Schlüchterner Zckum
mit amtlichem Areisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher BaLgebe: j
Telefon Nr. 65. Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat". Telefon Nr. <M
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit ^Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Mittwoch, den 14. Juni 1911.
62. Jahrgang:
Alle diejenige« j««ge« Mädchen, welche bereit find, bei dem am Sonn tag, den 25 Juni, an dem Aeis brunnen fiattfindeuden Feste fich be- Hülstich z« erweisen, indem fie beim Verkauf von Blumen und Postkarte« mitwirke« oder den Teilnehmern Erfrischungen (Kaffee, Kuchen re ) dar- reiche« oder ähnliche leichte Hülfe leistunge« übernehmen, werde« hierdurch freundlich gebeten, fich mündlich oder schriftlich bei Fräulein Anna Arracker, Fräulein Emilie Carl oder Frau Li«a Hohmeister dahier anzumelde«.
Der Fest«Ausschutz
Amtliches.
Bekanntmachung.
Die Herren Bü'germcister ersuche ich, mir bis zum 20. d Mts eine Nachweisung übtr maul ch- Hmdweck'r nach untenstehendem Muster einzureichen.
In Spalte 4 ist bae g werbliche E'"komm»n ein zusetzen, wie es der B-steuer ing für 1910 zug>uude gelegt worden ist. Dieses ist bei den nur zu- fi. netten Einkommensteuer Veranlagten dem Personen Verzeichnis von 1910 (Spalte 21) zu entnehmen, bei denjenigen, die zur Staatseinkommensteuer veranlagt worden sind und das Einkommen bortfeuS nicht bekannt ist, wird die Ausfüllung der Spalte 4 von hier aus geschehen.
Nachweisung
der in
voihaaden-n Handwerker.
Lfde.
Nr.
Namen (Zu- u. Vor- namc
Bezeichnung des
Handwerksbetriebes
Gewerbl. Einkommen für 1910
Bemerk - ungen
Nach einer Mitteilung der Handwerkskammer sind als Handwerker anzusehen:
1. Bäcker, 2. Bandagisten, Jnftrumentenmacher, 3. Barbiere, Friseure, Perückenmacher, 4. Friseusen, 5. Böttcher (Küfer), 6. Brauer, 7. Brunnenbauer, 8. Buchbinder, 9. a) Buchdrucker, Schriftsetzer, b) Lithographen und Steindrucker, 10. Büchsenmacher und Schwertfeger, 11. Bürstenmacher, 12. Dachdecker, 13. Damenschneiderinnen, 14. Drechsler, 15) a) Färber und Zeugdrucker, b) Wäscher, Bleicher, 16. Feilenhauer, 17. Fleischer, 18. Gelb-, Metall- und Zinngießer, 19. Gerber (Loh- und Weißgerber), 20. Glaser, 21. Glas- und Porzellanmaler, 22. Gold- und Silberschmiede, 23. Graveure und Ziseleure, 24. Gürtler, 25. Handschuhmacher, 26. a) Installateure (für Gas und Wasserleitung), b) Klempner, 27. a) Konditoren, b) Pfefferküchler, Bonbonkocher, 28. Korbmacher, 29. a) Kürschner, Hut- und Mützenmacher, b) FeUzurichler, 30. Kupferschmiede, 31. a) Maler, Lackierer, b) An streicher, Weißbinder, 32. Maschinenbauer, 33. Maurer, 34. a) Mechaniker, Optiker, b) Elektrotechniker 35. Messerschmiede, 36. Modistinnen, 37. Musikinstrumentenmacher, 38. Mühlenbauer, 39. Müller, 40. Na gelschmiede, 41. Orgelbauer, 42. Pflasterer, 43. Photographen, 44. Posamentiere, 45. Portefeuiller, 46 Putzmacherinnen, 47. Sattler, 48. Schirmmacher, 49 Schlosser, 50. Schmiede, 51 Schneider, 52. Schorn- fiemseae , 53 Schuhmacher, 54 Seifensieder, 5\ I Her, • 6. Liebmacher u Gabler, 57. Steinmetzen, 58 Stell« inacher, 59. a) Smckateure, b) Holz- und Steinbildhauer, 60 Tapezierer, 61. Tischler, 62. Töprer und Ofensetzer, 63. Tuchmacher, 64 Uhrmacher, 65. Ver- golder, 66. Weber, 67 Zimmerer, soweit sie selbständig sind.
Schlücktern, den 12. Juni 1911.
Der Vorsitzende der Steuerausschüsse der Gewerbesteuer- klassen 111. u. IV. I. V Engelke.
J.-Nr. 7462 Nich § 6 der Königl. Verordnung vom 25. Mai 1887 bezw 21. Juli 1892, betreffend die Einrichtung einer ärztlichen Stm^esve tretung, bat im Monat November d. Js. eine Neuwahl der Mit alieder der Aerzrekammer für die Provinz Hessen- Nassau stattzufinden.
