Zchluchterner Teilung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. <>5. Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat". Telefon Nr. «S.
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 83.
Mittwoch, den 18. Oktober 1911.
62. Jahrgang.
Welche Vorteile bieten die Kriegervereine ihren Mitgliedern I
Nicht von den ideellen Gütern die die Kriegervereine zu wahren und zu pflegen berufen sind, sondern von der Vorsorge gegen die gemeine Not und Plage des Lebens wollen wir uns heute ein wenig unterhalten.
Alle hier enthaltenen Angaben entstammen den amtlichen Jahresberichten und sind absolut zuverlässig.
Es scheint nicht überall bekannt, daß die oberste Pflicht der Kameradschaft, in den Vereinen die werktätige Nächstenliebe und die Unterstützung der in Not geratenen Mitglieder ist. Daß diese Pflicht nicht nur schön gedruckt in den Satzungen steht und bei Vereinsfesten gepredigt wird, sondern daß sie auch unzählige Mal in die Tat umgesetzt wird, sollen in Kürze die nächsten Zeilen beweisen.
Die Unterstützungstätigkeit der Bundes- und Vereins- lassen erstrecken sich auf Kameraden, Kameraden-Witwen und deren Waisen.
Wer durch Erwerbsunfähigkeit oder einen Unglücksfall in unverschuldete Not gerät, wird unterstützt. Die Arbeiter-Kameraden auch stets dann, wenn sie durch sozialdemokratischen Terrorismus schuldlos in ihrem Erwerb gehindert werden. Bei allgemeinen Notständen, die von Naturereignissen herbeigeführt werden und ganze Gemeinden oder Bezirke betreffen, oder bei anderen Unglücksfällen allgemeiner Art werden die betroffenen Kameraden gleichfalls unterstützt.
Im Kyffhäuser-Bund sind fast 3 Millionen deutscher Krieger zusammengeschlossen. Das Vermögen des Bundes und der Landesvereine beträgt 57,6 Millionen Mark.
Für Wohlfahrtspflege, zur Unterstützung von notleidenden Kameraden sowie von deren Witwen und Waisen sind im Jahre 1910 5,2 Mill. Mk. aufgewandt worden.
Es ist kaum zu glauben, daß die 5 Millionen an Unterstützungen zum größten Teil durch die lächerlich niedrigen Beiträge aufgebracht worden sind. Denn der Bund erhebt von jedem Mitglied jährlich nur 30 Pfennig zu diesem Zweck. Außer zur Bestreitung weniger geringer Verwaltungskosten werden hiervon 90 Prozent zu Unterstützungszwecken und 10 Prozent zur Kapitalsvermehrung verwandt. Aber die einzig dastehenden Ergebnisse lassen sich nur durch die ehren- amtlich ohne irgendwelche Entschädigung geführten Arberten ermöglichen. Für die Krieger-Vollwaisen oder
vaterlosen Halbwaisen hat der Bund 5 eigene Waisenhäuser eingerichtet, die an Unterhaltungskosten jährlich rund 180000 Mark beanspruchen. In den 3 evangelischen und 2 katholischen Waisenhäusern sind durchschnittlich 500 Waisen untergebracht, die vom 6. bis zum 16. bezw. 17. Lebensjahre unentgeltlich gepflegt und erzogen werden. Beim Verlassen der Waisenhäuser werden sie bei tüchtigen Lehrmeistern oder guten Familien untergebracht. Die außer dem Hause in Lehre stehenden Knaben beaufsichtigt auch ferner das Waisenhaus- Kuratorium. Besonders gut beanlagte Kinder werden auf Kosten der Waisenpflege zu Kaufleuten, Bürobeamten, Bautechnikern, Lehrern, Lehrerinnen und Haushaltungslehrerinnen ausgebildet.
Nun wird es dich, freundlicher Leser, auch nicht weiter wundernehmen, daß die Unterhaltung dieser 5 Waise. Häuser mit Lehrern, Erziehern und Zöglingen fast 200 000 Mk. jährlich verschlingt.
Unter den im letzten Jahr für die Krieger-Waisenhäuser zugefallenen^Vermächtnissen verdienen zwei von alten Offizieren und Mitgliedern besonders erwähnt zu werden. Sie betrugen 524 000 und 152 000 Mark!
Die riesigen Unterhaltungskosten der Waisenhäuser entziehen der Bundeskasse nicht einen roten Pfennig. Eine andere segensreiche Wohlfahrtseinrichtung, die Krieger-Fechtanstalt bestreitet ganz allein die Kosten.
In einem folgenden Artikel wird auf die segen- schaffende, leider fast unbekannte Fechtanstalt näher eingegangen werden.
Aber das ist noch nicht alles.
