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SchlüchMUMtung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «5.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 54.

Samstag, den 8. Juli 1911.

62. Jahrgang.

Wieder einmal etwas vom Borgunwesen.

Wir brachten schon mehrere male Artikel über diese wichtige Handwerkerfrage. Vor einiger Zeit hat nun die Geschäftsstelle des deutschen Handwerks- und Ge­werbekammertages eine Umfrage bei den deutschen Handwerks- und Gewerbekammern über die Bekämpfung des Borgunwesens verunstaltet. Das Ergebnis dieser Umfrage, welches wir hiermit kurz wiedergeben wollen, ist folgendes: Gesetzliche Mittel zur Bekämpfung des Borgunwesens gibt es nicht und es kann daher nur mit der Selbsthilfe gegen diese Unsitte vorgegangen werden. Die Umfrage zeigt aber auch, daß die Schritte, die von einzelnen Handwerkskammern in dieser Richtung ergriffen worden sind, »m die Handwerker zur kauf­männischen Rechnungsstellung zu veranlassen, doch schon in verschiedenen Bezirken von Erfolg begleitet waren. Denn es wird mannigfach von den Kammern festgestellt, daß sich neuerdings eine erhebliche Besserung geltend macht. Es kann deshalb nicht dringend genug empfohlen werden, durch eine energische Agitation die Handwerker immer wieder auf die Vorteile der Barzahlung auf­merksam zu machen, um sie so allmählich an eine kauf­männische Geschäftsführung zu gewöhnen. Fast samt« liche Kammern haben uneingeschränkt zugestanden, daß das Borgunwesen eines der schwersten /Uebel und einer der Hauptgründe für die vielfach vorhandenen wirt­schaftliche Notlage des Handwerkerstandes ist. Das wichtigste Ergebnis der erwähnten Umfrage dürfte dies sein, daß auch ohne neue Gesetze einfach mit der Selbst­hilfe eine Besserung an vielen Orten erreicht worden ist. Die Handwerker taten sich zusammen und führten folgende Maßnahmen durch: Rechnung sofort bei Lieferung und Rabatt (Skonto) bei Barzahlung, manch­mal auch bei Barzahlung innerhalb 4 Wochen.

Wir werden auf diese für das Wohlergehen unseres tüchtigen Handwerkerstandes so eminent wichtige Frage immer wieder zurückkommen.

Deutsches Reich.

Die Abreise des Kaisers. DieHohenzollern" ist mit dem Kaiser an Bord am Mittwoch morgen um 4 Uhr von Kiel aus nach Norwegen in See gegangen.

Der Reichskanzler wird demnächst auf fein Landgut Hohenfinow übersiedeln. Weitere Reisen sind von ihm bisher nicht ins Auge gefaßt.

Stuttgart. Der König hat dem Staatsanzeiger zufolge im Einvernehmen mit der Königin über die

Aus eigener Kraft.

Roman von Nora Denkes. 54

Ich habe viel dafür eingetauscht Theolinde, sehr viel. Und wenn ich jetzt auch ein wenig schwungmüde an Deinen Schultern lehne, die acht Jahre der Unrast haben mir Schätze geschenkt; denn ich bin mit sehnenden Augen gewandert. Aber, Theolinde, das ist das herrliche. Diese Schätze, die ich gesammelt habe, die, stehst Du, die will ich jetzt wiedergeben, ausstreuen. Nutzen will ich, meine gute Linde, nützen! Die Zeit des egoistischen Selbstgenus- ses ist vorüber. Jetzt ist das Verständnis für das wahre Menschentum in mir aufgegangen, das da nicht heißt: nimm, sondern gib!"

Und die Schwägerin, die sich lauschend auf die Fen­sterbank niedergelassen hatte, entgegnete mit vor Rüh­rung zitternder Stimme:So hab ich mich nicht und nie in Dir getäuscht, meine Helene. Du hast meine Er­wartungen nicht nur erfüllt, Du hast sie übertroffen. Wie haben meine Bekannten mich gewarnt, als Du mit Frau von Eldria ausflogst: Laß das schöne junge Weib nicht so allein mit der wildfremden Frau herumziehen. Die Verlockungen sind unberechenbar. Sie könnte straucheln, und die Schuld trifft Dich. Ach, wer straucheln soll, ben sann man nicht hüten, hab ich gesagt. Die aber ist ein starkes, ganzes Menschenskind und so was muß sich aus­stürmen. Die kommt mir wieder. Unverletzt. Dafür steh ich. Und steh, ich hab mich nicht betrogen!"

Helene rannen die Tränen über die Wangen bei die­sem Lob. Flugs saß sie neben der Schwägerin auf der Fensterbank und sagte, die Arme um sie schlingend, ganz glücklich:Du, so erhoben hab ich mich noch nie gefühlt. Jetzt glaube ich, daß ich stark genug bin zu dem Werk, dem ich mein künftiges Leben weihen will."

