ZGüchtemer Zeitung
mit amtlichem Rreisblatt.
Telefon Nr. 65.
Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. 65.
Erscheint Mittwoch und SamStag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 78.
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Verlag und Redaktion der „Schlüchterner Zeitung".
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Amtliches,
Rekruten Einstellung 1911.
Sämtliche Rekruten und Freiwilligen aus dem Landwehrbezirk Hanau können ihre Gestellungsbefehle bei den Bürgermeisterämtern gegen Abgabe der Re- kruten-Urlaubspäsfe bezw. Annahmescheine in Empfang nehmen.
Diejenigen Rekruten, welche keinen Gestellungsbefehl erhalten, kommen voraussichtlich in diesem Jahre nicht zur Einstellung und haben sich im nächsten Jahre erneut zur Stammrolle anzumelden.
Hanau, den 16. September 1911.
Königliches Bezirks-Kommando.
Ium Erntedankfest.
Wieder in des Jahres Gang
Ward die Sichel angeschlagen,
Wird der Ernteglocken Klang
Durch die hohe Luft getragen.
Korn genug die Erde gibt,
Keinem mangelt Trank und Speise.
Der uns wie ein Vater liebt,
Sorgl auf wunderbare Weise.
Allen gibt er täglich Brot,
Gab es gestern, gibt es heute,
Morgen auch hat keine Not,
Wer am Herrn sein Herz erfreute.
Ueber dem was Gott beschert,
Laßt uns drum die Hände falten,.
Am Altar, an Hauses Herd
Fröhlich Erntedankfest halten!
Erntedankfest.
Nun sind die Felder wieder einmal abgeerntet, und man merkt, es geht in den Herbst. Natürlich ist das Ernten zunächst und vor allem die große Hauptsache im Leben des Landmanns. So manches Mal hat er auch in diesen! Jahre sorgenvoll nach dem Wetter geschaut, und er ist froh, daß nun alles glücklich vorüber ist. Nach heißer, schwerer Arbeit hat die Erntefreude rhr gutes Recht. Unter Halloh und Scherz wird das letzte Fuder eingebracht. Der bunte Erntekranz mit seinen wohlgemeinten Versen prangt als stolzer Hausschmuck. Es gibt einen leckeren Extraschmaus, und bei den fidelen Klängen einer primitiven aber um ermüdüchen Dorfmusik dreht und wiegt sich alles in neuen und alten Tänzen. Herrschaft und Gesindeleute ^ße Familie, und kein Mißton K o harmlose Fest. Solch patriarchalisch Bild des Landlebens rst wirklich noch hier und da zu schauen, und jeher Volksfreund muß sich darüber freuen.
l?te ? ""dere hübsche vielsagende Voltsbrauch, so bröckelt auch die alte Erntefest-Sitte mimer mehr ab. Es wird jetzt auch auf dem Lande vieles „in Geld abgemacht", und an die Stelle der allgemeinen häuslichen Gutsfreude tritt ein gemachter Wirtshausrummel, der als „mal was Anderes" nicht zuletzt die neugierigen Stadtleute anlockt.
Samstag, den 30. September 1911
Hohes Ansehen hat bei der Landbevölkerung das kirchliche Erntedankfest behalten. Der betreffende Tag gilt vielen mindestens ebenso heilig, wie Ostern oder Pfingsten. Das Gotteshaus wird mit Kränzen, Garben, Früchten und Girlanden reichlich geschmückt, der Sängerchor gibt ein wohl eingeübtes Lied zum besten, und vom Herrn Pfarrer erwartet man, daß er heute ebenfalls sein Bestes gebe. Es kann nicht anders sein, als daß die Erntepredigt, ob auf dem Lande, ob in der Stadt, den Dank für Gottes Güte betone. Ja, auch die Städter und alle, die dem Landwirtschaftlichen persönlich etwas ferner stehen, sie mögen sich auch einmal in den frommen Gedanken versenken, daß an Gottes Segen alles gelegen ist, und daß man als ehrlicher Christenmensch dafür aus vollem Herzen zu danken habe. Wie klingt es doch tiefergreifend, was Gerok in seinem „Ernte- und Herbst-Dankfest" gesungen hat:
„Danket dem Schöpfer und preist den Erhalter, Dessen Barmherzigkeit immer noch neu, Rühret die Harfe und spielet den Psalter, Schmecket und sehet, wie freundlich er sei!
