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mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «S.

Erscheint Mittwoch und Sanistag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

* M 2L Mittwoch, den 13. März 1912. 63. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 3020. Die Prüfung für die Schmiede-, Schlosser- und Spenglerlehrlinge aus dem Kreise Schlüch- tern ist auf den 9. April d. Js. anberaumt worden. Gesuche um Zulassung zu der Prüfung sind bis zum 20. d. Mts. an den Vorstand der Zwangsinnung der Schmiede, Schlosser und Spengler z. Hd. des Herrn H. Zipf in Gelnhausen einzureichen. Dem Gesuch ist ein selbstgeschriebener Lebenslauf, das Lehrzeugnis, der Lehrvertrag, sowie ein Zeugnis der Fortbildungsschule beizufügen.

Schlüchtern, den 12. März 1912.

Der Königliche Landrat: I. V.: Schultheis.

Bekanntmachung

über die Anmeldung Unfallversicherungspflichtiger Be­triebe und Tätigkeiten. Vom 15. Januar 1912.

Nach Artikel 49 des Einführungsgesetzes zur Reichs- verficherungsordnung vom 19. Juli 1911 (Reichs-Ge- setzbl. 1911 S. 839) hat jeder Unternehmer eines Be­triebs oder von Tätigkeiten, die erst die Reichsver­sicherungsordnung der Unfallversicherung unterstellt, binnen einer vom Reichsversicherungsamte zu bestimmen­den Frist das Unternehmen unter Angabe seines Gegen­standes und seiner Art sowie der Zahl der durchschnitt­lich in ihm beschäftigten Versicherungspflichtigen Per­sonen bei dem Versicherungsamt, in dessen Bezirk das r* Unternehmen seinen Sitz hat, anzumelden.

I Die Frist für die Anmeldung wird hiermit auf die Zeit bis zum 15. März 1912 einschließlich fest­gesetzt.

Ist die Anmeldung versäumt oder unvollständig, jv hat das Versicherungsamt selbst die Angaben nach eigener Kenntnis der Verhältnisse aufzustellen oder zu ergänzen. Das Versicherungsamt ist befugt, die Unter­nehmer durch Geldstrafe bis zu 100 M. anzuhalten, binnen einer gesetzten Frist Auskunft zu erteilen (Ar­tikel 50 des Einführungsgesetzes zur Reichsversicherungs­ordnung)..

Soweit noch keine Versicherungsämter errichtet sind, haben die Anmeldungen bei den von der obersten Ver­waltungsbehörde bestimmter örtlich zuständigen Stellen zu erfolgen (Artikel 7 des Einführungsgesetzes zur Reichsversicherungsordnung).

Berlin, den 15. Januar 1912.

Das Reichsversicherungsamt. Abt. für Unfallversicherung: Dr. Kaufmann.

Deutsches Reich.

Der Kaiser trifft auf seiner Reise nach Korfu am 23. März in Wien ein.

Der Reichstag erledigte am Donnerstag die zweite Lesung des Etats des Reichsamts des Innern. Als erster Redner verstieg sich der Abg. Päus (Soz.) zu der geradezu wahnsinnigen Behauptung, daß der Terrorismus der Arbeiter berechtigt, derjenige der Unternehmer aber unberechtigt sei. Abg. Pfeifer (Z.) trat für ein Reichstheatergesetz und für eine Novelle zum Stellenvermittlergesetz ein und betonte die Not­wendigkeit der religiösen Erziehung. Abg. Graf Kanitz (kons.) verlangte scharfe Maximal- und Minimaltarife und kurzfristige Handelsverträge. An den hohen Güter­preisen im Osten seien nicht die Zolltarifpolitik, sondern der Zwischenhandel, die Ansiedlungskommission und die Jagdliebhabereien reicher Kapitalisten schuld. Abg. Weinhausen (fortsch. Vp.) gab einen Rückblick auf die achttägige sozialpolitische Debatte. Damit schloß die Debatte, und die Gehälter für das Reichsamt des Innern wurden bewilligt. Am Freitag fand die Präsidentenwahl statt. Als Präsident wurde der Abg. Kaempf (fortsch. Vp.) wiedergewählt, als erster Vize­präsident wurde der Abg. Paasche (natl.) gewählt und als zweiter Vizepräsident wurde der Abg. Dove (fortsch. Vp.) ebenfalls wiedergewählt. Es gibt jetzt also wenigstens ein sozialdemokratenfreies Reichstags-Präsi- dium. Nächste Sitzung Dienstag.

Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Donnerstag in wenigen Minuten den Etat der direkten Steuern, und sodann wurde auch der Etat des Finanz­ministeriums bewilligt. In der Debatte wurde von mehreren Rednern die Ortsklasseneinteilung bemängelt, worauf Finanzminister Dr. Lentze darauf hinwies, daß zurzeit eine Aenderung in der Festsetzung des Woh­nungsgeldzuschusses nicht vorgenommen werden könne, ohne daß man die Regelung der Beamtengehälter, wie sie in der großen Gehaltsreform festgesetzt worden ist, wieder umfließe. Am Freitag wurde mit der Be­ratung des Bauetats begonnen. Bei den Stettiner Hafenabgaben wurde von mehreren Seiten eine Herab­setzung der Tarifsätze verlangt. Minister v. Breiten- bach erklärte aber, daß die Regierung an den Voraus­setzungen der letzten Kanalvorlage durchaus festhalten müsse. Im übrigen sei die Regierung stets bemüht, die Interessen der Ostseehäfen zu wahren. Im übrigen wurden Wafferstraßenprojekte besprochen. Abg. Dr. König (Z.) regte das Projekt eines Kanals vom Rhein über

die Scheide und Antwerpen nach der Nordsee an. Minister v. Breitenbach fand dieses Projekt sehr be­achtenswert und äußerte sich bei dieser Gelegenheit auch über die Kanalisierung von Mosel und Saar, die zurzeit noch nicht angezeigt sei. Abg. v. Woyna (frkons.) bezeichnete eine direkte Verbindung von Unter- Ems nach der Weser und nach der Elbe unter Schon­ung des Emdener Hafens als notwendig.

Ueber 1 Million Alters- und Jnvalidenrentner. Nach Zusammenstellungen im Reichsversicherungsamt hatten wir am 1. Januar 1912 925247 Jnvaliden­rentner und 93376 Altersrentner. Im ganzen also liefen 1018623 Invaliden- und Altersrenten. Von diesem Anfangsbestande dürften nach den bisherigen Erfahrungen in diesem Jahre, und zwar durchschnittlich im Juni und Juli 81360 Invalidenrenten und 14188 Altersrenten, im ganzen also 95 548 Renten wegfallen. Der Reichszuschuß für die am 1. Januar 1912 laufen­den Invaliden- und Altersrenten stellt sich demnach auf (1018 623 minus 95548) mal 50 plus (95 548 mal 25) gleich 48 542 450 M. Für das Jahr 1912 ist der Zugang an Invalidenrenten mit 115000 und ein Zugang von Altersrenten mit 12300 anzunehmen. Von diesem Zugang, insgesamt 127 300 Jnvaliden- und Altersrenten, werden in diesem Jahre voraussicht­lich 12 957 Renten, und zwar 12 650 Invalidenrenten und 307 Altersrenten, wieder wegfallen. Unter Zu­grundelegung der bisherigen Erfahrungssätze für den Reichszuschuß zu jeder neu zugehenden und am Jahres­schluß noch laufenden Rente (40 M.) und zu jeder neu zugehenden, im Bewilligungsjahre wieder weg- fallenden Rente (22 M.) wird der Reichszuschuß für die im Jahre 1912 zugegangenen Renten (127 300 minus 12 957) mal 40 plus (12 957 mal 22) gleich 4 858 774 M. betragen. Der Reichszuschuß zu den Krankenrenten ist auf 1020 000 M. angenommen. Die nach dem Einführungsgesetz zur Reichsversicher- ungsordnung noch zu zahlenden Beitragserstattungen weiden das Reich nur wenig belasten. Man hat her« ausgerechnet, daß ein Betrag von 776 M. genügen wird. Die Gesamtbelastung des Reichs aus der In­validenversicherung wird sich demnach auf 48 542 450 plus 4 858 774 plus 1020 000 plus 776 gleich 54 422 000 M. stellen. Was den Reichszuschuß für die Hinterbliebenen-Versichernng anbetrifft, so veran­schlagt die finanzielle Begründung zum Entwürfe der Reichsversicherungsordnung die Belastung des Reichs im ersten Jahre im Durchschnitt auf einen Versicherten