Und plötzlich sprang sie auf und reckte den kräftigen, üppigen Körper, alle Muskeln spannend, zur Höhe. Und dann schüttelte sie das Haupt im Nacken und streckte die

Verwendung der aus Anlaß ihrer silbernen Hochzeit zur Verfügung gestellten Spende im Betrag von 540 000 Mk. folgende Bestimmungen getroffen. Es sollen ver­wendet werden zum Zweck der Tuberkulosebekämpfung 100 000 Mk., zu Zwecken der Jugendfürsorge 250 000 Mk., für notleidende Weingärtner 50 000 Mk., für die Förderung der Kranken- und Wöchnerinnenpflege auf dem Lande 30 000 Mk., für den israelitischen Unter- ftützungverein für Württemberg 10 000 Mk., und für die vereinigten Zufluchtsstätten Württembergs 10 000 Mk. Die Summen werden durch die Zentralleitung der Wohltätigkeitsvereine demnächst zur Auszahlung gelangen.

Präsident Fälliges ist zum Besuch der Königin der Niederlande in Amsterdam eingetroffen.

Die Kaisermanöver in Frage gestellt. Die Maul- und Klauenseuche, die in der vorigen Woche im südlichen Holstein vereinzelt festgestellt wurde, hat sich in ungeahnter Weise in den letzten Tagen über den ganzen südlichen Teil derProvinz Holstein ausgebreitet, so daß ganze Ortschaften verseucht worden sind. Das Vieh stirbt in großen Mengen. Die für die Kaiser­manöver, die im August dort abgehalten werden sollen, angesagten Einquartierungen sind, nach einer Meldung aus Hamburg, bereits abbestellt worden, wodurch die Abhaltung der Manöver in Frage gestellt wird.

Der geschäftsführende Ausschuß des preußischen Lehrervereins hat eine Eingabe an den Kultusminister gerichtet, in der gebeten wird, daß die Ferien für Volksschulen und höhere Schulen gleiche Dauer erhalten und in Orten mit verschiedenen Schulgattungen auch gleichgelegt werden möchten.

Aus Anlaß der 25. Wiederkehr des Eröffnungs­tages der Reichspostdampferlinien des norddeutschen Llovds sind diesem vom Staatssekretär des Reichsamts des Innern Exzellenz Delbrück sowie vom Staatssekretär des Reichspostamts Exzellenz Kraetke in warmen Worten gehaltene Glückwunschschreiben zugegangen. Staatssekretär Dellbrück gedenkt in seinem Schreiben mit Dank und Anerkennung der Umsicht und Tatkraft, mit welcher der norddeutsche Lloyd es verstanden habe, in Ge­meinschaft mit der Staatsverwaltung das neue Unter­nehmen aus seinen ersten Anfängen über viele Schwierig­keiten hinweg zu einer glänzenden, dem fremdländischen Wettbewerb in jeder Beziehung gewachsenen Einrichtung des deutschen Wirtschaftslebens auszubauen. Staats­sekretär Kraetke spricht unter anderem seine Freude darüber aus, daß die an die Einrichtungen der Reichs-

Arme aus:Ah! wie köstlich das ist! Die Häutung ist Überstunden. Vollständig! Theolinde, sieh' mich mal an! Ich bin wieder, und ganz und gar .. eine Sächsin! Freut Dich das?"

Ja, mein Kind, ja. Und wenn dieses Wort mit dem Finger auch wieder fort von mir und in die alte Hei­mat weist, ich freue mich doch; denn so will ich Dich ha­ben. Als ein ganzer Mensch."

Ja, in die Heimat! Du, Du, in die Heimat! So soll es sein." Helene sagte es und fuhr mit vor Sehn­sucht durchtränkter Stimme fort:Und nun soll es ein volles und ganzes Rasten werden. Jetzt erstHeimat" im wahren Sinne. O, wie mick nach dem Klang der Glocken dürstet und n«ch dem freudvoll schönen Bild im grünen Eichenkranz! Ach, Theolinde, könnte ich nur Dich auch mit mir nehmen!"

Nein, Herz, nein. Das geht nicht. Meine Waisen­kinder hier, sollte ich die verlassen?"

Es kann nicht sein. Ja, das ist wahr. Die will ich nicht berauben. Aber Deirie milde Hand leg auf meinen Scheitel. Gut, gut. Siehst Du, so. Damit dieses wohltä­tige Fluidum von Dir auf mich übergeht. Denn wisse, auch ich will nun, so wie Du, ein Mütterchen der Armen und Bedrängten werden."

*

Zwei Wochen später saß Helene zwischen dem alten Doktor Buntrock und seiner fast ebenso alten weißhaa­rigen Lebensgefährtin auf einem alten Ripssofa in dem nach Tabakrauch duftenden Ordinierzimmer, in dem al­lerdings nicht mehr ordiniert wurde, denn der Veteran der Heilkunde hatte die Praxis mit dem Ruhestand ver­tauscht.

Natürlich geschah das in Mühlenberg.

Aber so idyllisch sah das aus, wie die lebensvolle Frau, von der es wie Weltlust ausging, ihre kräftigen Hände in je eine runzlige der beiden ausgelebten Grei- sengestaltsn gelegt hatte.

