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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «3. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «5.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 56.

Samstag, den 15. Juli 1911.

62. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 3883 K.-A. Die Regierungshauptkasse ist angewiesen, den Herren Standesbeamten des Bezirks die von dem Königlichen Statistischen Landesamt in Berlin festgestellten Kopialien-Entschädigungen für die im Rechnungsjahr 1910 eingereichten Zählkarten über Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle zu zahlen.

Ich gebe den Herren Standesbeamten des Kreises hiervon mit dem Bemerken Kenntnis, daß, wenn die Abhebung der Beträge bei der Königlichen Kreiskasse hier nicht binnen Monatsfrist erfolgt, die Zusendung durch die Post portofrei geschehen wird, soweit die Standesbeamten nicht am Amtssitze der Kasse wohnen.

Schlüchtern, den 11. Juli 1911.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.

I. V.: B e rta.

Bekanntmachung.

Persönliche Auskunft in baupolizeilichen Angelegen­heiten wird nur in den Sprechstunden

Dienstag und Freitag vormittags von 1012 Uhr erteilt.

Gelnhausen, den 10. Juli 1911.

Der Vorstand des Königl. Hochbauamts Michael, Königlicher Baurat.

Biehseurhenbekäuchsung.

Der Landmann ist in seinem Berufe von vielerlei Zufälligkeiten abhängig, vielleicht mehr als irgend ein anderer Stand. Da spielt vor allem das Wetter, Kälte und Hitze, Regen und Trockenheit, Sturm und Hagel eine große Rolle. Gegen diese Naturereignisse kann er sich nicht schützen. .Oft wird seine Ernte durch sie in Frage gestellt. Um so mehr ist es nötig, daß andern Zufälligkeiten, die dem Landmannne ebenfalls in seinem Berufe schwer schaden können und gegen die es Schutzmittel gibt, mit allem Eifer entgegengearbeitet wird, damit ihm möglichst der Ertrag seiner Mühe und Arbeit gesichert wird.

Zu den Unfällen, die den Landmann außer un­günstigen Witterungsverhältnissen besonders schwer treffen, gehören die Viehseuchen. Das gilt sowohl von dem Großgrundbesitzer, dem ganze Herden verseucht werden, wie von dem kleinen Besitzer und ländlichen Arbeiter, dem vielleicht sein einziges Stück Vieh durch die Seuche fällt. Deshalb ist es fehr erfreulich, daß wir Gesetze haben, welche die Einschleppung solcher Krankheiten auf alle Weise erschweren. Nach dem »»I Will M ""^^^g^^«»**^^

Aus eigener Kraft.

Roman von Nora Denkes. 56

Aber Sidis zum Zweifeln neigendes Gemüt fand es trotzdem kitzlig angenehmer, sich in Angstgefühlen zu gruseln.

Auch Tillitante, die, seit sie ihren verwachsenen Rö­mer der Erde übergeben hatte müssen, den Haarscheitel ungefärbt trug, und infolge dessen einen schneeweißen Kopf hatte, sich aber sehr gerne bei ihrer Frau Majorin aufhielt; auch sie hatte die Augenbrauen erschreckt in die Höhe gezogen, als einige Tage später, während die Schule sich im Park aufhielt, Doktor Thieleckes feste Stimme aus dem Nachbargarten herüberschallte, der sein Töch- terchen bei den Turnübungen kommandierte. Aengstlich schielte sie nach der Nichte, die einem jungen Mädchen einen stark wackelnden Milchzahn zu entfernen bemüht war und verwundert fragte:Ist das Thieleckes Stimme ?"

Ja, ach ja!" entgegnete die Tante fast schmerzlich.

Hat der sich ein schneidiges Organ angewöhnt," be­merkte Helene, seelenruhig in ihrer angenehmen Beschäf­tigung fortfahrend. Früher war seine Stimme eitel Milch und Homg." ...

Seit die heißen Tage gekommen waren, war der Unterliefst her Andersschen Handarbeilsschule, der Name, den die 21 nstatt offiziell trug, der Kühle wegen in den Garten verlegt worden. Da herrschte natürlich während dieser Tagesstunden die lauteste Fröhlichkeit unter den alten Bäumen. Lachen, Gesang und Wortspiele die den ®«ft schärfen und die Seele erfrischen, wechselten mit einander ab.

Doktor Thieleckes etwa elfjährige Erna, die, da ihr Vaterseinein Beruf nachgehen mußte, sich meist allein oder mit der Haushälterin im Garten befand, interessierte sich natürlich sehr für das lustige Treiben der Nachbar­schaft. Außerdem hatten die großen Sommerferien be-

bestehenden Viehseuchengesetz dürfen Tiere, welche an einer ansteckenden Seuche leiden, nicht in Deutschland eingeführt werden, und um diese Bestimmung durch - führen zu können, ist in den Grenzländern und an der Seeküste seit 1893 eine umfassende tierärztliche Grenz­kontrolle eingerichtet worden.