Das Geheimnis der Akuten.

Roman von Jenny Hirsch. 11

Jetzt nun unterhielt er ein anderes Verhältnis, sandte der ersten Geliebten nicht die Summen, welche er ihr ver­sprochen, und aus Zorn darüber hatte diese an Lydia und an Herrn von Noßwitz Briefe geschrieben, in denen sie den ehemaligen Freund in wenig vorteilhaften Far­ben malte. Noßwitz ivar der Spur nachgegangen, hatte um eine ansehnliche Summe Ludolfs Briefe erkauft und legte sie nun in die Hände seiner Schwägerin, die jenen anonymen Warnungen keine Bedeutung beigemessen hatte und geneigt gewesen war, sie aufMachenschaftenvonNoß- witz zurückzuführen.

...

^. Sie hätte dies auch jetzt noch gar zu gern getan, aber da lagen vor ihr die Briefe in der ihr nur zu wohlbe­kannten charakteristischen Handschrift Ludolfs; da lag vor . ihr ein Schreiben ihres Vormundes, des Konsuls Elster j in Hannover, der ihr schwerlich seine Einwilligung zu j einer Verbindung mit Ludolf gegeben, aber auch nie seine 1 Hand zu irgend einem Betrüge hergeliehen haben würde, s Noßwitz hatte in der ganz richtigen Voraussicht, daß Ly- | bin ihm allein nicht Glauben schenken dürfte, den Kon- A sul mit nach Berlin genommen; der letztere hatte den Han- D del über die Briefschaften abgeschlossen und sandte sieLv Ddia mit einem Begleitschreiben. Sie konnte nicht mel

del über die Briefschaften abgeschlossen und sandte steLy- dia mit einem Begleitschreiben. Sie konnte nicht mehr Zweifeln. Der Schlag war gefallen, vernichtend wie einHa- gelwetter.daS die fröhlich aufgrünende junge Saat zerstört.

Ob Lydia dem Treulosen einen Absagebrief geschrie­ben, ob sie ihn noch einmal gesprochen und ihm seine Ab- scheulichkeit ins Gesicht vorgeworfen hatte, darüber konn­ten Schwester und Schwager keine Gewißheit erlangen. Sie hatte nur, als Edith mit ihr darüber zu sprechen ver­suchte, ihr das Wort abgeschnitten, mit der Bitte, nie wie­der in ihrer Gegenwart diesen Namen zu nennen, und ihr oder vielmehr sich selbst das Versprechen gegeben, mit Ludolf Pöplau nie wieder ein Wort zu sprechen.

Auf die Frage der Schwester, was sie mit den Briefen angefangen, hatte sie geantwortet: sie habe sie ins Fer^r geworfen, und es sei ihr gewesen, als bedürfe es eines solchen gar nicht, um sie in Asche zu verwandeln. Das Papier hätte schon in ihren Händen gebrannt, als sei es höllisches Feuer.

