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Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Areisblalt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 25.

Mittwoch, den 29. März 1911.

Die Luzerne und ihr Anbau.

Unter den verschiedenen Futterpflanzen, die hier angebaut werden findet im allgemeinen die Luzerne, auch ewiger Klee oder Monatsklee genannt, noch viel zu wenig Beachtung. Bei der im Kreise Schlüchtern mit soviel Erfolg betriebenen Viehzucht und bei den hohen Preisen aller Kraftfuttermittel muß der Land­wirt in erster Linie für genügend und gutes Futter für seinen Viehstand sorgen. Er muß genügend Futter bauen, um nicht nur im Frühjahr noch solches zu haben, sondern auch um eineneisernen Bestand" zu erübrigen für die schlechten Zeiten. Ist dann genügend Futter vorhanden, so ist der Bauer nicht angewiesen, wie man das hier oft sehen kann, sein Vieh Anfangs April hinauszutreiben, um es auf den Waldwegen und Triften zu hüten. Abgesehen davon, daß das dort stehende Futter zu dieser Jahreszeit meist schlecht ist und nicht den Weg lohnt, den das Vieh zum Teil zurücklegen muß, so kommt es meist hungriger in den Stall zurück, als es herausgetrieben wurde.

Die Anfangs erwähnte Luzerne kann aus folgenden Gründen dem Landwirt nicht genug zum Anbau em­pfohlen werden. Die Luzerne liefert gerade in trockenen Jahren und in trockenen Lagen, wo also Rotklee und andere Futterpflanzen versagen, verhältnismäßig gute Ernten infolge ihrer außerordentlich tiefgehenden (23 Meter) Wurzeln. In guten Jahren liefert sie Massenerträge und kann 34 mal geschnitten werden. Ferner gewährt sie den Vorteil 810 Tage vor dem Rotklee gemäht werden zu könne«. Sie ist sowohl als Grünfutter, wie in getrocknetem Zustande ein gutes, vom Vieh gerne gefressenes Futter, das sehr nahrhaft und auf die Milchergiebigkeit der Kühe von gutem Einfluß ist. Beim Füttern der grünen Luzerne wird diese vor Eintritt in die Blüte gemäht, beziehungsweise im Anfang der Blüte, da sonst die Stengel zu hart werden für das Vieh. Bei der Zubereitung von Heu wartet man mit dem Schnitt bis die Luzerne blüht. Der Vorteil beim trocknen der Luzerne anderen Kleesorten gegenüber ist der, daß diese schneller dörrt, da ihre Stengel ui4>t so saftig sind, wie die Stengel des Rotklees, und ge­rade diese sind es, welche die Rotkleeheubereitung so unend­lich langwierig machen. Aber noch ein Hauptvorteil der Luzerne ist, wie der Nameewiger Klee" schon andeutet, daß dieselbe jahrelang stehen bleibt und jedes Jahr ihren Ertrag liefert Hieraus ergibt sich, daß der Anbau nur alle paar Jahre nötig ist. Man

kann allerdings in hiesiger Gegend (Kalkboden ausge­nommen) ein Luzernefeld nicht länger als 5 -6 Jahre mit Aussicht auf guten Ertrag liegen lassen, aber damit kann man doch zufrieden sein.