Laßt es in Chören, Donnernden, hören, Himmel und Erde: Der Herr ist getreu!" Lebensernte möchte jeder halten, und trotz vielfacher Enttäuschung hat doch schon mancher viel Schönes und Gutes erreicht. Bisweilen kam es tatsächlich über Bitten und Verstehen in Beruf und Haus, und es ward wie ein Dankfest voll Freude und Friede. Auch unser Volk hat manche große Errungenschaft ernten Harfen; möge es niemals das Danken verlernen, und möge es festhalten an einem fröhlichen, seligen Ernteglauben !
Deutsches Reich.
— In den letzten Tagen ist es der Ansiedlungs- kommission gelungen, zwei polnische Besitzungen in der Provinz Posen an sich zu bringen: das 1000 Morgen große Gut Goryszewo im Kreise Mogilno und die 325 Morgen große Wirtschaft des Polen Rozek im Dorfe Slesin. Der letztere Besitz ist insofern von Bedeutung, als der Erwerb eine Bresche ist in dem bisher ganz polnischen Dorfe.
— Zur Begutachtung wirtschaftlicher Fragen der deutschen Schutzgebiete wird beim Reichskolonialamt eine Kommission errichtet, welche die Bezeichnung „Stän- dige wirtschaftliche Kommission der Kolonialverwaltung" führt. Vorsitzender ist der Staatssekretär des Reichs- kolonialamts. Die Mitglieder werden vom Staatssekretär des Reichskolonialamts aus den Kreisen der Sachverständigen berufen, wobei ihm vorbehalten bleibt, wirtschaftliche Körperschaften und Vereine zu Vorschlägen auszufordern. Die Mitgliedschaft in der Kommission ist ein Ehrenamt. Auswärtige Mitglieder erhalten für die Teilnahme an den Sitzungen eine Entschädigung nach Maßgabe besonderer Festsetzungen. Die Ernennung der Mitglieder erfolgt für je eine Sitzungsperiode der Kommission. Die Zeitdauer dieser Periode beträgt drei Jahre. Die Kommission ist von dem Vorsitzenden unter Mitteilung der Tagesordnung zu berufen, so oft ein Bedürfnis vorliegt, mindestens jedoch einmal im Jahre.
Ausland.
— Durch eine Explosion ist im Hafen von Toulon das französische Panzerschiff „Libertö" vernichtet worden. Von der Besatzung sind ungefähr 300 Mann umgekommen. Der deutsche Kaiser hat der französischen Regierung seine Teilnahme an dem furchtbaren Unglück durch folgendes Telegramm kundgetan: „Es fehlen Mir die Worte, um den Ausdruck für Mein tiefes Mitgefühl mit der nationalen Trauer ganz Frankreichs zu finden. Die so furchtbar geprüften Familien werden sich mit dem Bewußtsein trösten können, daß die unglückliche Besatzung der „Libertö" in Erfüllung ihrer Pflicht gegen das Vaterland gestorben ist."
— Ueber die geplante italienische Expedition nach Tripolis, an der angeblich 30 000 Mann und ein Teil der Flotte teilnehmen sollen, fehlen infolge der in Italien geübten Depeschenzensur bestimmte Nachrichten. Das italienische Stationsschiff ist von Konstantinopel abgefahren. Die italienischen Handelsschiffe im östlichen Mittelmeer sind in die Heimu zurückgerufen worden.
62. Jahrgang.
— Zum russischen Ministerpräsidenten ist der Finanzminister Kokowzow unter Belastung in seiner Stellung als Finanzminister ernannt worden.
—- Wie die Londoner „Morning Post" aus Teheran meldet, habe der Turkomanenchef aus Gnmushtepe dem Kabinett telegraphiert, daß er den früheren Schah von Persien gefangen genommen habe und Verhaltungsmaßregeln erbitte. Jefrem Khan und Sardar Bahedur sind mit dem Rest ihrer Truppen in der Richtung auf Rabatkerim gegen Salar ed Dauleh aufgebrochen. Die Regierungstruppen, meist Bachtiaren und Freiwillige, stehen von Chum nordwestlich bis Sawah in einer Stärke von 1500 Mann.
