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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 6». Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. es.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mit'Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 55.

Deutsches Deich.

Bergen. An der Frühstückstag am Sonntag nahmen auch einige englische Herren, die mit einer Jagd hier eingetroffensind, teil. Nachnuttags erwiderte der Kaiser den Besuch auf der englischen Jacht. Die Hohenzollern" ging am Montag früh nach Balholm in See, wo sie nachmittags 4 Uhr eintraf. Hier herrschte prächtiges Wetter bei etwas Wind. An Bord alles wohl.

Se. Majestät der Kaiser trifft am 3. August, abends vom Exerzierplatz Altengrabow kommend, mit Gefolge in Wilhelmshöhe ein.

Die Austritte aus dem Hansabunde mehren sich immer mehr. So hat eine weitere Anzahl führender Männer aus den Kreise der Industrie ihren Austritt aus dem Hansabund vollzogen, u. a. der Generaldirektor des Bochumer Vereins für Bergbau und Gußstahl­fabrikation Geh. Kommerzienrat Baare, der Vorsitzende des Zementsyndikats Stadtrat L. Rosenstein, der Syndikus der Bochumer Handelskammer Dr. Wiebe und Stadtrat Walter Bosch (Bochum). Die Ausge­tretenen werden sich der in Essen unter Leitung des Geheimrats Kirdurf ins Leben getretenen Bezirksgruppe anschließen. Auch in Süddeutschland greift die Aus- tritisbewegung um sich. Der Geh. Baurat v. Rieppel, Vorsitzender des Bayerischen Jndustrieverbandes, und Geh. Kommerzienrat Semlinger, Vorsitzender des Vereins süddeutscher Baumwollindustrieller in Bamberg, haben ihren Austritt aus dem Direktorium und dem Hansa­bunde erklärt.

Der deutsche Handel mit Marokko macht einen nicht unbedeutenden Teil des Gesamthandels Marokkos aus. Als Abnehmer marrokkanischer Produkte stehi Deutschland sogar an zweiter Stelle (hinter England). In den letzten drei Jabren haben wir aus Marokko für 26,4 Millionen Mark Waren eingeführi und dorthin für 10,2 Millionen Mark Waren ausgeführt. Hiervon kommen auf das Jahr 1910 in der Einfuhr 9,1 Mil lionen Mark und in der Ausfuhr rund 5 Millionen Mark. Man wird ruhig annehmen können, daß in Wirklichkeit unser Handelsverkehr mit Marokko noch etwas größer ist, als diese der deutschen Handelsstatistik entnommenen Zahlen erkennen lassen, die nur die direkt verfrachteten Sendungen enthalten Ueber den Gesamthandel Marokkos stehen die Zahlen für das Jahr 1010 noch nicht zur Verfügung, sondern nur die 1909. Dieser Gesamthandel hat, nach Abzug des Landbandels mit Algerien, betragen in der Einfuhr

Aus eigener Kraft

Roman von Nora Denkes. 55

Na, na!" ereiferte sich der alte Herr,es ist schon et­was daran, meine liebe Frau Major, und ein guter Ad­vokat sind Sie auch, das stimmt, aber zu schwer malen Sie doch, zu schwarz. Ja, ja, zu schwarz."

Hm? Ob, mein lieber Doktor? Ob? Wenn ich zu schwarz malte, gäbe es nicht zu viele Mädchen und Frauen aus sogenannten guten Familien, die lieber hun­gern und betteln, nämlich bei Verwandten schmarotzen, ehe sie sich öffentlich einem solchen Erwerb widmen. Im Geheimen, ja. Da arbeiten sie auch um einen Schand- lohn, wßnn nur die Gesellschaft nicht erfährt, daß sie sich die paar Pfennig ersiäht haben."