Die Luzerne verlangt ein warmes, ja sie verträgt sogar heißes und trockenes Klima, in welchem der Rotklee verdorrt, kommt aber auch in gemäßigtem Klima gut fort. Auf kalkhaltigem Boden gedeiht sie am besten, dabei ist aber auch ihr gedeihen auf anderen Boden­arten Lehm-, Basalt-, Bundsandsteinboden ein erfreuliches, wenn der Acker richtig vorbereitet war. Auf nassen Aeckern und nassem Untergrund fault sie bald aus. Der zur Saat bestimmte Acker soll durch eine gut mit Stallmist gedüngte und gut kultivirte Hackfrucht (Kartoffel oder Runkel) vorbereitet sein. Ist derselbe dann im Spätherbste geackert, so erhält er Ausgangs Winter eine Gabe von 34 Centner Thomas­mehl pro Morgen. Der so vorbereitete Acker, darf erst dann besamt werden, wenn im Frühjahre kein starker Frost mehr zu befürchten ist. Die Saat wird gewöhnlich unter einer schwachen Aussaat von Sommerhalmfrucht (es empfielt sich Gerste) ausgesät. Je weniger der Boden der Luzerne zusagt, desto stärker ist das Quantum der Aussaat. Für unsere Gegend rechnet man ca. 1214 Pfund. Rotklee soll man nicht mit der Luzerne im Gemenge aussäen, weil derselbe im zweiten Jahre die Luzerne unterdrückt. Ueberhaupt soll Luzerne allein d. h. auch nicht mit Grassamen gemischt gesät werden.

Mit eine Hauptsache ist die Güte des Samens. Guter Luzernesamen ist schön gelb und glänzend, der weiße Samen ist nicht gehörig ausgereift und der braune kann beim dörren verdorben sein. Kleeseide ist der Luzerne ebenso schädlich wie anderen Kleearten. Nur von solchen Handlungen sollte der Landwirt be­ziehen, welche eine Gewähr für seidefreien Luzernesamen übernehmen.

Die Luzerneselder sind jedes Frühjahr zeitig tüchtig aufzueggen, damit Unkraut und Moosbildung zerstört und der Lusteintritt in den Boden befördert wird. Nach 3 -4 Jahren empfiehlt sich als Kopfdüngung im zeitigen Frühjahr 2 Centner Thomasmehl pro Morgen. Jauche oder Kompost sind bei der stickstoffsammelnden Luzerne zu vermeiden, da hierdurch der der Luzerne gefährliche Graswuchs befördert wird. Ein beweiden vertrügt die Luzerne nicht.

Zeigen sich bann nach Jahren viele Fehlstellen im Acker, sodaß kein genügender Ertrag des Luzernefeldes zu erwarten ist, so wird der Acker umgebrochen, am

besten im Spätherbste. Als Folge ist der Anbau vo" Hafer oder Kartoffel zu empfehlen, und liefert ein solch ausgeruhter mit stickstoff geschwängerter Boden große Erträge.

Das deutsche Kaiserpaar in Denedig.

Bei dem privaten Charakter des Besuches Ihrer Majestäten fand keinerlei offizieller Empfang statt, doch hatte zur Begrüßung der Majestäten der hier weilende Herzog der Abruzzen sich eingefunden, ferner der deutsche Militärattache und der deutsche Marinealtachö aus Rom, der hiesige deutsche Konsul und die Mitglieder der deutschen Kolonie mit ihren Damen. Der Herzog der Abruzzen führte die Kaiserin durch den Bahnhof zur Bootsanlegestelle. Die Majestäten und die Prinzessin mir Gefolge begaben sich in Booten der Hohenzollern durch den Canale Grande zur Kaiserlichen Jacht, wo sie Wohnung nahmen. Zahlreiches Publikum begrüßte den Kaiser und die Kaiserin mit Evviva-Rufen. Der Kaiser verblieb nachmittags an Bord. Die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise besuchten die Academia delle Belle Arti. Zur Abendtafel an Bord der Hohen­zollern waren geladen der Herzog der Abruzzen, der Herzog von Udine, Graf und Gräfin Faccifli sowie der deutsche Militärattache und der deutsche Marine- atlach« in Rom.

Der Kaiser hielt heute vormittag Gottesdienst an Bord der ,Hohenzollern' ab. Mittags folgte der Kaiser in Begleitung des Fürsten von Fürsteuberg und des Oberhofmarschalls Grafen Eulenburg einer Einladung des Grafen und der Gräfin Papadopoli zur Tafel. Prinzessin Luise besichtigte gegen Mittag einige Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Deutsches Reich.

