WuchternerZeUm g mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
___________________Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".__________
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile ober deren Raum 10 Psg.
3a 57.
Amtliches.
Den nachgenannten Personen sind für langjährige treue Dienstzeit nachstehende Prämien aus Kreismitteln bewilligt worden:
1. Dem Schäfer Gotthard Raab, Herolz 20 Mk.
2. Dem Schäfer Jakob Rüffer, Hohenzell 20 Mk.
3. Dem Dienstknecht Adam Röder Hohenzell 10 Mk
4. Dem Schweinehirt H. Auth, Marborn 10 Mk. Schlächtern, den 6. Juli 1910.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses:
J. V. Bert«.
Königin Luise. •
Zum 1(0. Todestage am 19. Juli 1910.
Es rauscht durch des Sommers fruchtschweres Glühn Ein Klang aus vergangenen Tagen . . . Am Mausoleum die Rosen blühn, Im Buschwerk die Finken schlagen. Kornblumenkränze, leuchtend und blau, Legt man dir trauernd zu Füßen, Hörst du es klingen, du schlummernde Frau? Dein Preußenland will dich heut grüßen!
Ein volles Jahrhundert, seit dumpf und schwer Die Glocken am Dome erklangen: „Die große Königin ist nicht mehr, Im Leid ist sie heimgegangen!" Der Wehruf ein tausendfach Echo fand, „Schlaf wohl, du beste der Frauen, Auf, auf, ihr Brüder fürs Vaterland, Jetzt gilt's, ihr den Denkstein zu bauen!"
Hei, wie die Preußen sich aufgemacht, Der Königin Bild im Herzen: „Wir halten dir eine gute Wacht, Wir rächen dir Tränen und Schmerzen, Nur her, ihr Franzosen, nicht schreckt uns Tod, Ihr habt uns zu viel genommen . . ." Es war wie ein leuchtendes Morgenrot, Das nach dem Dunkel entglommen.
Und siehe, die Sonne sie stieg und stieg
Und lacht auf zerstampfte Auen, Trompeten schmettern und blasen „Sieg", Hörst du es, beste der Frauen? Was du begonnen, es ist vollbracht, Drum wollen wir Blumen dir streuen, Das Vaterland stehet in Einheit und Macht Und grüßt dich, grüßt dich in Treuen. Elfe Krafft.
In der Schute des Leöens.
Roman von Editha v. Welten. 30
Es waren lauter lebenslustige Menschen, die neuen Gäste, die alle Tage was vorhatten, Ausflüge, Fahrten, Theaterbesuche usw. Bei Tische erfüllte fröhliches Geschwätz das Zimmer, nur Frau Eibig hielt sich auffallend zurück, und Lina wehrte sich mit dem ganzen Eigensinn des verzogenen einzigen Kindes gegen intimeres Bekanntwerden mit den vielen Fremden. Wo es irgend anging, zog sie sich von der lauten Gesellschaft zurück und rettete sich ihr gewohntes Plauderstündchen mit Frau Eibig.
Mit gemischten Gefühlen sah sie der Abreffe entgegen. In der Pension hatte es ihr zuletzt gar nicht mehr gefallen, um so schwerer wurde ihr die Trennung von Frau Charlotte. Sie wußte noch so wenig von ihr, nicht einmal um wen sie trauerte, ein sehr Nahestehender mußte es wohlsein, wahrscheinlich der Gatte, denn Witwe war sie. Doch was sie sonst erlebt und erlitten, davon sprach sie nie, sie hatte Linas Vertrauen mcht erwidert. . , ., , .
„Sie werden mir schreiben, hoffe ich," sagte sie berm Abschied zu Lina. „Zehn Tage bleibe ich noch hrer, später werde ich Ihnen meine Adresse immer angeben, t wenn ich meinen Aufenthaltsort wechsle."
Lina versprach es unter Tränen. So viel hätte sie noch sagen und fragen mögen, und jetzt fiel ihr nichts von allem ein. .
Zum Bahnhöfe hatten die' Damen Willsurth eine | stattliche Begleitung, nur Frau Eibig fehlte, der hatten sie schon vorher, jede für sich,«Adieu gesagt.
Den Rest des Sommers verlebten sie sehr still. Lina war viel mit Ottilie Nerling zusammen, die im Herbst
nun doch nach Berlin ging. , , _. „
, Für den Winter plante Frau Willsurth große Dinge.
Samstag, den 16. Juli 1910
61. Jahrgang.
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Königin Luise.
Ein Gedenkblatt zu ihrem 100jährigen Todestage (am 19. Juli 1810)
Von S. Freudenb erger.
Das preußische Volk, die ganze deutsche Nation gedenkt heute in dankbarer Erinnerung einer seiner beliebtesten Frauengestalten, der edlen Königin Luise.