Und darum haben Sie sich nun so hitzig auf die Idee verspitzt, aus Ihrem schönen Haus eine Nähschule zri machen?" fragte Frau Buntrock mit ihrer zitterigen Großmutterstimme.Ei, ei, wird es Sie nicht reuen, wenn der prächtige Garten von dem Gefummel und Ge­schwätz der Mädl wiederhastt?"

- absolut nicht. Eine Fachnäherinnenschule soll das werden. Nämlich der Unterbau. Das Stockwerk verbleibt ME als Wohnung. Aber ausschließlich für die llnbennttöUön, die, um zu verdienen, lernen. Keine Plau- Herstube für Nemgkettslusterne Patriziertochter. Brot will 1# schaffen denen, die es bedürfen. Und so weit Nach­frage ist, sollen sie für das einheimische Publikum ihre jungen Hände rühren. Aber ich werde auch Verbindun­gen mit ausländischen Industriellen anknüpfen. Bin ich doch bekannt im Orient und Okzident. So lasse ich also das Erdgeschoß für diesen Zweck Herrichten. Die großen, hellen Raume eignen sich ausgezeichnet. Und der stille, schöne Part wirb allerdings seine Exklusivität einbüßen darin sollen sich meine Mädchen in den Arbeitspausen rote Backen anlaufen. Denn gesund an Leib und Seele will ich sie ins Leben stellen. Einfach, fleißig und oer-

Mittwoch, den 12. Juli 1911.

nach Marokko 56 Millionen Mark und in der Ausfuhr aus Marokko 36 Millionen Mark. Hiernach geht wohl ungefähr ein Viertel der Seeausfuhr Marokkos nach Deutschland. Das ist mehr als was Frankreich aus Marokko bezieht und kommt annähernd der Hälfte der englischen Bezüge gleich.

Die Zahnpflege beim Militär wird sehr sorg­fältig durchgeführt. Von den meisten Korpskommandos ist angeordnet worden, daß die Soldaten in bestimmten Zwischenräumen auf Erkrankungen der Zähne zu untersuchen sind, damit rechtzeitig kranke Zähne be­handelt und schadhafte entfernt und durch künstliche ersetzt werden. In den Garnisonlazaretten wurden besondere Zahnstationen eingerichtet, die von zahnärztlich ausgebildeten Sanitätsoffizieren geleitet werden; auch erhalten einige Sanitätsunteroffiziere Unterricht in der Zahnersatzkunde. Bisher wurde die Zahnbehandlung beim Militär zwar auch nicht vernachlässigt, allein die Anfertigung künstlicher Zahnstücke durch Zivilzahnärzte stellte sich sehr teuer, weshalb solche Ersatzstücke nur in dringenden Fällen in Auftrag gegeben wurden.

Auf das Besoldungsdienstalter der Oberlehrer an staatlichen höheren Lehranstalten für die männliche Jugend kann nach einem Erlasse des Unterrichtsministers die Tätigkeit an anerkannten privaten höheren Mädchen­schulen ganz oder teilweise angerechnet werden, ebenso wie dies schon bei der Tätigkeit der Oberlehrer an inländischen militärberechtigten Privatanstalten zuge­standen worden ist. Entsprechende Anträge sind von Provinzialshulkollegien an den Minister zu richten. Hinsichtlich der Erstattung der Miete an Lehrpersonen weist der Minister in einem Erlasse darauf hin, daß aus Bvlksichullehrer und Lehrerinnen, denen ein Anspruch auf eine Vergütung für Umzugskosten aus der Staats­kasse zusteht, der § 4 des Gesetzes vom 14. Februar 1977 betreffend die Umzugskosten der Staatsbeamten Anwendung findet.

Ausland.

Ueber neue Goldfunde in Deutsch-Südwestafrika wird mitgeteilt, daß die Kaoko Land und Minengesell- schaft ein über innrere englische Meilen sich erstrecken­des Goldvorkommen angetroffen habe, doch bedürfe es noch .längere Zeit dauernder Untersuchungsarbeiten, um Die Abbauwürdigkeit zu erweisen.

