufen. Am 1. Mai 1852 zu Rantzau (Holstein) geboren, wurde er nach dem Besuche der Universitäten zu Straßburg und Berlin 1877 Gerichtsreferentar, 1883, nach Bestehen der Asfesforprüfung zur Verwaltung übergehend, Regierungsassessor, 1885 Landrat des Kreises Tost-Glei« witz. Im August 1890 erfolgte seine Ernennung zum Regierungsrat, 1893 zum Geheimen Regierungsrat und Vortragenden Rat im Kultusministerium, im Mai 1897 zum Geheimen Oberregierungsrat. Am 27. Januar 1898 erhielt Herr v. Moltke die Bestallung zum Präsidenten der Regierung in Oppeln, im März 1900 zum Regierungspräsidenten in Potsdam. Im Oktober 1903 wurde er zum Oberpräsidenten von Ostpreußen ernannt. Exzellenz von Moltke ist ein
In der Schute des Leöens.
Roman von Ediths v. Welten. 22
„Sie hatten sich also schon mit dem Gedanken vertraut gemacht, Herr Schneider, daß Sie über kurz oder lang um LinasHandbei mir anhalten würden?"
„Selbstverständlich, gnädige Frau."
„Dann haben Sie wohl auch die Güte, mir ausein- anderzusetzen, welcher Art Ihre Chancen sind und was Sie Ihrer zukünftigen Fran, die in diesem Falle ein sehr verwöhntes Menschenkind sein würde^ zu bieten haben."
Der hübsche, junge Mann errötete und drehte nervös an seinem dunklen Schnurrbärtchen.
„Sie wissen, gnädige Frau, daß ich demnächst mein Examen mache, Lina wird es Ihnen gesagt haben, ich hoffe dann sehr bald mein Probejahr antreten zu können, und . . und die weitere Laufbahn eines Philologen dürfte Ihnen von Ihrem verstorbenen Herrn Gemahl her bekannt sein. Die Aussichten sind augenblicklich nicht ungünstig, freilich werde ich erst nach Jahren in der Lage sein, meine Braut heimzuführen."
„Und da haben Sie gedacht, ich würde auf so ungewisse Aussichten hin meine Tochter mit Ihnen verloben? Lina, die alle Tage die besten Partien machen könnte, als ewige Braut den aufreibenden Gemütsbewegungen aussetzen, die eine solche Wartezeit mit sich bringt? Sie haben sich das nicht ganz klar gemadjt, mein Herr, jedenfalls aber auf eine zu schnelle Einwilligung meinerseits gerechnet."
„Nein, gnädige Frau, das habe ich nicht, das hat auch Lina nicht, die Sie doch genauer kennt, als ich. Wir haben nicht an Jhrein Widerstreben gezweifelt, aber wir hofften, daß Sie auch nicht unerbittlich sein würden und in unserem Bunde schließlich doch das Glück Ihres einzigen Kindes sehen würden."
Neffe des Feldmarschalls und ein Bruder des Chefs des Generalstabs.
— Der neue Minister des Innern v. Dallwitz, bisher Oberpräsident von Schlesien, stammt aus Bres- lau, wo er am 29. November 1855 geboren ist. Er war auch später als Verwaltungsbeamter in ischlesien tätig, indem er 1886 als Landrat an der Spitze des Kreises Lüben stand. Hierauf Regierungsrat bei dein Oberpräsidium in Posen und Vortragender Rat im Ministerium des Innern, schied er 1902 aus dem preußischen Staatsdienst, um im nächsten Jahre an- haltischer Staatsminister zu werden. Von 1893 bis 1899 gehörte Herr v. Dallwitz auch dein preußischen Abgeordnetenhause als Mitglied der konservativen Fraktion an. Am 27. November 1909 zum Ober- präsidenten von Schlesien berufen, empfing er aus dem Lande seines bisherigen Wirkens Zeichen lebhafter Anerkennung für sein sechsjähriges Wirken an der Spitze der dortigen Verwaltung.
— Auch der Landwirtschaftsminister v. Arnim ist in den Ruhestand getreten und an seiner Stelle der bisherige Oberpräsident der Rheinprovinz Siemens Freiherr v. Schorlemer zum Staatsminister und Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten ernannt worden. Staatsminister Bernd v. Arnim, Herr auf Kriewen im Kreise Angermünde, ist am 20. Mai 1850 geboren und war im April 1867 in den Dienst der Marine eingetreten. Nach feinem Abschied aus dem aktiven Dienst widmete er sich der Bewirtschaftung seiner Besitzungen und später mancherlei öffentlichen Ehrenämtern. Schon seit 1892 war Bernd v. Arnim Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft und war seit dem 23. November 1906 Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Staatsminister Frhr. v. Schorlemer ist zu Alst im Kreise Steinfurt i. W. am 20. September 1856 geboren. Im Jahre 1886 wurde er in die allgemeine Staatsverwaltung übernommen. Am 1. April
„Das werde ich nie und nimmer. Ich will es Ihnen denn kurz und bündig sagen: Ich gebe Ihnen meine Tochter nicht, heute nicht und nach Jahren nicht, wenn sie dann noch frei sein sollte. Ich fordere von Ihnen, daß Sie als Ehrenmann handeln, sich nicht ferner mit ihr in Verbindung zu setzen suchen, weder persönlich noch schriftlich; Sie haben sich zwischen Mutter und Kind gedrängt, den Frieden unseres Hauses gestört ..."
„Wenn ich das unwissentlich tat, gnädige Frau, so bitte ich, vergeben Sie mir; ich kann zu meiner Rechtfertigung nur anführen, daß die Liebe stärker war als ich, daß sie mich fortriß, Lina zu sagen, was ich ihr noch nicht hätte sagen dürfen. Das ist meine ganze Schuld."