Nun aber ist die Krankheit bei manchen Tieren, wenn sie über die Grenze kommen, noch nicht erkennbar, und erst später kommt die Seuche zum Ausbruch und richtet Unheil an. An den Landgrenzen kann man diesem Uebelstande dadurch entgegenarbeiten, daß man die Seuchenverhältnisse in den angrenzenden Ländern eingehend beobachtet und demgemäß rechtzeitig Koutroll- und Schutzmaßregeln treffen kann. Anders liegt die Sache an der Seeküste; denn über den jeweiligen Seuchenstand in den überseeischen Ländern sind wir verhältnismäßig wenig unterrichtet. Daher hat der Bundesrat, dem die Regelung in dieser Frage zusteht, beschlossen, an den Küsten den sogenannten Quarantäne­zwang für die aus überseeischen Ländern kommenden Wiederkäuer und Schweine einzurichten, das heißt: die Tiere müssen eine Zeitlang an der Küste stationiert bleiben und dürfen erst dann, wenn während dieser Zeit keine ansteckende Krankheit zum Ausbruch gekommen ist, ins Innere eingeführt werden. Die Dauer dieser Quarantäne ist auf vier Wochen festgesetzt worden, dazu tritt dann noch für fünf Monate eine weitere tierärztliche Beobachtung am Bestimmungsorte. Der Reichskanzler ist jedoch ermächtigt, für Tiere aus Ländern, in denen die in Betracht kommenden Seuchen zurzeit nicht verbreitet sind, die Quarantänezeit auf zehn Tage herabzusetzen, und in diesen Fällen fällt auch die fünfmonatige Beoabchtungszeit am Bestimmungs­orte fort.

Diese See-Quarantäne ist also dazu bestimmt, eine größere Sicherheit bei der Vieheinsuhr aus denjenigen Ländern zu bieten, in denen der Gesundheitszustand des Viehes im allgemeinen befriedigend ist. Für den Fall, daß in jenen Ländern bekanntermaßen Seuchen herrschen, ist der Erlaß von Einfuhrverboten immer noch notwendig.

Die Anstalten, welche an der Seeküste für die unter Quarantäne stehenden Tiere eingerichtet werden, stehen natürlich unter strenger Kontrolle. Falls dort eine ansteckende Krankheit festgestellt wird, werden keine Tiere mehr in dieselbe ausgenommen, und der gesamte Vieh­bestand wird sofort abgeschlachtet. Die Anstalt darf erst wieder eröffnet werden, wenn sie unter Aufsicht eines gönnen und nun mußte sich die Kleine, da sie nichts zu lernen und zu arbeiten hatte, einen Zeitvertreib su­chen.

Die aufgedonnerte Titzi, ihre Puppe, langweilte sie schon, guckte sie doch immer mit demselben starren Aus­druck auf ihre Nasenspitze. Der Schaukel- und Kreislauf­apparat wurde, wenn der Papa nicht daheim war, in un­erreichbare Höhe gezogen, da Thielecke dem Kinde, wäh­rend seiner Abwesenheit Spiele, die die kleinste Gefahr in sich bargen, nicht gestattete. Den Blumengarten konnte Erna auch nicht den ganzen Tag begießen.also was Wun­der, daß das feine Kind mit dem lebhaften Gesichtsaus- druck auf Unterhaltung sinnen mußte.

Und nun hatte sie etwas höchst interessantes entdeckt. Ganz rückwärts, in dem gegen Frau Anders Garten ge­richteten Winkel war die hohe Buchenhecke durch das Verdorren einiger Aeste so dünn geworden, daß man, wenn man einige Hände voll Blätter ausraufte und auch sonst mit den kleinen Fingern ein wenig nachhilft, ganz prächtig in die kuriose Welt der Nachbarschaft gucken konnte. Und, Gott, war das schön. Erna hockte nun stundenlang vor dem Loch und belauschte sehnsüchtig das lustige Wesen der großen Schulmädchen. Wie war es dort doch ganz anders als in der Schule, wo man im­mer so still sitzen mußte, wie ein Mäuschen. Und für Ernas unendlich gerne, wenn auch nur mit sich selbst, plapperndes Mäulchen war das eine schwere Sache. Au­ßerhalb der Anstalt hatte sie wenig Verkehr, da die Groß- eltern und auch der Papa ihr einziges Mädchen gern apart erziehen wollten. So war ihre rege Phantasie im­mer in starker Tätigkeit und darum erschienen ihr diese vielen Mädchen in den Hellen Sommerkleidern inmitten der Säume und Blumen, dann die freundlich unter­richtenden Lehrerinnen und vor allem die aus dem Mär­chenlande gekommene Frau Major als etwas ganz Selt­sames.