Die Schule des Deutschen Hilfsvereins in Rio de Janeiro wurde im vergangenen Jahre von 217 Schülern besucht, von denen einer großen Zahl Freistellen oder

wwrimnm' iwiib i^m!«aMBmmaM!MMnMM»BM nünftig, aber Rückgrat, Rückgrat müssen sie mir haben. Frei und froh sollen sie Hoch und Niedrig ins Auge schauen und auf ihrer Stirne sei zu lesen:Wir arbei­ten und sind stolz darauf."

Bravo, Frauchen,bravo!" UndderalteBuntrockklopfte derin schöner Erregung Hocherröteten lobend auf dieSchul- ter.Wahrhaftig, eiuprächtigerKerl.aberdaßSieinAme- rika waren, das guckt Ihnen zu beiden Augen heraus!"

* *

Wie schnell sich die lustigen Nähschulstuben der Frau Major Anders mit braunen, blonden und schwarzen Mädchenköpfen gefüllt hatten. Den Unterricht in den feinen, sogenannten Luxusarbeiten erteilte Sidi Tontch, die durch ihre Freundin endlich auch zu einer Anstellung gelangt war. Denn, da ihre Eltern sie nach auswärts nicht ziehen ließen, die Handarbeitslehrerin der Mäd­chenschule in Mühlenberg aber noch durchaus nicht le- bensüberdrüssig war, so war Sidis erworbenes Wissen und Diplom bis jetzt ein totes Kapital geblieben. Wie die glücklich war, ihren Beruf einmal ausüben zu können.

Für das Lehren, Zuschneiden und Nähen der Damen- garderobe hatte Helene auch eine tüchtige Schneiderin angestellt. Sie selbst aber amtierte bei der Weißnäherei und freute sich ungeheuer, die in der Mädchenzeit unter dem schweren Druck der Verhältnisse erworbenen Kennt­nisse so nützlich verwerten zu können.

Groß war allerdings das Erstaunen in Mühlenberg, als Helene Anders ihre konzessionierte Facharbeitsschule für unbemittelte, exwerbsuchende Mädchen und Frauen in den Lokalblättern ankündigte und zum freien Besuch einlud. Der Redestroin, der die kopfschüttelnde Verwun­derung begleitete, wollte wochenlang nicht stocken.

Aber schließlich war auch dieses Neue zum Gewöhn­lichen geworden und die lernenden Mädchen gingen so zu ihren UnterriäjtSftunben, wie die staunende Gesell­schaft zur Tagesordnung übergegangen war.

Auch die schöne Zeit der Flieder- und Apfelblüten war wieder gekommen und wie es Helene vvrausge-

Ermäßigung des Schulgeldes 'gewährt wurde. Der Schulbaufonds wurde erfreulich vermehrt, auch der Kaiser ließ dem Verein zu diesem Zwecke 5000 Mk. überreichen, so daß der Vorstand sich der Hoffnung hingibt, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln ein der deutschen Kolonie in Rio de Janeiro würdiges neues Schulhaus bauen zu können, in dem die deutsche Schule das Deutschtum pflegen und erhalten möge.

Ein türkisches Urteil über Deutschland ist recht interessant. Der aus Deutschland zurückgekehrte türkische Abgeordnete Dschahid schildert i nRenin" in bewegten Worten die Gastfreundschaft, die der türkischen Reise­gesellschaft überall in Deutschland, vom Kaiser und den Würdenträgern bis herab zu dem letzten Privat­mann, zuteil geworden sei und die der ganzen ottoma- nischen Nation gelte. Dschahid drückt sein Erstaunen über Kulturfortschritte und die Riesentätigkeit der Industrie der Deutschen aus, die bisher den Ottomanen nur als Militärvolk bekannt gewesen seien, nunmehr aber von ihnen als die wichtigsten Kulturträger geschätzt würden.