Die Liste der wahlberechtigten Aerzte liegt vom 16. bis einschließlich 30. d. Mts. in meinem Geschäftszimmer zur Einsicht der Herren Aerzte aus.
Schlächtern, den 12. Juni 1911.
Der Königliche Landrat: I V. Schultheis.
Deutsches Reich.
— Die „Nordd. Allg. Zeitung." schreibt: „Wieder einmal hat eine Berliner Korrespondenz die grobe Ungehörigkeit begangen, völlig aus der Lust gegriffene Gerüchte über eine bevorstehende Verlobung Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Viktoria Luise und zwar mit dem Erbgroßherzog von Mecklenburg - Strelitz zu verbreiten. Mit Recht bemerkt dazu die „Deutsche Tageszeitung": Es bedeutet doch mindestens eine grobe Taktlosigkeit, wenn öffentlich in der fresse erörtert wird, ob eine Besuchsreise des Kaiserpaares vielleicht Verlobungszwecken dienen soll. Derartige Diskussionen solle man wirklich den Kaffeekränzchen überlassen. Wir möchten deshalb auch diese Gelegenheit zu der Mahnung benutzen, unser Kaiserhaus mit zudringlichen Kombinationen, vor deren öffentlicher Erörterung schon Privatleute geschützt sein sollten, zu verschonen.
— Außer dem Kronprinzen als Vertreter des Kaisers nimmt auch Prinz Heinrich von Preußen an der Krönnngsfeierlichkeit des Prinzen Georg von England teil. König Georg sandte dem Prinzen eine besondere Einladung.
— Am Donnerstag fand im Prinz Albrecht-Palais zu Berlin die Taufe der am 2. Mai geborenen Tochter des Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen und seiner Gemahlin, der Prinzessin Agathe von Preußen, geborenen Prinzessin von Ratibor und Corvey, statt. Unter den Paien befindet sich an erster Stelle die Kaiserin.
- Ein Handschreiben des Prinzregenten von Bayern. Prinzregent Luitpold hat aus Anlaß seines 25jährigen Regierungsj chiläums an den Sraatsminister v. Podewils ein Handschreiben gerichtet, in dem er ihm und seinen Ministerkollegen von Herzen dankt für die neuerliche Bckundung treuer Anhänglichkeit und Ergebenheit, und besonders für die stete Sorge um das Wohl des Vaterlandes und mit dem Wunsche schließt, daß dem Land und seinem Volke eine glückliche Zukunft beschieden sein möge.
—* Dem Vernehmen nach sind die Entwürfe für die Elektrisierung der Berliner Stadtbahn bereits fertig- gestellt worden. Auch der Abschluß der Verhandlungen zwischen dem Eisenbahnministerium und dem Finanz- minister soll in naher Aussicht stehen. Man rechnet damit, daß der preußische Landtag tatsächlich bereits in der kommenden Saison um die Bewilligung der erforderlichen Mittel angegangen werden wird.
= In Leipzig tagte der Kongreß der evangelischen Arbeitervereine Deutschlands. Nach den üblichen Be-
Aus eigener Kraft
Roman von Nora Denkes.
45
Dann erklärt er, immerihrenScheitelstreichelnd: „Ja, Helene, Jaja! Wenns Dich freut, ja, so gehn wir: Ich bin bereit."
Und ganz in Erregung sagte Helene: „Und daß es Dir gerade gut tun soll .. schau wie schön das ist. Denn einmal mußte es ja doch kommen. Einmal mußte es da sein, das Verlangen, an den Gräbern zu knien, wo meine lieben, teuren Eltern schlafen. O, wie ich mich plötzlich sehne. So möchte ich meine Arme um die Hügel schlingen, wo die Guten den ewigen Schlaf tun. Und Du wirst doch sicherlich ganz wohl, unter Deinen Rosen und Bäumen. Und wenn Du zu demgewohnten Fenster auf den Marktplatz gucken kannst, wo sich die Schulbuben balgen ..."
„Na, na, jetzt machst Du mir die Geschichte wirklich heiß," entgegnete mit feuchten Augen der Major. „Man möchte ja da gleich aufhupfen."
„Das ist auch das Richtige," bestätigte der Doktor. «Lange Beschlüsse taugen nicht. Und ich glaube zuversichtlich: Die Heimat ist die einzige Drainage, die ihr Blut wieder richtig zirkulieren macht."
„Na also dann: Donnerwetter und alle Stoßseufzer! Abgemacht! Willfahren morgen."
In einer kleinen Stadt nehmen die Bewohner an allen Ereignissen, ob größer oder geringfügiger, lebhaftesten Anteil. Eine frisch gestrichene Türe oder einen neu« aufgebauten Rauchfang betrachten sie mit ausgesprochenem Interesse und überlegen im Vorübergehen, warum der Hauseigentümer wohl diese Neuerung durchgeführt haben sollte.
