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MlWMKiWg init amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: LandwirtschaftlicherZRatgeber,

____________Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".___

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Davaria des DerkehrsluftschiffsDeutschland."

Das Passagier-LuftschiffDeutschland" (Z. 7), das am Dienstag vormittag mit Vertretern der Presse eine Fahrt nach dem bergischen Lande unternommen hatte, ist anscheinend infolge Versagens der vorderen Steu­erung auf der Höhe des Teutoburger Waldes in die Bäume geraten und hat dabei eine schwere Havarie erlitten.

Ueber den Unfall liegen folgende Meldungen vor:

Essen (Ruhr). Das LufftschiffL. Z. 7" kam hier Dienstag um 11 Uhr vormittag in der Richtung von Steele in Sicht und fuhr um 11 Uhr 20 Min. in der Richtung nach Gelsenkirchen davon. Es passierte dann um 11 Uhr 30 Min. Gelsenkirchen, um H Uhr 40 Min. Recklinghausen, um 12 Uhr 5 Min. Sännen und um 12 Uhr 15 Min. Lüdinghausen in der Rich­tung aus Münster.

Kattenvenne. Das Verkehrsluftschiff Deutschland ist auf seiner Fahrt bis nach Kattenvenne getrieben worden und hat von dort den Rückweg nach Münster eingeschlagen. Die letzten Nachrichten besagen, daß das Luftschiff wieder auf Kattenvenne zurückgetrieben wird.

Düsseldorf. Das Luftschiff Deutschland ist am Dienstag zwischen 5'/, und 57« bei Jburg im Teuto- burger Walde gelandet. Es ist mit der Gondel in den Bäumen hängen geblieben und hat unwesentliche Beschädigungen erlitten.

Bergloh-Wellendörf. Das LuftschiffZ. 7." (Deutschland) landete um 6'/s Uhr infolge widrigen Windes, nachdem es aus einer Höhe von 1500 Metern herabgedrückt war, amkleinen Freden." Vor den Hinteren Propellern scheint ein Durchbruch des Schiffes erfolgt zu fein; es macht den Eindruck, als ob sehr weitgehende Reparaturen notwendig würden. Militär ist zur Hilfeleistung aus Osnabrück abgegangen.

Osnabrück, 29. Juni. Das LuftschiffDeutsch­land liegt im Walde auf der Seite. Der Hintere Teil ist vollständig zerstört. Die Ballonets wurden entleert. Das Luftschiff wird abmontiert. Ein Mon­teur erlitt einen Beinbruch. Militär sperrt den Platz.

Die Berliner Morgenblätter melden: Die am Dienstag haverierteDeutschland" flog ungefähr eine halbe Stunde lang mit einer Schnelligkeit von 200 Metern in einer Höhe bis zu 1250 Meter in die Wolken Als das Luftschiff aus den Wolken heraus- kam, fiel es rapid aus eine Höhe von nur 100 Meter

In der Schule des Leöeus.

Roman von Editha v. Welten. 25

Die Hochzeit bei Nerlings war vorbei; außer Will- furths und der Mutter des Lehrers, einer einfachen al­ten Dame, waren noch Verwandte aus Berlin da, und selbstverständlich auch das Brautpaar Emil und Eoeline. Letztere hatte bei Willfurths gewohnt und war ihnen sehr sympathisch gewesen, zu einer eigentli­chen Freundschaft war es zwischen den jungen Mäd­chen aber nicht gekommen, hauptsächlich, weil Lina noch immer mit einer geistigen Müdigkeit zu kämpfen hatte, die sie die lebhaften Annäherungsversuche der neuen Cousine gar nicht bemerken ließ.

Zu der geistigen Müdigkeit gesellte sich, je weiter das Frühjahr vorschritt, eine körperliche. Sie klagte über nichts, doch sie wie ein Vögelchen und schlief sehr schlecht, wovon sie abernichts sagte. Voll Sorge be­obachtete Frau Willfurth ihre Lina, die blasser und schmaler werdenden Wangen, die lässigen Bewegungen, die tiefen Schatten um die Augen, an all dem konnte doch nicht nur die Frühlingsluft schuld sein. Es kam ihr das Bedenken, ob sie doch nicht zu hart gegen das junge Wesen verfahren sei, ob sie nicht mit größerer Milde . auch zum Ziel gekommen wäre.

Im Mai waren so heiße Tage, daß man wähnen konnte, mitten im Sommer zu sein. Da versagten Linas Kräfte plötzlich. Sie hatte schon tagelang heftige Kopf­schmerzen, Schwindel und Ohrensausen gehabt, und eines Mittags, als sie, ohne etwas gegessen zu haben, vom Tische aufstand, brach sie ohnmächtig zusammen.

Von der jammernden Mutter und dem Mädchen auf­gehoben und zu Bett gebracht, erholte sie sich bald wie­der, blieb aber im halben Dämmerzustände regungslos liegen.