Mit einer Willenskraft, die weit über ihre Jahre hin- ausging, hatte das junge Mädchen jede Aeußerung des in ihr wühlenden Schmerzes unterdrückt. Etwas blässer als gewöhnlich waren ihre Wangen, trüber blickten ihre Augen, verräterisch zuckte es um den ausdrucksvollen Mund, aber erplauderte und lächelte wie sonst. Sie spielte mit den Kindern, die sehr an ihr hingen, sie las, sie ar­beitete an der angefangenen Stickerei, nur ihren Flügel hatte sie noch nicht wieder geöffnet, und keines von den Liedern hatte man vernommen, welche sie sonst mit ihrer süßen, wohlgeschulten Sopranstimme in die Waldland­schaft hinauszusingen pflegte.

Auch von ihrer Gewohnheit, weite Spaziergänge zu machen, ließ sie nicht, obwohl Edith, von ihrem Gatten veranlaßt, sie davon abzuhaltensuchte. Noßwitzschienvon der Besorgnis erfüllt, daß der jungen Schwägerin jetzt irgend ein Unheil zustoßen könnte, und ließ es an direk­ten und indirekten Warnungen nicht fehlen. Aber Lydia achtete nicht darauf, und Edith ließ sie gewähren. Es war nun einmal nicht ihre Art, sich in einen Kampf mit einer so ivillenskräftigen Natur einzulassen, wie sie die jüngere Schwester besaß.

Und nun war Volkmar von Noßwitz'Befürchtung zur traurigen Wahrheit geworden.

Lydia von Ruffer ist verschwunden!" so ging eS von Mund zu Mund. In Malente und Gremsmühlen, in Plön, wie in Eutin, am Kellersee, wie am Dieksee sprach man davon; überall warf man die Frage auf:Ist sie verunglückt, ist sie daS Opfer eines Verbrechens geworden oder hat sie selbst Hand an sich gelegt?"

Niemand wußte Antwort auf diese Frage.

*

Herr von Noßwitz kehrte in Begleitung des Polizei« inspektors Knauthe und zweier Unterbeamten aus Eutin nach dem Rodenberg zurück. Die letzteren wurden sofort in Begleitung ortskundiger Leute behufs erneuter Nach­forschungen in die Umgegend entsandt, der Inspektor selbst verfügte sich aber mit Herrn von Noßwitz in die Villa. Er hatte bis jetzt gar keinen Anhaltspunkt, ob man eS mit einem Verbrechen oder einem Selbstmord zu tun haben könne, und doch ließ sich nach seiner Ansicht Wirk­sames nur unternehmen, wenn man sich auf irgend sol­chen Anhaltspunkt stützen könne. Es hatte ihn bedünken wollen, als ob Noßwitz absichtlich etwas verschweigen oder im Dunklen lassen wolle, und so hoffte er, bei einer Vernehmung der Bewohner der Villa oder besser bei einer Unterredung mit denselben durch zufällige Aeußerungen mancherlei zu erfahren, was ihm die gewünschte Auf­klärung geben konnte.

In der Villa herrschte die größte Auftegung und jener Zustand, der so leicht eintritt, wo ein außergewöhnliches Ereignis die tägliche Ordnung aufhebt. In der Küche brannte kein Feuer, in den Zimmern lag und stand alles, wie man es am gestrigen Tage verlassen, die Diener und Dienerinnen liefen durcheinander, ihnen hatte sich sogar die Bonne der Kinder zugesellt, und die letzteren eilten wild und ungestüm dem Vater entgegen mit der Frage, ob er Tante Lydia nicht wieder mitbringe, oder obste tot sei, und ob sie denn heute die Mama gar nicht zu sehen bekämen.

In seiner energischen Weise schaffte Herr von Noß­witz Ordnung. Er rief dasFräulein herbei und gebot ihr sehr kurz und scharf, die Kinder in Obacht zu nehmen, schickte die Dienstboten an ihre Arbeit, befahl, ein Früh­stück für ihn und seinen Begleiter bereit zu halten und gegenwärtig zu sein, dem Herrn Inspektor auf seine Fra- gen Rede und Antwort zu geben. Dann führte er ihn in sein Zimmer und bat ihn, dort nur eine kurze Zeit zu warten, er wolle seine Frau herbeiholen. 191,18*