So also war es sehr erklärlich, daß die biederen Müh- lenberger höchst verwundert zu den Fenstern des Major Andersschen Hauses hinausblickten, die alle weit offen
stehend gewaltige Geräusche inneren Rumors: wie Klopfen, Bohren, Stäuben, auf die Straße schickten. Frau Rönier, die inmitten zweier Putzweiber wie ein siegreicher Feldherr waltete, hatte also genügend Beschäftigung die Vorübergehenden alle über die Ursache dieser Umwälzungsarbeit aufzuklären.
„Gestern ist das Telegramm gekommen," berichtet sie, ihren vollen Oberkörper bis zum Rumpf aus dem Fenster beugend, wohl schon das dritte dutzend Mal. „Wohnung gründlich Herrichten. Kommen Sonntag an. Ehepaar Anders." Also schon morgen, Herr Vizenotär Ich hab's gerade jetzt auch dem Herrn Bürgermeister erzählt. Schon morgen. Aber neugierig bin ich wie die junge Frau Major aussieht!"
Herr Vizenotär i. P. erzählt die Geschichte seinen Freunden, diese tragen die Kunde ihren Frauen, froh, sich mit dieser Effektbombe von Neuigkeit über den Vor- wurfdes Zuspätnachhausekommens Hinüberschwindeln?zu können. Die Frauen sorgen natürlich für weitere Verbreitung, wie das übrigens auch alle anderen Eingeweihten getan haben und ehe achtundvierzig Stunden um sind, bespricht ganz Mühlenberg die Rückkehr des, seinerzeit mit dem gleichen hochgradigen Interesse entlassenen Ehepaares Ludolf und Helene Anders. In der Kleinstadt ist es leicht, eine Tagespersönlichkeit zu werden.
Ich will die Reise, Ankunft und Installierung der nach dreijähriger Abwesenheit wieder in ihrer Heimat gelandeten mit dem angenehmen und unangenehmen Gefolge von Einzelheiten übergehen. Nur der Stimmung sei gedacht, in der besonders die impulsive Helene die traulichen Gassen des Ortes, in dem sie so viele glückliche und leidvolle Stunden gelebt hatte, von der Bahnstation kommend durchfuhr.
Es war ein schöner Sommersonntag und daS Glockengeläute schwebte über den Dächern. Die Obstbäume standen im üppigsten Laubschmuck und in den Hausgärtchen blühten Rosen und Jasmin, die Gassen mit ihrem sü
ßen Dufte durchtränkend. Diele Leute schritten im Feier tagsschmuck an den Häuserreihen entlang; ganz besonders aber geben die zahlreichen Kinder, die die Mütter am Sonntagmorgen gern von Hause wegschicken, in ihren hellen Kleidchen, Hüten und Schirmchen der Straße ein lieblich Festtagsgepräge.
Frau Helene, für solche Eindrücke überaus empfänglich, rannen die Tränen über die Wangen, zumal, da alle Vorüberwandelnden, bekannt oder unbekannt, ihre Hüte vor den Insassen des vorbeirollenden Gefährtes ziehen. Der freundliche Einzug erschien wie ein gutes Omen.
An der Schwelle des Andersschen Hauses stand Tilli- tanle mit ausgebreiteten Armen, und vielleicht während ihres ganzen Lebens hatte Helene sich nicht mit der gleichen Inbrunst an den vollen Tantenbusen gebettet.
Der Major lachte und wetterte dazu in einem Atem, um seine Rührung damit ein wenig zu verbergen und applizierte der Bewillkommenden einen kräftigen Schmatz auf die gepolsterten Wangen.
Ueber der großen Flügeltür zum Entree prangte so gar, mit kleinen Blütensternchen in Laubgrün geschrieben, das schöne Wort: Willkommen! Tante Römer erklärte der froh aufblickenden Helene, daß der schöne Gruß von den Töchtern des im Erdgeschoß wohnenden, erst jüngster Zeit nach Mühlenberg transferierten Oberstleutnants Reifs herrühre, was die Einziehenden umso angenehmer empfanden, da Anders nach der Beschreibung der Tante mit Sicherheit konstatierte, seinen neuen Einwohner vo» Bosnien her zu kennen.
So verstrichen die ersten Tage mit der Herrichtung und Ausschmückung der Wohnung und nicht zuletzt mit dem Besuch der teuren Gräber von Helenes Eltern. Die junge Frau aber versicherte, ob sie sich in Hof oder Garten, am Fenster oder auf dem Weg zum Friedhof befand, immer aufs neue, wie es doch überall so eigen und einzig, so wunderschön heimatlich dufte. 183,18*,