Die sonore Stimme des Hausarztes weckte sie erst wieder zu vollem Bewußtsein auf. Seine knappen Fra­

Samstag, den 2. Juli 1910

und geriet in den Teutoburger Wald. Bei dem un» freiwilligen Auftrieb hatte das Luftschiff sehr viel Gas verloren. Zum Unglück versagte in einem kritischen Moment noch der vordere Motor. DieDeutschland" geriet in die Bäume, ein Banm drang durch den Boden der Passagierkajütte, einige andere Bäume durch» bohrten die Hülle. Dadurch wurde das Schiff festge­halten. Es soll der Versuch gemacht werden, es durch Fällen von Bäumen derart frei zu bekommen, daß möglichst viel Material gerettet wird.

Deutsches Reich.

Am vergangenen Mittwoch waren zu der Abend­tafel in Kiel auf derHohenzollern" geladen: Vize» admiral z. D. Gühlich, Admiral ä l. s. v. Arnim Vize­admiral a. D. Barandon, Konteradmiral Lans, Konter­admiral Scheer, Kapitän z. S. Behring und Kapitän z. S. v. Rebeur-Paschwitz. Nach der Tafel erschienen noch die kronprinzlichen Herrschaften an Bord. Am Donnerstag mittag folgte der Kaiser und Prinz Hein­rich einer Einladung des Fürsten von Monaco zur Tafel auf dessen JachtAlice." Der Kaiser be­sichtigte am Donnerstag den neuen Panzerkreuzer von der Tann." Im Anschluß daran nahm der Kaiser die Abmeldungen des Staatssekretärs v. Tirpitz und der Marine attachös Kapitän zur See Starke und Korvettenkapitän Widenmann entgegen. Um 12'/, Uhr empfing der Kaiser den Professor für deutsche Kultur- und Literaturgeschichte und Direktor des germanischen Museums an der Harvard-Universität zu Cambridge Dr. Francke, ferner den Gesandten v. Eckert vor seiner Ausreise nach Chile und um 1 Uhr den Finanz­minister Dr. Lentze.

Unter allgemeiner Teilnahme der Bevölkerung fand Montag nachmittag in Primekau im Beisein der Kaiserin und anderer fürstlicher Trauergäste die Bei­setzung der Prinzessin Feodora statt.

Zur Entschuldigung des ländlichen Grundbesitzes sind, wie verlautet, für weitere Versuche zunächst die Provinzen Brandenburg und Sachsen in Aussicht ge­nommen. Eine Entschuldigungsaktion würde auch in diesen Provinzen nur auf der Grundlage des Gesetzes über Festsetzung seiner Verschuldungsgrenze für land- und forstwirtschaftliche Grundstücke in der Weise vor­genommen werden können, daß den landwirtschaftlichen und genossenschaftlichen Kreditanstalten staatliche Bei­hilfen für den Sicherheitsfonds gewährt werden. Diese Beihilfen würden in der Form zinsloser Darlehen ge­

gen beantwortete sie mit leisen, deutlichen Worten und sah, wie bet Kopf mit dem dunklen Vollbart befrie­digt nickte, dann schloß sie die Augen und horchte noch ein Weilchen nach dem Nebenzimmer hin, wo Mania mit dem Arzt verhandelte, betrübet schlief sie ein.

Bleichsucht, nichts als Bleichsucht, gnädige Frau; Lina hat augenscheinlich im letzten Winteffzuviel mitgemacht, zuviel getanzt; ich weiß, daß sie eine der gefeiertsten Damen im Ballsaal ist, man darf dem jungen Körper aber auch nicht zuviel zumuten, rächt es sich nicht gleich, so doch später. Lassen Sie sich diesen Anfall eine War­nung sein, meine gnädige Frau, ich hatte freilich selbst nicht gedacht, daß bei Fräulein Linas Jugendfrische so bald eine Erschöpfung eintreten würde. Es scheint mir fast so, als ob da noch ein Anstoß hinzugekommen wäre, der sich meiner Kenntnis entzieht, eine heftige Aufre­gung, ein geheimer Kummer oder der gleichen."

Er sah die ©ame fragend an, sie schlug vor seinem scharfen Blick die Augen nieder und entgegnete zögernd: Sie haben nicht so ganz unrecht, lieber Doktor, ich sage es Ihnen im Vertrauen. Lina hatte Aufregun­gen, vor längerer Zeit schon, aber sie sind, Gott sei Dank, überwunden."

Das genügt mir, zu wissen, gnädige Frau. Die see­lischen Vorgänge sind nur zu oft bestimmend für das leibliche Wohlbefinden, und der Arzt tappt im Dunkeln, wenn ihm das wichtigste verschwiegen wird. Eisen al­lein tut es hier nicht, nachdem, was Sie mir angedeu­tet haben. Luftveränderung, zeitweilige Entfernung aus den gewohnten Verhältnissen wird das beste sein. Ich möchte Sie in ein Stahlbad schicken, Pyrmont würde sich eignen.