Im Amsterdamer Hafenviertel haben schwere Ausschreitungen streikender Seeleute stattgefunden. Als des Nachts ein Bootsmann in Begleitung von Schutz­mannschaft sich zur Arbeit begab, bewarfen Ausständige die Schutzleute mit Steinen, so daß ihnen Infanterie und berittene Schutzmannschaft zu Hilfe eilen mußte. Die Truppen feuerten auf die Menge, wobei drei Per­sonen verwundet wurden. Als Kavallerie eintraf, er­widerten die Ausständigen die Schüsse und verwundeten ein^n Schutzmann. Laternen wurden ausgedreht. Selbst a-2 den Hause n wurLL--gsschLffLL. Gegen 5 Uhr morgens hörie das Schießen auf. Im ganzen wurden acht Personen verwundet, drei verhaftet. Die Truppen bewachten in starken Abteilungen die Straßen.

Die Fälle von Eisenbahnsabotage in Frankreich mehren sich in erschreckender Weise. Nachts wurden auf der Nordbahnlinie im Bahnhof Nesle zwischen Amiens und Tergnier die Drähte einer Signalscheibe zerschnitten und die Scheibe auf freie Fahrt gestellt. Diese Sabotage wurde erst bemerkt, als der Zug auS Amiens eintreffen sollte.

Wegen antimilitärischer Umtriebe wurden Haus­suchungen in der Paciser Arbeitsbörse abgehalten sowie im Bureau des Syndikats der Maurer und in der Wohnung von zwei Mirgliedern dieses Syndikats, die an der Redaktion und dem Versand eines Zirkulars beteiligt waren, durch das die Soldaten aufgefordert werden, ihrer Pflicht nicht nachzukommen.

sagt hatte, erklang der große Garten des Andersschen Hauses in den Arbeitspausen von lustigem Lachen und Tollen der zahlreichen Schülerinnen. Und Frau Helene selbst, die von allen Geliebte und Verehrte, schlug den Ball mit den jungen Mädchen um die Wette.

Da zog nun Sidi Tontch eines Tages die Stiiterin der Schule etwas beiseite und mit melancholischem Aus­druck, der ihr schon zur Gewohnheit geworden war und innrem, eigentlich zumLachen zugeschnittenenGesicht sehr komisch wirkte, flüsterte sie ihr zu:Helene, jetzt wird es."

Was denn, Sidi?"

Sie ziehen ein. Ich höre Möbelrücken im Schweizer­haus des Nachbargartens."

Ja, Du meinst, Doktor Thielecke bezieht seinen Som­meraufenthalt? Du mein Gott! Das kann ich ihm doch nicht verwehren, wenn der Grund sein Eigentum ist."

Ach nein, Helene," fährt Sidi ängstlich fort.Ich fürchte bloß, es wird Dich schrecklich aufregen."

Ach, Du mein liebes, kleines, rundes Seelchen!" lachte Helene herzlich auf,willst Du meiner grauen Haare spotten?" Und dann, ernster werdend:Ich habe mich ein Jahrzehnt in der Welt herumgetrieben, und sollte aus der Geschichte noch immer nicht herausgewach­sen sein?"

Wer weiß," antwortete die skeptische Sidi,denn daß Du, jung und schön, wie Du nach Deines Mannes Tod in die Ferne gezogen bist, nicht begehrt worden wärest, ist kaum zu glauben."

Aha, Philosophin, so ist das gemeint? Nun, recht hast Du eigentlich, wenn auch nicht ganz in dem Sinne wie es Dein noch immer romatisch veranlagtes Köpfchen gerne wollte. Ich hätte allerdings manches Ehebünd-- niS eingehen können im Laufe dieser Jahre, das stimmt. Und daß ich es nicht getan habe, mein Gott, der Reif jener Frühlingsnacht, der mein erstes Blühen zerstörte, er mag wohl Schuld daran tragen. Aber darum, Lieb­chen, sei ganz, aber ganz ruhig. Das ist so tot wie diese- Gartenbank." 182,18*