Lokales und Provinzielles. Schlächtern, 29. September 1911.
—* Am nächsten Sonntag, den 1. Oktober, nachmittags 2 Uhr soll die Weihe der neuerba«te« evangelischen Kirche zu Niederzell durch den Herrn Generalsnperintendenten D. Pfeiffer aus Castel stattfinden. Die Arbeiten an dem Neubau sind inzwischen in der Hauptsache rechtzeitig fertig geworden, und das Kirchlein nebst Umgebung gewährt jetzt einen schmucken Anblick. Auch die Orgel, welche im Mai d. I. bei der Firma Ratzmann in Gelnhausen bestellt war, ist noch in letzter Stunde aufgestellt worden und wird bei der Einweihungsfeier .zum ersten Male in Gebrauch genommen werden. Die beiden neuen Glocken, welche in Bochum gegossen sind, klingen mit der Glocke in dem Türmchen des neu restaurierten Schulhauses zusamn!!-..,- sodaß das Geläute der drei Glocken einen harmonischen Dreiklang bildet. Vor Beginn der Einweihungsfeier am nächsten Sonntag Nachmittag 2 Uhr werden sich Ortsbewohner und auswärtige Teilnehmer zum gemeinsamen Kirchgang beim Staaf'schen Saale, dem ersten Hause des Ortes an der Straße von Schlüchtern, versammeln. Alsdann begibt sich der Zug nach der Kirche zum Weihegottesdienst. Nach der kirchlichen Feier sindet geselliges Zusammensein in beiden Dorfwirtschaften bet einer Tasse Kaffee statt. Bei einer Nachversammlung im Slaafffchen Saale werden neben Gesangsvorträgen und Deklamation noch verschiedene Ansprachen gehalten werden. — Ein in der Buchdruckerei E. Hohmeifter hergestelltes 12seitiges Erinnerungsblatt mit Bildern und Artikeln über die Geschichte Niederzells und die Geschichte des Kirchbaues kann als bleibendes Andenken zum Preise von 30 Pfennigen erworben werden. — Die Gemeinde Niederzell wird an dem Einweihungstage diejenigen, welche an ihrer Freude teilnehmen, insbesondere diejenigen, welche durch ihre Gaben den Kirchbau unterstützt haben, herzlich willkommen heißen und freudigst begrüßen.
—* Aus der Theaterkanzlei erfahren wir folgendes: Sonntag abend ist zum zweiten und letzten Male „Dollarprinzessin". Auf diese altbeliebte und bekannte Operette weiter hinzuweisen, ist wohl nicht notwendig. Wer kennt nicht das entzückende „Ringelreihen" oder das „Dollarprinzessenlied" ? Im Vorverkauf ist bereits rege Nachfrage nach Karten für die Vorstellung. — Sonntag nachmittag gibt es auf allgemeinen Wunsch wieder eine Kindervorstellung: „Der Schusterbaron", eine reizende, riesig unterhaltende Komödie für die Kleinen. — Am Samstag, den 30. September gibt es einen lustigen Abend im Hotel „Zum Stern". Ueber- brettl! — das sagt genug. Für 75 Pfennige kann man sich ein paar fröhliche Stunden erkaufen. Gesang, Humor und Ulk, was will man mehr! Die bereits aus gegebenen Zettel besagen genaueres.
—* Der Schalterdienst beim hiesigen Kaiserlichen Postamt beginnt mit dem 1. Oktober um 8 Uhr- morgens.
—* Der neue Ausnahmetarif für Futter und Streumittel kann von Interessenten auf der Handelskammer zu Hanau eingesehen werden.
—* Der Deutsche Flottenverein wird seine Kur- hessische Provinzialversammlung im nächsten Jahre in Fulda abhalten. So ist am Sonntag auf der diesjährigen Versammlung in Cassel beschlossen worden.
—* Die diesjährige Hauptversammlung des Gustav- Adolf-Vereins fand in Frankfurt a. M. statt. Am Samstag war im Römer in Gegenwart der Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden feierliche Begrüßung der Hauptversammlung, um 6 Uhr fanden in