Als nun Doktor Thielecke einmal von seinen Kran-

amtlich angestellten Tierarztes vollständig ansteckungsfrei gemacht ist. Diese Fürsorge für unsere Landwirtschaft wird von allen Beteiligten als ein ,hochverdienstvolles Unternehmen anerkannt werden.

Deutsches Deich.

Der Kaiser hat an die Gräfin Bismarck in Stolp anläßlich der Einsegnung ihres Sohnes, des ältesten männlichen Sprossen der Nachkommenschaft des Alt-Reichskanzlers, ein Radiotelegramm über Norddeich gerichtet, das lautet: Empfangen Sie, gnädigste Gräfin, meinen herzlichen Glückwunsch zum heutigen Tage, der Sie mit der Einsegnung Ihres Sohnes frohes Hoffen an glückliches Erinnern knüpfen läßt. Möge Gottes Segen mein Pathenkind auch fernerhin geleiten! Der Kaiser hat seinem Pathenkind eine goldene Uhr mit seinem Bildnis und entsprechender Widmung übersandt.

Auf Einladung des Kaisers werden der König und die Königin von Schweden am 29. August zur Teilnahme an der Kaiserparade über das zweite Armee­korps in Stettin eintreffen.

Das fünfhundertjährige Bestehen der Hohen- zollernherrschaft in der Mark Brandenburg wurde am Sonnabend in festlicher Weise durch die Uebernahme des Klostergutes Lehnin durch den brandenburgischen Provinzial-Synoden-Verband begangen. Zu der Feier hatte der Kaiser den Prinzen August Wilhelm mit seiner Vertretung beauftragt.

Die Ansiedelungskommission hat das Rittergut Siemionski mit dem Grundstücke Siemionski Nr. 2, Kreis Strelno, zu Ansiedelungszwecken angekauft.

Die Telegraphie des Deutschen Reiches mit Einschluß von Bayern und Württemberg hat nach der letzten Statistik im Jahre 1909 ingesamt 56 771636 Telegrame befördert. Von diesen entfallen auf den inneren deutschen Verkehr etwas über*/2 Millionen, auf den internationalen Verkehr über 19 Millionen. Nicht gerechnet sind dabei 93 419 Telegramme, durch welche die Wettervorhersage für den folgenden Tag verbreitet wird. Taxfrei waren fast l1/* Millionen Telegramme. Die Eisenbahnen gaben fast V. Million Diensttelegramme auf. Im internationalen Verkehr schickte Deutschland über 7Millionen Telegramme ab, während es fast 9'/» Millionen erhielt. Im Durch­schnittsverkehr von Grenze zu Grenze beförderte Deutschland über 2*/+ Millionen Telegramme. Nicht gerechnet sind dabei 208 105 internationale Dienst- teleqamme. Der innere Verkehr brächte fast 30'/,

kenbesuchen heimkehrte, es war um die Mittagszeit, nahm es ihn wunder, daß ihm sein Töchterchen ihn nicht wie sonst begrüßend entgegen sprang.

Er ging, ohne zu rufen, tiefer in den Garten und fand die Kleine in ihrem weißen Reformkleidchen ganz weltvergessen vor dem selbstgeschaffenenPanorama Hocken und mit großen Augen gucken, wie die Nachbarmädels sich soeben zum Aufbruch rüsteten.

Erna, Erna, was tust Du da?" Der Vater sagte es vorwurfsvoll und die Ertappte wurde auch über das ganze Gesicht purpurrot, indem sie erschreckt aufsprang und in des Doktors auffangende Arme taumelte.

Ei, ei, ei, was ist denn das für eine merkwürdige Theaterloge, die Du Dir da gemacht hast?"

Ach, Vaterl, glaub, man sieht mich wirklich gar nicht vor dem dicken Stamm, der da drüben steht." Und ich will doch nur hören, wie sie immer lachen."

Hm!" Der Doktor streichelte seinem mutterlosen Kinde das feuchte Gelock aus der Stirne und es über­kam ihm plötzlich eine große Traurigkeit. Klang das nicht wie eine unbewußte Klage, als ob sein Liebling die echte, rechte Kinderfröhlichkeit entbehre? Und der Bor­wurf war nicht einmal ganz unbegründet, denn er ge­stattete der Kleinen wirklich wenig Umgang mit Kin­dern. War es Egoismus, daß er ihre Liebe für sich allein behalten wollte, oder hatte er kein Verständnis für die Bedürfnisse des Kindergemütes, aber er fühlte sich ge­troffen.

Aber Ernchen, mein süßes, ist eS Dir unter den herrlichen Bäumen und dem schönen blauen Himmel langweilig?"

Eine ziemlich gehaltlose Frage an ein elfjähriges Kind gerichtet und Erna sah ihren Papa auch demgemäß recht verständnislos an.

Aber Väterchen, ich kann doch mit den Bäumen nicht laufen und fangen spielen?"

Hm! Ei, Du schau! Eigentlich hast Du recht." 182,18*