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Schlüchtemer Zeitung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «3. vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. »r.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Amtliches.

J.,Nr. 5545. K.-A. Unter Bezugnahme auf die in Nr. 38 des Kreisblatts enthaltene Veröffentlichung über die landwirtschaftliche Winterschule zu Gelnhausen, mache ich darauf aufmerksam, daß der Schulbesuch für die jungen Landwirte aus dem hiesigen Kreise dadurch erleichtert wird, daß der Kreis an 3 Schüler wenig bemittelter Landwirte eine Kostenbeihülfe von je 50 Mark auf Antrag zahlt.

Schlüchtern, den 6. Oktober 1911.

Der Königliche Landrat: Valentiner

Verfehlte Schadenfreude.

In der englischen und der französischen Presse kommt in verschiedenen Formen der Gedanke zum Ausdruck, daß man den Italienern wegen ihrer Tripolisaktion nicht so böse sein dürfe; denn diese habe Deutschland in die Verlegenheit gesetzt, das verbündete Italien zu enttäusihen und bei den Völkern des Islams an Kredit zu verlieren. Wohl hat ein großer Teil der deutschen Presse wieder nur nach moralischen Gesichtspunkten geurteilt und weder gefragt, ob nicht ein sehr starkes politisches Interesse Italiens sein schroffes und gewalt­sames Vorgehen entschuldige, noch auch, welchen poli, tischen Vorteil für uns die einseitige und ausgiebige moralische Entrüstung stiften könne. Allein die öffent­liche Meinung in Italien hat sich bisher viel weniger von den unfreundlichen deutschen Zeitungsartikeln als von der amtlichen Politik des Reiches beeinflussen lassen und deren korrektes bundesfreundliches Verhalten dank­bar anerkannt. Man mußte sich in Italien auch sagen, daß das Wohlwollen gerade von der Seite, von der -uwtr es am ersten erwarten konnte, nämlich von Eng­land, das den Italienern Tripolis als Entschädigung für Marokko versprochen hatte, am allergeringsten gewesen ist.

Ebenso wird sich wahrscheinlich die Hoffnung des PariserTemps" nicht erfüllen, daß Deutschlands An­sehen in der Türkei durch Tripolis empfindlichen Schaden leiden werde. Die Türken wissen so gut, wie es alle Welt weiß, daß der Preis für die französisch-englische Entente in zwei türkischen Provinzen bestand. Es war ein Fehler des jungtürkischen Regiments, daß man Deutschland nur zu sehr als Freund in der Not be­trachtete, in guten Tagen aber nach französischen und englischen Vorbildern arbeitete und beide Länder auch in den praktischen Geschäften bevorzugte. Schon vor Tripolis hat sich gezeigt, daß das jungtürkische Regi-

Gesühnt.

Roman von G. v. Schlippenbach.

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Der Veilchenduft hätte mir die freundliche Ge. berm verraten, auch ohne daß mir Guste Webell ihren Namen nannte. Es geht ihr gut, aber sie wird noch einige Wochen unfähig sein, zu arbeiten, alte Knochen heilen langsam. Ich werde sie den Schwestern später zur Ver­fügung stellen, sie mag in der Küche des Krankenhauses aushelfen."

Nora ließ ihre Finger leise über die Tasten gleiten, nachdem sie die Serenade beendet.

Haben Sie ein besonderes Lieblingsstück «"fragte sie.

Ja, das neunte Notturno von Chopin," erwiderte Klingberg,diese Tondichtung hat etwas sehr Anziehen­des für mich."

»3$ spiele das Notturno, wollen Sie es heute- re Mir will es scheinen, als passe seine Schwermut nicht in diese frohe Gesellschaft," entgegnete Nora leise.

, "®?e hören nicht auf Ihr schönes Spiel, mir ist es, wir Zwei isoliert, als webe die Musik um ^^?^er," war KlingbergsAntwort,ich will dig?s gTäuTeS^ ^uigeben, bitte, fangen Sie an, gnä- Und Nora spielte jene süße Melodie inhermühinm verhaltene Leidenschaft schlummert. Klingberg saß ne- ben ihr, den dunklen Kopf in die Hand gestützt folgte er den Bewegungen der schönen Frauenhände. 8 9 . »J§ habe heute einen Brief von Emil Otto erhal­ten, fing Nora nach einiger Zeit an,ich soll Ihnen ewm Gruß bestellen," sie zögerte und sich? tiefem ®efu$l fort:Ich weiß jetzt, was Sie für meinen Bru- der taten, er hat Ihnen viel zu danken, Mutter und ich.» Zhre Stimme schwankte, die feinen Flügel der Nase vi- orua uai, )ie g^ daneben.