Die rastlose Arbeit der Vereine geht dahin, die alten Soldaten aus dem Arbeiterstande von dem wilden Terrorismus der Sozialdemokraten zu befreien. Eine ganze Menge unserer Vereine haben bereits eigene Kassen für Arbeitslosigkeit. Der Beitritt war freiwillig; die Beiträge nicht mehr als 5 bis 10 Pfennig die Woche. Diese Arbeitslosen-Bersicherung hat sich gut bewährt. Nunmehr hat der Kriegerbund die Arbeits- losen-Versicherung in die Hand genommen, um sie einheitlich und so billig wie möglich zu gestalten. Auch Gewerbetreibende und andere Berufsstände, die bei Aussperrungen usw. in Mitleidenschaft gezogen werden können dieser Versicherung beitreten. Es besteht begründete Aussicht, daß die Wochenbeiträge nicht mehr als 10 Pfg. betragen werden. Es mag vergleichsweise die Bemerkung gestattet sein, daß die sozialdemokratische Gewerkschaften zu demselben Zweck 25 Pfg. bis 1,40 Mk. wöchentlich erheben. Allerdings werden bei der Krieger
kasse keine fetten Posten für Kasfenbeamte und Parteisekretäre zu finden sein.
Wenn noch hinzugefügt wird, daß die „freiheitliebende" Sozialdemokratie jedem Genossen durch den Parteibüttel die „eigene Meinung" vorschreiben läßt, während in den Kriegervereinen die eigene Meinung, Religion usw. Dinge sind, an die nicht gerührt werden darf, so wirst Du, lieber Leser, selbst am besten beurteilen können, wo die Kameraden Arbeiter am besten aufgehoben sind.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser ist von Hubertusstock, wo er gejagt hatte, nach Berlin zurückgekehrt, wo er bis Mittwoch bleibt. Dann besucht der Kaiser Aachen, wo das Reiterstandbild Kaiser Friedrichs enthüllt wird, und Bonn, um seine Schwester Viktoria zu besuchen. Ende dieser Woche ist der Kaiser Gast des preußischen Landwirtschaftsministers von Schorlemer auf Schloß Lieser. Kommenden Sonntag ist der Kaiser wieder in Berlin.
— Die hohen Lebensmittelpreise wirken auch auf die Unkosten für die Truppenverpflegung ein. Im neuen Militäretat sind dafür 15 Millionen mehr an- gesetzt.
— Die Sozialdemokratie hetzt tagein tagaus die Massen mit Hinweisen auf die Teuerung einzelner Lebensmittel auf. Wie berechtigt gerade die Sozialdemokratie hierzu ist, geht daraus hervor, daß in der letzten Zeit einige sozialdemokratischen Gewerkschaften ihre Mitgliederbeiträge erhöht haben. Diese Erhöhungen machen mehr aus als die Steigerungen in den Preisen der betreffenden Lebensmittel.
Die deutsche Lauheit in der Ostmark hat sich leider wieder in Hohensalza bei den Wahlmännerwahlen für die Landtagsersatzwahl des Bezirks Hohensalza- Strelno-Schubin bemerkbar gemacht. Bei dieser Gelegenheit wurden an Stelle der 15 deutschen und 7 polnischen ausgeschiedenen Wahlmänner nur 10 deutsche, aber 12 polnische Wahlmänner gewählt. Das ist für die Lässigkeit der deutschen Wähler ein sehr beschämendes Zeugnis, anderseits aber wiederum ein Beweis dafür, daß die fortschreitende wirtschaftliche Hebung des polnischen Mittelstandes in den Städten ihm einen immer größer werdenden Einfluß bei den auf dem Klassensystem beruhenden Wahlen einräumt.
— Die Bekämpfung der Güterschlächterei wird neuerdings auch von Kreisverwaltungen in Angriff genommen, indem sie sich bemühen, bei unuingänglich notwendig werdenden Grundstücksverkäufen die Gemeinden
Gesühnt.
Roman von G. o. Schlippenbach. 25 Zutraulich plauderte die Alte mit ihrem jungen Gast; erzählte, daß es ihr gut gehe und sie ganz im Kran- »nyause bleiben werde, um bei leichter Arbeit ihre schwachen Kräfte zu verwerten.
„Der Herr war verreist," berichtete Guste Webell, „er wird erst heute zurückerwartet. Die Wärterin ist mit dem . ^??n Emu Otto gestern hier gewesen und hat es er» die Mutter von dem Herrn hat mir eine geschickt. Das ist eine Seele von einer Frau, Ä^^"^inchen. Der Sohn ehrt sie; das hann^r ^.a?c ~in^et' ist aber etwas Schönes daran, dann bleibt der Segen Gottes nicht aus!" .7.
a6e” ?ut einmal versucht zu streiken," sagte Vieisp ran* ^ -dem verbundenen Fuß, der, eine kurze blauen Arbeitskittel auf der Bank saß. unÄM^ .*“* °-°
^a^fSen^^ ^ etwas verlegen den Kopf.