Wohl selten hat es eine Fürstin verstanden, sich in einem solch hohen Grade die Liebe und Anerkennung ihrer Untertanen zu erwerben als diese würdige Ahmn unseres Kaiserhauses.
Schon das Aeußere der edlen Fürstin machte einen bezaubernden Eindruck. Eine anmutige Gestalt, gepaart mit Schönheit und Würde, verlieh ihrem Auftreten eine königliche Haltung. Ihre Herzensgute und Liebenswürdigkeit gewannen ihr alle Herzen. Als sie einst vor ihrem Geburtstage von ihrem Schwiegervater gefragt wurde, welches Geburtstagsgeschenk sie sich wünsche, antwortete sie: Eine Hand voll Geld für die Armen.
Nicht Prunk und Luxus konnten ihr, der geborenen Fürstin, Befriedigung gewähren, sonder» Einfachheit und Häuslichkeit. Gerne verkehrte sie in ungezwungener Weise mit ihren Untertanen, die sie als treubesorgte Landesmutter allezeit verehrten und schätzten.
Ihr höchstes Glück fand die Königin in der Erziehung ihrer Kinder. Wie wichtig sie diese Aufgabe erfaßte, bezeugt ihr Briefwechsel mit ihrem betagten Vater. Nichtsdestoweniger nahm sie den regsten Anteil an den Regierungsgeschäften und stand ihrem Gatten allzeit als ein guter Schutzengel zur Seite. Doch ihre Vaterländische Gesinnung wurde auf eine harte Probe gestellt. Das anmaßende Auftreten des stolzen Korsen hatte Preußen genötigt, zu den Waffen zu greifen. Allein dem Heldengenie des mächtigen Franzosenherrschers konnten die preußischen Truppen nicht widerstehen. Bei Jena, Auerstadt und Reuß. Friedland entschied das Waffenglück zu Preußens Ungunsten. Das unglückliche Land war der Willkür des rücksichtslosen Gegners preisgegeben.
Da entschloß sich die edle, mutige Königin, eine Begegnung mit dem ihr unsympathischen Porvenü auf Frankreichs Thron herbeizuführen. Mit den Worten: „Wenn irgend jemand glauben kann, daß ich durch diesen Schritt dem Vaterlande auch nur ein Dorf mehr erhalten könnte, so bin ich schon allein durch diese Meinung unwiderruflich verpnichtet" widerlegte
Sie mußte Lina Gelegenheit verschaffen, sich endlich zu verloben, und dazu noch mehr die Geselligkeit pflegen, als in früheren Jahren. Sie dachte daran, Gesellschaftsabende einzuführen, an denen die Freunde des Hauses die anmutige junge Wirtin in den reizendsten Anzügen bewundern konnten, wenn sie der Teebereitung zierlich oblag, sie wollte Diners geben, was sie bisher noch nicht getan, mit großartigen Menüs und den besten Weinen.
Kaum waren die neuen Herbstkostüme fertig, als es an jedem schönen Tage hieß: „Lina, wir müssen Besuche machen, zieh das rote Tuchkleid an, wir wollen heute zu Dittebrands," oder: „Für Steuerdirektors nimm das taubengraue, es sitzt so vorzüglich, und die lassen in Berlin machen." „
Am liebsten hätte sie Lina bei diesen Visiten auch in Seide gehen lassen, nur daß es bei so jungen Mädchen hier nicht üblich war, die bösen Zungen hätten sich der Sache gleich bemächtigt.
Lina ging gehorsam überall mithin; sie lächelte liebenswürdig und sprach artige Worte, ihre Seele war nicht dabei. Es fehlte ihr die Wärme, die innige Teilnahme an den kleinen und großen Ereignissen innerhalb des Bekanntenkreises. Als nun die Saison mit einer Hochflut von Gesellschaften einsetzte und es für Willfurths Einladungen regnete, hatte Frau Willsurth einen sehr schweren Stand mit ihr.
Ihren unverdrossenenBemühungen, das heiratsfähige Töchterlein tüchtig unter die Leute zu bringen, setzte sie einen zähen Widerstand entgegen und entwickelte ganz ungeniert haarsträubende Ansichten, auf ine Frau Willsurth nie im Leben gekommen wäre.
So fand sie es auf einmal unsittlich, mit nackten Armen und tief entblößtem Hals zu Ball zu gehen, während man sonst, auch im heißesten Sommer, Stch- kragen bis an die Ohrläppchen und lange und längste Slermel ^9^^ T^Msellschaft im November mußte
sie jedes Bedenken zu dein wahrlich nicht leichten Schritte.
