MichternerMung
mit amtlichem Rreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. 65.__Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".____Telefon Nr. es.
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
32 91. Samstag, den 12. November 1910 61. Jahrgang.
L
Amtliches.
J.-Nr. 2057 L. U. Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung von 1. Juni 1910, bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß Ende des Monats November der technische Aufsichtsbeamte der Hessen- Nassauischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft mit einer stichprobenweise!, Nachrevision bezüglich der Durchführung der Unfallverhütungsvorschriften im hiesigen Kreise beginnen wird.
Schlächtern, den 7. November 1910.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
J.-Nr. 66607217“
es stimm dntttsl
Der Gastwirt ttllrich Schwer in Oh«rkalbach beabsichtigt auf seinem in der Gemarkung Qberkal- bach gelegenen Grundstück Kartenblatt F Parzelle Nr. 230/112 ein Schlachthaus zu errichten.
Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenntnis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzu- bringen. Nach Ablauf der Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht
Freitag, den 27. November d. J.
vormittags 11 Uhr
vor dem Unterzeichneten an. Im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden wird gleichwohl mit Erörterung des Unternehmens bezw. der Einwendungen vorgegangen werden.
Zeichnungen und Beschreibungen der Anlagen können während der Dienststunden im Bureau des, Kreisaus- schusses eingesehen werden.
Schlächtern, den 10. November 1910.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.____________
Kreis Pferdeverstcherung betreffend
Vom 15. bis zum 26. ds. Mts. werden die Vorstandsmitglieder, Herren Kohlhepp-Schwarzenfels, Sie- mon-Gundhelm, Walther-Elisabethenhof, Eckart-Steinau, die Revision der versicherten und der neu in die Ver- sicherung aufzunehmenden Pferde vornehmen.
Die Pferdebesitzer erhalten Nachricht durch die Post, wann und wo sie die Pferde vorzuführen haben.
Diejenigen Besitzer, welche noch versichern wollen,
Segen der Arbeit.
Roman von Klara Hellmuth. 18
Sentimentale Bescheidenheit lag nicht in Ernas Na- tur. Sie kannte sich und ihren Wert. Sie wußte, daß sie hübsch war, liebenswürdig und tüchtig und abgesehen vom mangelnden Vermögen begehrenswert in jeder Hinsicht. Zwei oder drei abgewiesene Heiratsanträge waren des Zeuge, und es gab mehr als einen jungen Mann, der nur auf eine Ermutigung wartete, um sich ihr zu nähern. O, sie hatte nicht nötig, sich irgend jemand an den Hals zu werfen, am wenigsten diesem Förster.
Erna redete sich allmählich in immer blinderen Zorn ) Trotz hinein. In guten Tagen lenksam wie ein Kind,
und Trotz hinein. ,j.. s--------------------
ward sie störrisch bis zur Unvernunft, sobald chr Stolz gereizt ward. Daß ein Mann, noch dazu einer, den sie bisher in ihren Gedanken so hoch gestellt hatte, es wagen konnte, sie so zu behandeln, erbitterte und beschämte sie
über alles Maß. .., .
Sie gehörte nicht zu den weichen Seelen, die sich in Sehnsucht verzehren, die Tag und Nacht mit angstvoller Spannung warten, ob derTreulose nicht dennoch Ia^ch kehre, die von Unruhe gepeinigt zu den Bekannten schlei- chen, ob sie etwa auf Umwegen etwas über ihn erfahren möchten. All dies lag nicht in Ernas Natu^ ^as sie ersehnte, war etwas ganz anderes; es h,eß Verget- tung. Ihm nur weh tun können, recht weh, so wie er ihr getan, das war ihr einziger Gedanke. Naturen, wie i die ihre denken nie daran, daß auch einmal die Stun kommen könne, da sie inmitten der Wüste, dreihrblm der, unfruchtbarer Haß geschaffen, trostlos medersmken, um über Unabänderliches zu weinen. - Aa
Die nächsten Tage brachten einen Besuch Auerbachs. Er kam eigentlich nur in Geschäften, denn den^Ge, ken, um C
^gentlich nur m Weicycqien, u«i» -— Erna zu werben, hatte er in letzter Zeit so gut -geben. Wenn sie diesen pauvren Grunrock ihm so offenkundig oorzog.. immerhin. Er war mch
müssen ungesäumt den formularmäßigen Versicher- ungs-Antrag (Formulare sind bei den Herren Bürgermeister zu haben) in allen Teilen ausgefüllt und unterschrieben an das obige Vorstandsmitglied ihres Bezirks oder an den Vorsitzenden, Herrn Rentmeister Pfalzgraf, einsenden. .
Schlüchiern, den 10. November 1910.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.
Deutsches Deich.
— Kaiser Wilhelm wird am 11. d. M. auf dem Wege nach Donaueschingen dem russischen Herrscherpaar einen Besuch in Wolfsgarten abstatten.