Eswird zwar dort dem Vergnügenvielzusehrgehul- digt, aber in Ihrem Falle würde es einem stillerenBade- orte vorzuziehen sein. Das Klima ist mild, die Umge­bung reizend, und Sie finden gewiß Anschluß und Ihnen zusagende Bekannte. Nur keine Reunions, gnä­dige Frau, darum bitte ich, abends früh ins Bett

61. Jahrgang. geben werden, die nach Ablauf von 30 Jahren rück» zahlbar sind.

Eine vom Ausschuß zur Förderung der Be­strebungen vaterländischer Arbeitervereine einberufene Versammlung hat beschlossen, in erhöhtem Maße für die Bildung und Ausbreitung vaterländischer Arbeiter­vereine Propaganda zu treiben. Der Ausschuß, dem eine große Anzahl von Mitgliedern aller nationalen Parteien angehört, tritt nunmehr mit einem Aufrufe an die Oeffentlichkeit, in dem er auf die dringende Notwendigkeit hinweist, die Gründung vaterländischer Arbeitervereine gegenüber der wachsenden Agitation der Sozialdemokratie im Interesse unserer gesamten vaterländischen Entwicklung nach Kräften zu unter« stützen. Er bittet alle patriotischen Deutschen, ihm die Erfüllung seiner dringenden nationalen Aufgaben durch Einsendung von Beiträgen an die Königliche Seehandlung zu Berlin für das KontoFürsorge­ausschuß" zu ermöglichen.

Die polnische Reichstagsfraktion hat derGazeta Warszawska" zufolge einen Beschluß gefaßt, wonach kein polnischer Abgeordneter an der Einweihung des Kaiserschlosses in Posen teilnehmen darf. Sollte ein Abgeordneter eine Einladung zu dieser Feier erhalten, so hat die Fraktion über deren Annahme oder Ab­lehnung zu entscheiden.

Dem Ainanzminister Frhrn. v. Rheinbaben ist die nachgesuchte Entlassung erteilt worden. Ober­bürgermeister Dr. Lentze in Magdeburg ist zum Finanz­minister ernannt worden. Dem Botschafter in Paris Fürsten Radolin ist der erbetene Abschied erteilt und die Brillanten zum Kreuz der Großkomthure des Hohenzollernschen Hausordens verliehen worden. Als Nachfolger ist Staatssekretär Frhr. von Schoen in Aussicht genommen, der durch den deutschen Gesandten in Bukarest v. Kinderlen-Wächter ersetzt wird.

Ausland.

Die Eröffnung des ungarischen Reichstages hat mit einer Thronrede des Kaisers Franz Josef stattge- funden. An zwei Stellen wurde die Thronrede von stürmischem Beifall unterbrochen, bei der Ankündigung der Barzahlungen und der Wahlreform, insbesondere bei der Betonung des nationalen Charakters des ungarischen Staates, auch am Schlüsse der Thronrede erfolgten stürmische Eljen-Rufe. In der Unabhängig­keitspartei ist man über die Thronrede erklärlicherweise verstimmt. Graf Apponyi erklärte, es sei beispiellos,

und morgens ausschlafen lassen, so lange es die an­gegriffene Konstitution verlangt. Das versäumte Amü­sement kann im nächsten Winter nachgeholt werden."

Fran Willfurth fiel bei Doktor Limbachs zuver­sichtlichen Bemerkungen ein Stein vom Herzen. Die Reise war so gut wie beschlossen und es galt zunächst, Lina erst wieder so weit zu kräftigen, daß sie reisen konnte.

Acht Tage später war man mitten in den Reisevor­bereitungen. Lina durfte sich schonen. Sie brauchte nicht mit in die Läden und zur Schneiderin; während Mama alle Gänge allein besorgte, lag siedaheim aus der Chaise», longue und träumte oder las.

Schon in den letzten Wochen vor ihrer Erkrankung hatte sie angefangen, sich mehr mit den Büchern zu be­schäftigen, als sie früher getan. Mama hielt nicht viel von der Lektüre, sie meinte, ein junges Mädchen könnte sich besser beschäftigen, und da auch Lina keine große Neigung zum Lesen und es immer vermieden hatte sich zum Geburtstag oder zu Weihnachten Bücher zu wünschen, so war ihre Bibliothek nur klein. Die Vor- kommnisse der jüngsten Zeit hatten sie ernster gemacht, und seit sie das Leben nicht mehr ganz so rosig ansah, empfand sie ein unbestimmtes Sehnen nach geistiger Nahrung, sie fühlte mehr als daß sie es ahnte, es müsse noch andere Dinge in der Welt geben, als die, welche bis jetzt ihre Tage ausgefüllt hatten.

Sie suchte die Gedichtsammlungen hervor, für die sie in ihrer Backfischzeit schwärmte: RückertsLiebes- fruhling," Been, Deutsche Lyrik, Uhlands, Lenaus Ge­dichte. Sie las und schüttelte den Kopf, sie verstand ihre frühere Begeisterung nicht mehr. Hatten die an­deren jungen Dinger sie nicht nur damit angesteckt, und redeten die nicht wieder anderen nach? Sie war zu sehr ihrer Mutter Tochter, wenn sie auch ein wei­ches Gemüt besaß, der eigentliche Sinn für Poesie fehlte Hr. 168,18