Postdampferlinien geknüpften Erwartungen sich dank der kraftvollen und zielbewußten Leitung der norddeutschen Loyds erfüllt haben, und knüpft daran Wünsche für das zukünftige Gedeihen der Reichspostdampferlinien und zum Ruhm der deutschen Schiffahrt und zum Segen des deutschen Vaterlandes.

Der Fürsorgeverein für deutsche Rückwanderer, dessen Aufgabe es ist, aus dem Auslande zurückwandernde deutsche Familien anzusiedeln, hat in den letzten beiden Jahren mit fast durchweg sehr gutem Erfolg deutsche Rückwandererfamilien auf fiskalischen Waldarbeiterstellen angesiedelt. Die Erfolge haben zahlreiche Bewerbungen um solche Stellen zur Folge gehabt. Da nun der Verein in allernächster Zeit mit einem bedeutenden Zuzug von Rückwanderern zu rechnen hat, hat er sich an das preußische Ministerium für Landwirtschaft mit dem Ersuchen gewandt, ihm in möglichst großer Zahl forstfiskalische Arbeiterstellen zur Besiedlung zur Ver­fügung zu stellen. Es sind daher die Regierungen in Ost- und Westpreußen, Posen, Pommern, Frankfurt, Sachsen und Schlesien angewiesen, alle zur Besetzung mit Rückwanderern geeigneten Stellen dem Fürsorge« verein anzumelden.

Aurlanß.

Die Entsendung des deutschen Kanonenbootes Panther" nach dem marokkanischen Hafen Agadir ist in Tanger mit großer Genugtuung begrüßt worden. Die offizielle Meldung der deutschen Regierung an die Mächte hat folgenden Wortlaut: deutsche Firmen, die im Süden Marokkos, besonders in Agadier und Um« gebt. ^ tätig sind, sind über eine gewisse Gärung unter den dortigen Stämmen beunruhigt, die durch die letzten Ereignisse in anderen Teilen des Landes hervorgerufen zu sein scheinen. Diese Firmen wandten sich an die kaiserliche Regierung mit der Bitte um Schutz für Leben und Eigentum. Auf ihre Bitte beschloß die Regierung, ein Kriegsschiff nach dem Hafen von Agadier zu entsenden, um nötigenfalls den deutschen Untertanen und Schutzgenossen wie auch den beträchtlichen deutschen Interessen in jenen Gegenden Hilfe und Schutz zu gewähren. Sobald Ruhe und Ordnung in Marokko wiedergekehrt ist, soll das mit der Aufgabe des Schutzes betraute Schiff den Hafen von Agadier verlassen.

In Japans Hauptstadt Tokio ist der deutsch­japanische Handelsvertrag offiziell bekannt gegeben worden. Die japanische Presse begrüßt einmütig und freudig die mit Deutschland durch gegenseitige Konzessionen

Mit blitzenden Augen erzählte Helene Anders von dem Werk, das sie ersonnen hatte. Und die Alten lausch­ten, als ob ihnen ein Märchen klinge:In dem ersten Jahr bin ich halt so dahingeflogen, wie man das tut, wenn man immer Neues und an diesem nur die Außen­seite, das Schöne oder Häßliche erblickt. Alles Seltsame und Ungewohnte erscheint da interessant, weil es eben seltsam und ungewohnt ist. Zu einer richtigen Beurtei­lung fehlt einem die Objektivität, da man sich natürlich immer im Taumel der Begeisterung und Verzückung be­findet. So lange man noch auf diesen Standpunkt steht, reist man fast ohne Nutzen; höchstens, daß die Nerven auf die äußerste Leistungsfähigkeit gespannt werden. Hat man aber diesen Standpunkt des fiebernden Genußdu­sels einmal überwunden, so fängt man an, zu sondieren und beim Anblick der Rose auch nach den Dornen zu schauen. Und dann geht das Lernen an. O, das Reisen ist eine großartige Schule. Natürlich keine billige. Aber das Geld wird trotzdem angelegt, nicht hinausgewor­fen.

Wenn man nämlich mit öffnen Augen fährt und auch entsprechend rastet. Und wir haben ja nicht aus­gerüstet, nein, wir haben uns niedergelassen und Hüt­ten gebaut. Uns eingelebt in die Verhältnisse, wo's uns eben gefiel. Na, und da ich mal ein deutscher Michel bin, hab' ich, vielleicht unbewußt, verglichen und spe­kuliert: Dies und jenes würde sich in der Heimat be­währen, ein anderes wiederum taucht für uns nicht, usw. Was mich aber in sozialer Beziehung am meisten interessierte und zu Beobachtungen veranlaßte, das wa­ren die Frauen. Nämlich Verdienende und Versorgte in ihrem Verhältnis zu einander und zu der Gesellschaft überhaupt. Und da habe ich merkwürdigerweise in Eu­ropa fast überall die gleichen Erfahrungen gemacht: Ich meine, daß das Weib durch das Verdienenmüssen, in den Augen der Gesellschaft herabsteigt, während bei dem Mann doch unbedingt das Umgekehrte der Fall ist. Das ist so der Grundton der Anschauung." 182,18*