— König Friedrich August von Sachsen wird am 16. November zu einem mehrstündigen Aufenthalt in Wien eintreffen und bei seiner Schwester, der Erzherzogin Maria Josepha, im Augartenpalais absteigen. Um 11 Uhr vormittags wird der Kaiser den Besuch des Königs in der Hofburg entgegennehmen. Am Abend wird der König an der kaiserlichen Tafel in der Hofburg teilnehmen. Sodann wird der König zu einem mehrtägigen Jagdaufenthalt nach Tarvis fahren.
— Der Kaiser von Rußland wohnte Dienstag abend, einer Einladung des Offizierskorps des 2. Großherzoglich Hessischen Leib-Dragoner-Regiments Nr. 24, dessen Chef er ist, folgend, mit dem Großherzog von Hessen und dem Prinzen Heinrich von Preußen einem Festessen des Offizierskorps im Regimentskasino bei. Auf dem Wege zum Kasino bildeten die Mannschaften des Regiments Spalier. — Die Kaiserin von Rußland stattete auch mit der Großherzogin von Hessen der Säuglingspflege und Mutterschutz einen Besuch ab.
— Anläßlich des Zarenbesuches ist laut amtlicher Veröffentlichung die Kaiserin Auguste Viktoria zum Chef des russischen Leib-Garde-Hnsaren-Regiments Grodno ernannt und Seine Majestät Kaiser Wilhelm in die Listen desselben Regiments eingeschrieben worden.
— Ordensverleihungen. Der Kaiser von Rußland hat dem Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg den St. Andreasorden und dem Staatssekretär v. Kiderlen- Wächter den St. Alexander-Newski-Ocden verliehen. Der deutsche Kaiser hat dem Verweser des russischen Ministeriums des Äußeren Sasonow das Großkreuz des Roten Adlerordens, dem russischen Botschafter am Berliner Hofe, Graf von der Osten-Sacken, und dem Generaladjutanten und Minister des kaiserlichen Hauses Baron Fredericks die Brillanten zum Schwarzen Adlerorden verliehen.
Mann, sich einen Korb zu holen. Schade war es freilich drum! Sie war eine so verteufelt schmucke, kleine Hexe, und daß sie schwer zu kirren war, machte sie nur um so anziehender, aber na, wenn nicht, denn nicht. Um so angenehmer war er überrascht, Ernas Wesen auf einmal gänzlich verändert zu finden. Noch nie hatte er sie so liebenswürdig gesehen, so bereit, seine Witze und Erzählungen zu belachen. Aha! Die Kleine zog also doch andere Seiten auf. Vermutlich war ihre anfängliche Sprödigkeit nichts als Berechnung gewesen, die sie abwarf, sobald sie sah, daß sie auf diese Weise nicht bei ihm zum Ziele käme. Ja, diese Weiber! Sie steckten voller Liste und Ränke, aber Gott sei Dank, er, Emil Auerbach, kannte sie und wußte sie zu nehmen. Nun, wenn das Mädelchen ihre Torheit einsah und hübsch zu Kreuze kroch, so würde er wohl auch kein Unmensch sein, der sie zu lange zappeln ließ. Kr bemerkte schon jetzt, daß er von neuem Feuer fing.
Er war kaum eine Stunde im Hause gewesen, als er auch schon mit dem Vorschlag herausrückte, Erna ein wenig spazieren zu fahren, und diesmal sagte sie nicht nein. Auerbachs devoter Ton, sein offenbares Bestreben, sich ihr angenehm zu machen, waren ihrem schwer gekränkten Stolz wie Balsam. Sie würden natürlich an der Försterei vorbeifahren, und dann konnte dieser Busch ja sehen daß es auch noch andere Leute gab, denen an ihr gelegen war. Auerbach schwatzte unaufhörlich. Von seiner Wirtschafterin, die ihm kürzlicheineudelrzrösenHum- mer rein verdorben habe, von seiner neuen Eßzunmer- einrichtung, genau wie die des Senators Dingskirchen in Hamburg, von Steinbrücker Stadtklatsch und ähnlichen Dingen. Zwischendurch sagte er Erna gewagte Schmeicheleien, die sie früher scharf genug zurückgewiesen haben würde, die sie aber heute stillschweigend passieren ließ.
Der Fabrikant fuhr an diesem Abend viel spater, als er ursprünglich beabsichtigte, nach Hause, und in sehr animierter Stimmung. Das hübsche Kind hatte wirklich ihre Geschmacksverwirrung in Berreff des Grünrocks emge-
— In einem an die Provinzialbehörden gerichteten Erlasse hat der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten darauf hingewiesen, daß die im Arbeiterschutzinteresse von den Polizeibehörden auszuübende Baukontrolle nicht allein den Hochbauten, sondern in gleichem Umfange auch den Tiefbauten und dem Abbrüche von Baulichkeiten zu gelten hat. Die Polizeibehörden sollen, soweit dies noch nicht geschehe» ist, dafür sorgen, daß die mit der Bautenkontrolle befaßten Organe auch diesen Arbeiten ihre Aufmerksamkeit zuwenden, damit die bestehende Unfallgefahr nach Möglichkeit herabge- mindert wird.
