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mit amtlichem' Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber

L-^fo«7Är^__Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat"._________ Telefon «r. «s.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

.M 72. Mittwoch, den 7. September 1910 61. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Der Kaiser ist am Abend des 5. September, von der 6OO-Jahrseier und der Denkmalsenthüllung in Stolp i. P. kommend, zu einem etwa zweitägigen Jagdaufenthalt beim Fürsten zu Dohna-Schlobitten inPrökewitz eingetroffen. Am 8. September begibt sich der Kaiser ins Manöver und wird an diesem Tage im Schlosse zu Schlobitten wohnen, während er am 9. und 10. September im Manövergelände sein Quar­tier aufschlagen wirb. Nach Beendigung der Feld- manöver fährt der Kaiser nach Jagdschloß Paith, wo er am 12., 13. und 14. September in den Oberför­stereien Rominten und Pawellningken auf Elchwild zu jagen gedenkt.

Der Kaiser wird im Laufe des Monats Sep­tember zum Besuch auf Schloß Fciedrichshof eintreffen. Es besteht die Möglichkeit, daß König Georg von England auf dem Schloß Friedrichshof dem Kaiser seinen Antrittsbesuch macht. Danach erscheint es auch nicht ausgeschlossen, daß eine Zusammenkunft mit dem Zaren stattfindet.

Wie wir hören wird die Kronprinzessin ihren Gemahl nach Ostasien bis Ceylon begleiten. Der Kronprinz wird dann die Reise über Siam, Tsingtau nach Pecking und Tokio fortsetzen. Für die Rückreise ist der Weg über Sibirien in Aussicht genommen.

Gelegentlich der Feier, die in Anwesenheit der Kaiserlichen Familie vor einigen Tagen im Kasino der Leibhusarenbrigade in Danzig-Langfuhr stattfand, brächte Prinzessin Viktoria Luise als zweiter Chef des zu eilen Leibhufaren-Regiments einen Trinkspruch auf ihren Kaiserlichen Vater, den ersten Chef des Regiments, aus, den dieser mit einem Hoch auf die Prinzessin er­widerte.

Die Minister der öffentlichen Arbeiten und für Handel und Gewerbe haben im Interesse der Verein­fachung des Geschäftsganges bei der Wasserbauver« Wallung den ProvinzialbehördlN empfohlen, die Be­fugnis zur Genehmigung von solchen Anlagen an Wasserstraßen, die nur vorübergehenden Zwecken dienen und nach bestimmter Zeit wieder beseitigt werden, auch nicht außergewöhnliche Einwirkungen auf den Wasser- lauf und die von den Behörden zu wahrenden öffent­lichen und privaten Interessen mit sich bringen, auf die Ortsbaubeamten zu übertragen. In gleicher Weise kann bei dauernden Anlagen verfahren werden, sofern ihre Einwirkung sich nur auf die örtlichen Verhältnisse beschränkt.

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In der Schule des Lebens.

Roman von Ediiha d. Welten. 50

Er wohnte nicht in dem alten, geräumigen Stadt­haus bei seiner Mutter, sondern hatte sich draußen in der Fabrik eine elegante Junggesellenwohnung ein­gerichtet, aus Geschäftsrücksichten, wie Frau Köhler er­klärte, um den Betrieb des großartigen Etablissements besser überwachen zu können. Sie hätte natürlich lieber gesehen, wenn sie ganz für ihren Einzigen hätte sor­gen dürfen; daß er mit wenigen Ausnahmen regelmä­ßig zu Mittag erschien und bei ihr speiste, auch ein paarmal in der Woche mit ihr spazieren fuhr, genügte ihr lange nicht, aber sie beschied sich, sah sie doch, wie viele Mütter ihre Söhne in der Fremde wußten, oft in fernen Ländern und unter Not und Gefahren. Sie weilte doch wenigstens den größten Teil des Jahres mit ihm in derselben Stadt, nur ihre sommerliche Bade­reise und Arthurs Geschäfts- und Vergnügungsfahrten trennten sie für einige Zeit.

Die Abende verbrachten Frau Köhler und Lina meist allein, Gesellschaften und Theaterbesuche hatten für ine Sechzigjährige keinen Reiz mehr; umso genauer ließ sie sich am anderen Tage Bericht erstatten, wenn ihr Sohn, der eine große Rolle im Städtchen spielte, an einer Festlichkeit teilgenommen hatte.

' Lina war es dann oft eigen zu Mute beisolchen Ge­sprächen, lebhaft gedachte sie der Zeit ihrer ersten Balle; mit derselben Aufmerksamkeit hatte auch ihre Mutter die gesellschaftliche Laufbahn ihres Lieblings verfolgt, aber sie mußte sich gestehen, daß dieser junge Mann mel länger den Geschmack an dem bunten Treiben bewahrt hatte, und mit naiver Freude an seinen mehr als an- gedeuteten Erfolgen die mütterliche Neugier befriedigte. Sie, Lina, hatte es schon nach zwei Wintern satt ge­habt; vielleicht war es gerade das Uebermaß von Ver-

Bei der Reichstagsersatzwahl in Warburg-Höxter (5. Minden) erhielt nach vorläufiger Feststellung Pro­fessor Dr. Spähn (Z.) rund 11 000 Stimmen, Schäfer- Meyer (Soz.) 600 Stimmen. Spähn ist somit gewähr.