Der Reichstag führte am Donnerstag die zweite Lesung des Etats des Innern nach elftägiger Ver­handlung glücklich zu Ende. Die Anträge der frei­sinnigen Volkspartei und der Sozialdemokratie in der Kalifrage wurden abgelehnt, worauf mit der Beratung des Kolonialetats begonnen wurde. Die Abgg. Erz- berger (Z.) und Dr. Droescher (kons.) hoben die glän­zende Entwicklung unserer Kolonien hervor, während der Abg. Ledebour (Soz.) die prinzipielle Gegnerschaft der Sozigldemokratie gegen unsere Kolonialpolitik aus- sprach. Die Abgg. Dr. Paasche (natl) und v. Liebert (Rp.) brachten dem Staatssekretär für ihre Parteien volles Vertrauen entgegen und befürworteten vor allein

Aus eigener Kraft.

Roman von Nora Denkes. 16

Natürlich ist ja der Verkauf unter Aufsicht eines Be­amten vor sich gegangen, doch ist auf Leuchens beschei­dene Wünsche die größtmögliche Rücksicht genommen worden und so hat sie sich diejenigen Stücke, die ihr verstorbener Vater in spezieller Benützung hatte, in ihre Wohnung retten können und auch sonst was die Fa­milie zur Einrichtung zweier Stuben und einer Küche benötigt. Das meiste freilich mußte geopfert werden, da­runter zahlreicher Schmuck und das' prachtvolle Silber, das bei den Klingerschen Gesellschaften immer auf der Tafel geglänzt hat.

Es war ein furchtbarer Tag, sowohl für Lenchen als für ihre vor Verzweiflung halb sinnlose Mutter. Stück für Stück sahen sie die teuren Möbel und viele Schach­teln voll anderer wertvoller Sachen aus dem Hause tra­gen und es war ihnen, als risse man ein Stück ihres Herzens mit. Denn der Mensch gewöhnt sich doch so an jeden Gegenstand, der ihn in seinem Hause umgibt, wie an liebe Gesichter und freundliche Stimmen. Und gar noch wenn, was man hergeben muß, so schön und köst­lich war und als Umgebung die Sinne so wohltuend . berührte.

Umsonst. Die Gläubiger wollten bezahlt fein; und Tilliknnte, die doch auch mitfühlte, wie ihre Schwägerin und Nichte unter diesen ungewohnten Faustschlägeü des Schicksals litten, sorgte dafür, daß die neue Wohnung so schnell als möglich eingerichtet wurde, damit die Armen sich baldigst in diese bescheidene Heimstatt flüchten konnten.

Aus einer kleinen, andasHäuschen anstoßendenGar- tengerütekammer hat der Hausherr eine Küche Herrich­ten lassen, da diese der Wohnung fehlte.

Frau Doktor hat, am Tage ihres Einzuges die erste Monatsmiete in einem Briefkuvert verschlossen, mit der neu ausgenommen«-» Aufioärterm hinauf in Anders Woh-

'^»^fcadwaii^^ w IffiWaBBMBBMBMHMgaBBM nung geschickt. Der Betrag ist von ihm an Frau Römer und von dieser in seinem Auftrag wieder an Lenchen zu­rückgegeben worden, der es als 'Küchengeld gewiß not­wendig und zustatten sein wird.

Nun sitzt Frau Mathildein diesen schrecklichen Zim­mern, an die ich mich mein Lebtag nicht gewöhnen werde" und räsoniert nach ihrer Art: die Decke ist so nie­drig, daß ihre Migräne überhaupt nie mehr zur Ruhe kommen wird . . das eintönige Grau der Malerei ist ihre Gruftfarbe und das unheimliche Rauschen der Gar­tenbäume hält die Nerven in beständigem Aufruhr.