— Früchte sozialdemokratischer „Aufklärung". Ein Mitarbeiter der Frankfurter Wochenschrift für „Wahrheit und Recht" begab sich kürzlich, als Arbeiter verkleidet gelegentlich der Offenbarer Stadtverordnetenwahlen, die den Sieg der Sozialdemokratie herbeigeführt hatten, nach Offenbach a. M. und setzte sich unter die Sozialdemokraten. In gehobener Siegesfreude saßen dort zahlreiche Männer und Frauen beisammen und jubelten über den sozialdemokratischen Erfolg. Eine der Frauen sagte, in dem Glauben, daß nur Gesinnungsgenossen in der Nähe saßen: „No jetzt sein mer bald so weil, daß mer kaa Steuern mehr zu zahle hawe. Mer howe jetzt bald genug von unsere zusammengewählt." Eine andere sagte mit zynischem Lächeln: „Kinner wenn mer erst emol so weit sein, daß mer dem reiche Volk 's Messer in de Wamms stechen könne, dann hunn mer gewönne." Eine dritte sagte: „Geht hani, deß will ich gor net. Mit genügt's, wenn ich dem Kommerzienrat K. seine uffgeblosene Döchter die seidene Fetze vom Leib erunner reiße unn en uff's Maul Hage berf, dene hochnäsige Frauenzimmer." — So in diesem Ton ging die Unterhaltung weiter. Es war ekelhaft, zu hören, wie diese „Genossinnen" sich gegenseitig an Roheit überboten. Ein langer, stämmiger Arbeiter erklärte zur Beruhigung der Umsitzenden: „Kinner, des sage ich euch, noch zwaa Wähle, unn mer kenne losschlage. Aber dann sag ich euch nix wie druff. Es darf kau Staa (kein Stein) uff dem annern bleiwe."
— Reichsetat. Wie aus Berlin geschrieben wird, belaufen sich die durch das neue Quinquennat bedingten Mehrausgaben des Finanzjahres 1911/12 auf nur 8 Millionen Mark. Die Deckung hierfür ist in der — vom Reichstage noch zu bewilligenden — Wertzuwachssteuer gefunden worden, deren Erträgnis auf zunächst 13 Millionen geschätzt und vom Reichsschatzamt angesetzt wird, so daß aus dieser Neueinnahme restliche 5 Millionen für die Veteranenbeihilfen frei bleiben.
sehen und ihm, Auerbach, dies so gut zu verstehen gegeben, daß sie dafür belohnt zu werdenverdiente. Er war des Junggesellenlebens jetzt überdrüssig. In mehr als einer Hinsicht kam es doch recht teuer und bot mit zunehmenden Jahren zunehmende Unbequemlichkeiten.
Er war den Vierzigen nahe, sein Haupthaar lichtete sich bedenklich, wenn er noch in den Ehestand wollte, so würde es Zeit. Die kleine Erna gefiel ihm, sie hatte so etwas Forsches, Pikantes. Die sentimentalen Mädel, die bei jeder Gelegenheit Verse zitierten, von denen er niemals wußte, wo sie herstammten, konnte er nicht leiden. Sie war ja freilich arm wie eine Kirchenmaus, aber . . Deubel auch .. wozu hatte man denn das viele schöne Geld, wenn man sich nicht einmal eine Frau nach seinem Geschmack leisten konnte?
Als er diesen Gedankengang noch einpaar Tage lang verfolgt hatte, war er mit sich im reinen, und eines schönen Morgens trug der Postbote in seiner geräumigen Tasche einen Brief nach Kosenau, in dem Herr Emil Auerbach in korrekten Worten um die Hand von Fräulein Erna anhielt.
Die Empfindungen, die das Schriftstück erregte, waren nicht so ganz ungemischter Art, wie derSchreiber erwartet haben mochte. Der Pater legte die Entscheidung ganz in Ernas Hand. Auerbachs Verhältnisse waren glänzend und gegen seine Persönlichkeit nichts besonderes bekannt. Daß er selbst in den Honorationenkreisen feiner Stadt keine besondere Beliebtheit genoß, weil er den selbstüberhebenden brüsken Ton, den er seinen Untergebenen gegenüber anschlug, gern auch auf andere über* trug, und daß insbesondere in Fabrikantenkreisen die Wertschätzung Auerbachs keine große war, das wußte der Administrator nicht. In jüngeren Jahren sollte er ja auch flott gelebt haben, aber das machten ja leider die meisten nicht besser, und er würde sich inzwischen die Hörner wohl abgelaufen haben. Männer vom SchlageBuschs warentäglichseltenerwerdendeAusnahmen, andeuen die Majorität nicht gemessen werden durfte. 179,18