Die sozialdemokratische Hetzarbeit steht in voller Blüte. Versammlungen zum Protest gegen die Fleisch­not und die Kaiserrede heißt jetzt die Parole. In Ber­lin wurden deren 33 auf einmal einberufen. Auch sonstwo geht der Rummel los; so in Leipzig, Breslau und Danzig. Es ist nichts dagegen zu machen. Es wird aber interessant sein, festzustellen, ob in all diesen Versammlungen auch nur ein ehrlicher Mann den Mut findet wird, zu fragen, was man sich denn z. B. von einer Grenzöffnung verspricht, wenn jenseits aller Grenzen genau derselbe Zustand herrscht wie bei uns, so daß man zwar die von der Grenzöffnung zu ge­wärtigende Gefährdung riskieren, auf keinen Fall aber eine Besserung davon spüren würde. Und ob ein an­derer ehrlicher Mann da sein wird, der den Mut be­sitzt, einemGenossen" zu sagen, daß durch des Kaisers eigene Worte in Marienburg die Königsberger Gottes- gnadenrede hinlänglich erklärt und kommentiert ist? Wir fürchten, dieser ehrliche Mann wird nicht auftreten.

Ein neuesBiwakfeuer" im Kaisermanöver. Im diesjährigen Kaisermanöver wird, wie der Korre­spondenzHeer und Politik" mitgeteilt wird, eine sehr bedeutsame Neuerung zum ersten Mal versucht werden. Es handelt sich darum, daß Biwakfeuer den modernen Ansprüchen der Kriegskunst mehr anzupassen. Wenn es auch einen wundervollen poetischen Anblick gewährt, so sind doch die kleinen Biwakfeuer durch ihren kräf­tigen Rauch und ihren hellen Flammenschein sehr ver­räterisch, und der schöne Anblick, der am Abend über­all aufflammenden Feuer im Truppenlager, die auch dem Feinde sichtbar sind, bildet zugleich ein vortreff­liches Zielobjekt. Die Schönheit und die alte Poesie muß aber vor den rauhen Forderungen der Wirklich­keit im Kriege noch in viel höherem Maße weichen, als in anderen Fällen friedlicher Natur. Aus diesem Grunde ist für das diesjährige Kaisermanöver die Weisung gegeben worden, daß für die Biwakseuer nicht mehr wie bisher Holz verwendet werden darf, da ein Holzfeuer eine zu große Flamme und viel Rauch erzeugt. Anstelle dessen werden Kohlenbriketis ver­wendet, die auf Lastzügen ins Manöverfeld mitgeführt werden. Zum Entzünden der Feuer werden petroleum- getränkte Anzünder der gewöhnlichen Sorte verwendet werden. Die Biwakfeuer mit Briketts geben nämlich nur eine kleine Flamme, die von weiter Ferne aus gnügungen gewesen, welches ihr so schnell Ueberdruß verursacht hatte.

Mitunter kam Arthur Köhler auch des Abends auf ein Stündchen, und Lina schloß aus Frau Köhlers Freude, daß dies eine neue Gewohnheit ihres Sohnes war. Weit entfernt, diese Abendbesuche auf Rechnung ihrer hüb­schen, jungen Gesellschafterin zu setzen, pries die be­glückte Mutter den treuen Sohn nur noch mehr. Lina aber fühlte instinktiv, daß er ihretwegen kam, und kleine, galante Huldigungen, die nur ihr bemerkbar und verständlich wurden, raubten ihr die Unbefangen­heit und flößten ihr eine unbestimmte Angst ein. Seine dunklen Augen ruhten oft mit einem rätselhaften Aus­druck auf ihr, keine Leidenschaft sprach daraus, mehr ein Prüfen war's, ein Tasten und Suchen, bei dem es sie unheimlich überlief.

Eines Abends, als er wieder dagewesen und be­sonders lange geblieben war, fand Lina in ihrem Zimmer auf dem Tische einen Maiglöckchenstrauß, der den ganzen Raum mit zartem Duft erfüllte.

Bestiirzt sah sie auf die Blumen. Von wem waren sie und was bedeuteten sie? Sie mußte es erfahren.

Auf ihr heftiges Schellen trat die alte Dora ein und fragte mit mürrischem Gesicht:Was ist g'fällig?"

Es klang so unauffällig wie nur möglich; Lina kannte indessen die Alte schon, die als Kinderfrau vor dreißig Jahren ins Haus gekommen war und jetzt das Gna­denbrot erhielt. In ihr hatte sich der Volkscharakter rein und unverfälscht bewahrt. Ungemein brav und treu, starrköpfig und einsilbig, ging sie für ihre Herrschaft durchsFeuer, zankte sich mit den anderen Dienstboten und hatte mehr als eine Köchin weggebissen. Der e Herr" nannte sie scherzend den eisernen Bestand, enn eine, konnte nur sie um die dreiste Gabe

wissen. Lina deutete schweigend auf die Blumen.