Es ist wieder still, sie sprechen nicht, und die Weise

Mittwoch, den 11. Oktober 1911.

ment auf die Dauer nicht haltbar ist. Das neue Ministerium Said Pasche ist kein jungtürkisches mehr. Ob nun vielleicht auch das Islamitische allmählich wieder mehr zur Geltung kommt als das Ottomanische, das nach der Idee der Jungtürken alle Religionen und Rassen des weiten Reiches verbinden sollte, so wird doch immer bestehen bleiben, daß kein fremdes Land für die militärische und wirtschaftliche Entwicklung der Türkei so viel geleistet wie Deutschland. Beschützer des Islams können wir nicht sein und Verbündeter der Türkei für den Kriegsfall auch nicht. Deshalb bleiben wir doch ein sehr nützlicher Freund der Türkei. Tri­polis wird daran nichts ändern und vielleicht sogar dazu beitragen, daß künftig der Wert unserer fried­lichen Hilfe und unseres guten Rates in Kriegszeiten noch besser geschätzt wird.

Beutsches Reich.

Zum Unterstaatssekretär des Reichskolonialamts ist Ministerialdirektor Dr. Gonze ernannt worden. Zu seinem Nachfolger ist Geheimer Oberregierungsrat Dr. Schnee bestimmt.

Wer. die wahren Fleischverteurer sind, zeigt eine Zeitungsnotiz, nach der einem Gutsbesitzer auf Rügen von einem Greifswalder Viehhändler für Fleischlämmer und Fleischjährlinge 24 Pfennige pro Pfund geboten worden sind mit der ausdrücklichen Bedingung, daß das Vieh nicht schlecht sein dürfe. Ein Stralsunder Vieh­händler bot 28 Pfennige für das Pfund, falls ihm gestattet würde, die Stimmer und Jährlinge erst im April nächsten Jahres abzunehmen. Und da wird von sozialdemokratischer und gesinnungsverwandter Sehe immer wieder die Lüge verbreitet, daß es die Landwirte seien, die Brot und Fleisch verteuern!

Was der polnische Fanatismus vermag, lehrt folgende Mitteilung der KattowitzerUmschau im Polenlager": Von Krakau aus werden gegenwärtig in Hunderttausenden von Exemplaren zwei Ansichtspostkarten vertrieben, welche folgende Bildnisse zeigen: Auf der Leiche eines erschlagenen preußischen Soldaten setzt ein Sokolist in voller Uniform die polnische Nationalfahne auf und weist auf die darunter stehenden Worte hin: Mit Gewalt werden wir zurücknehmen." Auf der zweiten Karte versetzt ein Sokolist einem deutschen Sol­daten einen so wuchtigen Fußtritt, daß dieser zu Boden stürzt. Das Bild deutet an, wie die Polen die Deut­schen behandeln würden, wenn sie die Macht hierzu hätten.

des Notturno zieht durch das Zimmer, in dem sie ganz allein sind.

Danken Sie mir nicht," bricht es rauh über des Mannes Lippen,räumen Sie mir das Recht treuer Freundschaft ein. Emil Otto wird wiederkommen, ich hoffe, er bleibt in Deutschland; vielleicht kann ich ihm einst zur Seite stehen.es würde mich glücklich machen."

Sie haben ihm e;n schönes Wort gesagt," versetzte Nora,es ist ein stolzes Motto."

Welches auch meines Lebens Richtschnur gewesen ist."

Es paßt auf Sie, ich weiß es, auch darin stimmen wir überein, ich habe immer dieses Sprichwort bewun­dert und versucht, es durch die Tat zu erfüllen."

Sie haben noch eine ganze Weile mit einander ge­sprochen beim Klänge der Musik. Erst als der Tanz wieder anfing und die Regimentskapelle von Felix zum Schlußwalzer befohlen wurde, erhob sich Klingberg. Er reichte Nora den Arm und führte sie in den Ballsaal zurück. Im nächsten Augenblick flog sie mit Heinz Mören über das glatte Parkett.

* *

Noch mehrere Tage nach dem Fest vergingen in bun­ter Geselligkeit. Fürstin Heloise fuhr mit ihren Gästen zu den Nachbarn, und immer deutlicher trat Felix' Ver­liebtheit zu tage, immer kühler behandelte ihn Nora, was den eitlen Jüngling gerade reizte und sie ihm be­gehrenswerter erscheinen ließ. Der Gedanke, daß er, der ein so netter Kerl sei, einen Korb bekommen könne, war völlige Torheit, natürlich würde sie mit beiden Händen zugreifen.

Am Tage nach dem Ball hatte Eugenie mit der Freun­din eine lange Unterredung, in der Noras Mutter über die Wünsche Heloises unterrichtet wurde.

Du scheinst eine Verbindung unserer Kinder nicht zu wünschen?" fragte die Fürstin empfindlich.Ich denke, das, was mein Sohn zu bieten hat, ist wohl für jedes ginge Mädchen genug."