Und dann die Aufmärterin. Natürlich. sich mit einer solchen behelfen zu müssen, wenn man gewöhnt ist, ge­schulte Dienerschaft um sich zu haben .. das ist selbst für eine weniger empfindliche Natur ein harter Tausch.

Frau Mathilde kommt aus einem Zustand hysteri­schen Schluchzens gar nicht heraus,solange die mehr eifrige als geschickte Julie um sie herum hantiert.

Das Schwerste fällt allerdings wieder Lenchen zu, die sowohl bei der Mama, als bei der Aufwartefrau immer schlichten und gut machen muß, dabei aber nicht zeigen soll, daß sie unter den Umständen wahre Tanta­lusqualen leidet.

Wenn ihr Weh mitunter zu unerträglich wird, dann flüchtet sie sich in eine tiefversteckte Laube des Gartens, den in ausgiebigstem Maße zu benützen, der Major ihr geradezu zur Pflicht gemacht hat. Dort weint sie sich ihren Jammer heiß und inbrünstig aus. Mit tausend Kosenamen ruft sie ihren lieben Papa zu Hilfe in ihrer schweren, unerträglichen Lebensnot. Einen Hauch, einen Gruß, auch nur das kleinste Zeichen erbittet sie von ihm, daß sie doch wisse, daß sein Geist über ihr wacht, damit sie sich nicht so ganz verlassen fühlt.

~ Auch heute liegt sie, nach einer Reihe aufregender Szenen mit dem Oberkörper auf dem runden Tisch, in der dichtverbuschteu Fliederlaube, ganz rückwärts am Ende des großen Gartens.

Mit dem morgigen Tag beginnt sie einen Rähkurs

bei einer vorzüglichen Weißwäschenäherin. Auf den Knien hat sie vor ihrer Mutter gelegen, bis sie ihr die Mn- willigung abgerungen hat, dem Rate Tillitantes folgen zu dürfen und die Weißnäherei als Erwerbsarbeit zu erlernen. Geld verdienen muß sie. Denn von den hun» dertachtzig Gulden, die die Witwe aus einem Dienst­verhältnis Doktor Klingers zu der Stadt als Pension bezieht, können sie nicht leben.

Herr Gott, hundertachtzig Gulden jährlich' Wo sie früher, Tillitante hat es Lenchen versichert, mit dem dop­pelten Betrag während eines Monats nicht auskommen konnten.

Also Tante Römer hat die Weißnäherei aus dem Grunde ausgewählt, weil dieses die einzige Handarbeit, ist, die tn verhältnismäßig kurzer Zeit erlernt werden und ohne weiteres Praktikum auch erwerbend ausgeübt werden kann.

Lenchen erglüht nun allerdings in höchstem Eifer Geld zu verdienen, aber sie fürchtet sich doch auch heimlich vor. den Mädchen aus den verschiedenen Ständen, mit be* neu sie während des Lehrkursus zusammentommen soll,' sie, der man bisher den Umgang so außerordentlich ge» wählt hat.

Sogar Major Anders hat in dieser Beziehung Be-, denken geäußert. Tillitante aber hat ganz resolut oer»' sichert, daß die Mädchen noch niemand aufgefressen hät­ten. Lenchen müsse sich nun an mancherlei gewöhnen^ worüber sie früher ihr feines Rüschen gerümpft habe.

Recht hat sie, aber daß diese Erkenntnis trotzdem bit­ter ist, beweisen die zum Auswinden nassen Taschen­tücher des armen Mädchens, denn alle diese Gedanken verlassen ihr gequältes Hirn keine einzige Stunde. ,

Und nun verdunkelt sich plötzlich der ziemlich ver­wachsene Eingang zu Lenchelis bisher ungestörtem Trä­nenwinkel: der junge Doktor Thielecke, den wir während der Krankheit Klingers flüchtig kennen gelernt haben und der nun die verlassene Vorderwohnung bezogen hat. steht, etwas überrascht tuend, in der Oeffnuüg. 182,18*