Welche Ueberwindung es ihr gekostet hat, dem stolzen Gegner als Bittende entgegenzutreten, bezeugt ihr Tagebuch mit den Worten: „Welche Ueberwindung es mich kostet, das weiß Gott. Denn wenn ich gleich den Mann nicht hasse, so sehe ich ihn doch als den an, der den König und das Land unglücklich gemacht. Seine Talente bewunde ich, aber seinen Charakter, der offenbar hinterlistig und falsch ist, kann ich nicht lieben. Höflich und artig gegen ihn zu sein, wird mir schwer werden. Doch das Schwere wird nun einmal von mir gefordert. Opfer zu bringen bin ich gewöhnt." Und sie brächte für ihr Volk das schwere Opfer und beugte sich vor dem Franzosenkaiser. Aber auch dem stolzen Sieger gegenüber bewahrte die edle Fürstin ihre königliche Würde. Als Napoleon sie fragte: Wie konnten Sie es wagen, mit mir Krieg anzufangen? erwiderte sie mit ungebeugtem Stolze: Sire, dem Ruhm Frie« drichs des Großen war es erlaubt, uns über unsere Kräfte zu täuschen, wenn anders wir uns getäuscht haben.
Diese berühmten Worte werden der tapferen Königin niemals vergessen werden. Und wenn auch ihr Opfer vergebens war, so hat sich die treue Landesmutter für alle Zeiten den Dank ihres Volkes gesichert. Der historischen Zusammenkunft folgte alsbald der Friede zu Tilsit, der Preußen die Hälfte seiner Län« der beraubte. Niemand beklagte das Unglück des Landes mehr als die unglückliche Königin. Ihre Gesundheit war gebrochen und der Tod nagte bereits an dem Herzen der noch jugendlichen Königin.
Schwer krank, reiste sie in den Julitagen 1810 nach dem Schlosse Hohenzieritz bei Neustrelitz, um den greifen Vater zu besuchen. Da überfiel sie ein schwerer Ohnmachtsanfall. Die Aerzte erkennen sofort den ersten Charakter des schweren Leidens. Der König und die ältesten Prinzen werden sofort an das Krankenlager der sterbenden Fürstin berufen. Sie treffen die Schwerkranke noch in den letzten Zügen. Am 19. Juli wurde die Schwergeprüfte Frau von ihrem Leiden erlöst. Ganz Preußen beklagte den frühen Tod der treubesorgten Landesmutter. Im Mausoleum zu Charlotten- burg ruht sie an der Seite ihres treuen Gatten.
Mit dankbarer Wehmut gedenken wir noch heute der edlen Fürstin, die für ihr Volk gekämpft und gelitten hat und wenn ja eine Königin den Dank ihres Volkes verdient und geerntet hat, so ist es unsere unsterbliche Königin Luise.
in letzter Stunde abgesagt werden, da Lina nicht zu bewegen war, das entzückende rosa Seidenkleid anzu- ziehen, weil es ihr zu weit ausgeschnitten war. Die Mutter bekam vor Aerger Migräne und mußte sich zu die Absage, für die heftiges Unwohl-
Bett legen; so war die Absage, für die heftiges Unwohlsein als Grund angegeben war, nicht einmal eine Lüge.
Fast bei jeder Einladung, die ankam, fragte Lina: „Müssen wir denn dahin?" worauf Frau Willsurth es für selbstverständlich erklärte, womit allerdings noch nicht feststand, daß sie auch wirklich gingen.
Herr Leopold Seidel war auch wieder da.
Er hatte sich einen großen Vorrat von englischer Garderobe und englischen Manieren über den Kanal mit heimgebracht und war infolgedessen in der deutschen Heimat der Löwe der Gesellschaft.
Frau Willsurth hatte bereits Gelegenheit gehabt, ihn zu begrüßen, und hatte es mit großer Wärme getan. Lina hatte wie ein Stock daneben gestanden. Sie hätte ihm ganz gern ein freundliches Wort gesagt, aber die Angst, die stillen Wünsche ihrer Mutter schein
bar zu teilen, machte sie stumm.
Zu Nerlings ging sie nur noch Sonntags. Der lustige Spottvogel war ja fort und Grete in der Woche im Kontor. Diese nahmen sie oft mit ins Theater, wobei aber Frau Nerling darauf bestand, daß Grete ihr Billett stets selbst bezahlte. Für die zwei- oder dreimal, die sie bei Willfurths „was mitmachte", mußte sie sich durch eine schöne Handarbeit für die Tante zu Weihnachten revanchieren; auf diese Weise erhielt sie von den reichen Verwandten nichts geschenkt.
Lina langweilte sich.
Den Haushalt führte die Mutter in musterhafter Weise; was sie der Tochter zu tun gab, waren doch nur Nebensachen, die noch recht gut von ihr selbst oder von den Dienstboten hätten getan werden können. Es fehlte Lina eine ernste Pflicht, an der die Kräfte zu üben, den Geist zu bilden und zu weiten, ihr eine Lust gewesen wäre. „ 168,18