Die Alte verzog den Mund und zuckte die Achseln. Lina mußte sich entschließen, die Verhandlungen zu eröffnen.

völlig unsichtbar bleibt und darum nicht zum Verräter werden kann.

Als eine Folge der letzten Aussperrung im Bauge­werbe ist eine Maßnahme anzusehen, die jetzt von den Berufsgenossenschaften geübt wird. Diese haben mit den Unfallversicherungsgesellschaften folgende Verein­barung getroffen: Wenn am Jahresschluß die durch regel­mäßige Beiträge eingegangene Summe nicht aus« reicht, um die durch die im Laufe des Jahres ge­meldeten Unfälle verursachten Versicherungskosten zu decken, so werden denjenigen Arbeitgebern, auch pri­vatim, die während der Zeit der Aussperrung in eigener Regie Arbeiten ausführen ließen, außerordentliche Beiträge auferlegt, deren Höhe sich nach der Größe jedes einzelnen Betriebes richten soll.

Die Erlaubnis zur Anlegung nichtpreußischer Orden muß bekanntlich bei jeder Verleihung bei dem König von Preußen nachgesucht werden. In den letzten Jahren sind nun auffallend viele Dekorationen an Personen verliehen worden, bei denen von irgendwelchen Verdiensten um den Staat, welcher die Auszeichnung verlieh, nicht die Rede sein konnte. Da fernerhin festgestellt wurde, daß es namentlich in Berlin eine ganze Anzahl von Agenten gibt, welche die Verschaffung von ausländischen Orden gegen Zahlung verhältnis­mäßig ganz geringer Summen gewerbsmäßig betreiben, hat der Kaiser angeordnet, daß, abgesehen von der Makellosigleit des Nachsuchenden dieser eine Urkunde des Berliner Bevollmächtigten jenes Staatesbeizubringen hat, i» welcher die besonderen Gründe angegeben sein müssen, welche für die Verleihung, der Dekoration be- stimmend waren. Von deren Nachprüfung erst wird die Erlaubnis zur Anlegung abhängig gemacht. Aus dieseWeise soll demOrdensschacher entgegengetreten werden

Die überseeische Auswanderung aus dem Deut­schen Reiche war in den letzten zwei Jahren geringer als je zuvor; sie betrug 1908 nur 0,32 vom Tausend und 1909 nur 0,39 vom Tausend der Gesamtbevöl- kerung. Im Jahre 1891 belief sie sich auf 120 089 Personen ----- 2,41 vom Tausend der Gesamtbevölke rung; 1895 war sie auf 37 489 Personen 0,72 vom Tausend, 1900 auf 22 309 Personen = 0,40 vom Tausend gesunken; bis 1905 ist sie dann wieder auf 28 075 Personen 0,47 vom Tausend gestiegen. Von den im Jahre 1909 ausgewanderten 24 921 Per­sonen gingen 19 930 nach den Vereinigten Staaten, 367 nach Brasilien, 4256 nach dem übrigen Amerika, 178 nach Australien, 26 nach Afrika, 164 nach Groß­britannien.

Wissen Sie, wie der Strauß hierherkommt?"

Ich kann's nicht ändern."

Lina übersetzte sich die landesübliche Wendung in das ihr geläufigere: ich kann nicht dafür.

Sie wissen also davon?" frug sie weiter.

Hab'n ja selbst hingestellt."

In wessen Auftrage?"

Er wollte es so."

Er" ist Herr Köhler?"

Dora nickte.

So werde ich Herrn Köhler bitten, derartiges künf­tig zu unterlassen," sagte Lina in ihrem kältesten Tone.

Die Alte drehte sich um und schlürfte aus dem Zim­mer.

Linas Ruhe war nur eine scheinbare, innerlich bebte sie über die Beleidigung, der ihre abhängige Stellung sie aussetzte. Ja, eine Beleidigung war es, wenn der Sohn des Hauses hinter dem Rücken seiner Mutter durch Vermittlung der Dienstboten ihr Blumen schenkte, sie mußte sich das ernstlichverbitten.

Schon am nächsten Tage bot sich ihr Gelegenheit, da Arthur Köhler etwas früher zu Tisch kam und sie einen Augenblick mit ihm allein blieb. Sie sagte es ihm mit fester Stimme und großer äußerlicher Beherr­schung, aber ihr Herz klopfte so laut und ängstlich in ihrer Brust, daß sie meinte, er müsse es hören.

In seinen Augen flammte es auf, doch nur einen Moment, dann senkte er die Blicke und bat mit ge­dämpfter Stimme um Verzeihung. Der Eintritt der Hausherrin überhob ihn einer weiteren Entschuldi­gung.

Seitdem bezeigte er Lina die größte Ehrerbietung, und diese, dadurch sicher gemacht, war nur zu bereit, den unliebsamen Vorfall zu vergeben und zu verges­sen.

Unangenehm blieb es nur, daß Dora darum wußte, und als Lina zu bemerken glaubte, daß die Alte sie arg­wöhnisch beobachte, war sie auf ihrer Hut. . _ 168,18