Ich unterschätze es nicht, Lievste," lautete Eugenies

Ausland.

jEin Revolverattentat auf den österreichischen Justizminister wurde im österreichischen Abgeordueten- Haus verübt. Während der Lärmszenen bei der Be­ratung der Teuerungsanträge feuerte ein Besucher der zweiten Galerie auf der linken Seite gegen die Minister­bank, wo der Justizminister und der Unterrichtsminister saßen, vier scharfe Schüsse ab. Es herrschte unbeschreib­liche Aufregung. Der Täter ist ein 19jähriger Dal­matiner, der Tischlergeselle Njegus. Er wurde alsbald verhaftet und gab an, er sei Sozialist und habe, als Adler über die sozialdemokratischen Kundgebungen vom 17. September sprach, bemerkt, daß der Justizminister spöttisch lächelte. Aus Empörung darüber habe er den Revolver gezogen und auf den Justizminister gefeuert, um ihn zu erschießen.

Ueber den italienisch-türkischen Krieg sind in­folge der strengen italienischen Zensur die Nachrichten sehr verworren. Die römische ZeitungGiornale d' Jtalia" erfährt aus bester Quelle, daß von den drei vor Tripolis liegenden italienischen Kreuzern viele Matrosen in Tripolis gelandet sind und sich an den Konsulaten und der christlichen Kirche verteilt haben, wo Pater Rosetti mit zwei Franziskanern, zwei Nonnen und drei Kranken zurückgeblieben war. Die Matrosen fanden in der Stadt, die verlassen scheint, keinen Wider­stand uud besetzten unter Führung mehrerer Offiziere ein Fort, wo sie einige Leichen fanden. Vor Hodeida hat ein Seegefecht stattgefunden. Der italienische KreuzerAretusa" wurde im Roten Meer von einem türkischen Kanonenboot beschossen. Der Kreuzer erwi­ederte das Feuer und brächte das Kanonenboot zum Sinken.

In Abo (Finnland) ist ein Attentat auf den Präsidenten des Hofgerichts von Hellen gemacht worden. Er wurde in dem Augenblick erschossen, als er aus seinem Hause auf die Straße trat. Der Mörder, der Selbstmord verübte, ist der 24jährige Eisenhandlungs- kommis Bruno Forsström. Er hatte sich in v. Hellens Wohnung versteckt. Der Präsident wurde von einem Schuß am Kopf, von einem anderen in der Achselhöhle getroffen.

Die Unruhen in Mexiko wollen kein Ende nehmen. Bei Santa Barbara hat ein Zusammenstoß von Bundestruppen mit Aufständischen unter dem Ge­neral Zapata stattgefunden. Die Aufständischen wurden unter schweren Verlusten geschlagen. In Tehuantepec wurden mehrere Bürger bei politischen Demonstrationen von Bundestruppen erschossen.

sanfte Erwiderung;Nora ist aber anders als die mei­sten Mädchen, sie hat ihre ganz besonderen Ansichten über die Ehe und die Wahl eines Gatten. Aeußere Vorteile allein werden sie nie bestimmen, sie muß mit ihrem gan* zen Sinnlieben."

Die Fürstin brauste auf.Nun ja, ist Felix nicht lie­benswert?" rief sie festig;es ist ein bildhübscher Mensch, ich kenne mehr als eine, die gern seine Frau würde. Verzeih mir, liebe Eugenie, Nora zu sondieren, es ist doch nicht so übel, Felix' Frau zu werden, besonders wenn man ..."

Ein so armes Mädchen ist," ergänzte die Freistau etwas bitter.Nora hat einen sehr festen Charakter, sie ist schwer zu beeinflussen."

Das eben gefällt mir, ich finde, sie paßt zu mei­nem Sohn, der, ich muß es zugeben, leider etwas o«r- wühnt ist; er müßte eine Frau bekommen, die ihn zu lenken versteht."

Ob das aber daS Rechte ist? Der Mann sollte doch entscheiden. Eva ist fähig, sich unterzuordnen, wenn sie erkennt, daß ihr Gatte ihr geistig überlegen ist. Findet sie einst das, was sie sucht, so wird sie sich nicht daran stoßen, daß er möglicherweise einem anderen Stande an­gehört."

Was sagst Du da!" rief die Fürstin entfett,Du willst doch nicht behaupten, daß Du es zugeben könn­test, wenn Deine Tochter jemand heiratet, der nicht un­ter einer Krone geboren ist?"

Eugenie legte beschwichtigend die Hand auf der Freun­din Arm.Beruhige Dich, liebes Herz," sagte sie bittend, es ist ja gar keine Rede von einer solchen Eventuali- tät; wir beide sind noch in den Traditionen der alten Zeit aufgewachsen, heutzutage denkt man anders, es hat sich vieles ausgeglichen. Ich muß Dir sagen, daß es mich nicht unglücklich machen würde, wenn Nora ihre Liebe einem Bürgerlichen schenkte; dazu ist aber bis­her keine Aussicht vorhanden, und vielleicht geht Dein i Wunsch in Erfüllung." 18,718"