„Sie finden sich mit einer beneidenswerten Leichtigkeit mit dieser Schuld ab. Sie haben ein junges Mädchen aus guter Familie zu einer Handlungsweise verleitet, die geeignet war, ihren Ruf zu gefährden, das nimmt man in unseren Kreisen etwas schwerer, als Sie zu glauben scheinen."
„Allerdings, gnädige Frau, halte ich es nicht für ein unverzeihliches Verbrechen, was ich getan habe. Daß man in Ihren Kreisen, wie Sie besonders betonen, anders denkt, mag sein, ist aber für mich nicht maßgebend. Auch daß Sie mich ein für alle Mal abweisen, ohne mir einen stichhaltigen Grund zu nennen, das, gnädige Frau, ich bitte um Verzeihung, wenn ich Ihnen unehrerbietig erscheine, kann ich nicht, ohne zu zucken, hinnehmen. Ich stehe an Bildung keinem von Linas Tänzern nach, unter denen doch wohl die guten Partien zu suchen sein dürften, unter schweren Opfern der Meinigen und mit mancher arbeitsamen Nachtstunde Habeich sie mir erworben; ich stamme aus einer sehr armen Familie, aber auf unserem Namen ruht nicht der geringste Makel; mein Leben liegt offen vor jedermann, auch der übelwollendste Spürsinn würde
1888 übernahm er die Verwaltung des Landratsamts Neuß, am 1. Dezember 1897 die Vertretung des erkrankten Oberpräsidialrats in Breslau und wurde am 29. August 1898 dort zum Oberpräsidialrat ernannt. Seit dem 31. August 1897 Königlicher Kammerherr, schied er am 26. März 1900 aus dem Staatsdienst aus, um sich der Verwaltung seiner ausgedehnten Güter in der Rheinprovinz zu widmen. Am 24. August 1905 übernahm er dann als Nachfolger Berthold Nasses das Oberpräsidium der Rheinprovinz.
— Den ersten weiblichen Wohnungsinspektor besitzt die Stadt Halle, wo die städtischen Behörden als erste unter den preußischen Städten beschlossen haben, einen weiblichen Wohnungsinspektor anzustellen zur Minderung der Wohnungsnot.
— Zum Steik im Baugewerbe haben Zentralvor- strnd und Bezirksleiter des Zentralverbandes christlicher Bauarbeiter Deutschlands in einer Sitzung in Berlin beschlossen, da die Aussperrung seitens des Arbeitgeberbundes aufgehoben und die Lohnfrage durch Schiedsspruch geregelt ist, die Mitglieder unverzüglich zur Arbeitsaufnahme anzuhalt-n. Auch auf dem im Volkshause zu Charlottenburg tagenden Verbandstag der Maurer empfahl der Vorsitzende Bömelburg die An- nähme des von dem Schiedsgericht in Dresden gefällten Schiedsspruches und infolgedessen die Wiederaufnahme der Arbeit.
Ausland.
— Ein Vertrauensvotum für den ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Khuen Hedervary wurde in der in Budapest abgehaltenen Konferenz der Regierungspartei ausgestellt, in der Graf Khuen Hedervary betonte, daß die große Majorität in den Wahlen die Obstruktion verurteilt uud zugleich gezeigt habe, daß sie am Dualismus festhalten wolle. Der Ministerpräsident ersuchte sodann um das Vertrauen der Partei, worauf diese mit stürmischen Ovationen antwortete.
kein Fleckchen daran finden; meine Lehrer sind zufrieden mit mir und prophezeien mir eine gute Zukunft, warum, gnädige Frau, ich bitte Sie dringend, warum wollen Sie mir Lina nicht geben?"
Frau Willfurth hätte mehrmals versucht, dem Sprechenden ins Wort zu fallen, vergebens, die tiefe, ruhige Stimme tönte unbeirrt weiter.
Dem atemlos lauschenden Mädchen hinter der Portiere klang sie so sanft, wie Kirchenglocken, so eindringlich. Sie faßte neuen Mut, es mußte ja noch alles gut werden, konnte Mama denn diesem lieben, klugen Menschen widerstehen?
Mama konnte es.
Sie richtete sich noch gerader auf und erwiderte dem hartnäckigen Freier eisig: „Da Sie darauf bestehen, meine Gründe zu hören, will ich sie Ihnen nicht verschweigen. Sie müssen sich aber darein finden, daß sie nichts Schmeichelhaftes für Sie enthalten. Ich glaube Ihnen schon bemerkt zu haben, daß meine Tochter gute .. ich sage gute . . Partien machen kann, nur Sie, Herr Schneider, sind eine schlechte. Und fände ich an Ihrer Person nichts auszusetzen, um so viel mehr an Ihrem Beruf, kurz und bündig: ich gebe meine Tochter keinem Schulmeister!"
Der junge Mann sprang erbleichend auf, den Schlußsatz hatte sie mit so verletzendem Hochmut gesprochen, daß sich jeder Blutstropfen in ihm empörte.
„Frau Professor, ist das Ihr letztes Wort?" Er stieß es keuchend, sich mit Gewalt zur Ruhe zwingend, heraus.
„Mein allerletztes."
„Nun denn, so hören auch Sie mich noch einen Augenblick. Ich trat herein als ein Bittender, als ein Erbitterter gehe ich. Sie haben es verstanden, mich Ihnen für immer zu entfremden, mich, der Sie aus der Ferne verehrte, als die Mutter des Liebsten, was er auf der Welt hat.,, 168,18