beren 4abrifen ^b' es ist so Mode," sagte er, „alle an» zurücktUeiben Fäulen"' oBiä^ E -uch nicht und gut gewesen ist." W der Herr immer gerecht
II
Wir Derlangirn einen 686et|n' S^Ä « Ä Klt, aber der Herr wollte nichts davon wissen. Da taten wir uns zusammen und zogen nach Doloresruh es mar >u-i nach der Verheiratung d-s «errn s« “ft'i auf tne Treppe getreten und hat zu uns gesprochen wie Donner hat seine Stimme geklungen, nnd seine Au° gen haben unS angefunkelt. Er hat uns ins Gewissen geredet und gesagt, daß er uns nichts bewilligen werde er ließe es sich nicht von uns bieten, daß wir es den' Anderen Unruhestiftern gleich tun, nur freiwillig wolle
er den Lohn erhöhen und die Arbeitszeit verkürzen. Da hat ein dumpfes Murren sich erhoben und ein Stein ist in das Fenster geflogen, gerade neben der Stelle, wo der Herr stand. Sein junges Weib ist herausgestürzt und hat die Arme um ihren Mann geworfen. „Ich will mit Dir sterben!" hat sie gerufen und ist nicht ins HauS zurückgegangen, trotz seiner Bitten. Wir haben still gestanden und gesehen, wie der Herr den Arm um die zitternde Gestalt geschlungen. „Sei ruhig, DoloreS," hat er gesprochen, „so schlimm ist es nicht, es sind gute Kerls, sie wissen, daß ich ihr Bestes will." Und wieder hat der Herr zu uns geredet, wie ein Vater zu seinen Kindern, beschämt haben wir dagestanden und zugehört, dann sind wir still auseinandergegangen. Am anderen Tage waren wir wieder an der Arbeit, und er ist in der Fabrik umhergegangen, als sei nichts geschehen, nur hat sein sonst ernstes Gesicht förmlich gestrahlt, und er hat bald den einen, bald den anderen freundlich angeredet. Als wir einen Monat gearbeitet haben, da hat er unS den Lohn erhöht und die Arbeitszeit verkürzt. Auf der großen Wiese hinter Doloresruh hat es ein Fest gege-
en für alle, die ihm in der Fabrik dienen, und die gnä- digeFrau ist auch dagewesen und hat den Kindern Spielzeug und Naschwerk gebracht. Wir haben sie und den Herrn hoch leben lassen, bis uns die Kehlen heiser waren. Jetzt mögen sie rund umher streiken, wir machen nicht mehr mit und wissen, wie gut wir es haben."
Nora hörte leuchtenden Auges zu. Er und immer wieder er, dachte sie glücklich, ich bin froh, einen solchen Menschen kennen gelernt zu haben.
Sie verabschiedete sich von den beiden Kranken, und da Schwester Gabriele ihr begegnete, redete Nora sie an. „Ich möchte gern das Haus besichtigen," sagte das junge Mädchen, „wären Sie wohl so freundlich, es mir zu zeigen, liebe Schwester?"
Ihr Wunsch wurde gern erfüllt, und mit großem In- tereße sah Nora sich die ganze Anstalt an. Es fehlte nichts, alles war, ohne auf die Kosten zu achten. ein» I
gerichtet, Operation- und Badezimmer, die hohen, luftigen Säle für die Kranken, die helle, blitzblanke Küche, die Wohnung der Schwestern, kurz alles gefiel der Be- sucherin. Nachdem sie eine Weile mit der Schwester geplaudert, sagte Nora: „Ich danke Ihnen und muß nun gehen, leben Sie wohl. Hier hat es mir sehr gefallen, ich glaube, jeder Kranke muß sich glücklich fühlen."
Schwester Gabrieles Gesicht sah so friedlich und gut aus, sie drückte warm die Hand Noras, und ihre Worte: „Gott mit Ihnen, liebes Fräulein," klangen noch lange in NoraS Herzen nach, als sie Bereits das Krankenhaus verlassen hatte. Sie sah durch die Bäume die weißen Mauern von Doloresruh schimmern, eine unbezwing- liche Sehnsucht trieb sie dorthin. Sie mußte das HauS Klingbergs sehen, seine Heimat, in der er sein kurzes Glück an der Seite des geliebten Weibes genossen, die nun dort droben im Walde den ewigen Schlummer schlief. Ein schöner, gutzeisernerZaun mit vergoldeten Spitzen begrenzt« den Garten. Nora blieb stehen und lugte hindurch.
Da lag das reizende, im Renaissance-Stil erbaute Haus, umgeben von wohlgepflegten Anlagen, sammet- grünen Rasenplätzen. Hochstämmige Rosen in allen Farben, seltene Bäume und Pflanzen fesselten den Blick. Ein Springbrunnen plätscherte inmitten des runden Grasplatzes, und der feine Staub des Wassers schimmerte in der Sonne in bunten Regenbogenfarben. Mit klopfendem Herzen schaute Nora auf alles. Dort stand das HauS, umschattet von alten Bäumen. Auf jener Treppe hatte die hohe Männergestalt gestanden am Tage des Streiks. O, sie sah ihn vor sich, sah das zornige Funkeln der braunen Augen, hörte das Grollen der tiefen Stimme, als er der aufgeregten Menge stolz entgegen» trat, ein einziger gegen Hundert, die er mit seinem persönlichen Mut, mit seiner markigen Männlichkeit gebändigt, die Unzufriedenen zum Gehorsam zwingend. Und jetzt flog eine zarte Frauengestalt auf Klingberg zu, zwei Arme umschlangen den geliebten Mann: „Ich will mit Dir sterben!" 187,18*